Kinder sind sehr individuell, so wie Erwachsene. Gerade beim Essen kommen die unterschiedlichen Persönlichkeiten zum Vorschein.

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Manche Kinder essen und trinken viel, manche wenig. Manche mögen keinen Fisch und wiederum manche nur Eier. Manch einer bevorzugt leckere, süße Speisen und vertraut etwa auf das Tischgebet: „Lieber Gott, bitte sorg' dafür, dass im Pudding genauso viele Vitamine enthalten sind, wie im Spinat.“

Allen Kindern ist allerdings eins gemein: Sie nehmen die Welt nicht so konzeptionell wahr wie wir und sind ihren Launen mehr ausgeliefert. Sie verfügen über geringere Impulskontrolle!

Verantwortung der Eltern

Erwachsene hingegen können sich selbst besser kontrollieren und durchdringen somit auch das Argument, dass man mit gesunder und ausreichender Nahrung mehr Energie in der Schule, beim Sport und für die körperliche sowie geistige Entwicklung hat. Die Fähigkeit, dem langfristigen Nutzen mehr Gewicht einzuräumen als dem kurzfristigen, bringt uns in die Situation, Verantwortung für unsere Kinder zu übernehmen und ihren Handlungsspielraum zu begrenzen, wenn es uns notwendig erscheint.

Auf der anderen Seite besteht die Aufgabe der Eltern und anderen Bezugspersonen darin, unseren Nachkommen den Geschmack von Freiheit zu ermöglichen. Sie sollen fähig werden, selbst zu bestimmen und besser durch Erfahrungen als Verbote im Leben zu lernen. Dieses feine Spannungsfeld zwischen authoritärer Führung und Überlassung der eigenen Entscheidung ist bei dem Thema „Essen“ in der Erziehung besonders entscheidend.

Oft entwickeln beispielsweise Kinder aus zu strengen Familien bzw. Familien mit hohen Erwartungshaltungen Auffälligkeiten beim Essen. Die Nahrungsaufnahme scheint für sie einer der wenigen Bereiche zu sein, in dem sie noch selbst für sich Entscheidungen treffen können.

Praktische Tipps

Bitte versuchen Sie also nicht Ihr Kind zum Essen zu zwingen! Achten Sie mehr darauf, dass es zwischen den Mahlzeiten nicht nascht, sich nicht mit Kakao oder Milch satt trinkt und genügend Bewegung an der frischen Luft bekommt, um den Appetit anzuregen. Außerdem können kreativ hergerichtete Teller mit nur geringen Portionen für ein Kind appetitanregend wirken.

Mögliche Ursachen von Appetitlosigkeit bei Kindern

Appettitlosigkeit kann bei Kindern natürlich viele Ursache haben. Die Ursachenforschung sollte demnach genau betrieben werden. Zuallererst sollten Sie ärtztlich überprüfen lassen, ob es eine körperliche Ursache gibt. So kann beispielsweise geringe Essensfreude eine Begleiterscheinung eines Virus sein.

Geringerer Appetit kann allerdings auch ein Anzeichen dafür sein, dass Kinder im Alltag Probleme erleben. Versuchen Sie, mit Ihrem Kind in Beziehung zu treten, es mütterlich zu umsorgen und herauszufinden, was es bewegt. Vielleicht hilft schon unsere entspannte und zuversichtliche Haltung, damit unsere kleinsten Familienmitglieder die Welt wieder freudvoll erleben.

Es gibt allerdings auch einen Grad an Appetitlosigkeit, der für die Entwicklung des Kindes schädlich ist und bei dem auch liebevolle Gespräche keine Wirkung mehr zeigen. Dann liegen die Probleme tiefer, auf unbewusster Ebene. 

Hier kann man fragen: Welchen Nutzen hat das Kind von seinem Verhalten?

Das Kind könnte möglicherweise mehr Aufmerksamkeit generieren.

Ein weiterer Gewinn könnte der Druckausgleich sein. Langfristig erlebter Stress im Alltag (Familie, Schule) durchdringt die natürlichen Widerstandskräfte des Kindes und führt zu kompensativen Handlungen.

Auch könnte das Thema durch ein ungesundes Schönheitsideal entstanden sein. Ein pubertierendes Mädchen könnte Essen verweigern, weil es sich zu dick erlebt. Hier geht es oft um das Thema Selbstbewusstsein und Identität.

Professionelle Hilfe

Wenn Sie sich überfordert fühlen, können Sie sich auch professionellen Rat holen. Gerade bei Themen, die im Beziehungssystem der Familie liegen, kann eine systemische Familientherapie angebracht sein.

Haben Sie jedoch nur den geringsten Verdacht, dass sich Ihre Tochter bzw. Ihr Sohn in die Richtung Magersucht und Depression entwickelt, wenden Sie sich sofort an einen Facharzt mit entsprechender Spezialisierung. Die gesundheitlichen Risiken sind hier einfach zu groß. Erst in Kombination mit der ärtztlicher Behandlung kann eine Psychotherapie begleitend in Angriff genommen werden.

Autor: Benedikt Krewett
Thema: Appetitlosigkeit bei Kindern
Webseite: http://familien-therapeut.de