Mal angenommen, heute ist der letzte Tag Ihres bisherigen Arbeitslebens. Morgen beginnt etwas völlig Neues.

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Doch zunächst müssten Sie einen Bericht über sich selbst und über Ihr bisheriges Berufsleben schreiben. Wie sähe dieser aus?

Wie geht es Ihnen mit dieser Vorstellung, morgen würde ein völlig neues Berufsleben starten? Fühlen Sie so etwas wie Erleichterung oder ist es ein Gefühl wie „zum Glück ist es eine rein hypothetische Frage, denn ich bin glücklich in meinem bisherigen Job!“

Was würden Sie in diesem Bericht schreiben? Sind Sie Ihrer Talente und Fähigkeiten gemäß tätig? Werden Sie ausreichend gefordert und gefördert? Oder fühlen Sie sich manchmal sogar überfordert? Vielleicht plagt Sie auch die Langeweile und Routine.

Wie ist das Miteinander im Kollegenkreis? Gehen Sie gerne zur Arbeit? Macht Ihnen Ihre jetzige Tätigkeit Spaß? Manchmal macht die Tätigkeit als Solches Spaß, aber das Umfeld stimmt nicht. Der gleiche Job in einem anderen Umfeld – das könnten Sie sich so richtig gut vorstellen?

Es ist erschreckend, wie viele Menschen in ihrem Job unzufrieden sind und innerlich bereits gekündigt haben. Oft werden die äußeren Umstände dafür verantwortlich gemacht, doch tatsächlich liegt es viel häufiger an der falschen Selbsteinschätzung im Beruf.

Eigenbild und Fremdbild

Optimaler Weise haben andere von Ihnen das gleiche Bild, was Sie auch selbst von sich haben.

Kennen Sie die Meinung und Einschätzung anderer über sich selbst? Weicht es manchmal von dem ab, was Sie selbst über sich denken?

Dass es niemals zu 100% übereinstimmt, ist normal, denn keiner kennt Sie in allen Facetten so gut, wie Sie sich selbst kennen.

Doch es gibt zwei Extreme, was das Thema Selbsteinschätzung und die Abweichung des Eigenbilds vom Fremdbild angeht.

  • Andere schätzen Ihre Leistung und Ihr Können besser ein, als Sie es selbst tun. Sie bekommen Lob und Anerkennung und denken vielleicht: „Meine Leistung ist doch nichts Besonderes!“. Vielleicht ist es Ihnen sogar peinlich, wenn Sie gelobt werden.
  • Sie haben das Gefühl, dass andere Menschen, zum Beispiel Kollegen oder Vorgesetzte Ihr Potential gar nicht erkennen. Sie finden sich selbst und Ihre Leistung großartig. Sie sind stolz auf das, was Sie leisten. Nur irgendwie sieht das keiner. Immer bekommen andere die tollen Positionen oder Aufträge. Das fühlt sich ungerecht an.

Im ersten Fall handelt es sich um Unterschätzung der eigenen Leistung, im zweiten Fall um Überschätzung. Beides ist wenig zielführend. Eine realistische Selbsteinschätzung sorgt für weniger Frust im Job und vor allem auch dafür, dass wir einen unseren Talenten und Fähigkeiten angemessenen Job annehmen.

Mehr Selbstwirksamkeit durch die die richtige Selbsteinschätzung

Selbstwirksamkeit – was ist das überhaupt?

Selbstwirksame Menschen wissen, dass nur sie selbst für den eigenen Erfolg und Misserfolg verantwortlich sind – nicht die äußeren Umstände, nicht andere Menschen oder der Zufall bzw. das Schicksal. Wenn irgendetwas nicht so läuft, wie sie es sich vorstellen, dann werden Lösungen und neue Wege gesucht. Verharren in einer ungünstigen oder unglücklich machenden Position – das ist nichts für selbstwirksame Menschen.

Selbstwirksamkeit besteht aus drei Faktoren:

  • ein gesundes Selbstwertgefühl
  • eine hohe Resilienz (die Kunst, Niederlagen, Rückschläge und Krisen gut zu bewältigen)
  • Mentale Stärke (um gesetzte Ziele zu erreichen)

Doch warum ist all das für die richtige Selbsteinschätzung im Beruf wichtig?

Selbstwirksame Menschen kennen Ihre Stärken und Schwächen. Sie wissen, dass sie ihre Karriere maßgeblich mitbestimmen können. Sie stärken ihre Stärken und Talente und sie wissen, welche Bereiche sie lieber anderen Menschen überlassen. Sie überschätzen und unterschätzen sich seltener, als selbstunsichere oder übertrieben selbstsichere Menschen.

Selbstwirksamkeit ist somit einer der wichtigsten Faktoren für ein erfolgreiches Berufsleben. Und die Basis für die Entstehung ist ein gesundes Selbstbewusstsein und ein gesundes Selbstwertgefühl.

Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl als Basis

Die richtige Selbsteinschätzung im Beruf fängt mit dem Thema Bewusstsein an. Sind Sie sich ihrer Talente und Fähigkeiten, ihrer Leistung und ihrer Grenzen, ihrer Gefühle und ihrer Gesundheit wirklich total bewusst? Sind Sie sich ihrer selbst bewusst? Sind Sie glücklich in ihrem Job?

Es ist erschreckend, wie viele Menschen unglücklich in ihren beruflichen Positionen verharren und ihr Leben auf den Feierabend und die Wochenenden verschieben. Gleichzeitig sind sie blockiert, weil sie Angst davor haben, ihren Job zu wechseln oder etwas völlig Neues auszuprobieren. Gründe, im bisherigen Job zu verharren, gibt es viele: zu alt, zu jung, gutes oder sicheres Einkommen, Routine, Angst vor Entscheidungen, Bequemlichkeit. Für manch einen ist ein Durchjammern einfacher, als ein mutiger Schritt in eine andere Richtung.

Ein weiterer Grund, warum manch einer sich nicht verändert, ist das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Die eigene Leistung, das eigene Können wird nicht anerkannt. Es fehlt an einem gesunden Selbstwertgefühl.

Apropos Selbstwertgefühl:

Ein mangelndes Selbstwertgefühl ist einer der häufigsten Gründe für eine Fehleinschätzung der eigenen Person. Das kann sich in zwei sehr unterschiedlichen Richtungen zeigen:

  • Selbstunsicherheit
  • Übertriebene Selbstsicherheit

Falsche Selbsteinschätzung im Beruf als Folge von Selbstwert-Mangel

Schauen wir uns die beiden Selbstwert-Mangel-Typen etwas genauer an. Einen kurzen Einblick in diese beiden unterschiedlichen Typen haben Sie schon beim Thema Eigenbild/ Fremdbild bekommen.

1. Die selbstunsichere Person

Sie fühlt sich nie gut genug. Immer wieder hat sie das Gefühl, andere Menschen können und leisten viel mehr, als sie selbst. Sie arbeitet hart an sich selbst und lässt kaum eine Weiterbildung aus, um irgendwann auch zu denjenigen zu gehören, die sich auf eine andere Position bewerben kann. Häufig flüchten sich diese Menschen in Perfektionismus.

So manches Mal leisten diese Personen Großartiges, doch sie stellen ihr Licht unter den Scheffel und sagen eher so Dinge wie „Ach, ist doch nichts Besonderes. Das bekommen andere genauso gut hin“.

Sie sind oft zu bescheiden, um „hier“ zu rufen. Sie verpassen (berufliche) Chance aus der Angst davor, noch nicht gut genug zu sein. Manch ein Traum (zum Beispiel den der Selbständigkeit) wird nicht gelebt, aus dem Gefühl heraus (noch) nicht genug zu können oder noch nicht genug zu wissen. Bei der Vergabe von Führungspositionen werden diese Personen häufig übersehen. 

Das sind diejenigen, welche sich selbst meistens unterschätzen.

2. Die übertriebene Selbstsicherheit

Das gegenteilige Phänomen finden wir bei Menschen, die übertrieben selbstsicher auftreten – bis hin zur Arroganz und Überheblichkeit. Arroganz und Überheblichkeit sind häufig auch nur eine Folge von Minderwertigkeitsgefühlen. Oft haben diese Personen im Grunde genommen einen sehr niedrigen Selbstwert. Arroganz und Überheblichkeit sind wie ein Schutzmantel, der das eigene Selbst vor Verletzungen schützt. Angriff ist nun mal oft die beste Verteidigung. Manchmal ist der Schutzpanzer so dick, dass diese Personen ihre eigene Unsicherheit gar nicht mehr wahrnehmen. Im Extremfall schlägt es sogar in narzisstische Verhaltensweisen um.

Erst, wenn äußere Faktoren, wie Geld, Status oder Titel wegbrechen, dann bricht auch das vermeintliche Selbstwertgefühl in sich zusammen.

Diese Menschen schätzen ihre eigene Leistung eher zu hoch ein. Sie schreien bei der Vergabe von guten Posten sofort „hier!“ und sind davon überzeugt, die bestmögliche Besetzung zu sein. Sich selbständig machen: für diesen Menschentyp kein Problem. Er weiß und kann ja alles … glaubt er.

Dieser Menschtyp überschätzt sich häufig. Das kann lange Zeit gut gehen…

Zum Problem wird es jedoch dann, wenn er sich und seine Leistung völlig falsch eingeschätzt hat, wenn er überfordert ist oder sogar scheitert. Im schlimmsten Fall hat es nicht nur den Verlust seines Jobs, seines Geldes oder seines Status zur Folge, sondern auch den Verlust des vermeintlichen Selbstwertgefühls.

Gerade deswegen ist der Aufbau eines gesunden Selbstwertgefühls so wichtig.

Doch wie kommt man nun zu einer gesunden und richtigen Selbsteinschätzung im Beruf?

6-Punkte-Plan zur richtigen Selbsteinschätzung

1. Finden Sie ihre wahren Talente. Schauen Sie dafür auf die Selbstverständlichkeiten. Was fällt Ihnen so leicht, dass Sie es überhaupt nicht als anstrengend empfinden und somit auch überhaupt nicht verstehen können, dass andere das nicht können? Wenn ihnen nichts einfällt: Fragen Sie andere und glauben Sie ihnen. Nehmen Sie das an, was ihnen gesagt wird und wiegeln Sie es nicht ab so nach dem Motto: „Ist doch nichts Besonderes“

2. Talente finden in den Schwächen. Ein häufiger Fehler ist, dass sich Menschen zu sehr mit ihren Schwächen beschäftigen. Doch häufig finden wir genau hier unsere Stärken. Verändern Sie ihren Blickwinkel. So sind Chaoten zum Beispiel oft sehr kreative Menschen oder langsame Menschen arbeiten häufig sehr genau und gründlich. Welche Stärke bringt ihre vermeintliche Schwäche mit sich?

3. Seien Sie stolz auf das Geleistete. Verfallen Sie dabei aber bitte nicht in die Überheblichkeit. Schreiben Sie sich jeden Tag drei Dinge auf, auf die Sie stolz sind. Was haben Sie bereits Tolles geleistet? Loben Sie sich selbst dafür!

4. Stoppen Sie ihren inneren Kritiker. Wenn ihre innere Stimme ihnen mal wieder versucht zu erzählen, dass Sie nicht gut genug sind oder dass Sie das eine oder andere machen müssen oder anderes nicht dürfen, dann sagen Sie innerlich „Stop!“ und hinterfragen den Wahrheitsgehalt. Wessen Meinung vertritt der innere Kritiker gerade? Ist es wirklich wahr, was Sie gerade denken? Oder könnte es auch eine andere Betrachtungsweise geben? Negative Selbstbewertungen sind einer der größten Karrierekiller! Wie wäre es, wenn Sie zu ihrem Kritiker zukünftig Folgendes sagen: „Interessante Ansicht, die ich da gerade über mich habe!“. Interessante Ansichten gibt es viele und sie können und dürfen sich ändern.

5. Trauen Sie sich. Probieren Sie Neues aus. Was wollten Sie immer schon mal ausprobieren? Wo fehlte ihnen bisher der Mut? Wie wäre es, wenn Sie es heut einfach mal ausprobieren? Neues zu probieren und sich zu trauen fördert nach und nach das Selbstvertrauen und ist eine gute Basis zum Aufbau eines gesunden Selbstwertgefühls.

6. Stellen Sie die Zauberfrage: „Wie hätte ich es gerne?“. Ist ihnen schon mal aufgefallen, dass ganz viele Menschen sofort wissen und sagen können, was sie nicht wollen? Erlauben Sie sich Visionen und Träume. Sie sind der Beginn einer neuen Realität. Fragen Sie sich selbst: „Wie hätten Sie es gerne?“ und schreiben dieses auf. Das kann schon Wunder bewirken.

Die richtige Selbsteinschätzung im Beruf ist Basis für die richtige Job-Wahl und der Motor für ein erfolgreiches, zufriedenes und glückliches Berufsleben. Sie gibt den Mut, auch Entscheidungen zu treffen – für oder gegen eine bestimmte Tätigkeit.

Die Basis für die richtige Selbsteinschätzung ist ein gesundes Selbstwertgefühl. Dieses sorgt für Resilienz, mentale Stärke und somit für ein selbstwirksames Leben und die richtige Selbsteinschätzung der eigenen Talente, Stärken und Fähigkeiten.

Autor: Daniela Landgraf
Thema: Die richtige Selbsteinschätzung als Karrierefaktor
Webseite: https://danielalandgraf.com