Überforderung am Arbeitsplatz – wie sehe ich wieder Licht am Ende des Tunnels?

frau-arbeit-ueberfordertFoto von energepic.com von Pexels

Mittlerweile weit verbreitet und schon lange kein Tabu-Thema mehr. Immer weniger Personal, immer mehr Aufgaben, neue Prozesse, Digitalisierung und permanenter Change sorgen häufig zur Überforderung der Mitarbeiter. Der Berufsalltag wird immer schnelllebiger. Hatte man früher noch die Zeit, die Korrespondenz via Brief zu verfassen, wird heute eher zur E-Mail tendiert, der man die Priorität „hoch“ verleihen kann, um sein Anliegen besonders eilig und wichtig zu deklarieren. Nicht jeder Arbeitnehmer kann hier Schritt halten und kommt mit all den Änderungen und Neuerungen ohne weiteres mit. Ein Gefühl von Stress entsteht.

Zunächst ist festzustellen, dass jeder Mensch anders empfindet. Was für den Einen die totale Belastung ist, muss für den Anderen nicht mal spürbar sein. Jeder Mensch ist individuell und jeder Mensch hat ein eigenes Stress-Empfinden. Oft wird hier auch von der persönlichen Resilienz (Widerstandskraft) gesprochen.

Wann genau entsteht ein Gefühl der Überforderung am Arbeitsplatz?

  • Wenn alles zusammenkommt,
  • das Telefon permanent klingelt,
  • jeder zu erledigende Auftrag als der „wichtigste“ deklariert wird;
  • die Zeit für die Bearbeitung von Aufgaben immer knapper wird;
  • wenn der Mitarbeiter permanenten Druck z.B. durch eine (gefühlt) zu hohe Auftragslage empfindet (evtl. durch Ungleichverteilung von Aufgaben im Team),
  • wenn man das Gefühl hat, dass der Tag einfach zu kurz für den Berg an Arbeit ist;
  • wenn man ggf. Druck durch den Chef erfährt (z.B.: durch Fragen, wann ist denn der Auftrag oder das Projekt nun endlich erledigt? Wann ist mit Ergebnissen zu rechnen?)
  • wird aber auch das social distancing (die räumliche Trennung vom Chef und Kollegen) als Stress empfunden.

Meist ist es aber nicht nur der Arbeitsplatz, der einen (über-)fordert, sondern häufig kommen noch andere Faktoren hinzu, die das Nervenkostüm anspannen.  Der Spagat zwischen Job und Familie ist oft ein schmaler Grat. Ein gutes Zeitmanagement ist nicht nur für den beruflichen Kontext extrem wichtig. Wer Kinder hat, kennt das nur allzu gut. Die Kleinen gehen neben ihrer Zeit in der KiTa oder Schule häufig auch noch Hobbies nach. Sie gehen schwimmen, tanzen oder reiten, sind vielleicht schon im Verein aktiv und somit werden die Eltern schnell als „Taxi“ rekrutiert. Oft weiß man nicht mehr, wo einem der Kopf steht. Im Job hetzt man von Termin zu Termin und häufig geht es zu Hause noch weiter.

Gerade jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie setzen viele Unternehmen auf mobile Arbeit oder Home-Office. Viele Mitarbeiter arbeiten nun von zu Hause. Hört sich auf den ersten Blick doch attraktiv an. Aber schauen Sie mal hinter die Kulissen. Nicht selten arbeiten diese Menschen nun noch mehr. Die nicht mehr benötigte Fahrzeit zum Büro eignet sich doch hervorragend dazu, diese noch zusätzlich als Arbeitszeit zu nutzen. Pausen werden nicht mehr eingehalten, weil man noch schnell was fertig machen muss. Und dann ist ja da noch oft der unausgesprochene Vorwurf derer, die im Büro sitzen, dass Menschen im Home-Office „nichts tun“. Und wie wirkt sich das auf einige dieser Menschen aus? Sie arbeiten noch mehr, um die Vorwürfe der anderen zu entkräften. Ein Teufelskreis.

Bereits die Juli-Ausgabe der Zeitschrift „managerSeminare“ beleuchtet die Arbeit im Home- Office. Hier wird die Aussage getroffen, dass berufstätige Mütter am stärksten gestresst sind. Die Arbeit im Home-Office stellt sich besonders für Mütter als herausfordernd dar: mehr als zwei Drittel von ihnen fühlen sich gestresst, wie aus einer Umfrage der Bewerberplattform Stepstone hervorgeht, für die 7.000 Personen befragt wurden. Der Auslöser für den Stress ist die Doppelbelastung aus Arbeit und Kinderbetreuung, welche sich aufgrund geschlossener KiTas und Schulen in den letzten Monaten zugespitzt hat. Dadurch blieben 72% der Mütter keine Zeit für Pausen. Die Väter kamen etwas glimpflicher davon. Rund die Hälfte von ihnen empfand starken Stress. Viele Eltern mussten Urlaub nehmen, um die Kinderbetreuung in dieser Zeit gewährleisten zu können.

(Quelle: managerSeminare – Das Weiterbildungsmagazin, Ausgabe Juli 2020)

Im AOK-Fehlzeitenreport 2019 wird deutlich, dass Arbeitsverdichtung und -intensivierung, Zeitdruck oder Multitasking weiter zunehmen und die Beschäftigten psychisch belasten.

Belastungen, die vor allem durch die Digitalisierung entstanden sind, wie Informationsüberflutung, Stress durch Technik, ständige Unterbrechungen oder die Entgrenzung der Arbeit bzw. der Arbeitszeiten können die Gesundheit gefährden.

Die veränderte Arbeitswelt wirkt sich auf die Psyche aus. Zum Beispiel

  • geänderte Ansprüche an die Arbeit allgemein
  • die Veränderung der Unternehmensstrukturen
  • die Abnahme der Präsenzkultur

So heißt es zum Beispiel im Report, dass Beschäftigte, die vermehrt im Home-Office arbeiten, häufig nicht abschalten können oder unter psychischen Beeinträchtigungen leiden.

(Quelle: Fehlzeitenreport AOK 2019 / https://www.haufe.de/arbeitsschutz/gesundheit-umwelt/sorgenvoller-blick-auf-weitere-zunahme-psychischer-erkrankungen_94_508192.html)

Was tun, wenn Überforderung am Arbeitsplatz eingetreten ist?

Informieren Sie Ihren Vorgesetzten über Ihre Überlastung. „Unter Überlastung oder Arbeitsüberlastung ist eine über die normale Arbeitsbelastung hinausgehende Belastung von Arbeitnehmern zu verstehen. Tendenziell tritt sie bei chronischer Unterbesetzung in Organisationen auf, wenn Arbeitnehmer zusätzlich Aufgaben von fehlendem Personal wahrnehmen müssen.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Überlastungsanzeige)

Ein probates Hilfsmittel kann hier eine Überlastungsanzeige sein, wenn Sie das Gefühl haben, der hohen Auftragslage nicht mehr gerecht werden zu können.

Wie können Sie Überforderung vermeiden?

Sorgen Sie für eine ausgewogene Work-Life-Balance. Vereinbaren Sie Termine mit sich selbst, in denen Sie sich etwas Gutes tun. Gönnen Sie Ihrem Körper eine ausgewogene Ernährung. Nichts ist schlimmer, als permanent und unregelmäßig zu essen. Achten Sie auf die Einhaltung von Pausen. Gönnen Sie Ihrem Kopf eine Auszeit vom Stress, in dem Sie Ihren Arbeitsplatz in der Pause verlassen. Essen Sie in Ruhe und gehen Sie ein paar Schritte spazieren. Nutzen Sie die kurze Auszeit und schalten Sie mal ab.

Danach haben Sie wieder ausreichend Power, um die zweite Hälfte des Tages zu gestalten.

Sorgen Sie in Ihrer Freizeit für einen Ausgleich in Form von Bewegung. Treiben Sie regelmäßig Sport. Wenden Sie Entspannungstechniken an. Nicht nur autogenes Training oder die Progressive Muskelentspannung helfen hier. Eine tägliche Meditation von nur 5 Minuten morgens vor der Arbeit kann Wunder wirken und Ihre Resilienz enorm stärken. Ihr Körper wird es Ihnen danken und Sie laden automatisch Ihre Akkus wieder auf. Tun Sie sich selbst etwas Gutes, ein Anderer tut es nicht. Horchen Sie in sich hinein, was Ihnen gut könnte.

Und wenn das nicht klappt?

Holen Sie sich Unterstützung. Sprechen Sie mit jemandem, dem Sie vertrauen. Evtl. jemandem aus dem Bekannten- oder Freundeskreis. Tauschen Sie sich über Möglichkeiten aus. Evtl. geht es jemandem in Ihrem Freundeskreis ähnlich und Sie können sich vielleicht gegenseitig bei der Kinderbetreuung oder der Fahrt zum gemeinsamen Hobby unterstützen. Sprechen Sie mit Ihrer Führungskraft. Evtl. bietet Ihr Arbeitgeber Unterstützung durch Dritte in Form von Mitarbeiterberatung oder durch interne Lösungen, wie z.B. die kollegiale Beratung an. Und wenn Sie eher der Typ sind, der die Dinge selbst in die Hand nehmen will, aber dafür Unterstützung „von außen“ benötigt? Dann kontaktieren Sie einen Coach, der Ihre persönliche Situation neutral bewertet und Sie ein Stück auf Ihrem Weg begleitet.

Schauen Sie mit ihm gemeinsam auf Ihre persönliche und berufliche Situation. Identifizieren Sie mit ihm gemeinsam Ihre eigenen Stressoren mittels Stress-Analyse. Hieraus können Sie gemeinsame Lösungsstrategien entwickeln, um die empfundene Überforderung am Arbeitsplatz zu reduzieren bzw. Möglichkeiten zu finden, um sich hier ein Stück weit zu distanzieren. Gerade in diesem Bereich gibt es eine Vielzahl von Tools und Strategien, die Sie wirkungsvoll unterstützen können.

Denken Sie an sich – bleiben Sie entspannt!

Autor: Tanja Dahlhausen
Thema: Überforderung am Arbeitsplatz
Webseite: https://td-coaching.de

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