„Ich schätze mal….“

Ich freue mich, Sie heute auf eine Exkursion durch meine spontane Gedankenwelt zum Thema "Wertschätzung und Respekt" einladen zu dürfen.

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Wertschätzung und Respekt. Worte, die sich in vielerlei Kontext sehr gut sehen lassen und ebenso gerne in Gebrauch genommen werden, wenn es darum geht umweglos auf menschliche Werte und Rechte hinzuweisen. Wir haben doch alle ein Recht darauf respektiert und in Folge dessen in unserem Wert geschätzt zu werden, nicht wahr? Das zählt doch quasi zu unserem Geburtsrecht, oder etwa nicht?

Darüber scheint sich durchaus streiten zu lassen, wenn wir uns auf die Reise durch verschiedene Gesellschaften, Religionen, Traditionen und Wertesysteme begeben. Wer sind also WIR? WIR Menschen?

Es braucht nur einen kleinen Moment des Mutes, um sich der eigenen Emotionen zu stellen die aufkommen, wenn man sich diese Frage genau anschaut und vor seinem geistigen Auge einen kleinen Film durch die Kulturen abspielen lässt.

Hungernde Kinder in den indischen Slums. Beschnittene Mädchen in Afrika. Kleine Jungs mit Maschinengewehren in Afghanistan. Obdachlose auf den Straßen Deutschlands. Tötungsstationen für Hunde in Spanien. Laboraffen. Menschenhandel. Wirtschaftlich gerechtfertigte Brandrodung der Wälder. Krieg. Flucht.

Nur ein paar Beispiele über Opfer und Täter weltweit. Kann einen schon erschaudern lassen, nicht wahr? Wer sind also WIR?

Nun, gehen wir einmal nicht ganz so weit über die Grenzen hinaus und betrachten einen etwas engeren Spielraum. Wir könnten klein anfangen und direkt in ein fiktives Familiensystem schauen. Nehmen wir doch einfach einmal eine bilderbuchreife Durchschnittsfamilie. Es könnte auch jede andere Familienform sein, aber wir stigmatisieren doch so gerne und ein wenig provozieren und zum Nachdenken anregen möchte ich Sie natürlich auch.

Vater, Mutter, 2 Kinder, Hund, Katze, Einfamilienhaus, Schwiegereltern. Das wäre jetzt eine kleine Gemeinschaft, sozusagen ein WIR mit ganz vielen ICHs. Rein theoretisch hat jetzt in diesem kleinen System ein jeder Teilnehmer das Recht auf Wertschätzung und Respekt. Oder? Doch was genau verbirgt sich denn hinter diesen so gerne verlangten Werten?

Sind es Gaben oder Bitten? Sind es Forderungen oder Almosen? Bedürfen sie einer vorausgegangenen Leistung? Kann man sie durch eine Leistung verdienen und mehren? Gibt es Kriterien, die Wertschätzung und Respekt gar unmöglich machen, oder temporär ausschließen? Steht jedem das gleiche Maß zu? Oder gibt es da Unterschiede?

Hat ein treusorgender Familienvater ein Recht auf Wertschätzung und Respekt obwohl er Alkoholabhängig ist? Welchen Wert hat eine Mutter, wenn sie Kinder versorgt und sich um den Haushalt kümmert? Hat ein trotziges und brüllendes Kind wirklich ein Recht auf Respekt? Wofür ist ein Schulkind zu schätzen, wenn es nur schlechte Noten und jede Menge Ärger mit nach Hause bringt? Und Haustiere? Naja, was können die denn schon? Ist es möglich seine Schwiegermutter zu respektieren, wenn sie sich schon wieder in die eigene Kindererziehung einmischt? Oder den eigenen Vater, der wie immer alles besser weiß?

Wie um alles in der Welt kann es möglich sein, dass wir uns gegenseitig dieses vermeintliche Recht zugestehen? Ich komme bei dieser Frage nicht umhin, darauf aufmerksam zu machen, dass in dem Wort WERTSCHÄTZUNG nicht von einem Schatz die Rede ist, sondern wörtlich von einer SCHÄTZUNG. Der Wert wird also geschätzt, oder wie? Schätzt man demnach situativ oder anhand kumulierter Situationen, den Wert des Gegenübers ein? Macht man das letztlich auch mit der Eruierung seines eigenen Wertes so? Man schätzt ihn? Mal so grob über den Daumen gepeilt? Und für wie lange gilt diese Schätzung dann?

Auch das Wort Respekt ist in seiner Wortherkunft sehr interessant. Lateinisch RESPECTUS steht für RE = Rück und SPECTUS = Schau. Es handelt sich also der Wortherkunft nach um eine Rückschau oder Rücksicht – ein Schulterblick des Geistes könnte man sagen. In unserem Sprachgebrauch verstehen wir unter Respekt jedoch in erster Linie Anerkennung, Bewunderung, Achtung. Oder täusche ich mich?

Mir scheint, dass unter unserem landläufigen Verständnis von Respekt, ein Schwung Verdienst mitflattert, was aus der lateinischen Wortbedeutung so nicht zwingend hervorgeht. Rücksicht impliziert noch lange keine Bewertung des rücksichtig Betrachteten, während Anerkennung genau diese Wertstellung in sich trägt. Kombiniert man Wortherkunft und Bedeutung jedoch, entsteht die Möglichkeit aus einer Rückschau auf bereits vollzogene Handlungen Anerkennung und Wertschätzung folgen zu lassen.

Worin unterscheiden sich denn unter dieser Betrachtungsweise Respekt und Wertschätzung? Was kommt zuerst?

Wenn Wertschätzung und Respekt jedem Menschen, jedem Tier und jeder Pflanze zustehen sollen, erwarte ich per Definition davor eine Leistung oder Handlung. Irgendwas muss schon erbracht werden, oder? Lob und Anerkennung erhalte ich doch nicht einfach so!

„Respekt, Du atmest!“

Sowas habe ich noch nie gehört.

„Respekt, Du gehst arbeiten!“

Auch bei so einer Aussage kämen sich viele hierzulande wohl etwas veräppelt vor. Nein, man muss schon richtig großartig sein und gute Dinge vollbringen, um Lob und Anerkennung oder gar Achtung zu ernten, nicht wahr? Obgleich das natürlich im Auge des Betrachters liegt und in den Möglichkeiten des Betrachteten.

Warum nur, sehnt sich aber der Mensch so sehr nach dieser positiven Bewertung von außen? Könnte es sich da vielleicht um eine grundsätzliche Verwechslung handeln? Sehnen wir Menschen uns denn nicht einfach nur nach bedingungsloser Liebe und ebensolcher Zuwendung? Ohne jede Form der Anstrengung, Inszenierung, Darbietung oder ähnliches.

Liebe kostet nix!

Oder wie es Friedrich Schiller einmal so schön sagte:

„Die Liebe ist der Liebe Preis.“

Respekt und Wertschätzung könnten letztlich erlernte Reaktionsmuster auf ein Verhalten sein, das uns gefällt und dienlich ist.

Sind wir ehrlich zu uns selbst – es fällt uns ganz oft schwer einen Menschen zu respektieren und wertzuschätzen, wenn er sich eben genau nicht so verhält, wie uns das gefallen würde.  Wir merken uns dieses Missfallen auch viel leichter, weil wir es unbewusst persönlich nehmen und somit einen Angriff auf unsere Person vermuten. Das wiederum lässt uns davon ausgehen, dass wir persönlich eben nicht genügend Achtung erhalten und unser Wert ja offensichtlich zu niedrig eingeschätzt wird. Fühlt sich doch echt beschissen an! Im schlimmsten Fall glauben wir das alles auch noch, was unser Gehirn da so an Gedanken kreiert.

Wenn Sie jetzt aufmerksam gelesen haben, werden Sie feststellen, dass es sich hier um einen zutiefst menschlichen Teufelskreis handelt und in meinen Augen um ein desaströses Missverständnis der breiten Masse, das besonders zu einem führt:

Zum Abhandenkommen von Bedingungslosigkeit, Offenherzigkeit, Mitgefühl und Liebe.

Verstehen wir jedoch diesen Mechanismus und beginnen ihn zu relativieren, zu akzeptieren und zu würdigen, können wir aufhören uns selbst unter Druck zu setzten und uns selbst und andere zu belügen.

Merke: Wir müssen diverse Verhaltensweisen unserer Mitmenschen definitiv nicht für gut befinden, wenn sie uns in irgendeiner Form beschränken oder Unwohlsein, Kummer, Schmerz etc. bescheren. Wir müssen aber ebenso wenig die ganze Person auf dieses eine Verhalten reduzieren und somit den Raum für Wertschätzung und Anerkennung verschließen. Beides ist möglich, aber eben nicht nötig. Lernen wir bewusst mit dieser Thematik umzugehen, so wird es uns immer leichter fallen den Wert des Verhaltens einer Person einzuschätzen und diese Person hierfür gegebenenfalls mit sogenanntem Respekt zu belohnen. Anderenfalls werden wir ja automatisch unsere Ablehnung signalisieren. Je bewusster wir das tun, desto gewinnbringender. Auch in Ablehnung und Abgrenzung können tonnenweise Respekt und Wertschätzung enthalten sein. Für sich selbst und das Gegenüber.

Fühlt sich ein Mensch hingegen nun in seinem Verhalten positiv bestärkt, so wird er es immer und immer wieder zeigen wollen, weil er von dieser positiven Resonanz profitiert und in der Folge seinen eigenen Wert besser einzuschätzen vermag und sich selbst Respekt zollen kann.

In dieser Geisteshaltung öffnet sich nun wieder der Raum für die Liebe – dem Lebenselixier, das keinen Preis hat - außer sich selbst.

Der Mensch braucht Menschen, um sich selbst zu erkennen. Und jeder Einzelne kann entscheiden, wie er sich selbst im Anderen sehen möchte. Wenn man sich selbst keine Wertschätzung und keinen Respekt entgegenbringt, kann man auch andere Menschen nicht wertschätzen und respektieren – bekommt man ja immer wieder so gesagt. Funktioniert das?

Vielleicht probieren Sie es auch einfach einmal anders herum?!

Versuchen Sie einmal in aller Ruhe darüber zu sinnieren, was genau Sie für Ihr Recht halten.

Hinter diesem erlernten Spiel von Lob und Anerkennung, von Respekt und Wertschätzung, von Aufmerksamkeit und Belohnung, muss doch etwas Tieferes liegen! Etwas, das uns Menschen alle gleich macht. Etwas, das uns alle eint. Etwas das aus einem ICH ein DU macht. Etwas, das alle Grenzen, alles Handeln, alles Denken überflüssig macht. Etwas, das unsere Augen mit Tränen flutet. Etwas, das unser Herz öffnet und uns sehen lässt.

Und genau dieses Etwas – das ist, wovon wir glauben ein Recht darauf zu haben und dabei übersehen, dass es kein Recht, keine Pflicht, sondern das Geschenk des Lebens ist.

Erreichen Sie für einen Moment dieses Gefühl – eine schmerzende und zugleich tröstende Mischung aus Einssein und Trennung, so wird die Frage nach dem Wert eines jeden Lebewesens überflüssig.

WIR ALLE, die wir diesen Planeten beleben und beseelen sind UNSCHÄTZBAR! Werden wir uns dessen gewahr, so wird es leichter liebevoller auf unsere Mitmenschen, Tiere und die Pflanzenwelt zu schauen. Und es wird leichter erkennend zugewandt zu handeln, worauf wir gemäß der menschlichen Natur eben Wertschätzung und Respekt ernten.

Und bekanntlich ernten wir ja was wir selbst gesät haben. WinWin!

Während wir also RESPEKTIEREN, sprich rücksichtsvoll auf das Wesentliche schauen und mit unserem Verstand versuchen Werte zu schätzen, können wir achtsam, anerkennend, respektvoll und wertvoll handeln.

Was nun Tier und Natur angeht, so mag es sich um andere Wesensformen handeln, doch der Effekt ist ziemlich gleich – probieren sie es aus, wenn Sie mögen.

Und Eines noch: Haben Sie bei all dem bitte Nachsicht mit sich selbst. Angst, Wut, Zorn, Verzweiflung, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung und so weiter, sind ebenfalls Emotionen und Zustände, die zum Menschsein dazu gehören. Haben Sie also bitte nicht den Anspruch, frei davon zu sein! Sie sind mit all dem was Sie sind absolut vollkommen!

Und wenn das nicht so leicht funktionieren will, Sie Schwierigkeiten haben und aus negativen Gedanken und Gefühlen keinen Ausweg mehr finden, dann erlauben Sie sich bitte Hilfe.

In diesem Sinne eine gute Aussaat und Ernte.

Autor: Angela Huber, Heilpraktikerin für Psychotherapie
Thema: Wertschätzung und Respekt
Webseite: https://www.psychotherapie-trifft-dynamik.de

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