Ratgeber Lifestyle

Hilfe, Unkraut!

Als Kind habe ich mich richtig vor ihr gefürchtet und darauf geachtet, ihr auf keinen Fall zu nahe zu kommen. Ich fand sie fürchterlich hässlich und unnütz; scheinbar nur auf der Welt, um uns Menschen zu ärgern und zu piesacken.

urtica dioica

Noch nicht einmal eine schöne Blüte konnte sie hervorbringen. Ich war froh, wenn meine Oma sie rigoros ausriss und versuchte, sie aus unserem Garten zu vertreiben. Gelungen ist ihr das nie.

Sicherlich haben Sie erraten, von wem die Rede ist: von Urtica Dioica, der Brennnessel.

Urtica Dioica - die Amazone unter den Heilpflanzen

Vielleicht haben Sie ähnliche Erfahrungen mit ihr oder einer ihrer Kolleginnen gesammelt?

Eventuell gehören Sie zu den bedauernswerten Menschen, die ihren Garten gerne schön ordentlich halten und permanent vom schnell wuchernden Giersch bedrängt werden. Den wird man laut Experten nie wieder los!

Oder Sie haben einen Nachbarn, der sich nicht im Geringsten darum schert, dass sich seine Disteln auch über Zaungrenzen hinweg munter vermehren.

Es kann auch sein, dass Sie letztens beim Gartenrundgang auf ein ganz unscheinbares Pflänzchen trafen, das am Vortag garantiert noch nicht dort gestanden hatte: das gefürchtete Franzosenkraut hat Einzug in Ihren Garten gehalten!

Bevor Sie jetzt in den nächsten Baumarkt fahren und sich mit Herbiziden versorgen, halten Sie noch einmal kurz inne und lassen mich Ihnen ein bisschen von den sogenannten „Unkräutern“ erzählen. Laut Definition sind das Pflanzen, die nicht gezielt angebaut wurden und somit unerwünscht sind. Warum tauchen sie überhaupt auf, im schlimmsten Fall ausgerechnet in Ihrem Garten?

„Un“kräuter und was sie uns sagen wollen

Es gibt viele wissenschaftliche Erklärungen dafür, weshalb sich eine Pflanze an einem bestimmten Ort ansiedelt  – Bodenbeschaffenheit, Nährstoffe, Wasser, Lichtverhältnisse. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass uns jedes Gewächs, das in unserem Umfeld (manchmal scheinbar über Nacht) auftaucht, etwas klarmachen möchte.

Ja, lachen Sie nur! Ich habe das früher auch belächelt. Jetzt bin ich schlauer.

Ein noch viel schlauerer Kopf hat bereits im 16. Jahrhundert Folgendes formuliert: „Ubi malum, ibi remedium“ - Wo die Krankheit, da das Heilmittel. Dieses Zitat stammt von Theophrastus Bombast von Hohenheim, keinem anderen als Paracelsus. Und der musste es ja schließlich wissen!

Vielleicht schütteln Sie jetzt nur den Kopf und klicken auf einen anderen Artikel in diesem interessanten Portal. Ich würde mich jedoch sehr freuen, wenn Sie etwas mehr erfahren möchten und weiterlesen. Eventuell haben Sie ja auch schon eine Pflanze im Hinterkopf, die Kontakt zu Ihnen sucht (…es muss ja nicht unbedingt ein „Unkraut“ sein)?

A propos Kontaktaufnahme – wie machen Pflanzen das überhaupt? Und warum?

Wie machen Pflanzen auf sich aufmerksam?

Wir nehmen die Welt um uns herum über unsere Sinne wahr. Das ist nichts Neues. Somit sprechen Pflanzen natürlich in erster Linie die klassischen fünf Sinne an. Manche mehr, manche weniger.

Es gibt Arten, die unseren Blick sofort auf ihre ausdruckstarken Blüten lenken. Andere locken uns mit ihrem Duft. Ein Exemplar, das beides tut, ist Impatiens glandulifera, das Drüsige Springkraut.

Haben Sie sich diese Schönheit schon einmal aus der Nähe angeschaut? Meiner Meinung nach gibt es kaum eine Pflanze, die optisch so anspricht – mal ganz von ihrem betörenden Duft abgesehen.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass man diese Meinung in Deutschland kaum offen äußern darf. Sicher kennen auch Sie die Panikmache, die gegen und die Hetzjagd, die auf diesen Neophyten gemacht wird. Dies ist jedoch ein anderes Thema und soll hier nicht vertieft werden.

impatiens glandulifera

 Impatiens glandulifera, das Drüsige Springkraut – gehasst, gefürchtet, gejagt… und wunderschön!

Fühlen kann man Pflanzen natürlich auch, und zwar auf ganz unterschiedliche Arten. Haben Sie schon einmal über ein Königskerzenblatt gestreichelt? Oder Bekanntschaft mit der Brennnessel gemacht? Dann wissen Sie genau, was ich meine.

Beim Geschmack denkt man wahrscheinlich zuerst an Pflanzen, die Früchte hervorbringen, wie z.B. Walderdbeeren oder Haselnüsse. Aber auch ganz unscheinbare (Un-)Kräuter können unseren Gaumen entzücken. Versuchen Sie mal eine junge Spitzwegerichknospe. Wenn Sie Champignons mögen, werden Sie bestimmt begeistert sein! Und falls Sie den vielerorts gefürchteten Giersch im Garten haben, essen Sie ihn ganz einfach auf. Die frischen Blättchen sind ein prima Petersilienersatz und wirken dabei auch noch entgiftend.

giersch

Giersch (Aegopodium podagraria) – der Volksname „Gichtkraut“ gibt einen Hinweis auf seine Wirkung

Selbst hören kann man einige Pflanzen. Die Espe beispielsweise hat überhaupt keine Probleme, akustisch auf sich aufmerksam zu machen. Der kleinste Windhauch genügt, um sie zum Rascheln zu bringen, sodass man das Gefühl hat, ein Sturm ziehe auf. Bei anderen ist diese Form der Kontaktaufnahme naturgemäß eher weniger ausgeprägt.

Die eigentliche Art der Pflanzenkommunikation

Es gibt jedoch noch einen weiteren, wichtigeren Weg, über den sich die Pflanzen uns mitteilen: Sie sprechen unseren „sechsten Sinn“ an.

Dies geschieht auf einer feinstofflichen, intuitiven Ebene und ist schwer zu erklären, da es sich um eine sehr individuelle Angelegenheit handelt. Probieren Sie es am besten selbst aus, indem Sie sich von einer Pflanze „rufen“ lassen – auf welche Art auch immer. Dann widmen Sie sich ihr für eine Weile ganz entspannt und mit offenem Geist. Vertrauen Sie Ihrer Intuition. Die Pflanze wird Botschaften für Sie haben. Subtile und vielleicht im ersten Moment nicht ganz klar verständliche. Haben Sie etwas Geduld, eine Fremdsprache lernt man schließlich auch nicht von heute auf morgen.

Wie wirken Heilpflanzen auf uns?

All die geschilderten Sinneseindrücke übermitteln uns ein Bild der Pflanze. Wir spüren ihr Wesen, bekommen eine Idee, auf welche Art sie uns unterstützen kann und in welcher Form dies am besten geschieht.

Vielleicht reicht es schon, sie regelmäßig zu besuchen, an sie zu denken oder ein Bild in der täglichen Umgebung aufzustellen.

Eventuell braucht man handfestere Hilfe und holt sich diese in Form von (selbst hergestellten) Tinkturen, Salben oder Blütenwässern. Das natürlich nur, wenn es sich um einen ungiftigen Helfer handelt. Fingerhut, Belladonna und Co. unterstützen auf weiter oben genannte „energetische“ Weise. Auch wenn Sie jetzt vielleicht wieder den Kopf schütteln - auch Giftpflanzen können zu Helfern werden. Denken Sie an Ihren sechsten Sinn!

Hat man sich dem Pflanzenreich erst einmal geöffnet, merkt man irgendwann, wer die persönlichen Verbündeten sind.

Zu Beginn meines eigenen Pflanzenwegs war ich fasziniert von sämtlichen heimischen Gewächsen, die ich gesammelt, getrocknet, zu Tinkturen, Salben und Räucherwaren verarbeitet habe.

Ich war begeistert vom Johanniskraut, das unsere Seele in dunklen Zeiten erhellt, von der blutdruckregulierenden Kraft des Weißdorns und vom „Knochenheiler“ Beinwell. Und so ging (und geht) es mir mit unzähligen anderen Heilpflanzen.

Erst mit der Zeit, im Lauf von zwei bis drei Jahreskreisen, haben sich jedoch meine ganz persönlichen Begleiter herauskristallisiert und offenbart:

Spitzwegerich und Holunder bewahren mich zuverlässig vor Erkältungen.

Die Kamille lässt Übelkeit und Magengrimmen innerhalb von kurzer Zeit verschwinden.

Mädesüß, Pfefferminze und Melisse vertreiben meine Kopfschmerzen.

Die Ringelblume heilt meine Wunden.

Hin und wieder kommt ein weiteres Kräutlein dazu und begleitet mich ein Stück des Wegs, aber die oben genannten sind immer um mich herum.

Sicherlich haben auch Sie solche grünen Helfer… vielleicht wissen Sie es nur noch nicht. Machen Sie sich doch einmal die Freude, ihre unmittelbare Umgebung mit offenen Sinneskanälen wahrzunehmen.

Den eigenen Pflanzenhelfer finden

Gibt es eine Pflanze, die scheinbar überall wächst, wo Sie gehen und stehen?

Träumen Sie immer wieder von einem bestimmten Kraut, Busch oder Baum?

Pflanzen versuchen auf viele Arten, Ihre Aufmerksamkeit zu wecken. Sie müssen einfach nur offen dafür sein und den Kopf ausschalten.

Wenn Sie Ihren „Störenfried“ entdeckt haben, versuchen Sie herauszubekommen, welche Kräfte und Eigenschaften dieser Pflanze innewohnen, um einen Hinweis auf Ihr Thema zu bekommen.

Natürlich können Sie das ganz intuitiv mit oben genannter Übung, Ihrem sechsten Sinn, tun.

Es gibt aber auch alle möglichen anderen Herangehensweisen: Kräuterbücher, Internetrecherche, Pflanzenkarten, Gespräche mit Pflanzenkundigen… gehen Sie den Weg, der Ihnen entspricht, das ist der richtige!

Deutliche Zeichen

Eine ganz faszinierende Möglichkeit des Kennenlernens möchte ich Ihnen noch kurz vorstellen: die Signaturenlehre. Diese besagt ganz grob, dass Pflanzen durch ihre Gestalt, ihre Farbe, Form und Blüte sowie ihren Standort ausdrücken, wobei sie uns helfen können.

Dies lässt sich vielleicht am besten anhand eines Beispiels erklären. Lassen Sie uns doch die eingangs erwähnte ungeliebte Brennnessel betrachten.

Was kommt uns als erstes in den Sinn, wenn wir an sie denken? Genau: ihre Brennhaare, die uns so gut auf Abstand halten. Gibt es ein deutlicheres Symbol für Abgrenzung, Wehrhaftigkeit und Selbstbehauptung? „Hier ist mein Platz und Du lässt gefälligst die Finger von mir!“ Eine klare Haltung, die gerade uns Frauen oft gut täte…!

Die Brennhaare tragen aber noch eine andere Signatur, nämlich die der menschlichen Haare. Ein Hinweis, dass Urtica Dioica auch bei Haarausfall ein Mittel der Wahl ist. Selbst der Handel hat das schon erkannt und bietet etliche Haarwässer mit Brennnessel-Extrakten an.

Haben Sie schon einmal ganz frische Brennnesseltriebe betrachtet? Ihre Blätter sind noch ganz rot – ein deutlicher Bezug zum Element Eisen. Und Eisen besitzt sie mehr als genug! Kein Wunder, dass sie die Blutbildung unterstützt und gegen Ermüdungserscheinungen hilft.

Im Herbst bildet Urtica Unmengen kleiner Samen. Sie ist im höchsten Maße vital und fruchtbar und verleiht diese Eigenschaft gerne den Männern, die ihre Hilfe in Anspruch nehmen. Nicht nur Milch macht müde Männer munter…

Eine faszinierende Pflanze, finden Sie nicht? Dabei habe ich Ihnen hier nur einen kleinen Bruchteil ihrer Heilkräfte vorgestellt. Nicht umsonst wird sie „die Apotheke, die dem Menschen folgt“ genannt.

Sie werden es gemerkt haben: Wir sind heute richtig gute Freundinnen, die Brennnessel und ich. Sie unterstützt mich auf vielen Ebenen und in meinem Garten gibt es einen festen Platz für sie - direkt neben dem Giersch.

Autor: Sandra Wagner
Thema: Heilpflanzen und ihre Wirkung
Webseite: 

SeelenZeit
Sandra Wagner
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Wild- und Heilpflanzenpädagogin
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