verlassen, betrogen, gekündigt, übergangen, verraten, abgelehnt. Nicht nur hochsensible Menschen empfinden derartige Erfahrungen als tiefe Verletzungen.

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Die Wucht kann so traumatisch sein, dass vertrauensvolle, authentische Begegnungen nicht mehr möglich sind. In diesem Fall spricht die Fachwelt von einer Verbitterungs-Störung. Ob wir uns entscheiden für Rückzug oder Angriff, Erstarrung, Verleugnung oder Anpassung - was bleibt, ist eine unbewusste Selbstablehnung und eine Wunde, die nicht heilt.

Verschlimmert wird dieser Zustand durch belächelt-werden und durch gutgemeinte Ratschläge wie: „nimm es nicht persönlich“ oder: „du musst loslassen“ sowie „zahle es dieser Person heim“.

Ratschläge sind auch Schläge – nämlich dann, wenn gar nicht danach verlangt wurde. Und ein Lächeln kann Arroganz sein, wenn es nicht von Herzen kommt.

Auch die Kraft der Aggression hilft nicht, denn egal wie wir kämpfen, wir fühlen uns hilflos den immer wiederkehrenden, demütigenden inneren Bildern und Emotionen ausgeliefert. Sie nagen an uns. Psychosomatische Symptome wie Schlafstörungen, Kopf- oder Magenschmerzen können die Folge sein bis hin zu Suizid. Möglich ist auch ein Herzinfarkt, wenn der Körper über Jahre hinweg durch diesen Stress mit zu viel Adrenalin überschwemmt wurde, was zu Gefäßschädigungen führt. In diesem Fall hat (scheinbar) sogar das eigene Herz uns verraten und im Stich gelassen.

Möglicherweise haben wir bereits viel Bewusstseins-Arbeit geleistet und geben Statements von uns, die auf den ersten Blick sehr reflektiert wirken. Allerdings kann dies dazu führen, dass wir uns damit einen zusätzlichen Druck aufbauen im Sinne von „ich habe gelernt, dass es meine Gedanken sind (z.B. Bewertungen), die meine Gefühle auslösen. Wieso schaffe ich es dennoch nicht, anders zu sein?“ oder: „ich bin selber schuld“.

Was von vielen Coaches gut gemeint als Weg aus dem Dilemma angeboten wird, nämlich die Einsicht, dass es keine Opfer gibt und Übernahme der Verantwortung in die Kraft führt, verfehlt nicht selten das Ziel. Diese Aufforderung, durch Übernahme der Verantwortung von passiv in aktiv, von hilflos zu machtvoll  zu wechseln, löst oft Beschämung aus. Bestenfalls fühlt sich der Klient dann unverstanden und alleine gelassen. Ganz sicher aber, fühlt er sich nicht angenommen und akzeptiert mit seinen Emotionen und in seinem So-Sein. Warum heilen diese klugen und wahren Aussagen nicht, wenn doch jeder Mensch – auch der Klient - der Logik beipflichten kann?

Ganz einfach: Weil Wissen nicht heilen kann.

Auch das endlose Wühlen in der Kindheit, um nach Verletzungen des Selbstwertgefühls und anderen Ursachen der „Trigger“ für Kränkungsgefühle zu forschen, kann nach anfänglichem Nutzen wirkungslos oder sogar zu einer Art Sucht werden, was das Leben im Hier und Jetzt erschwert.

Jede Emotion hat ihre Berechtigung. Sie will gefühlt werden. Wenn wir nicht zulassen, dass schmerzliche Erlebnisse betrauert werden, sondern sofort in den Widerstand gehen und hart werden, bleibt die Wunde erhalten und wirkt weiter im Unbewussten. Um sie zu verarbeiten, braucht sie ihren Raum und sehr viel Selbstliebe. Sie will gefunden werden an Stellen am eigenen Körper. Sie will gesehen werden in ihrer Form, ihrer Größe. Sie möchte in ihrem eigenen Tempo und in kleinen Schritten behutsam an die Oberfläche. Sie möchte befragt werden, zu dem, was sie sagen möchte und was sie benötigt.

In diesen Zeiten ist der wichtigste Mensch in unserem Leben wir selbst. Haben wir für andere zu sorgen, so wäre jetzt der Moment Urlaub zu beantragen und falls Kinder vorhanden sind, diese zu den Großeltern oder ein Ferienlager zu bringen. Selbstliebe bedeutet auch finanziell zu sich selbst großzügig zu sein, sich etwas zu gönnen, das keine Ersatzbefriedigung ist. Selbstliebe ist ausreichend schlafen. Selbstliebe ist regelmäßige Zeiten in der Natur. Selbstliebe ist die Erlaubnis, alles stehen und liegen zu lassen um z.B. zu singen, zu musizieren oder die Lieblingsmusik zu hören. Alles, was keine Ablenkung ist, aber die Sinne anspricht, das Herz berührt und die Seele nährt hat jetzt Priorität: wandern, einen dankbaren Hund aus dem Tierheim ausführen, Kräuter sammeln, Gedichte oder die Biografie schreiben, am Flussufer liegen und die Wolken beobachten, ein Wellness-Tag im Spa, sich streicheln in der Badewanne, Kuschelgruppen, Selbstfindungs-Workshops.

Vor allen Dingen bedeutet Selbstliebe ein Bewusstsein für unsere verschiedenen inneren Anteile. Neben dem inneren Kind mit seiner Lebendigkeit, Kreativität und Sensibilität lebt in uns auch eine erotische Person, eine lebenserfahrene kluge Person, ein Krieger welcher seine Wut nutzt für Veränderungen und ein innerer Spiritueller sowie viele weitere Anteile. Sie alle möchten beachtet werden, damit wir uns in Harmonie befinden.

Der innere spirituelle Anteil nährt sich über Religion, Geheimnisse des Universums; Schamanismus, Jahreskreisfeste unter Gleichgesinnten, Rituale,  , Gebete, Meditationen, Yoga, bewusstes Atmen, energetische Reinigungs- und Schutz-Rituale u.s.w.

Durch die endlich praktizierte und täglich umgesetzte Selbstliebe heilen wir uns, bauen wir unseren Schutz auf und werden immer stabiler in unserer Balance. Denn selbst wenn uns niemand liebt, so lieben wir uns. Auch die Liebe eines Schöpfers ist uns gewiss. Oder – je nach Glauben – eine immerwährende Energie, von der wir ein Teil sind.

Wenn der Schmerz dennoch zu überwältigend erscheint, um sich ihm zu nähern, ist es hilfreich, dies gemeinsam mit einem achtsamen Freund oder professionellen Begleiter zu tun.

Wir sind nicht schwach, wenn wir unsere Verletzlichkeit zeigen. Es ist nicht nötig, sich selbst für vergangene „Fehler“ Vorwürfe zu machen, denn wir haben alles richtig gemacht. Wir waren wir selbst – unvollkommen so wie jeder Mensch. Das zu zeigen, macht uns liebenswert.

Sich aufgrund negativer Erfahrungen unnahbar zu geben, sich zu verschließen, mag vor neuen negativen Erfahrungen bewahren, schützt aber nicht wirklich, sondern macht wissenschaftlich erwiesen auf Dauer körperlich krank. Dieses „nein“ zum Leben, rächt sich an uns selbst.

Solch eine Distanz zu den eigenen Gefühlen, zu anderen Menschen und zu Chancen wird von der Umwelt sehr genau wahrgenommen und uns zurück gespiegelt. Ein Teufelskreis beginnt.

Es ist möglich, dass ein hart gewordenes Herz sich wieder zu einem weichen Herzen hin verändert, wenn wir sehr viel aufrichtige Liebe für uns selbst empfinden und danach handeln. Indem wir uns selbst wertschätzen, unabhängig von der Außenwelt. Indem wir uns selbst Anerkennung geben. Und indem wir erkennen, dass wenn ein anderer uns ablehnt, dies Ausdruck seiner eigenen Lebenseinstellung ist und nur wenig mit uns zu tun hat. Dies dürfen wir betrauern. Denn nur der Widerstand zu trauern, dafür aber zu hassen hält Emotionen dauerhaft fest. Akzeptieren wir die schmerzlichen Gefühle, verursacht durch Ablehnung, können sie sich wandeln. Beispielsweise durch lautes aussprechen der Worte:

 „Auch wenn ich es nicht verstehe, akzeptiere ich, dass es geschehen ist und sorge nun gut für mich“.

Loslassen und Abgrenzen – das ist Vergeben. Vergebung ist nicht Selbstverleugnung, vergessen, gutheißen oder den anderen aus seiner Verantwortung entlassen. Vergebung –wenn sehr Schlimmes geschehen ist - hat mit täglich praktizierter Selbstliebe zu tun, mit dem mutigen Zulassen authentischer Gefühle, mit Selbstvergebung und mit Abgrenzung. Dies zu erreichen ist ein Prozess – wie das Gehen auf einer Treppe mit vielen Stufen, um dann schließlich auf das Erlittene zurückschauen zu können ohne davon innerlich weiter erschüttert zu werden. Das Erlebte wird akzeptiert als ein Teil der eigenen Biographie.

Vergebung ist Freiheit von einer Last. Mit Anhaftungen strafen wir nicht den anderen, sondern nur uns selbst. Vergebung bedeutet, den anderen loszulassen und uns selbst zu befreien. Das darf je nach Schwere der Tat durchaus ganz praktisch ein Kontaktabbruch bedeuten, auch ein Gerichtsverfahren, jedoch ohne auf der emotionalen Ebene weiterhin unterschwellig verwickelt zu bleiben. Emotionen – auch negative Emotionen binden!

Wenn wir uns durch täglich praktizierte Selbstliebe annehmen mit all unseren Fehlern, kann uns keine Kritik, keine Ablehnung mehr so tief erschüttern, dass sie uns auf Dauer die Lebenskraft raubt.

Lasst uns im Fluss sein und das Leben annehmen, was auch immer geschehen ist. Dazu gehört eine gesunde Demut dem Leben gegenüber, was eine Würde mit sich bringt, die uns stärkt.

Ich lade Sie ein, meine Beratung sowie Hilfe durch Familienaufstellungen (Gruppentherapie oder Einzelaufstellung) oder eine schamanische Sitzung in Anspruch zu nehmen. Auf Ihrem Weg werden Sie behutsam begleitet. Hier dürfen Sie wütend sein, weinen, lachen, an Klarheit gewinnen und das Strahlen und Leuchten Ihrer Augen zurückerobern.

Autor: Sandra Erb
Thema: Kränkung und Verbitterung überwinden
Webseite: https://souls.family