Als Ursache für vielfältige Persönlichkeitsstörungen und Suchtthematiken werden gestörte Mutter-Kind-Beziehungen angenommen.

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Für eine gesunde emotionale und soziale Entwicklung des Kindes ist diese Verbindung absolut notwendig. Resonanzen der Mutter auf das Verhalten des Kindes und adäquate Reaktionen auf seine Bedürfnisse helfen dem Säugling und Kleinkind, eine Vorstellung von sich selbst und von seinem Dazugehören zum Menschsein zu entwickeln.

Die gesunde Mutter-Kind-Beziehung drückt sich über Fürsorge und liebevolle Zuwendung von Seiten der Mutter (und des Vaters) und das Bindungsverhaltens des Kindes aus. Insgesamt fehlende Bezugspersonen können zu Hospitalismus führen.

Wie kann es zu einer gestörten Mutter-Kind-Bindung kommen?

Wie kann die, im wahrsten Sinn des Wortes, ursprüngliche Symbiose zwischen Mutter und Kind sich für das Kind zu einem Trauma entwickeln? Nehmen wir an, eine Mutter ist selbst traumatisiert, in ihrer Kindheit oder auch durch spätere, noch nicht bearbeitete, unerlöste Ereignisse. Ihre Seele ist tief verletzt. Als Reaktion ist es zu einer psychischen Spaltung gekommen (die Lösung ist das Problem). Nehmen wir an, die Mutter durfte schon als Kind keine gesunde und verlässliche emotionale Bindung zu ihrer eigenen Mutter aufbauen.

Sie besitzt, wie jeder Mensch, gesunde und auch nicht-gesunde Persönlichkeitsmerkmale oder Identitäten. Die Identitäten, die das Kind für eine stabile emotionale Entwicklung braucht, hat sie nicht entwickelt oder sie hat durch spätere traumatische Erlebnisse den Kontakt zu ihnen verloren. In der Folge kann sie dem Kind mit diesen Identitäten nicht zur Verfügung stehen, sprich, eine emotionale und haltgebende Verbindung aufbauen. Sie kann sich nicht in das Kind hinein fühlen, hat kein Gespür für seine Bedürfnisse, kann sie demnach auch nicht feinfühlig, liebevoll, verständnisvoll beantworten, kann ihm nicht das geben, was es bräuchte, um sich bei ihr sicher und geborgen zu fühlen.

Was sie tun kann, das tut sie! Sie bemüht sich angestrengt, den Bedürfnissen des Kindes gerecht zu werden, sie versorgt das Kind optimiert mit Kleidung, Essen, Trinken; und sie begegnet dem Kind statt mit liebevoller Emotion mit ihren gelernten Überlebensidentitäten. Sie leidet oft selbst an dem Nichtvorhandensein echter Gefühle, ohne daran etwas ändern zu können.

Das Kind erlebt die Mutter als gespaltene Persönlichkeit; es nimmt auf der einen Seite die Versorgung wahr, hört vielleicht auch Sätze wie „Ich liebe Dich!“, kann aber die entsprechenden liebevollen Gefühle nicht spüren, erlebt eine unsichtbare Mauer, erlebt den Schmerz des Getrennt-Seins statt den Genuss der Symbiose, der Verbindung. Es entwickelt Reaktionen - und damit noch unbewusste Lösungsstrategien - um die Mutter doch noch zu erreichen, die emotionale Mauer zu überwinden, die Mutter doch noch für sich zu gewinnen.

Diese kindlichen Reaktionen können sehr unterschiedlich sein: Schlaflosigkeit, Schreien, auch autoaggressives Verhalten wie Nahrungsverweigerung. Scheitert das Kind mit allen Versuchen, erlebt es Hilflosigkeit, Ohnmacht, Trauma. Es fühlt sich abgelehnt, alleingelassen, einsam und verlassen. In der Folge darf die Wut, die es der Mutter gegenüber erlebt, nicht gezeigt werden, könnte sie doch den Abstand zur Mutter noch weiter vergrößern. Auch andere Gefühle wie Trauer müssen unterdrückt werden. Verlassenheits- und Einsamkeitsgefühle, Rückzugsverhalten, der Verlust von Vertrauen in sich selbst, auch die Tendenz zur Selbstaufgabe bis hin zu extremen Ängsten können sich im Kind verfestigen.

Es verliert den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen und ordnet sich den Bedürfnissen der Mutter als erste Bindungspartnerin unter. Wenn das Kind nun als Überlebensstrategie die Abspaltung von seinen gesunden Ichanteilen und seinen natürlichsten Urbedürfnissen erlernt, droht schlimmstenfalls die Chronifizierung der Störung der Mutter-Kind-Bindung. Dies hat in der Regel erhebliche negative Folgen auch für die späteren Beziehungsfelder im Leben als Erwachsenem. Die Lösung (Überlebensstrategie) wird zum Problem.

Das nähere Umfeld weiß oft nichts von der Traumatisierung der Mutter. Es nimmt ihr „perfektes“ elterliches, funktionales Verhalten wahr, hat kein Verständnis für das Verhalten des Kindes, ahnt nichts von der großen emotionalen Not des Kindes.

Mit seinen ständigen Kontakt- und Bindungsversuchen (Rufen, Weinen, Schreien,..) berührt das Kind unbewusst die von der Mutter abgespaltenen Persönlichkeitsanteile (ihr verletztes inneres Kind) und bringt sie damit in großen inneren Streß: sich dem Kind gegenüber emotional zu öffnen würde nämlich unabdingbar bedeuten mit den eigenen nicht erfüllten Kindheitsbedürfnissen und damit dem eigenen Trauma konfrontiert und von den entsprechenden Gefühlen überrannt zu werden. Äusserlich kümmert sich die Mutter also um ihr Kind, versucht es z.B. zu beruhigen, innerlich aber muss sie sich distanzieren, um nicht mit der eigenen inneren Not und Leere konfrontiert zu werden.       

In meine Praxis für systemische Paar- und Familientherapie kommen regelmäßig Eltern mit ihren Kindern und dem Auftrag, die Kinder psychotherapeutisch zu „behandeln“. Diesen Auftrag unreflektiert anzunehmen kann ein großer Fehler sein und die Störung des Kindes sogar noch verstärken. Der systemische Ansatz kann und muss sein, mit der Mutter (und/oder dem Vater) daran zu arbeiten, sich dem eigenen Trauma zu stellen: es in verkraftbaren Größenordnungen Schicht für Schicht zu bearbeiten und so nach und nach den Kontakt zu den eigenen verdrängten Gefühlen zu bekommen. Es geht darum, nach und nach die eigenen Persönlichkeitsmerkmale liebevoll in sich selbst anzunehmen und damit die Fähigkeit zu entwicklen, emotionale Gefühle auch dem Kind gegenüber spürbar fließen lassen zu können.

Je nachdem, wie sehr sich im Kind selbst ungünstige Lösungsstrategien schon verfestigt haben, braucht das Kind parallel zu der Arbeit der Mutter eigene Unterstützung in der Kinder- und Jugendpsychotherapie, um auch selbst zu lernen, die eigenen Bedürfnisse als nachvollziehbar, natürlich und erlaubt wahrnehmen zu können und den Mut zu entwickeln, sie wieder zu kommunizieren.

Die schlechte Nachricht ist: Traumata hinterlassen tiefe Spuren in der Seele des Menschen. Sie sind nicht einfach zu heilen. Werden die dazugehörigen Erlebnisse mental und emotional verdrängt, wirken sie dennoch (unbewusst) in der Psyche des Menschen weiter und prägen die weitere Lebensführung; vor allem in Bezug zu allen Beziehungen, die der Traumatisierte im weiteren Leben eingeht, mit Partnern, Geschwistern, Freunden, Arbeitskollegen, mit sich selbst und nicht zuletzt der Beziehung zum eigenen Kind.

Die gute Nachricht ist: Traumata sind mit professioneller Unterstützung heilbar.

Wie wäre es, wenn wir Gelegenheiten schaffen, dass Wunder geschehen dürfen?

Autor: Matthias Jasper, Heilpraktiker
Thema: Mutter Kind Bindung gestört
Webseite: https://www.matthiasjasper.de

Autorenprofil Matthias Jasper:

Heilpraktiker für Psychotherapie, systemische Einzel-, Paar-, Familientherapie

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