Der Mensch ist ein soziales Wesen und die Fähigkeit zur Kommunikation ist eine unserer wichtigsten Eigenschaften. Wir kommunizieren auf unterschiedlichste Weise.

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Mit Gesten, mit der Mimik und mit der Sprache. Paul Watzlawick geht so weit zu sagen:

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“

Unser wichtigstes Kommunikationsorgan ist unsere Stimme und mit ihr die Sprache. Doch das sprechen fällt nicht jedem leicht. Viele Menschen kennen das Phänomen der Sprechangst, insbesondere dann, wenn sie eine Rede oder einen Vortrag vor Publikum halten sollen. Plötzlich zittert die Stimme, das Herz beginnt zu rasen, die Hände werden feucht. Bei manchen der Betroffenen verstärken sich die Symptome. In so einem Fall sprechen Psychologen von der „Logophobie“.

Neben Sprechangst und Logophobie, die unter die Rubrik der „sozialen Ängste“ gehören, gibt es noch eine weitere Form die Menschen daran hindert mit anderen über das gesprochene Wort zu kommunizieren. Es handelt sich dabei um Lautbildungstörungen, die bis zum vollständigen Versagen der Stimme führen können, die sogenannte Dysphonie.

Im folgenden Beitrag werde ich sowohl auf die Logophobie wie auch auf die Dysphonie eingehen. Ich werde Ihnen Ursachen und Wirkungen aufzeigen und vor allem Lösungen nennen, wie Sie wieder zu ihrer Sprache finden werden. Dabei werde ich insbesondere auf die Hypnose eingehen, die sowohl bei der Logophobie wie auch bei der Dysphonie ein probates Mittel zur Heilung ist.

Symptome der Sprechangst

Unter Sprechangst versteht das Lexikon der Psychologie zunächst einmal die Gefühle die entstehen, wenn man vor Publikum sprechen muss. Also das, was der Volksmund landläufig Lampenfieber nennt. Sie tritt in der Regel kurz vor und während einer konkreten Situation auf. Typische Symptome sind

  • Zittern
  • Schwitzen
  • plötzliche Heiserkeit bis hin zu totalem Stimmversagen
  • Nervosität
  • gesteigerter Harndrang.

Entspannt dem Lampenfieber entgegen blicken

Sprechangst oder Lampenfieber in „Auftrittssituationen“ sind ganz normale und wichtige Erscheinungen. Sie sorgen dafür, dass wir wach und aufmerksam sind und unsere Sache gut machen. Oft genügt es schon sich dessen bewusst zu werden und die Aufregung vor dem Auftritt wird als deutlich weniger stressig empfunden. Auch Atem- und Entspannungsübungen helfen die Sprechangst zu überwinden, und besonders gute Erfolge erzielen rhetorische Trainings und Sprecherziehung. Hierbei lernt der Betroffene sich ganz konkret der Situation zu stellen.

Trotzdem sind die Symptome bei dem einen hartnäckiger als bei dem anderen. Selbst international bekannte Schauspieler und Sänger leiden unter verstärktem Lampenfieber. Hypnose hilft hier auf unterschiedliche Weise. Zunächst lernt der Betroffene bestimmte Atemtechniken und bekommt weiteres Werkzeug an die Hand um sich selbst zu beruhigen. Darüber hinaus bietet die Hypnose die Möglichkeit sich der Angst in einem sicheren Umfeld zu stellen. Sie quasi von außen zu beobachten und einzuschätzen. Das schafft eine größere Sicherheit und lässt die Sprechangst von Situation zu Situation kleiner werden.

Ein Leben in zunehmender Einsamkeit - die Logophobie

Die Logophobie ist eine krankhafte Sprechangst die sich auf alle Situationen auswirkt, in denen der Betroffene seine Stimme vor anderen erheben soll. Das kann in der Schulklasse, auf der Arbeit oder im Freundeskreis sein. Betroffene schweigen nicht aus freier Entscheidung, sondern aus Angst, sie entwickeln ein typisches Vermeidungsverhalten. Das führt in der Regel dazu, dass sie sich immer mehr zurückziehen und dort, wo sie weiterhin im Kontakt zu anderen Menschen stehen, auf die Benennung ihrer Anliegen und Bedürfnisse verzichten. Typische Folgen sind schulisches und berufliches Versagen, Vereinsamung, psychosoziale Probleme bis hin zu Depressionen.

Symptome der Logophobie

  • leise Sprechstimme mit monotoner Melodie
  • Wortfindungsstörungen,
  • Sprechblockaden
  • unpassende Pausen oder zu rasches Sprechtempo
  • gesteigerte Atemfrequen
  • häufiges Räuspern und Schlucken
  • starrer Gesichtsausdruck, vermeiden von Blickkontakt, angespannte Gesichtsmuskulatur, Grimassieren oder Zuckungen
  • der Körper versteift sich, die Hände zittern oder krampfen, auch zappeln oder unruhiges Trippeln ist möglich

Ursachen der Logophobie

Die Ursachen der Logophobie liegen meist in der Vergangenheit. Viele Betroffene haben bereits in der Kindheit traumatische Erfahrungen gemacht die die spätere Sprechangst zur Folge haben. Dies kann eine Missachtung von Seiten der Eltern ebenso sein wie eine zu hohe Erwartungshaltung der prägenden Erwachsenen. Eine der häufigsten Ursachen ist die Angst vor Zurückweisung, eine der Urängste der menschlichen Psyche, die sich ebenfalls im frühen Kindesalter entwickelt.

Wege aus der Logophobie

Die klassische Psychologie tut sich schwer mit der Logophobie, auch wenn die Verhaltenstherapie im Laufe der Zeit einige Erfolge verzeichnen kann. Auch logopädische Übungen und Rhetorik helfen den Betroffenen den Akt des Sprechens besser zu verstehen und auszuführen. Gegen die Angst selbst sind diese Übungen jedoch meist machtlos.

Um die Logophobie tatsächlich in den Griff zu bekommen ist es existentiell die Angst zu erkennen, die ihr zu Grunde liegt. Dies funktioniert am besten in einer entspannten Atmosphäre, die dem Betroffenen erlaubt sich seiner Geschichte und seines Werdegang bewusst zu werden und zu stellen.

Die Hypnosetherapie nach Erickson schafft genau diese Möglichkeiten. Sie öffnet einen direkten Weg zum Unterbewusstsein des Klienten und ist heute anerkannt als ein „wirksames bis hochwirksames Verfahren bei bestimmten Angststörungen“ (Erich Flammer: Die Wirksamkeit von Hypnotherapie bei Angststörungen).

Die Hypnosetherapie bei Logophobie wirkt also auf verschiedenen Ebenen. Zunächst gibt sie dem Betroffenen Methoden der Selbstberuhigung und Selbsthypnose an die Hand. Während der Sitzungen entsteht die Möglichkeit der Konfrontation mit der Angst im geschützten Umfeld, und je tiefer die Entspannung wird - und je tiefer das Vertrauen zwischen Hynosetherapeut und Klient - desto mehr kommt der Betroffene an die Ursache seiner Angst. Diese wird im Laufe der nächsten Sitzung immer deutlicher und letztlich komplett aufgelöst. Die Logophobie wird an ihrer Ursache bekämpft und schließlich auch geheilt. 

Dysphonie ein organisches Leiden

Auf den ersten Blick scheint die funktionelle Dysphonie eine ganz andere Erscheinungsform zu sein als die Logophobie oder die Sprechangst. Die Dysphonie, von Fachleuten in Hypo- und hyperfunktionelle Dysphonie unterteilt, hat eine klar erkennbare körperliche Auswirkung. Die Stimme bleibt weg. Bei der hypofunktionellen aufgrund von nicht schließenden Stimmlappen und bei der hyperfunktionellen Dysphonie aufgrund von übermäßiger Kontraktion der Stimmbildungsmuskulatur.

Ursachen von Dysphonien

Zu den Ursachen von Dysphonien zählen Überbelastung, beispielsweise durch berufliche Beanspruchung (Callcenter, Sänger) oder organische Ursachen, wie Entzündungen etc. Weitere Ursachen sind hormonelle Veränderungen, wie in der Menopause oder der Pubertät oder Probleme im Bereich der Halswirbelsäule. Alkohol oder Nikotin können eine Dysphonie begünstigen. In vielen Fällen jedoch ist keine organische Ursache für die Erkrankung zu finden. Hier ist die Heilung meist sehr schwierig und eher ungewiss.

Symptome der Dysphonie

  • Die Stimme klingt rau und belegt
  • Stimmvariationen sind nur noch sehr eingeschränkt möglich
  • Die Stimme ist zu laut oder zu leise
  • Heiserkeit bis hin zur Stimmlosigkeit
  • Schmerzen im Kehlkopfbereich
  • Fremdkörpergefühl im Haus
  • häufiges Räuspern und Schlucken

Hilfe bei Dysphonie

Funktionelle Stimmstörungen werden in der Regel durch logopädisches Training behandelt. Die Basis des Trainings bildet das Bewusstsein über den Artikulationsakt und die Selbstüberwachung während der Artikulation. Dies ist in vielen Fällen sicherlich hilfreich.

Wenn man nun jedoch bedenkt, dass eine funktionale Dysphonie sehr häufig bei Frauen in der Lebensmitte auftritt, die zudem einen „Stimmberuf“ haben, fällt auf, warum dieser Logopädie-Ansatz hier nicht verfängt. Die betroffenen Patientinnen sind professionelle Sprecher. Sie kennen die gängigen Stimmübungen und wissen wie sie mit dem empfindlichen Organ umzugehen haben. 

Die Hypnose geht hier einen ganz anderen Weg. Sie stellt zunächst einmal die Frage nach dem Sinn der Erkrankung und versucht herauszufinden, welche tieferen Empfindungen der „Sprachlosigkeit“ zu Grunde liegen. Die meisten Betroffenen finden während der hypnotischen Trance ihre Stimme wieder. Selbst wenn die Heiserkeit direkt nach der Sitzung wieder einsetzt, hat diese Erfahrung eine außerordentlich große Wirkung und ist ein erster Schritt auf dem Weg die eigene Stimme wieder zu erlangen und sie selbstbestimmt einzusetzen.

Hypnose bei Sprech- und Stimmstörungen

Hypnose wirkt! Und zwar auf verschiedene Weise. Das beginnt damit, dass Sie sich unter Hypnose entspannen. Während der hypnotischen Trance  ist Ihr Kehlkopf frei und gelöst. Die Atmung ist ruhig der Puls verlangsamt. Ihre Angst erleben Sie als etwas von Ihnen getrenntes. Sie können sie beobachten ohne von ihr überwältigt zu werden.  Sie erfahren, dass Sie Herr über die Angst sind, eine unglaublich befreiende Erkenntnis.

Je tiefer Sie in die Trance gehen, desto stärker kommen Sie in Kontakt mit Ihrem Unterbewusstsein. Sie erkennen frühe Kränkungen, ohne von Ihnen beeinflusst zu werden und sie lernen Bereiche Ihres Selbst kennen, die frei, kraftvoll und ohne Angst sind. Die Hypnose zeigt Ihnen die Ursachen für Ihre Sprach- und Stimmstörungen und gibt Ihnen die Lösungen gleich mit dazu. Vieles davon wirkt bewusst und sofort, anderes wirkt im Verborgenen und über längere Zeit.

Die Wirksamkeit von Hypnose wurde mittlerweile in zahlreichen Studien nachgewiesen. Diese sind unter anderem „Die Wirksamkeit von Hypnotherapie bei Angststörungen“ von Erich Flammer oder „Metaanalyse zur Wirksamkeit der Hypnotherapie“ von Katharina Wais und Dirk Revenstorf

Autor: Isabella Buschinger
Thema: Sprechangst, Logophobie, Dysphonie - Kommunikationsprobleme erkennen und behandeln
Webseite: https://www.hypnose-in-berlin.de

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