Immer wieder höre ich in meiner Praxis beim ersten Gespräch, dass Kinder in Schule, Kindergarten oder auch zu Hause negatives Verhalten zeigen.

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Ich höre dann oft den Satz :"Das Kind braucht nur Aufmerksamkeit."

Ist das so? Oder steckt nicht vielleicht viel mehr dahinter?

Zunächst sollte man die Überlegung anstellen, was ist „auffälliges Verhalten“ ?

Wenn ich diese Frage stelle, dann kommen meist Aussagen wie: " das Kind ist aggressiv sich selbst oder anderen gegenüber." oder " es ist laut, kann sich nicht konzentrieren und uneinsichtig" oder „ das Kind kann sich nicht an Regeln halten, stört ständig den Unterricht, verweigert Hausaufgaben oder sogar den Schul- Besuch."

Als verhaltensauffällig wird ein Kind immer dann bezeichnet, wenn es sich oft erheblich anders verhält als die meisten Kinder seines Alters in gleichen oder ähnlichen Situationen.

Immer wieder kommen Eltern, Erzieher, Lehrer an ihre Grenzen, weil sie nicht wissen wie sie mit den sogenannten auffälligen Kindern umgehen sollen. Was hilft dem Kind in dieser Situation? Oder was schadet ihm vielleicht auch?

Und hier entsteht eine Unsicherheit die es gerade solchen Kindern besonders schwer macht strukturiert und ruhig zu sein. Hinzu kommt noch, dass jeder dieses Verhalten des Kindes anders wahrnimmt. Die Lebenssituation in den Familien, aber auch bei Lehrern, Erzieherin ist nicht jeden Tag gleich. Und somit sind auch die Erwachsenen nicht jeden Tag gleich gut gestimmt. Das heißt, dass sich das Konfliktfeld jeden Tag neu bildet und jeden Tag auch anders darstellt. Somit kann ich je nach Stimmung das Verhalten des Kindes unterschiedlich wahrnehmen und reagieren.  Hier steckt die Gefahr dahinter, dass ein Kind in seinem Verhalten gar nicht objektiv wahrgenommen wird. Der Focus sollte zunächst auf die positiven Verhaltensweisen gelenkt werden und somit entsteht ganz automatisch ein anderes Bild vom Kind.

Jetzt möchte ich sie kurz bitten, sich mal vorzustellen wie es diesen Kindern geht. Morgens beim Aufstehen oder vielleicht auch schon im Bett wird dem Kind mehrmals gesagt was es zu tun hat. Durch den entstehenden morgendlichen Zeitdruck kommt es schnell zu Stress Situationen. Klar durch getacktet und strukturiert soll es morgens in die Schule gehen. Und das wird oft schon zur Zerreißprobe in den Familien.

Weiter geht es für das Kind in der Schule.

- Tu dies, mache das nicht, hör auf den Nachbarn zu ärgern, gehe vor die Tür, sei jetzt still, wo sind deine Hausaufgaben, bleib sitzen-

In den Pausen geht es vielleicht mit den Mitschülern weiter. Es kommt schnell zu Missverständnissen, Streitigkeiten, Raufereien usw. Dann kommt noch die Nachmittagsbetreuung oder der Hort. Da gibt es Betreuungspersonen, bei denen es fast die gleichen Sätze wie in der Schule hört.

Dann kommt das Kind nach Hause. es denkt - endlich Zeit zum Spielen und zum Toben. Oftmals ist dies nicht der Fall. Kinder müssen nach dem Abholen noch schnell mit zum Einkaufen, gehen noch in die Musikschule, auf den Sportplatz, in die Turnhalle und ähnlichem. Vielleicht gibt es noch Termine beim Ergotherapeuten, Logopäden oder bei mir.

Dann kommt das Kind nach Hause - jetzt endlich Ruhe für mich. Dem ist oftmals nicht so, es ist  Abendbrotzeit und es folgt das abendliche Ritual mit Zähne putzen, und dem verhassten lesen müssen.

Also wieder keine Auszeit für das Kind. Bis es dann schon bald wieder Zeit fürs Bett ist.

Unsere Kinder sind in der heutigen Zeit gefordert, durch wechselnde Bezugspersonen und viel Zeitdruck. Manche Kinder haben am Nachmittag mehr Zeit und Ruhe und dennoch zeigen sie negatives Verhalten.

Also ist die Ursache vielleicht nicht immer die gleiche und individuell zu suchen. Und dem ist auch so.

Die Ursachen sind oft in mehreren Bereichen zu finden und oft auch sehr vielfältig. Einerseits ist der Zeit Faktor oder auch der Stress Faktor mit ein zu planen auf der Suche nach dem Ursprung und der Veränderung. Weiterhin erlebe ich viele Kinder sehr unsicher mit Angst, Mutlosigkeit und Wertlosigkeit. Die Kinder wissen sehr wohl, was sie falsch machen, denn DAS bekamen sie von klein auf immer wieder gesagt. Wenn sie sich nur 5 Minuten mal in ein Kind reinversetzen, das immer wieder gesagt bekommt "du kannst das nicht, hör auf, geh in dein Zimmer, Nerv jetzt nicht, bleib sitzen, sei still, beeile dich". Ich kann die Liste noch ewig weiter fortführen.

Ist es da nicht verwunderlich, dass ein Kind völlig verunsichert wird? Und es schreit dann förmlich nach Aufmerksamkeit, auch wenn diese negativ (Anschreien, Strafen usw.) ist. Eine andere Aufmerksamkeit hat es bis dahin nicht gelernt im System.

Wir alle Leben in Systemen und die Gegenwartsfamilie ist ein solches. Auch hier liegt oft ganz viel verborgen, was Ursächlich sein kann für das Verhalten der Kinder. Ich vergleiche es immer mit einem Mobile. Wenn dieses in Schieflage gerät, aus welchen Gründen auch immer, zeigt sich das am Ende bei den Kindern. Sie sind die letzten in der Kette und zeigen uns den Spiegel unseres Verhaltens.

Nun was kann so ein Mobile in Schieflage bringen? Das kann ganz vielschichtig sein. Oft sind es Existenzängste, Paarprobleme, Krankheit, psychische Belastung, Streit, Schock und Trauma auf Grund von Unfall oder Tod, Desinteresse und vieles mehr. Diese Stimmungen nehmen die Kinder unweigerlich auf, da sie sehr offen für Emotionen sind.

Weiterhin gilt es zu berücksichtigen das Eltern auch aus einem System kommen, der sogenannten Herkunftsfamilie. Und auch hier gibt es oder gab es Thematiken die an diesem System gerüttelt haben oder es noch tun. Auch das kann sich letzten Endes auf die Kinder auswirken.

Dies passiert oft unbewusst auf einer tieferen Ebene. Überhaupt hat das Unterbewusstsein einen großen Anteil daran, wie wir Menschen uns verhalten. Es ist wie ein PC, bei dem alles gespeichert wird von Zeugung an. Deshalb frage ich immer in der Anamnese nach Schwangerschaft und Geburt.

Gab es emotionale Ereignisse während der Schwangerschaft? Wie erlebten sie das schwanger sein?  Oder wie war die Geburt für Mutter und Kind?

Nicht selten zeigt sich hier schon ein wichtiger Baustein für das ursächliche Verhalten. Mithilfe einer Stellvertreter Hypnosesitzung können emotionale Blockaden gut aufgelöst werden. Daraus resultierend kann eine völlig andere Nähe zwischen Elternteil und Kind entstehen. Sehr gerne erkläre ich hierzu nähere Details in einem persönlichen Gespräch.

Des Weiteren gilt es für mich hin zu schauen, wie die Dynamik zwischen den Geschwistern ist.

Gibt es einen Prinzen/ Prinzessin in der Familie? Oder auch das schwarze Schaf /den Sündenbock? Wer ist der Bestimmer/ Bestimmerin in der Familie?

Letzteres  sollten für gewöhnlich die Eltern sein, was allerdings aus welchen Gründen auch immer nicht der Fall ist. Hier zeigt sich eine gravierende Veränderung im System, da die Eltern am Ende des Mobiles hängen und die Kinder bzw. das Kind der Chef ist. Mit Hilfe einer wundervollen Aufstellungstechnik kann ich hier eine neue Ordnung im System herstellen und es wird im Allgemeinen ruhiger.

Bei meinen Aufstellungen arbeite ich ausschließlich mit dem Klienten alleine oder mit Personen, die er mitbringen möchte. Ich spüre mich selbst als Stellvertreter in die einzelnen Personen hinein und kann so viel intensiver mit dem Klienten zusammenarbeiten. Der Aufsteller kann in diesem für sich geschützten Rahmen, alles besprechen und loslassen. Von der Aufstellung in einer Gruppe von mehreren für den Aufsteller fremden Personen bin ich weg gekommen, da sich die Klienten teilweise nicht öffnen konnten und sich oftmals die Themen der Stellvertreter mit der Aufstellungsperson vermischt haben.

Durch ein ausführliches Anamnesegespräch mit den Eltern und auch mit dem Kind kann die Ursache herausgefunden werden. Für mich ist es in meiner Arbeit ganz wichtig ganzheitlich hin zu schauen. Das bedeutet, dass ich einen gesammelten Werkzeugkoffer habe und immer individuell auf die Familie abgestimmt, schaue was das Kind oder die Eltern oder vielleicht auch die Lehrer brauchen. Nicht selten suche ich das Gespräch in der Schule oder darf ggf. mal hospitieren, was sehr wichtig sein kann.

Nicht zu vergessen ist sicherlich auch, dass Kinder mit gewissen Charaktereigenschaften geboren werden und es einfach auch nur um die Annahme dessen geht. Oftmals zeigen sich gleiche charakterliche Grundzüge bei den Eltern. Hier ist es sicherlich hilfreich, mal eine Reise in der eigenen Kindheit der Eltern zu unternehmen.

Ich bin überzeugt davon, dass in jedem Kind Fähigkeiten und Stärken stecken, deren Entfaltung ich mit meiner individuell zugeschnittenen Arbeit unterstützen kann. Mit meiner ganzheitlichen Sicht auf Körper, Geist und Seele arbeite ich achtsam und kreativ.

Durch meine eigenen drei Kinder und meine Tätigkeit im Kindergarten begann ich mich schon bald mit den Ursachen von Verhaltensweisen, Krankheiten und Auffälligkeiten zu beschäftigen. Kinder sind unsere besten Spiegel und ich habe in meiner Mutterzeit viel gezeigt bekommen. Ich bin heute sehr dankbar für das, was mich meine eigenen Kinder und die vielen kleinen und großen Klienten gelehrt haben und auf welchen Weg ich durch sie gekommen bin. Heute blicke ich mit viel Weisheit und Dankbarkeit auf die Mutterzeit zurück.

Seit fast dreißig Jahren arbeite ich mit Kindern und Familien und konnte dabei vieles erleben und lernen. Ich bin jedem Kind und jedem Erwachsenen dankbar dafür, was ich an Fachlichkeit und Menschlichkeit spüren und mitnehmen durfte.

Ich wurde immer neugieriger und mit jeder neuen Herausforderung in meinem beruflichen und privaten Leben, suchte ich mir neue Seminare, Bücher, Ausbildungen, um anderen eine Hilfe – eine Unterstützung zu sein. Somit entstand ein bunter Werkzeugkasten mit viel Lebenserfahrung, fachlichem Wissen, Einfühlungsvermögen und Freude an jedem neuen Thema.

Und meine Reise als Lehrende und Lernende ist noch nicht zu Ende. Ich freue mich, Sie kennenzulernen und Sie auf eine neue Reiseroute mitzunehmen.

Autor: Alexandra Gerhard, Heilpraktikerin für Psychotherapie
Thema: Bevor ein Kind Schwierigkeiten macht hat es welche
Webseite: https://www.praxis-mit-sinn.de

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