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Kategorie: Lifestyle

Um zu verstehen, warum es in den Wechseljahren einer Frau oftmals zu einer Müdigkeit kommt, müssen wir uns erst damit beschäftigen, was im weiblichen Körper in dieser Zeit vor sich geht.

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Was geschieht überhaupt in den Wechseljahren?

Die Wechseljahre oder Menopause - wie sie auch noch genannt werden - teilen sich in drei Phasen auf.

Die erste ist die Prämenopause

Diese Phase kann schon mit Anfang 30 beginnen. Bei manchen Frauen auch erst mit Ende 40. Die Haupthormone im weiblichen Körper sind Progesteron und die Östrogene. Östrogene ist ein Sammelbegriff für eine Östrogengruppe. Diese setzen sich zusammen aus Östron, Estradiol und Estriol. Östron ist eine Speicherform im Fettgewebe. Der Körper kann bei Bedarf auf das Hormon zurückgreifen und es dann in Östradiol umwandeln.

Jetzt sind wir auch schon beim zweiten Hormon, dem Östradiol. Das Östradiol ist das stärkste und wichtigste Hormon der Östrogengruppe. Es ist wichtig für die Schilddrüsenfunktion, dem Knochenwachstum und für gesunde und kräftige Haare. Es stabilisiert den Fettstoffwechsel, schützt vor Diabetes und sorgt auch dafür, daß wir gut schlafen können.

Das dritte Hormon in dieser Gruppe ist das Östriol. Es macht die Schleimhäute feucht und hält sie geschmeidig. Die Östrogene werden hauptsächlich in den Eierstöcken, den Nebennieren und auch im Fettgewebe gebildet.

In dieser Phase der Prämenopause beginnt das Progesteron langsam abzufallen. Die Östrogene bleiben noch relativ stabil in dieser Zeit. So kann im Körper schnell eine Östrogendominanz (ein Überschuß) entstehen. Es kann zu Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit, Gewichtszunahme - weil sich der Stoffwechsel verlangsamt, Libidoverlust, Wassereinlagerungen und Schilddrüsenproblemen kommen.

Das Progesteron bezeichnet man auch als Mutter der Hormone. Es wird in den Eierstöcken und den Nebennieren gebildet. Aus dem Progesteron wird eine Vielzahl von Hormonen hergestellt. Ist zu wenig Progesteron im Körper vorhanden, fehlen andere Hormone in anderen Bereichen.

Progesteron ist im Körper wichtig für die Fettverarbeitung, den Schlaf, das Herz, den Stoffwechsel, die Knochen, das Immunsystem, die Gedächtnisleistung und auch für die Schilddrüse.

Entsteht ein Progesteronmangel im Körper, kann Schlaflosigkeit auftreten und es kann zu einer Gewichtszunahme kommen.

Progesteron und Östrogene haben einen gegenseitigen Einfluß aufeinander.

Wurden oder werden durch künstliche Hormone - wie die Pille - die körpereigene Progesteronbildung unterdrückt, haben die Nebennieren und die Eierstöcke das Signal bekommen, daß sie Pause haben. Wird das über viele Jahre praktiziert, stellen die Eierstöcke möglicherweise ihren Dienst ein, weil sie der Meinung sind, sie brauchen nicht mehr zu arbeiten.

Ebenso können die Nebennieren erschöpft sein durch zuviel Streß und Ernährungsfehler.

Der Körper kann in der Prämenopause jetzt nur noch ungefähr 70% der Nahrung verwerten. Vitamine und Mineralien werden somit auch weniger aufgenommen. So läßt sich ein Mangel an Nährstoffen erklären. Fehlen dem Körper Nährstoffe, so fehlt ihm auch die Energie. Jetzt ist es besonders wichtig, hier wieder die Defizite auszugleichen. Am Besten über eine vollwertige Ernährung, mit viel Obst und Gemüse.

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In dieser Zeit finden immer mehr Zyklen ohne Eisprung statt. So wird automatisch weniger Progesteron im Körper gebildet. Das kann zu einer Östrogendominanz (einem Überschuß an Östrogenen) führen.

Durch Umwelteinflüsse werden sogenannte Xenoöstrogene aufgenommen. Diese sind in Weichmachern, Pestiziden und Industriechemikalien enthalten. Sie können im Körper eine östrogenartige Wirkung verursachen.

Zum Ende dieser Phase sinkt auch die Menge an Östradiol und Östriol. Es tritt vermehrt Trockenheit der Schleimhäute auf. Bei gereizten Augen und trockener Scheide sollte das in Betracht gezogen werden.

Die zweite ist die Perimenopause

Das ist die Zeit der eigentlichen Wechseljahre. Die Regel bleibt immer häufiger aus, bis sie irgendwann komplett versiegt. In dieser Phase sinkt das Östrogen weiter ab. Es werden nun ca. 40% weniger Östrogene produziert. Die Eierstöcke gehen in die Ruhephase. Die Nebennieren, in denen auch das Östrogen gebildet wird, können jedoch nicht soviel übernehmen wie die Eierstöcke.

Sind die Nebennieren erschöpft - z.B. durch Streß - kommt zusätzlich noch ein Cortisolmangel dazu. Das Cortisol wird in den Nebennieren gebildet und steuert den Stoffwechsel von Fetten, Eiweiß und Kohlenhydraten. Bei zuwenig Cortisol kann die Leber nicht genügend Energie bereitstellen. Zudem reguliert es die elektrische Aktivität der Neuronen im Gehirn. Fehlt Cortisol, kann es zu Schlafstörungen und eingeschränkten Gedächtnisleistungen kommen.

Streß kann dadurch verursacht werden, daß im Beruf auf Leistung und Karriere hin gearbeitet wird. Der Körper steht ständig unter Strom. Aber auch emotionale Krisen - wie z.B. Beziehungsprobleme oder Trennungen - können Streß auslösen.

Da auch im Fettgewebe Östrogene produziert werden, können sich bei der Frau jetzt auch vermehrt Fettpolster als Speicher bilden. Der Körper sorgt für diese Zeit und für die Zeit danach vor.

Außerdem werden die Blutzuckerhormone vom Progesteron beeinflußt. Fett kann sich leichter ansetzen und die Gefahr einer Insulinresistenz steigen. Die Folge davon kann dann Diabetes Typ 2 sein.

Die dritte ist die Postmenopause

Das ist zwei Jahre nach der letzten Blutung. In dieser Phase ist sowohl das Progesteron, als auch die Östrogene relativ niedrig.Der Körper sehnt sich jetzt nach einer verdienten Ruhepause. Und das sollte man ihm auf jeden Fall auch gönnen.

Welche Lösungen gibt es?

Die sogenannte HET (Hormonersatztherapie). Es sind mittlerweile viele Nebenwirkungen bekannt. Bitte informieren Sie sich sorgfältig und kritisch über diese Therapie. Außerdem haben synthetische Hormone eine andere Zusammensetzung und dadurch eine andere „message“ (Nachricht) an den Körper als die körpereigenen Hormone.

Eine natürliche Hormonsubstitution ist mit bioidentischen Hormonen möglich. Die verschiedenen Hormone werden aus der Yamswurzel im Labor hergestellt. Die Yamswurzel ist hauptsächlich in den Tropen verbreitet. Sie enthält den Stoff Diosgenin. Das ist eine Vorstufe des Progesterons. Diese im Labor umgewandelten Hormone sind identisch mit den menschlichen Hormonen - daher bioidentisch. Normalerweise werden diese Hormone als Creme auf die Haut aufgetragen. Diese bioidentischen Hormone können in jedem Lebensalter angewendet werden. Es gibt sie auch als homöopathische Dosierung, welche frei verkäuflich sind.

Aber Achtung! Es kann relativ schnell ein Ungleichgewicht entstehen und das führt dann schnell zu einem Überschuß. Diese Therapie gehört in die Hände eines Therapeuten. Der Therapeut kann einen Speicheltest über ein Labor veranlassen. Dann hat man einen Ausgangswert und sollte diesen auch alle paar Monate überprüfen lassen. Ebenso sollten die Hormone dem Alter und der Phase entsprechend angepasst werden.

Es gibt auch höher dosierte Cremes. Diese müssen jedoch vom Arzt verschrieben werden. Bei einem größeren Mangel an Hormonen macht das oftmals auch Sinn.

Mit Hilfe der Pflanzenkraft kann ebenfalls ein sehr guter Ausgleich geschaffen werden. Die Natur stellt uns alles zur Verfügung, was wir brauchen. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, da manche Pflanzen die Wirkung von Progesteron und Östrogenen haben können.

Oft wird empfohlen, Sojaprodukte zu essen. Bedenken Sie bitte, daß Soja östrogenhaltig ist. Sind Sie in einer Östrogendominanz, kann das Ihre Beschwerden noch verstärken. Besser vorher einen Speicheltest machen lassen.

Vitamine, wie E und C und Nachtkerzenöl kann Hitzewallungen reduzieren und die Vaginalschleimhaut regenerieren.

Mineralien wie Zink und Kupfer helfen bei der Umwandlung von Progesteron in Östrogenen.

Auch gibt es verschiedene Komplexmittel (das sind Mittel mit mehreren Wirkstoffen) auf dem Markt, um hier zu unterstützen.

Was kann ich sonst noch für mich tun?

Entspannen Sie sich! Nehmen Sie sich Zeit für sich und Ihren Körper. Er fordert immer mehr seine Ruhepausen.

Es gibt Kurse und DVDs zu Hormonyoga. Diese Art des Yogas kann eine Balance der Hormone herstellen. Gleichzeitig tun Sie etwas für ihre Beweglichkeit.

Bewegung ist sehr wichtig in dieser Phase. Machen Sie das, was Ihnen Spaß macht. Beginnen Sie langsam. Auch wenn es nur Spazierengehen ist.

Suchen Sie sich Hobbies. Schaffen Sie Harmonie in Ihrer Seele. Schon der römische Dichter Juvenal sagte: Ein gesunder Geist, wohnt in einem gesunden Körper.

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Und zu guter Letzt

In den Urvölkern galten die Frauen in den Wechseljahren als weise. Erst jetzt ist es möglich, nach innen zu schauen und sich Zeit für sich zu nehmen. Die Energie, die vorher für die Fortpflanzung benötigt wurde, kann jetzt für andere Schaffenskräfte genutzt werden. Viele Frauen entdecken jetzt Ihre Spiritualität.

Fazit

Lassen Sie einen Status Quo ihrer Hormone - auch Cortisol - über einen Speicheltest durchführen. Dann wissen Sie, was ihr Körper benötigt. Suchen Sie sich einen Therapeuten, der Sie in diesem Prozeß begleitet und berät.

Dann können Sie auch mit Tatendrang und frischer Energie die Wandlungsphase der Wechseljahre angehen.

Autor: Susanne Eichhorn
Thema: Ständig müde und antriebslos Wechseljahre
Webseite: https://www.eichhorn-naturheilpraxis.de

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