Das Wort Empathie ist oftmals im doppelten Sinne ein Fremdwort. Wir wollen dieses Wort einmal näher unter die Lupe nehmen.

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Der Begriff Empathie leitet sich vom griechischen Wort „empatheia“ ab und bedeutet „Einfühlung“. Es wird im alltäglichen Sprachgebrauch auch Einfühlungsvermögen genannt, damit ist also die Fähigkeit gemeint, sich in die Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen einfühlen zu können. Und genau diese Fähigkeit ist heutzutage leider häufig ein Fremdwort für viele Menschen geworden. Wie schnell sind wir dabei, nach unserem Maßstab, unseren Werten und Vorstellungen andere Menschen zu beurteilen bzw. oftmals (noch schlimmer!) zu verurteilen. Dieses Thema selbstkritisch und ehrlich zu betrachten lohnt sich. Genau da fängt nämlich empathisch sein an: bei uns selbst! 

Wie reagiere ich auf den Anderen? Nehme ich sofort eine ablehnende Haltung meinem Gegenüber ein? Weiß ich sofort besser, was der Andere jetzt braucht? Will ich wirklich das Anliegen des Anderen verstehen, oder möchte ich meine oftmals bereits vorgefertigte Meinung auf jeden Fall durchsetzen? Wie steht es um meine Bereitschaft, mein eigenes Ego erst mal zurückzustellen und mich wertefrei und vorurteilsfrei auf einen Dialog einzulassen?

Diese Art von Selbstreflexion ermöglicht es, sich selber besser kennen zu lernen, seine eigenen Gefühle besser zu verstehen und so gut für sich selber sorgen zu können. Dies wiederum ist eine wichtige Grundlage für Empathie. Menschliche Beziehungen lassen sich dadurch aufbauen und erhalten. Empathie verbindet uns auch bei unterschiedlichen Meinungen und Gefühlen, da wir respektvoll miteinander umgehen können.

Offen sein, Interesse zeigen, sich Zeit nehmen, Dinge hinterfragen, Verständnis äußern, Nachsicht und Mitgefühl zeigen, sind alles Punkte die ein empathisches Handeln ausmachen. Die eigenen Grenzen achten, bewusst wahrnehmen, wann ich selber nicht nur mitfühle, sondern mitleide ist dabei ein ganz wichtiger Aspekt. Denn dann kommen wir selber in eine blockierende Haltung und unsere Empathiefähigkeit wird eingeschränkt, oder steht uns erst mal nicht mehr zur Verfügung.

Was für ein schönes Gefühl ist es doch, von unserem Gegenüber ehrlich verstanden und in unserem ganzen „So-sein“ angenommen zu werden? Empathisches Handeln bedeutet jedoch nicht, dass wir alles gut finden, oder immer der gleichen Meinung mit unserem Gegenüber sein müssen. Aber es bedeutet:

„Mit den Augen des Anderen zu sehen, mit den Ohren des Anderen zu hören, mit dem Herzen des Anderen zu fühlen“

Man unterscheidet drei Arten von Empathie:

Unter der emotionalen Empathie versteht man die Fähigkeit, das Gleiche zu empfinden wie andere Menschen, also Mitgefühl zeigen können.

Unter der kognitiven Empathie versteht man die Fähigkeit, nicht nur Gefühle, sondern auch Gedanken, Absichten oder Motive anderer Menschen nachzuvollziehen, ohne dabei die Gefühle selbst direkt nachzuempfinden, aber ggf. konkrete Schlussfolgerungen zu ihrem Verhalten abzuleiten aufgrund Mimik, Gestik, Körpersprache, Aussagen und der Stimmlage des Gegenüber.

Unter der sozialen Empathie versteht man die Fähigkeit komplexe, soziale Situationen oder Systeme mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Charaktereigenschaften oder Wertesystemen zu verstehen und mit Ihnen konstruktiv kommunizieren zu können ohne aber diese Werte zwangsläufig seine Eigenen zu nennen.

Diese verschiedene Arten der Empathie lassen sich nicht klar voneinander abgrenzen. Sie ergänzen oder überschneiden sich in Teilen. Zudem kann die Empathiefähigkeit jedes Einzelnen in Bezug auf die verschiedenen Arten unterschiedlich ausgeprägt sein. So ist z.B. die kognitive Empathie die am leichtesten zu erlernende Form der Empathiefähigkeit.

In der Psychotherapie spielt die Empathie häufig eine große Rolle. Wie z.B. in der klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers. Nach Rogers (einem US-amerikanischen Psychologen und Psychotherapeuten) steht die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Therapeut und Klient im Mittelpunkt. Durch eine akzeptierende, wertschätzende und empathische Haltung des Therapeuten wird es dem Klienten ermöglicht, Gefühle und Erfahrungen welche in der Vergangenheit nicht zugängig oder nur verzerrt wahrgenommen wurden, zu erkennen. So kann der Klient seine Problematik besser verstehen lernen, dadurch eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster auflösen und durch neue funktionale Verhaltensweisen ersetzen.

In meiner Tätigkeit als Heilpraktikerin für Psychotherapie und im Bereich des Coaching erlebe ich immer wieder wie entlastend es für den Klienten ist, sich den Kummer „frei von der Leber weg reden“ zu können. Diese Redewendung steht dafür Probleme oder Konflikte offen anzusprechen und seine Gefühle zum Ausdruck bringen zu können. Trifft dieses „sich öffnen“ auf eine empathische Resonanz, so kann echte Veränderung, Linderung oder im besten Falle auch Heilung von psychischen Leiden geschehen.

Aber es sollte nicht immer einen therapeutischen Anlass benötigen, um den empathischen Gedanken zu leben. In unserem alltäglichen Leben, also im beruflichen, familiären und sozialen Umfeld sollte eine gesunde empathische Grundeinstellung zum Tragen kommen. Nur so gelingt verständnisvolle und wertschätzende Kommunikation und menschliche Beziehungen.

Und so geht’s!

Nachfolgend einige Tipps wie sich Empathiefähigkeit erlernen bzw. entwickeln lässt:

Lerne dich selbst und deine eigenen Gefühle kennen!

Nur wer sich selbst gut kennt und einschätzen kann, ist in der Lage auch die Gefühle anderer wahrzunehmen und zu erkennen.

Sei offen, zeige Interesse an anderen!

Nur wer neugierig ist und echtes Interesse an anderen Menschen hat, wird an Begegnungen wachsen.

Schiebe Vorurteile beiseite!

Vorurteile trüben den Blick und die Gefahr besteht, dass man die wirklich wichtigen Dinge übersieht bzw. gar nicht richtig wahrnimmt.

Schaue hinter die Fassade des anderen, frage nach!

Empathie bedeutet unter anderem, die Gründe für das Verhalten anderer zu verstehen. Ehrlich interessierte Rückfragen, wie z.B. „Welche Gründe haben dich veranlasst, dass so zu machen?“ können den anderen dazu bewegen, sich zu öffnen und seine Beweggründe mitzuteilen. Diese können dann für den weiteren Verlauf der Kommunikation oft sehr hilfreich sein.

Lerne von Vorbildern!

Wen kennst du vielleicht schon, der eine besonders einfühlsame Verhaltensweise besitzt? Wie genau verhält er sich? In einem Gespräch mit einem solchen Menschen können sich oft neue Impulse für eigene Verhaltensweisen ergeben.

Unterscheide zwischen Mitgefühl und Mitleiden!

Eine gute Abgrenzung bewahrt einen davor, sich selbst in der Thematik des anderen zu „verlieren“ und mitzuleiden. Das Motto heißt hier: „Mitgefühl ja, mitleiden nein!“

Sei nachsichtig mit anderen!

Auch wenn man auf den ersten Blick die Verhaltensweisen anderer nicht immer gleich verstehen kann, bei genauerem Hinsehen gibt es dafür vielleicht doch Erklärungen oder gute Gründe die letztendlich nachvollziehbar sind.

Bleibe in deiner eigenen Kraft!

Auf den eigenen Energiehaushalt zu achten ist enorm wichtig. Nur wer in seiner eigenen Kraft bleibt, kann auch für andere da sein.

Wahre die nötige Distanz!

Dem anderen seinen persönlichen Raum lassen und ihn nicht mit gut gemeinten Ratschlägen überhäufen.

Nimm dir Zeit und sei geduldig mit dir selbst!

Ein liebevoller und rücksichtsvoller Umgang mit sich selbst  ist eine wichtige Voraussetzung empathisch handeln zu können.

Fazit:

Empathie kann jeder von uns lernen. Es ist oftmals ein langer Weg, den es gilt Schritt für Schritt zu beschreiten, aber wie heißt es so schön? Der Weg ist das Ziel und der lohnt sich für ein gelingendes, menschliches Miteinander allemal!

Autor: Simone Rodt, Heilpraktikerin für Psychotherapie
Thema: Was bedeutet Empathie?
Webseite: https://www.relaxed-im-alltag.de

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