Es geht um mich selbst, die Überzeugung und das Vertrauen in mich als Person, meine Möglichkeiten bzw. Fähigkeiten mich für meine Rechte, Bedürfnisse und Wünsche einzusetzen und das daraus resultierende selbstbewusste Auftreten.

frau selbstbewusst blick ueber wolken

Wenn ich Selbstbewusst bin, kann ich u. a.

  • mich für mich Einsetzen und ggf. auch Fordern
  • mir und auch anderen Fehler und Schwächen zugestehen
  • Wünsche äußern und sie ggf. auch durchsetzen
  • Nein sagen
  • Komplimente annehmen
  • gut mit Kritik umgehen
  • auf andere zu gehen und Kontakte knüpfen
  • meine Meinung sagen ohne Angst vor Konsequenzen wie Kritik oder negativen Reaktionen

Was bedeutet es für dich selbstbewusst zu sein?

Was ist für dich anders wenn du selbstbewusst bist?

Was meinst du, wie sehen andere dich wenn du ein selbstbewusstes Auftreten hast?

Selbstbewusstsein ist mit Selbstvertrauen und Selbstsicherheit verknüpft. Das ist wie ein kleines Zahnradgetriebe, wenn das Rädchen Selbstvertrauen sich dreht, bewegt es die zwei anderen, Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein, mit und man ist auf die ein oder andere Art so gut wie jeder Situation gewachsen und findet eine Lösung.

Wie bekommt man Selbstvertrauen und ein selbstbewusstes Auftreten?

Wenn unsere Eltern uns ermutigen Neues auszuprobieren und uns oft loben erwerben wir Selbstvertrauen.

Im Gegenzug können Eltern aber auch dazu beitragen, wenn wir geringes oder mangelndes Selbstvertrauen haben, weil sie uns dauernd kritisieren, uns nichts zutrauen und übervorsichtig mit uns umgehen.

Wie zeigt sich geringes oder mangelndes Selbstvertrauen?

Wenn wir kein gefestigtes Selbstvertrauen haben, sind wir unsicher und zweifeln  ständig an uns und unseren Fähigkeiten. Gleichzeitig bietet dies aber auch anderen Menschen und Situationen die Möglichkeit, dass man z. B. ausgenutzt, gemobbt, gedemütigt oder übergangen wird, was uns dazu bringt, uns noch mehr in Frage zu stellen. Wir glauben, dass wir nichts können, nicht gut genug sind, machen uns klein und wollen bloß nicht auffallen. Auch unsere Körperhaltung spiegelt das wider, wir wirken zusammengesunken, verkrampft, ängstlich und vermeiden Augenkontakt, unsere Sprache ist leise und undeutlich.

Brauche ich Selbstbewusstsein?

Wenn wir nicht zum „Spielball“ unserer Gedanken und anderer werden wollen, auf jeden Fall! Jeder von uns - auch der taffste Mensch - hat ab und an Selbstzweifel, die gehören zu unserem Leben. Es ist vollkommen normal, dass man sich in schwierigen Situationen oder in Gesellschaft bestimmter Menschen unsicher fühlt. Diese

Selbstzweifel können eine Bereicherung sein, wenn wir uns von ihnen anregen lassen und dadurch positive Veränderungen entstehen. Ohne Selbstzweifel harren wir im Alten aus.

Wenn das mangelnde Selbstbewusstsein allerdings so starke Gefühle in uns hervorbringt, dass unser Fühlen und Verhalten negativ beeinflusst wird und es uns blockiert, also keine Weiterentwicklung zulässt, dann sollten wir aktiv werden.

Ein selbstbewusstes Auftreten kann man lernen!

Nicht nur junge Menschen sondern auch „fortgeschrittene“ Erwachsene können eine neue Einstellung erwerben, groß- und einzelartig zu sein und selbstbewusst durchs Leben gehen.

Es ist auch nicht wichtig aus welchen Gründen man mangelndes Selbstbewusstsein hat, wichtig ist nur, das man bereit hier und jetzt etwas zu ändern und das Alte hinter sich zu lassen!

Wie kann das gehen?

Das ist wie bei allem, durch regelmäßiges Üben! Was man regelmäßig macht wird zur Routine und festigt sich.

Es gibt diverse Übungen, von denen ich hier einige vorstelle. Wichtig ist zum einen immer, dass du die Übungen machst, mit denen du gut klar kommst und die sich gut in deinen Alltag integrieren lassen, und zum anderen, das sie regelmäßig über einen längeren Zeitraum (rechne mit Wochen bis Monaten) durchgeführt werden.

Mach dir immer wieder bewusst, das du eine eigenständige (erwachsene) Person bist, der man mit Respekt und Wertschätzung begegnen sollte. Nimm dich an, so wie du bist, akzeptiere deine Schwächen und kleinen Fehler. Lege dir ein Tagebuch zu, um dein Ziel, selbstbewusster zu werden effizienter erreichen zu können.

Sprich mit dir

Sag dir mehrmals am Tag mit einem Lächeln im Gesicht z. B.: „Anna (setze deinen Vornamen ein) ich mag dich/ich bin liebenswert/ich bin wertvoll/ich bin in Ordnung so wie ich bin.... Vielleicht fällt dir auch etwas anderes ein, was du dir positives sagen magst.

Auch wenn dir das komisch oder fremd vorkommt, zieh es einige Tage durch und achte auf die Veränderung in deinen Gefühlen und deinem Verhalten. Schreibe es auf, so wirst du die Veränderungen besser nachvollziehen können.

Selbstbeobachtung

Schreibe 1 – 2 Wochen auf, bei welchen Gelegenheiten du unsicheres Verhalten gespürt hast. In welchen Situationen hättest du dich gerne anders verhalten, wo bzw. an welchen Situationen bist du deiner Meinung gescheitert?

Werte es aus = nach Gemeinsamkeiten, wiederkehrenden kritischen Situationen Fremdbeobachtung

Lerne von anderen, beobachte selbstsicheres Verhalten bei anderen und schreibe 1 – 2 Wochen täglich auf:

  • Wie haben sie sich genau verhalten?
  • Was haben sie gemacht?
  • Wie sind sie aufgetreten?
  • Werte auch das aus und dann verknüpfe es mit deinen Selbstbeobachtungen – stelle dir Fragen:
  • War ich selbst in einer ähnlichen Situation?
  • Wie habe ich mich verhalten, wie hat der andere sich verhalten? Wie hätte ich mich verhalten können?

Stärken und Fähigkeiten

Jeder hat gewisse Stärken und Fähigkeiten, die andere nicht haben. Das macht uns einzigartig! Schreibe deine auf, frage auch gerne Menschen deines Vertrauens, was sie an dir schätzen. Baue deine Stärken und Fähigkeiten aus, werde dir ihrer bewusst und greife so oft es geht darauf zurück.

Schon wenn in deinen Gedanken Zweifel und Unsicherheit an Boden gewinnen, nimm dir die Liste und fühl dich bestätigt, das du Stärken und Fähigkeiten besitzt, die dem Gefühl der Schwäche mit breiter Brust entgegen treten können.

Rollenspiel

Begebenheiten, die einen dazu bringen an sich selbst zu zweifeln versuchen wir zu vermeiden. Je öfter wir das machen, desto größer wird das "Monster". Spiele solche Situationen einmal alleine zu Hause durch. Sprich laut – nicht nur in Gedanken – und sage, was du am liebsten gesagt oder getan hättest. Wenn du dich sicherer in der Begebenheit fühlst, kannst du das auch mit einer Person deines Vertrauens durchspielen.                                                                                                             

Körperhaltung trainieren

Stell dich vor den Spiegel und lass erst deine Schultern, Arme und Brust nach vorne hängen. Schau dich an. Was denkst du jetzt? Was fühlst du?

Nun nimm eine aufrechte Haltung ein, Oberkörper straffen, Schultern zurück, Brust raus, Kopf leicht erhoben und Blick geradeaus. Schau dich an. Was denkst du jetzt? Welche Gedanken und Gefühle kommen dir? Was ist jetzt anders?

Kleine Übung: Laufe täglich ein paar Minuten mit einem Buch auf dem Kopf herum.

Wenn du und dein Körper diese Haltung verinnerlicht haben, wirst du in schwierigen Situationen automatisch eine aufrechte Haltung einnehmen. In dieser Körperhaltung fühlt man sich größer, nimmt mehr „Raum“ ein und fühlt sich eher den Situationen gewachsen.

Versuche auch einmal diverse Kleidungsstücke. Es heißt nicht umsonst „Kleider mache Leute“. Bei Frauen verändert sich unbewusst z. B. Körperhaltung und Einstellung, wenn man Schuhe mit höheren Absätzen trägt (solltest du keine Übung haben, trage zu Hause höhere Schuhe und übe!). Zieh einen Blazer bzw. Sakko an, betrachte dich im Spiegel und lass es auf dich wirken, wie es dir damit geht.

Nicht verstecken!

Versuch immer wieder dich der Situation oder der Person zu stellen die dich verunsichert, geh ihr nicht aus dem Weg. Das kann ggf. viel Überwindung kosten, aber es lohnt sich. Wenn es um eine Person geht, musst du nicht zwingend mir ihr reden, aber ihr nicht aus dem Weg zugehen ist schon eine gute Übung. Man merkt dann immer mehr, das einem das nichts "anhaben" kann und das stärkt dich.

Blicken standhalten

Nimm dir jeden Tag 1 oder 2 Situationen vor, in denen du fremde Menschen gezielt anschaust. Nur solange, dass es nicht unangenehm wird. Meist merkt man nach kurzer Zeit, dass der andere nicht Stand hält und wegschaut. Beobachte dabei auch was in dir vorgeht, wie kommt dein Gegenüber rüber, selbstsicherer als du? Wie schaut er/sie zurück? Notiere auch das in deinem Tagebuch.

Ziele vornehmen und festigen

Nimm dir ein Ziel vor, was dir wichtig ist, bleib am Ball bis du es erreicht hast und sei konkret. Leg die Messlatte nicht zu hoch, sondern denke in kleinen Schritten und freue dich über jeden Teilerfolg.

Mach keine schwammige Aussage wie, ich möchte selbstbewusster werden, sondern sag es ganz klar:

(Beispiel): Ich möchte künftig im Gespräch mit XY auch einmal Nein-Sagen wenn ich wieder eine  Zusatzaufgabe übernehmen soll.

Stell dir die „Belohnung“ konkret vor, wenn du dieses Ziel erreichst.

Löse deine eigenen Antreiber auf

Perfektionismus – statt perfekt sein= Ich bin gut genug, so wie ich bin. Ich darf Fehler machen und daraus lernen

Getriebensein – statt sich beeilen = Ich darf mir Zeit nehmen. Ich darf innehalten und auch mal nichts tun.

Leistungsdruck – statt streng dich an = Ich darf mich über meine Erfolge freuen. Ich muss nur für mich Verantwortung übernehmen.

Fremd-Bedürfnisse abdecken – statt gefällig sein = Ich darf mich wichtig nehmen. Ich habe das Recht auf eine eigene Meinung.

Gefühle verbergen – statt stark sein = Ich darf Bedürfnisse haben und wünsche ausdrücken. Ich darf mir Hilfe holen.

Immer wieder die Antreiber anders formulieren dann wird sich Schritt für Schritt das Verhalten ändern und der Druck wird abnehmen. Das braucht Zeit, man lebt ja damit auch schon einige Jahre also kann das auch nicht in ein paar Tagen anders werden.

Zusammengefasst

Ein selbstbewusstes Auftreten kommt nicht angeflogen, es wird erworben und sollte gehegt und gepflegt werden. Regelmäßiges Üben, sich Erproben und hin und wieder bewusst die eigenen Grenzen überschreiten stärkt und festigt unser Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Menschen, die nach außen meist vor Selbstbewusstsein nur so strotzen haben auch in kritischen Situationen Selbstzweifel und Unsicherheit. Doch sie stellen sich dem im Bewusstsein ihrer Fähigkeiten, Körpersprache und eigenen Wertschätzung. Das schaffst du auch, wenn das dein Ziel ist. Fang an, denn Erfolg kommt vom tun! Und im übrigen hast du immer noch die Möglichkeit dir Hilfe zu holen.       

Autor: Ulrike Deutsch, Gesundheitsberaterin
Thema: Selbstbewusst auftreten
Webseite: https://www.gesundheitsberatung-deutsch.de

Expertenprofil:

Beiträge Persönlichkeitsentwicklung

Themenübersicht

unterhalten-silhuetten

Unterstützende Gesprächsführung

Im Bereich der Psychotherapie gibt es zwei Möglichkeiten mit Menschen zu arbeiten. Einmal gibt es die analytische Arbeit, deren Begründer Sigmund Freud ist. In dieser Therapie wird „aufdeckend“ gearbeitet. Es werden die Gründe und Ursachen mehr...


maedchen-gelangweilt

Was kann man gegen Langeweile machen?

Mir ist so langweilig! Kennen Sie diesen Satz, oder gebrauchen Sie ihn sogar selbst häufig? Kaum zu glauben, aber wahr. Trotz Social Media, immer höheren Anforderungen im Job und einem nahezu unerschöpflichen Freizeitangebot mehr...


dartscheibe-blaue-pfeile

Wie Sie Wünsche und Träume zu Ihren Zielen machen

Wünsche und Träume haben die meisten Menschen. Allerdings gelingt es nicht jedem, aus diesen Wünschen und Träumen ein ehrgeiziges Ziel oder ein konkretes Projekt abzuleiten. Doch worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen Wünschen, mehr...


vater-sohn-schiff-vintage

Wie man mit erblichen Belastungen umgehen kann

„Meine Oma wurde im letzten Weltkrieg in einem Luftschutzkeller verschüttet. Ich erfuhr davon, nachdem ich unerklärlichen Panikattacken auf den Grund ging, die mich überfielen, wenn ich plötzlichen lauten Geräuschen oder einem Feuerwerk mehr...


statue-gruebeln-denken

Ständiges Grübeln und Gedankenkreisen als verbreitetes Symptom

Wie viele andere psychopathologische Symptome ist auch das so genannte Ständige Grübeln ein unbewusster Lösungsversuch der Psyche. Gleich einer Endlosschleife wird versucht, mit unablässigem Nachdenken und Vor-sich-hin-Brüten, meist über das immer gleiche oder mehr...