Im Bereich der Psychotherapie gibt es zwei Möglichkeiten mit Menschen zu arbeiten.

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Einmal gibt es die analytische Arbeit, deren Begründer Sigmund Freud ist.

In dieser Therapie wird „aufdeckend“ gearbeitet.

Es werden die Gründe und Ursachen für das aktuelle Verhalten des Menschen gesucht. In langen Gesprächen versucht der Therapeut die Ursachen zu erkennen und diese dann dem Patienten mit zu teilen. Konflikte und ins Unbewusste verdrängte Triebe werden hier aufgedeckt und aufgezeigt.

Diese aufdeckende Arbeit kann für den Menschen, der sie durchlebt mit viel Stress und der möglichen Retraumatisierung verbunden sein.

Das Gegenteil dieser Therapieform ist das Supportive Gespräch, das mehr auf die Stärken und positiven Verhaltensweisen und auch Stärken des Menschen fokussiert ist.

Diese Art der Gesprächsführung findet in immer mehr Bereichen einen Einsatz.

Besonders in der Therapie von stark traumatisierten Menschen kann es für die Betroffenen sicherer sein, mit einer „zudeckenden“ Therapieform konfrontiert zu werden.

Dies dient der Vermeidung der Re-traumatisierung.

Das Supportive Gespräch ist ein unterstützendes Gespräch, das auf die Stärken des Gesprächspartners hinweist.

Menschen, die eine Traumatisierung überlebt haben, sind starke Menschen. Sie haben einen Schutz entwickelt, das Trauma in ihr Unterbewusstsein zu verschieben. Es ist für sie unmöglich aktiv auf diese Erinnerungen zuzugreifen.

Diese Erinnerungen sind im Alltag trotzdem präsent und können sich in Form von „Flashbacks“ (Erinnerungsblitzen) bemerkbar machen.

Erinnerungsblitze sind diffus und verschwommen, leiten den Menschen allerdings oft dazu an, sich in Situationen, Begegnungen mit anderen Menschen inadäquat zu verhalten.

Dies alles geschieht unbewusst für den Menschen. Eine Änderung seines Verhaltens kann nur gelingen, wenn die Funktion und der Hintergrund der Entwicklung eines Flashbacks erklärt wird.

Es sind belastende Situationen für die Betroffenen, die sich „überrollt“ und hilflos fühlen, ebenso wie für die Angehörigen, die das Verhalten nicht verstehen können.

In der Therapie nutzt der Therapeut das supportive Gespräch, um gemeinsam mit dem Patienten die Situation noch einmal von einer Meta Ebene aus wahrzunehmen.

So wird der Patient motiviert einmal einen Positionswechsel vorzunehmen und zu erkennen, wie verstörend sein Verhalten auf seine Mitmenschen wirkt.

Gemeinsam mit dem Therapeuten wird dann vorsichtig, in kleinen Schritten, versucht, herauszufinden, welche möglichen Auslöser für das Verhalten vorliegen können.

Gelingt es diese zu identifizieren, wird in einem weiteren Schritt versucht, individuelle Techniken zu erarbeiten, die Auslöser zu identifizieren.

Die Auslöser können auch im Umfeld des Patienten angesiedelt sein.

Oftmals haben Menschen mit einer Traumatisierung Schwierigkeiten ihre Grenzen zu erkennen, diese zu benennen und auch deutlich zu machen.

Sie schaffen es selten, Grenzen zu ziehen.

Ebenso können sich Rituale innerhalb einer zwischenmenschlichen Beziehung, (Partnerschaft/Familie/Arbeitsbereich) eingeschlichen haben, die irgendwann einmal wichtig, und auch stützend waren.

Diese haben sich jetzt, durch die persönliche Weiterentwicklung der beteiligten Menschen, in destruktive Rituale geändert.

Ein Beispiel:

Ein Mensch mit einer Borderline Störung begibt sich in Therapie und lernt sich selber, sein Verhalten, auch sein dysfunktionales Verhalten, seine mittlerweile dysfunktionalen, destruktiveh Rituale kennen (richtig) und ändert diese in seinem persönlichen Tempo.

Das Umfeld reagiert darauf mit Unverständnis und hält an seinen Ritualen fest, weil diese Sicherheit bieten.

Hier ist es dringend angezeigt, dass auch die „Angehörigen“ aus dem Umfeld des Betroffenen, mit an den Tisch geholt werden.

Ein gemeinsames supportives (stützendes, erklärendes) Gespräch, oftmals eine ganze Reihe von diesen Gesprächen, ist angezeigt, um die positiven Therapieerfolge zu vertiefen und dem Betroffenen zu helfen, diese auch zu verinnerlichen.

In diesen Gesprächen geht es sachlich um die Rituale innerhalb des Angehörigen Systems und auch um die Grenzen des einzelnen.

Dies alles muss neu verhandelt werden. Ohne Schuldzuweisungen.

Supportive Gesprächsführung kann auch nur in einzelnen, weniger komplexen Bereichen geschehen.

Zum Beispiel können Verletzungs- oder Aggressionsprofile erstellt werden, um dem Menschen bewusst zu machen, warum er wie reagiert.

Fazit ist, supportive Gespräche sind immer auf die Stärken der Menschen gerichtet.

Sie sollen unterstützen, helfen einen Weg in einer Krise zu finden oder auch helfen eine Krankheitseinsicht zu bekommen, um sich dann gezielt Unterstützung und Hilfe zu suchen.

In diesem Artikel habe ich mich zur Verdeutlichung dieser Art Gespräch, auf die Flashbacks, die Rituale und die Grenzen zwischen Menschen fokussiert.

Es gibt vielfältige Einsatzmöglichkeiten für ein supportives Gespräch.

Autor: Sabine Thiel
Thema: Supportives Gespräch
Webseite: http://beraterin-thiel.de