In meiner 20-jährigen Tätigkeit als Heilpraktikerin habe ich bisher nur ganz selten eine „echte Lebensmittelvergiftung“  geschildert bekommen oder gar in der Praxis gehabt.

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Im Ausland auf Reisen erlebe ich Durchfallerkrankungen mit Übelkeit und Erbrechen allerdings wesentlich häufiger. In fremden Ländern werden wir oft mit uns unbekannten Keimen konfrontiert, diese lösen dann unsere Beschwerden aus.

Aber nun will ich erst mal der Reihe nach erklären.

Was ist eine  Lebensmittelvergiftung?

Eine durch Verzehr von giftigen, verunreinigten, verdorbenen oder keimbelasteter Lebensmittel ausgelöste Erkrankung. Meist durch Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, heftigen Durchfällen und Herz-Kreislauf-Reaktionen erkennbar.

Es werden verschiedene  Ursachen unterschieden, die sich auch im Verlauf etwas unterscheiden.

  • Lebensmittelvergiftung durch Krankheitserreger

Die Krankheitserreger vermehren sich nicht im Körper sondern auf dem Lebensmittel. Die Giftstoffe sind entweder Bestandteil des Nahrungsmittels selbst oder mit Keimen verunreinigte Lebensmittel.

Wenn sich auf einem Lebensmittel Keime niederlassen und vermehren führt dies zum Verderben, sowohl für das Lebensmittel als auch für den Betroffenen.

Die Keime selbst führen nicht zur Lebensmittelvergiftung sondern die Stoffwechselprodukte der Keime.

Bakterien können sich ab  +6 Grad sehr gut vermehren. Ideale Bedingungen finden sie auf unseren Lebensmitteln, z.B. im Kühlschrank, auch bei Partys im Sommer wenn der Salat länger im Warmen steht. Auch falsch gelagerte Lebensmittel oder aufgetaute Lebensmittel, zum Beispiel im Saft von Putenfleisch ist oft eine höhere Salmonellenbelastung.

Der Schimmelpilze  z.B. Aspergillus flavus kommt vor auf Nüssen, Pistazien und Reis und kann auch schon bei geringer Konzentration akutes leberversagen verursachen.

Botoulismus ist eine Vergiftung durch das Bakterium Clostridium botulinum, das Bakterium enthält Neurotoxine die zu Nervenlähmung bis hin zur Atemlähmung führen kann. (Vorkommen in Konservendosen)

  • Lebensmittelvergiftung durch das Lebensmittel selbst

Hier stehen Lebensmittel wie Fisch-, Pilz- oder Pflanzengift im Vordergrund.

Pilze enthalten häufig selbst ein Gift, bekannt der Knollenblätterpilz, Fliegenpilz und viele mehr, diese wirken häufig Gewebezerstörend oder im Bereich Herz-Kreislauf.

Fugo- der Kugelfisch, dieser Fisch produziert selbst ein Gift, das mit 0,5  - 1,5 Milligramm  tödlich für den Menschen ist. Das Gift des Fisches heißt Tetrodotoxin, es ist mehr als 10000 x tödlicher als Zyankali.

Pflanzengifte können in entsprechender Menge verzehrt leider sehr üble Folgen haben bis hin zum tödlichen Verlauf. Hierzu zählen meist Verwechslungen wie Bärlauch und Maiglöckchen. Aber auch bei der Ernte können giftige Pflanzen in z.B. den Salat gelangen. Giftpflanzen haben häufig eine Herz-Kreislauf-Reaktion und eher kein Durchfall

  • Lebensmittelinfektion durch Krankheitserreger

Nahezu jeder um die Welt reisende kennt den Begriff  „Montezumas Rache“!

Hierzu ein kleiner Merkspruch: "Peel it, cook it or forget it".

Montezumas Rache  beschreibt die Durchfallerkrankung auf Reisen, hier sind alle Erreger denkbar, in höchstem Maße nervig, da doch einige Tage des Urlaubs verloren gehen und die Toilettensitzungen nicht immer angenehm. Auch die medizinische Versorgung ist schwieriger, daher in den Urlaub immer gleich was mitnehmen, z.B. Elektrolytlösung und Kohle-Tabletten.

Hier lösen die Erreger selbst die Beschwerden aus, diese können sich im Körper weitervermehren. Unsere Lebensmittel aber auch das Trinkwasser können Transportmittel für diese Keime sein. Bekannt Vertreter dieser garstigen Zeitgenossen sind meist Salmonellen, Escherichia coli Keime, Listerien und Campylobakter. Aber auch die Viren stehen in nichts nach, bekannt ist sicher der Noro-Virus oder Rotavirus. Hinzu kommen noch Parasiten, die durchaus ebenso unangenehm sind wie die Toxoplasmose.

  • Bakterielle Erreger z.B.

Campylobacter : Durchfall, Muskelschmerzen, Fieber,

Beginn ca. 2- 11 Tage nach Verzehr

Vorkommen: Geflügel, rohes Ei oder Produkte mit rohem Ei (Nachtische)

Salmonellen: Erbrechen, Durchfall, Kopf- und Bauchschmerz, Fieber  

Beginn ca. 6- 72 Stunden nach Verzehr

Vorkommen: rohes Ei , Mayonnaise, Cremes, Salate, abgepackte Salate, Hackfleisch roh

Listerien: Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Kopf- und Bauchschmerz, Fieber, in Schwangerschaft gefährlich.

Beginn ca. 3- 70 Stunden nach Verzehr

Vorkommen: Rohmilch, Rohmilchkäse, rohes Fleisch

  • Virale Erreger z.B.

Noroviren: oft heftiger Durchfall, Übelkeit, schwallartiges Erbrechen, starkes Krankheitsgefühl, Fieber

Beginn ca. 6 – 50  Stunden nach Erregerkontakt der Erkrankte ist hochgradig ansteckend sowohl über Lebensmittel als auch Schmierinfektion.  Hände waschen ganz wichtig.

Rotaviren: heftiger Durchfall, Übelkeit, schwallartiges Erbrechen, oft auch Fieber, Husten und Schnupfen

Beginn ca. 1- 3 Tage nach Erregerkontakt meist über die Hände als Schmierinfektion. Hände waschen!!!

Typische Beschwerden einer Lebensmittelvergiftung

Diese können wenige Stunden aber auch bis mehrere Tage nach dem Verzehr auftreten.

Wenn sie nach dem Essen das Gefühl haben, ohweh, da braut sich etwas zusammen!

Genau dann sind möglicherweise von einer Lebensmittelvergiftung betroffen. Beginnend häufig mit einem unangenehmen Bauchgefühl, oftmals ist der Magen der Erste der sich mit Übelkeit bemerkbar macht oder Magenschmerzen kündigen sich an. Die richtige Reaktion des Magens wäre jetzt, sofort mit Erbrechen das Problem zu lösen, doch nicht immer gelingt das. Wenn der Speisebrei seinen Weg fortsetzt wird er schließlich im Dünndarm ankommen, hier nimmt alles seinen Lauf. Die Darmschleimhaut wird gereizt, es wird vermehrt Flüssigkeit im Darm angesammelt, die Gasbildung beginnt. Häufig hört man nun auch das Brodeln und Grummeln des geplagten Darmes, der Bauch ist aufgetrieben, sie haben möglicherweise Schweißausbrüche, sind zittrig und fühlen sich elend.

Nun gibt es kein Zurück mehr, jetzt muß möglichst alles schnell raus – der Durchfall ist die einzige Möglichkeit des Darmes, das Problem loszuwerden. Das Erbrechen ist der Notschalter  des Magens.

Also zusammengefasst die Symptome:

  • Übelkeit
  • Kreislaufprobleme
  • Schweißausbrüche
  • Erbrechen
  • Magen- Bauchschmerzen
  • Gurgeln-Blubbern im Darm
  • aufgeblähter Bauch
  • Darmgeräusch
  • Durchfall
  • Fieber
  • Kopfschmerzen                               

Was tun bei einer Lebensmittelvergiftung? -  Das ist jetzt die große Frage?

Diese Beschwerden verschwinden im günstigen Falle schon nach wenigen Stunden – denn der Darm hat sich von dem Übeltäter befreit.

Im ungünstigen Falle dauert es auch mal 3-4 Tage bis alles wieder zur Ruhe gekommen ist. Im schlimmsten Falle dauert es auch tatsächlich mal mehrere  Wochen!!

Bei besonders fiesen Keimen kann dies dann doch auch mal bis zur Krankenhausaufnahme führen, wenn der Patient geschwächt ist oder bei Kranken und immungeschwächten Patienten. Natürlich ist bei Kindern und älteren Menschen ganz besondere Vorsicht geboten, diese sollten dann unverzüglich zum Arzt gebracht werden.

Eine „einfache“ Lebensmittelvergiftung kann der Körper meist mit seiner eigenen Reinigungsstrategie „Erbrechen und Durchfall“ wieder beheben. Daher sollten sie Durchfall nicht sofort mit Medikamenten stoppen. Der Darm hat ja Recht – raus mit dem Zeug -  was nicht gut tut.

Sollte der Durchfall länger bestehen, wäre es anzuraten Elektrolytlösung zu sich zu nehmen, um den Verlust von Mineralsalzen entgegenzuwirken. Sonst werden sie irgendwann dann doch etwas welkt, wie eine verblühte Blume und wer will das schon. Eine Elektrolytlösung gibt es in der Apotheke zu kaufen, bei Kindern und älteren Menschen ist manchmal auch eine Infusion mit Mineralsalzen notwendig.

Wenn die Genesung auf sich warten läßt, oder der Durchfall besonders wässrig und häufig ist – sollte eine Keimbestimmung über den Stuhlgang gemacht werden. Es ist immer von Vorteil, wenn man weiß was man hat – dann ist die Therapie auch besser festzulegen.

Welche Lebensmittel sind den besonders gefährdet?

  • Mayonnaise – gehört in den Kühlschrank, sollte nicht zu lange aufbewahrt werden
  • rohes Fleisch – auf Eis oder auf`s Feuer
  • Fisch – schnellstmöglich auf Eis und dann sofort kochen, braten oder grillen
  • über Sushi will ich mich jetzt nicht auslassen – hier ist sicher eine große Gefahr – wer`s mag
  • Geflügel – Salmonellen sind hier sehr häufig – Durchbraten, durchbraten und nochmals durchbraten
  • Eier – Salmonellen sind auch hier der Problemkeim – von außen und innen ist nicht sichtbar oder zu riechen
  • Milchprodukte – besonders gefährdet für Listerien
  • alle Lebensmittel die vorbereitet, geschnitten aufbewahrt werden
  • ……..

Lebensmittel-Unverträglichkeit, Histamin-Unverträglichkeit, Lebensmittelallergien

Ich möchte ganz kurz über die oben genannten Unverträglichkeiten sprechen. Denn nicht so selten ist das Beschwerdebild eben genau so, wie eine Lebensmittelvergiftung.  Die Beschwerden setzen allerdings meist sofort beim Genuss ein oder wenige Minuten später. Das heißt eine zeitliche Zuordnung wäre hier denkbar. Denn eine bakterielle Vergiftung braucht meist doch einige Stunden bis die durchschlagende Wirkung eintritt.

Häufig kommen zu den Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall weitere Symptome wie Herzrhythmusstörungen, Rötung der Haut, Fleckige juckende Nesseln und Kopfschmerzen dazu.

Leider ist nicht immer gleich zu ermitteln, welches Nahrungsmittel dafür verantwortlich ist, aber mit einem Ernährungstagebuch bzw. einer kleinen Liste kommt man schon recht weit. So lästig es erst mal ist,

es ist oft der einzige Weg hinter das Nahrungsmittel-Problem zu kommen.

Bei Verdacht auf Vergiftung durch Pflanzen, Pilze oder Botulinum-Toxine sollte der Patient unverzüglich ein Krankenhaus aufsuchen. Hier wäre Abwarten keine gute Entscheidung.

Um Ursachen abzuklären ist es auch sinnvoll Nahrungsmittel ins Krankenhaus mitzunehmen oder auch Pflanzenreste bzw. Pilze. Dort kann das Toxin dann bestimmt werden und die entsprechende Gegenmaßnahme eingeleitet werden.

Welche Maßnahmen sind jetzt hilfreich?

  • Als allererste machen sie mal einen Schritt langsamer und schonen Ihr Körper hat jetzt genug zu tun mit sich selbst und der Bekämpfung des Erregers
  • Trinken sie ausreichend, auch wenn dies gleich wieder zu Durchfall führt, alles was krank macht muß raus. Auch kräftige Brühen sind sehr energiereich und tun einfach nur gut
  • Nehmen sie eine Elektrolytlösung ein, diese gleicht den Mineralverlust aus und sie bekommen wieder etwas Power
  • Essen sie leichte Kost, fordern sie nichts heraus. Zwieback, Banane, Reis oder Kartoffeln und als Nebeneffekt wird auch die Hose etwas weiter
  • Kohletabletten sollten sie nicht sofort nehmen, der Durchfall hat ja erst mal einen Sinn! Aber so am 3. oder 4. Tag, wenn es nicht besser wird, können sie beginnen
  • Probiotika (Bakterienpräparate) gibt es auch gegen Durchfallerkrankungen. Diese können Sie beim Apotheker erfragen
  • Pfefferminze und Kamille als Tee sind wunderbar bei Magen-Darmproblemen, sie beruhigen und wirken gegen Bauchschmerzen und Krämpfe
  • Karotten und geriebener Apfel als Suppe, beruhigt, tut gut und wärmt
  • Uzarawurzel als Tabletten hemmt die heftige Darmbewegung, wirkt krampflösend und brechreizlindernd
  • Altbewährt und ungeliebt - Knäckebrot, Zwieback, Banane –
  • Von Kindern und Erwachsenen geschätzt sind Salzstangen und Coca Cola, das bringt etwas Energie
  • Die Einnahme von Heilerde kann den Darm auch beruhigen und kann Schadstoffe mitnehmen

Homöopathisch denkbar sind folgende Mittel:

globuli passionsblume

Aconitum napellus Glubuli

Erbrechen und Übelkeit, Schweißausbrüche

Carbo vegetabilis Globuli  D12 - alle 30 Minuten 5 Glubuli bis zur Besserung

Erschöpfung, Schwäche, Schwindel, kalte Hände und Füße

Ipecacuanha Globuli  D12 - alle 30 Minuten 5 Glubuli bis zur Besserung

Ständiges Erbrechen das nicht erleichtert, Speichelfluß, Essensgeruch wird nicht vertragen

Nux vomica Globuli  D6 - alle 30 Minuten 5 Glubuli bis zur Besserung

Stein im Magen, Bauchkrämpfe, aufgeblähter Bauch, kann nicht Erbrechen, Völlegefühl nach dem Essen

Okoubaka 

Unterstützt die Entgiftung bei Lebensmittelvergiftung

Veratrum album   Globuli  D12 - alle 30 Minuten 5 Glubuli bis zur Besserung

Brechdurchfall mit Kollaps, Frieren, Gesicht ist blass, will kalte Getränke

Selbstverständlich gibt es noch eine große Zahl weiterer hilfreicher Medikamente und Produkte, ich habe hier nur ein paar Helferlein aufgeführt. Alles weitere sollte von einer Fachfrau oder einem Fachmann weiterbehandelt werden.

Autor: Andrea Heiss, Heilpraktikerin - Gedächtnistrainerin
Thema: Lebensmittelvergiftung - Durchfallerkrankung mit Übelkeit und Erbrechen
Webseite: http://www.naturheilpraxis-andrea-heiss.de

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