Schmerzen sind in unserer Gesellschaft einer der häufigsten Gründe, weshalb Menschen einen Arzt aufsuchen. Besonders hoch ist dabei der Anteil, welcher an chronisch, degenerativ bedingten Schmerzen des Rückens und der Knie leiden.

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Das Kniegelenk ist täglich enormen Belastungen ausgesetzt, was langfristig zu Abnutzungserscheinungen führen kann. Das Kniegelenk ist das größte Gelenk des Körpers. Die hohe Verletzungsanfälligkeit des Knies ist ebenso ein Faktor, welcher die vermehrte Anzahl an Menschen erklärt, die über Knieschmerzen klagen. Dies spiegelt sich auch in der Lebenszeitprävalenz wieder. Die Lebenszeitprävalenz, d.h. die Häufigkeit der Erkrankung, beläuft sich bei Knieschmerzen auf einen Wert zwischen 27 und 90 Prozent.

Bei der Betrachtung der medizinischen Ursachen von Knieschmerzen zeigen sich altersbedingte Unterschiede. Schmerzen im Knie, die auf Abnutzungserscheinungen wie beispielsweise Kniearthrose zurückzuführen sind, lassen sich häufiger bei der älteren Generation wiederfinden. Bei jüngeren Menschen liegen hingegen eher verletzungsbedingte Knieschmerzen vor. Zu den häufigsten Problemen des Knies zählen Meniskusschäden, Kniearthrose, Kreuzbandriss, Knochenbrüche im Bereich des Knies, Fehlstellungen sowie Verrenkungen der Kniescheibe.

In Hinblick auf die Behandlung von Schmerzen im Knie zeigt sich bislang ein unklares Bild. Eine konkrete Behandlungsempfehlung wird nicht kommuniziert, da sich in Studien bislang keine bestimmte Therapie – verglichen mit anderen Therapiemethoden – als überlegen herausgestellt hat. Aufgrund dieser unbefriedigenden therapeutischen Situation erhalten komplementärmedizinische Behandlungsmethoden zunehmende Aufmerksamkeit.  

Knie tapen

Eine mögliche Behandlungsmethode bei Knieschmerzen könnte das Tapen des Knies sein. Bei Schmerzen im Knie kann ein Physiotherapeut oder Arzt unterstützend mit einem kinesiologischen Tape arbeiten. Im Zuge dessen stellt sich die Frage, welchen Nutzen hat das Tapen des Knies?

Bei Beschwerden im Knie sollte das Gelenk in Bewegung gehalten werden. Dies ist von hoher Relevanz, da die Bewegung zu einer verbesserten Produktion des natürlichen Gleitfilms führt. Dieser dient der Nährstoffversorgung des Knorpelgewebes. Das Tapen des Knies hat einerseits eine stabilisierende Funktion und andererseits unterstützt es den Abtransport von angestauter Flüssigkeit sowie einen runden Bewegungsablauf. Das Knie-Tapen kann bei zentralen Kniebeschwerden und bei Beschwerden der Knie-Innenseite angewendet werden.

Der Einsatz von Tapes kann zu einer Verbesserung der Muskelfunktion, zu einer Reduktion von Schmerzen, zur Unterstützung der Gelenksfunktionen sowie zu einer verbesserten Durchblutung beitragen. Die Tapes sind vielseitig einsetzbar und können beispielsweise bei Knieschmerzen, Verletzungen und Entzündungen am Knie, dem Meniskus oder Kreuzband und Kniegelenk verwendet werden, um einen Heilungsprozess mit zu unterstützen.

Eigenschaften der kinesiologischen Tapes

Das Tape wirkt auf die Gelenke, die Haut sowie die Muskulatur. Kinesiologische Tapes werden genutzt, da ihre Elastizität die Bewegungsfreiheit der Patienten nicht einschränkt. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Begriffe „Kinesiologie Tape“ und „kinesiologisches Taping“ sich aus dem Wort „kinesis“ (was für „Bewegung“ steht) und dem Wort „Tape“ (englisch: Klebestreifen) zusammensetzt. Die Dehnfähigkeit und Elastizität des Tapes soll der Beschaffenheit der Haut ähneln.

Die Tapes bestehen meist aus Baumwolle, sind hautfreundlich und atmungsaktiv. Vorteilhaft ist, dass die Baumwolle eine Dehnung sowohl im nassen als auch im trockenen Zustand zulässt, wodurch die kinesiologischen Tapes auch beim Schwimmen getragen werden können. Aufgrund dessen eröffnet die flexible Nutzungsmöglichkeit des Tapes verschiedene Anwendungsgebiete. Dass die Behandlung mit dem Anbringen der kinesiologischen Tapes ohne jegliche Einschränkung beim Sport oder bei der Arbeit möglich ist, ist eines der wesentlichen Vorteile des Tapes. Dies wurde durch eine Studie belegt, die zu dem Ergebnis kam, dass die Patienten sich durch das Tragen der kinesiologischen Tapes im Alltag nicht eingeschränkt fühlten.

Ein weiteres Merkmal der Kinesiologie Tapes sind ihre Farben. Die verschiedenen Farben der Tapes finden ihren Ursprung in der Farbenlehre und haben nach dieser Theorie bestimmte Wirkungen. Cyan hat beispielsweise eine beruhigende Wirkung wohingegen Magenta aktivierend wirken soll. Schwarze und beigefarbene Tapes sollen hingegen laut der Farbenlehre eine neutrale Wirkung besitzen.

Mit der Elastizität des Kinesiologie Tapes, verbunden mit dem vorgedehnten Muskel, entstehen wellenförmige Abhebungen des Tapes auf der Haut. Mithilfe der wellenförmigen Struktur hebt das Tape die Haut in regelmäßigen Intervallen an, was in Kombination mit Bewegung die darunterliegenden Muskelschichten stimulieren kann.

Hinweise und Anleitung zum Knie tapen

Das adäquate Anbringen der Kinesiologie Tapes folgt einer gezielten Anleitung. Die kinesiologischen Tapes werden in Abhängigkeit der therapeutischen Zielsetzung aufgeklebt – je nach Therapiegebiet wird eine bestimmte Anwendungstechnik verwendet. Dies gilt sowohl für den ganzen Körper als auch für das Knie. Je nach Art der Kniebeschwerden werden unterschiedliche Anlagetechniken verwendet.

Unabhängig von der Anlagetechnik sollte vor und während des Tapings auf folgende Punkte geachtet werden:

- Die Haut sollte vor dem Aufkleben der Tapes von Ölen, Fetten, Lotionen und Schmutz befreit werden
- Stark behaarte Körperregionen sollten vorher rasiert werden, um für eine verbesserte Haftung der kinesiologischen Tapes zu sorgen.
- Nach dem Anbringen der Tapes sollten diese mehrmals sorgfältig gerieben werden, um den Kleber zu aktivieren und somit ebenfalls die Haltedauer zu erhöhen.

Über den Anwendungsprozess der kinesiologischen Tapes existieren im Internet Anleitungen, die ermöglichen, dass auch Menschen, die nicht aus Heilberufen stammen, die Tapes selbst anbringen können. Es empfiehlt sich jedoch, dass Physiotherapeuten und Ärzte das kinesiologische Tape am Knie anbringen, um Fehlerquellen zu minimieren und somit die Wirkung nicht zu hemmen. Des Weiteren sollten individuelle physiotherapeutische Übungen ergänzend durchgeführt werden, da kinesiologisches Tapen lediglich als eine unterstützende Behandlungsmethode angesehen werden kann.

Abschließend ist zu erwähnen, dass Patienten vor der Anwendung von kinesiologischen Tapes Rücksprache mit ihrem Physiotherapeuten oder Arzt halten sollten.

Allgemein sollten alternativ medizinische Heilverfahren wie das kinesiologische Taping verstärkt wissenschaftlich untersucht werden. Zukünftig bedarf es einer ausführlichen Aufklärungsarbeit sowie einer größeren Anzahl evidenzbasierter Studien, welche die Wirksamkeit des Taping belegen, um diese Behandlungsmethode langfristig in den klinischen Alltag integrieren zu können.