Sie interessieren sich dafür, alte Verhaltensmuster aufzulösen. Das ist prima, denn Sie haben vermutlich erfahren und erlebt, wie hinderlich diese sein können, und wie sehr sie Ihr Leben einschränken.

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Ob Sie nun wiederkehrende Schwierigkeiten in der Partnerschaft, am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis erleben, oder ob sie sich gerade schon in einer handfesten Krise befinden: Sie erleben, dass bewährte Handlungsstrategien nicht mehr greifen, Sie gern anders handeln möchten, aber irgendwie gelingt es nicht gut.

Und jetzt möchten Sie sich nicht länger damit abfinden, sondern suchen nach Lösungen! Das ist mutig, und Sie haben den ersten Schritt zur Veränderung bereits getan, denn Sie erkennen Ihren eigenen Anteil an bestehenden Schwierigkeiten und möchten etwas verändern! Sie laufen nicht weg, oder verdrängen, nein, Sie wollen genauer hinschauen!

Wie entstehen Verhaltensmuster?

Um unsere individuellen Verhaltensmuster zu verändern, ist es sehr hilfreich, zunächst zu verstehen, wie sie entstanden sind und wie sie uns auch geholfen haben, den Weg ins Leben zu finden. Es gab eine Zeit in unserem Leben, da waren sie sogar Überlebensstrategien, und das wollen wir anerkennen, denn sie sind ein Teil unserer persönlichen Entwicklung und unserer individuellen Stellungnahme zu unserer Umwelt.

Der Mensch will von Natur aus Schmerz und Angst vermeiden. Diese Gefühle mögen wir nicht und wir tun vieles, um sie zu vermeiden, ob uns das bewusst ist, oder nicht.

In der Zeit bis zum 5. Lebensjahr lebt und handelt ein Kind fast ausschließlich aus seinem Gefühls-erleben heraus. Logik und bewusstes Denken entwickeln sich erst später. Einem Kind ist es zu diesem Zeitpunkt nicht aus sich selbst heraus bewusst, welchen Gewinn es von einem bestimmten Verhalten hat. Es kann nicht erklären, welches Ziel es für sich erreicht, wenn es sich auf bestimmte Art und Weise verhält. Es lernt aus den Konsequenzen seines Verhaltens, und zwar mehr, als wir ahnen. Es agiert und reagiert auf eine schon für das kleine Kind individuell typische Art und Weise.

Wie ein Kind die Welt, seine Bezugspersonen und sich selbst erlebt, hängt von der Prägung durch die Umwelt und den ersten Beziehungserfahrungen ab.

Auch ein Kind möchte Frust (Angst und Schmerz) vermeiden und so entwickelt es Mittel und Wege, damit das gelingt, es ist ihm allerdings nicht bewusst, sondern es tut es einfach (unbewusst).

Gefühle sind der Motor unseres Verhaltens.

Bleiben wir noch einmal bei dem Kind: jede Erfahrung, jedes Erleben ist für das Kind an ein Gefühl gekoppelt und gespeichert. Diesem Gefühl liegt eine Bewertung zugrunde, die innerhalb von Sekundenbruchteilen entstanden ist und bei entsprechenden Situationen wieder aktiviert wird, sodass sich entsprechende Gefühle und die daraus resultierenden Verhaltensmuster einstellen.

Und tatsächlich, oft erscheinen uns bestimmte Verhaltensmuster regelrecht automatisiert. Sie scheinen sich irgendwie ohne unser Zutun abzuspielen, ganz automatisch.

Und nun verstehen wir schon, wieso es mitunter nicht immer so ganz leicht ist, alte Verhaltensmuster zu erkennen, denn oft genug sind sie uns nicht mal bewusst.

Und alt sind sie deshalb, weil wir sie von klein auf installiert und trainiert haben als Reaktion auf unsere Umwelt und unser Selbstverständnis.

Wir erleben heute also die Welt durch unsere eigene individuelle Brille, die wir schon als Kinder in unseren spezifischen Lebensumständen entwickelt haben.

Ist doch eigentlich kein Wunder, dass diese oft dysfunktionalen Muster heute, für uns als Erwachsene, nicht mehr passen, oder?

Zu jedem von uns an den Tag gelegten Verhalten gehört ein bestimmtes Selbstbild, das heißt, die Art und Weise, wie wir uns in dieser Situation erleben und die Situation selbst wahrnehmen und bewerten.

Was ist nötig, um alte Verhaltensmuster aufzulösen?

Ich möchte Sie gern dabei unterstützen, Ihre alten Verhaltensmuster aufzulösen und lade Sie nun ein, sich Zeit zu nehmen und etwas zu Schreiben bereitzulegen, damit Sie folgende Übungen und Ihre Antworten schriftlich festhalten können.

Seien Sie geduldig mit sich selbst, Sie haben sich viel vorgenommen und Verhaltensänderungen geschehen durch Einsicht und Erkenntnis, durch Selbstbeobachtung und Selbstwahrnehmung, keinesfalls aber von jetzt für immer...

Manche Gedanken und Einsichten benötigen Zeit und Raum zum Reifen, und was wir schon seit unserer Kindheit leben, ändern wir nicht komplett von heute auf morgen.

Wie erkenne ich meine Verhaltensmuster und was steckt dahinter?

Also dann legen wir mal los:

1. Zunächst formulieren Sie doch bitte für sich, in welchen konkreten Situationen es dazu kommt, dass Sie Ihr unvorteilhaftes Muster abspulen, das Sie eigentlich verändern möchten. Die Antwort könnte in etwa so aussehen:

Immer wenn... dann reagiere ich folgendermaßen...

Sie werden merken, es gibt einen Auslöser, es gibt also eine spezifische Situation, die diesen Algorithmus in Gang setzen kann.

2. Welche Auslöser sind Ihnen bewusst? Rufen Sie sich ein auslösendes Ereignis aus der letzten Zeit ins Gedächtnis, und schreiben Sie es auf.

Beispiel: Ein Mensch, nennen wir ihn Max, wird vom Vater kritisiert.

3. Welche Gedanken nehmen Sie wahr, wenn Sie jetzt an diese Situation denken?

Wie sehen Sie sich selbst, wie haben Sie die Situation für sich bewertet und welche unbewussten oder unbewussten Schlüsse haben Sie daraus gezogen, in Bezug auf Ihren Wert oder Ihr Selbstbild? Welche Erwartungen oder Bewertungen sind Ihnen bewusst?

Schreiben Sie auf, was Ihnen dazu einfällt, auch wenn es weit hergeholt erscheint: Was da ins Gedächtnis kommt, ist bedeutend für diese Situation und Ihr Erleben dieser Situation!

Und bitte bleiben Sie bei sich selbst, es geht hier um Sie!

Versuchen Sie jetzt nicht, eine gewisse Neutralität herzustellen, oder sich davon zu distanzieren; Sie erinnern sich? Wir wollen Angst und Schmerz vermeiden…. 

Beispiel: Max denkt von sich jetzt, dass er gar nichts kann, er denkt, der Vater mag ihn nicht, denkt, dass der Vater ihn nur einengen und kurz halten will, er denkt, er sollte weniger Ärger machen, er denkt, er sei eine Belastung für den Vater, usw...

4. Jetzt geht es um die Gefühle, die sich zu Ihren Gedanken und Bewertungen automatisch einstellen… notieren sie alle Gefühle, die Sie zu dieser Situation, und den Gedanken darüber, wahrnehmen können.

Beispiel: Max fühlt sich schlecht, ist ein Versager, ist verletzt, gekränkt, wütend, fühlt sich ungerecht behandelt, fühlt sich unterdrückt, abhängig…..usw

5. Gab es vielleicht auch körperliche Wahrnehmungen in dieser Situation? Dann notieren Sie auch diese!

Beispiel: Max fühlt eine deutliche Körperspannung, er ist angespannt von Kopf bis Fuß

6. Wie haben Sie sich nun aufgrund der entstandenen Gefühle verhalten?

Beispiel: Max verlässt das Zimmer und knallt die Tür hinter sich zu. Er lässt sich heute nicht mehr blicken.

Wir fassen das mal zusammen:

Es gibt Auslöser für mein Verhaltensmuster. Diese Auslöser werden immer wieder auftreten, weil ich das Leben und die Umstände nicht kontrollieren kann. Wie ich die Dinge sehe und bewerte, löst augenblicklich eine Gefühlslage aus, die mein Verhalten bestimmt.

Jetzt wird deutlich, dass wir eine neue Sichtweise auf die Dinge und uns selbst benötigen, damit sich andere Gefühle einstellen und sich dadurch auch Verhaltensmuster ändern können. Denn unsere Gefühle sind der Motor unseres Handelns.

Wie löse ich mich von alten Sichtweisen?

Unter Punkt 2 haben Sie die Gedanken und Bewertungen in der Situation notiert.

Und dort machen wir jetzt weiter und fragen uns, wie realistisch diese wirklich sind?

Was ist denn die Wahrheit? Ist man zum Beispiel wirklich ein Versager auf der ganzen Linie, weil man mal einen Fehler gemacht hat? Menschen machen Fehler, aber ihr Verhalten macht sie ja nicht alle zu Versagern, oder? Und wenn ja, dann sind wir ja in guter Gesellschaft 😉.

Welche Ihrer Gedanken und Bewertungen scheinen Ihnen vernünftig und sinnvoll und welche entspringen möglicherweise einer minderwertigen

Sicht auf Sie selbst?

Hier ist auch die Möglichkeit gegeben, Lebenslügen zu entdecken…

Zum Beispiel:

Ich werde nur geliebt, wenn ich mich anpasse und unauffällig bin.

Ich werde nur wahrgenommen, wenn ich etwas Besonderes leiste.

Ich werde nur gelobt, wenn ich perfekt bin.

Für Fehler werde ich immer bestraft.

Ich kann und darf mich auf niemanden verlassen.

Es ist niemand da, auf den ich mich verlassen kann.

Ich genüge nicht.

Wie kann ich Situationen anders beurteilen?

Jetzt sind Sie gefordert, in eine Diskussion mit sich selbst zu treten, um die realistischen und die irrationalen Bewertungen und Gedanken zu prüfen.

Es sind die irrationalen und unvernünftigen Gedanken und Glaubenssätze, die zu unangemessenem Verhalten führen.

Sie haben jetzt die Möglichkeit, eine realistischere Einschätzung der auslösenden Situation zu entwickeln und Sie können entscheiden, was Sie darüber glauben wollen, oder eben nicht. Vielleicht wird Ihnen jetzt auch bewusst, was Sie „gelernt haben“, zu glauben…...

Und damit entscheiden Sie auch darüber, wie Sie sich selbst sehen und was Sie fühlen, und letztlich, wie Sie sich in dieser Situation zukünftig verhalten wollen und können, weil Sie eine neue Sicht auf die Dinge haben, vielleicht eine realistischere….

Unser Beispiel: Wenn Max jetzt diese oben genannten Fragen beantworten könnte, dann würde er erkennen, dass sein Vater ihn liebt. So viele schöne Dinge haben sie schon gemeinsam gemacht und eigentlich ist der Vater immer für ihn da, wenn der Schuh drückt….Er könnte evtl. erkennen und zugeben, dass er etwas hätte besser oder anders machen können, wofür er sich schon schämte, bevor ihn der Vater kritisierte. Der Vater setzte eben nur noch eins drauf. Er könnte sich fragen, was an seinen Gedanken realistisch und vernünftig war und was irrational. Er könnte sich eingestehen, dass er keinen Fehler gemacht hat, die Kritik unbegründet war, oder dass er zwar einen Fehler gemacht hat, aber trotzdem ein toller Kerl ist und die Suppe auch auslöffeln wird…..Er könnte ein Selbstgespräch mit sich führen, das vernünftig ist, und dadurch erreichen, dass er wieder klar denken und die nötigen Schritte in die Wege leiten kann . Die Tür wurde zwar schon zugeknallt, aber er könnte sie auch wieder öffnen, als Sohn, der eine neue Sicht auf sich, den Vater und die Situation entdeckt hat und ein neues Verhaltensmuster leben will.

Warum ist das manchmal so kompliziert?

Alte Verhaltensmuster aufzulösen ist ein sehr komplexes Thema und wir können ihm uns aus verschiedenen Richtungen nähern. Als individualpsychologische Beraterin bevorzuge ich das therapeutische Gespräch mit dem Klienten, denn oft bemerken wir die blinden Flecken nicht und wir können nicht aus unserer Haut.  

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. (Albert Einstein)

In einer tiefenpsychologisch orientierten Gesprächstherapie ist sehr viel möglich, unbewusste Ziele, auch und gerade des Verhaltens, können durchschaubar gemacht werden und dadurch auch lösbar. Was uns bewusst wird, was wir erkennen, das können wir auch verändern!

Dennoch halte ich die vorgestellte Methode, die übrigens von Albert Ellis entwickelt wurde, für sehr hilfreich, sich in Eigenregie mit den Verhaltensmustern und den dazugehörigen Sichtweisen zu beschäftigen und sie auch aufzulösen.

Als weiterführende Literatur empfehle ich Ihnen das Buch „Vernunft und Emotion“ von Dieter Schwarz.

Allerdings steht fest, so einfach ist das nicht, wir kommen an uns selbst nicht vorbei:

Ein Auto kann nach Internet-Anleitung repariert werden, der Mensch in seiner Einzigartigkeit und seinen individuellen Bedürfnissen und seiner Er-fahrung braucht Menschen und Beziehungen, Standardmethoden helfen uns nur bedingt weiter.

Und überhaupt, wer von uns will schon 08/15 sein?

Ich wünsche mir, dass ich Ihnen mit diesem Artikel helfen konnte, alte Verhaltensweisen zu verstehen und zu verändern.

Ihnen wünsche ich, dass Sie neue Impulse bekommen haben, über das eben gelesene und vielleicht auch das von Ihnen geschriebene, nachzudenken und die aufgezeigten Möglichkeiten nutzen können, Ihre individuellen Muster zu erkennen und aufzulösen.

Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellungen  und Meinungen von den Dingen. Epiktet

Haben Sie den Mut und die Geduld, dran zu bleiben!

Autor: Monika Wenk
Thema: Alte Verhaltensmuster auflösen
Webseite: https://www.planb-werkstatt.de

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