Im Leben müssen wir uns immer wieder an neue Bedingungen anpassen: Neue Freiheiten, aber auch neue Einschränkungen. Die meiste Zeit geht alles seinen gewohnten Gang, aber dann tritt ein Ereignis ein, das eine Anpassungsleistung von uns fordert.

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Wir treffen auf neue Lebensumstände, müssen uns neu zurechtfinden in einer veränderten Situation und uns manchmal auch mit Rückschritten oder Verschlechterungen abfinden. Es handelt sich dabei um mehr oder weniger normale Veränderungen, nicht in erster Linie um starke seelische Verletzungen. Es können scheinbar Kleinigkeiten sein, wie zum Beispiel ein Umzug, der Wechsel des Arbeitsplatzes oder bei Kindern ein Schulwechsel. Auch größere Lebensereignisse wie die Geburt eines Kindes, der Eintritt in den Ruhestand oder wenn ein langersehntes Ziel erreicht wurde, zählen zu Ereignissen, die eine Anpassung erforderlich machen.

Wenn diese Anpassung nicht bewältigt wird, kann dies in eine psychische Störung münden. Dann dauert die Akklimatisierung an die neue Verhältnisse zu lange und geht mit depressiven Symptomen einher. In diesem Fall spricht man von einer Anpassungsstörung. Dazu gehören auch der so genannte Kulturschock, nachdem man seinen Lebensmittelpunkt ins Ausland verlagert hat, aber auch größere Schicksalsschläge wie der Tod eines nahestehenden Menschen oder das Auseinanderbrechen einer Lebensgemeinschaft. Wenn eines der letztgenannten Ereignisse gerade erst passiert ist und Symptome verursacht (das Gefühl der Betäubtheit, Desorientierung, sozialer Rückzug usw.), handelt es sich zunächst um eine akute Belastungsreaktion.

Im Gegensatz zur posttraumatischen Belastungsreaktion ist der Auslöser einer Anpassungsstörung also kein einschneidendes Trauma oder eine katastrophale Belastung wie Krieg, Folter, Vergewaltigung usw., der man im Moment der Traumatisierung nichts entgegenzusetzen hat. Bei einem Trauma oder einer akuten Belastungsreaktion hat der oder die Betroffene keine Coping-Strategien, mit der er/sie in geeigneter Weise auf die Belastung reagieren kann.

Die Symptome der Anpassungsstörung sind im Wesentlichen Niedergeschlagenheit, übermäßige Sorgen um die Zukunft, Ängste und das Gefühl, den Alltag nicht bewältigen zu können oder die subjektive Unfähigkeit, seine  Angelegenheit vorausplanen zu können.  Auch wenn die Symptome also grundsätzlich eine Mischung aus Angst und Depression zeigen, kann man sie aufgrund des Vorliegens des einschneidenden Ereignisses, mit dem die Symptome begonnen haben, von einer depressiven Episode oder einer Angststörung unterscheiden.

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) gibt im ICD 10 (internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) keinen Zeitraum vor, nach dem man von einer Anpassungsstörung spricht. Ausschlaggebend ist das subjektive Erleben des Betroffenen und die Stärke seines Leidensdrucks. Je nach Art des auslösenden Ereignisses und Schwere der Symptome sollte man sich an die neue Lebenssituation in einer Zeitspanne von wenigen Wochen bis zu einem Jahr erfolgreich gewöhnt haben. Dies ist individuell sehr unterschiedlich, und man findet abweichende Zeitangaben. Wenn die Symptome weiterhin anhalten und die Lebensführung beeinträchtigen, wird der behandelnde Facharzt eine Anpassungsstörung diagnostizieren und eine Psychotherapie und bisweilen auch ein Antidepressivum verordnen.

Differentialdiagnostisch müssen andere Störungen ausgeschlossen werden, die zu ähnlichen Symptomen führen können, vor allem Persönlichkeitsstörungen oder schon zuvor bestehende Depressionen.

Autor: Thomas Decker
Thema: Was sind Anpassungsstörungen
Webseite: https://praxis-thomas-decker.de

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