Das Wort Achtsamkeit ist in der heutigen Zeit ein moderner Begriff geworden, den man immer wieder irgendwo aufschnappt. Doch was bedeutet Achtsamkeit eigentlich?

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Achtsamkeit (engl. mindfulness) bedeutet bewusste Aufmerksamkeit, bewusstes Wahrnehmen. Etwas auf sich wirken lassen, ohne sofort zu urteilen oder zu reagieren. Es heißt auch wertfrei zu Beobachten. Es ist also eine Form der Meditation.

Ist man achtsam, übt man in der Gegenwart zu sein und die Dinge so an zu nehmen, wie sie sind und nicht, wie man sie gerne hätte. Durch Achtsamkeits- Meditation ist es möglich, die Aufmerksamkeit zu schulen, zu erweitern und bewusst zu lenken. Nicht nur in der Meditation, auch im täglichen Leben, können wir die Achtsamkeit schulen.

Achtsamkeit bildet eine tragende Säule im Buddhismus und im Zen und wird seit vielen tausend Jahren in unterschiedlichen Kulturen und Religionen praktiziert und gelehrt.

Auch in der Psychotherapie und in der Stressbewältigung werden Achtsamkeitstechniken mittlerweile bei uns sehr geschätzt. Denn Achtsamkeit hilft unseren Alltag zu entschleunigen, Stress zu reduzieren und schützt die Psyche.

Achtsamkeit lässt sich gut mit einfachen Übungen in den Alltag integrieren. Beispielsweise bewusst auf Sinneseindrücke achten, die Atmung beobachten, immer wieder mal innehalten und sich selbst wahr nehmen. Oder auch auf dem Weg in die Arbeit bewusst auf Geräusche zu achten oder Gerüche. Sich immer wieder daran erinnern, im Moment zu sein.

Auch beim Essen kann man sehr gut üben achtsam zu sein, indem man die Mahlzeiten ganz bewusst wahr nimmt. Den Geruch des Kaffees, den Geschmack des ersten Bissens, das Essen langsam aufmerksam kauen usw…

Wichtig ist dabei dass wir uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren, den Moment bewusst erleben und nicht abdriften. Dadurch stärken wir auch unsere Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit.

Häufig zitierte Definitionen für Achtsamkeit stammen von John Kabat-Zinn. (Geb. 1944 in New York). Er unterrichtet Achtsamkeitsmeditation, um Menschen zu helfen, besser mit Stress, Angst und Krankheiten umgehen zu können und hat sich während seines Berufslebens stark dafür engagiert, die Achtsamkeitspraxis in Medizin und Gesellschaft bekannt zu machen.

Demnach bedeutet Achtsamkeit eine bestimmte Form von Aufmerksamkeit, die sich auf den gegenwärtigen Moment bezieht, absichtsvoll ist und nicht wertend, also wertfrei ist.

Weitere Definitionen für Achtsamkeit (nach Brown und Ryan) sind zum Beispiel die rezeptive Aufmerksamkeit und Bewusstheit von momentanen Vorgängen und Erfahrungen, Flexibilität von Bewusstheit und Aufmerksamkeit, Bewusstseinsklarheit, auf die Gegenwart orientiertes Bewusstsein, Stabilität bzw. Dauer von Aufmerksamkeit und Bewusstheit, nicht konzeptuelle, nicht unterscheidende Bewusstheit.

Nach Bishop enthält die Achtsamkeit zwei Komponenten:

Self-Regulation of Attention: Die Selbstregulation der Aufmerksamkeit, welche auf das unmittelbare Erleben gerichtet bleibt und eine zunehmende Wahrnehmung mentaler Vorgänge im gegenwärtigen Moment ermöglicht.

Orientation to Experience: Eine Orientierung auf das gegenwärtige Erleben, welche durch Neugier, Offenheit und Akzeptanz gekennzeichnet ist.

Bei der Achtsamkeit nach Goleman geht es vor allem um die „emotionale Achtsamkeit“, den Balanceakt zwischen Gefühl und Verstand, welche auch eine gewisse „emotionale Intelligenz“ voraussetzt. Hier geht es vor allem um:

Die Wahrnehmung der eigenen inneren Zustände, Beherrschung eigener Emotionen, das Nutzen eigener Emotionen zum Handeln, Empathie anderen Menschen gegenüber.

Er nennt den Balanceakt zwischen Gefühl und Verstand Achtsamkeit.

Bei der Bedeutung von Achtsamkeit muss klar von der Konzentration unterschieden werden, denn bei der Achtsamkeit können wir eine Aufmerksamkeitseinstellung erreichen,  die in einer umfassenden, klaren und hellwachen Offenheit für die gesamte Fülle einer Wahrnehmung besteht.

Bei der Konzentration hingegen richten wir unsere Aufmerksamkeit gezielt auf nur ein bestimmtes Objekt oder einen Objektbereich wie etwa eine Schriftzeile, bei der wir zur besseren Fokussierung für die momentane Situation auch Wahrnehmungsbereiche ausblenden.

Ursprünglich ist die Achtsamkeit eine buddhistische Geisteshaltung und spielt mit der Meditation eine zentrale Rolle. Buddha lehrte Sie bereits vor 2600 Jahren.

Doch Achtsamkeit hat nichts mit Religion zu tun. Jeder Mensch trägt Achtsamkeit ganz natürlich in sich.

Die Schulung der Achtsamkeit hilft dabei, diese nicht verkümmern und im Alltagsstress untergehen zu lassen. Denn achtsam zu sein, achtsam zu leben und diese ganz bewusst in den Alltag zu integrieren, trägt maßgeblich zu einem glücklichen und entspannten Leben bei.

Autor: Birgit Neubauer
Thema: Was bedeutet Achtsamkeit
Webseite: http://seeleneinklang.de

Quellen:

Jon Kabat-Zinn: An outpatient program in behavioral medicine for chronic pain patients based on the practice of mindfulness meditation: Theoretical considerations and preliminary results. In: General Hospital Psychiatry. 4 (1), 1982, S. 33–47, Kirk Warren Brown, Richard M. Ryan, J. David Creswell: Mindfulness: Theoretical Foundations and Evidence for its Salutary Effects. In: Psychological Inquiry. 18 (4), 2007, S. 211–237, doi:10.1080/10478400701598298. Scott R. Bishop, Mark Lau u. a.: Mindfulness: A Proposed Operational Definition. In: Clinical Psychology: Science and Practice. 11 (3), 2004, S. 230–241, doi:10.1093/clipsy.bph077.