Beständig ist nur der Wandel – ein Leben ohne Veränderung ist unmöglich. Meist ist die Veränderung selbst gewählt oder angestrebt, oft aber auch nicht.

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In diesem Artikel möchte ich …

  • Sie grundsätzlich an das Thema Veränderung heranführen
  • Ihnen die 10 häufigsten Fehler bei Veränderung vorstellen
  • Ihnen zeigen, wie Sie diese Fehler vermeiden können

Warum möchten Menschen etwas verändern? In der Regel lässt man sich dann auf Veränderung ein, wenn der Ist-Zustand unbefriedigend ist, oder wenn man ein attraktives Ziel vor Augen hat. Das heißt, entweder ist die Gegenwart unbequem, unerträglich, etwas tut weh, etwas soll auf keinen Fall so bleiben, wie es im Moment ist. Oder aber der Zielzustand, eine vorgestellte Zukunft ist deutlich erstrebenswerter und angenehmer als es der Ist-Zustand gerade ist. Der gemeinsame Nenner ist, dass man sich irgendwie von A nach B bewegen möchte (oder muss). Idealerweise treffen beider Punkte zu – der Ist-Zustand ist unbefriedigend und man hat ein konkretes, attraktives Ziel vor Augen. Das ist dann die beste Voraussetzung dafür, auch tatsächlich von A nach B zu gelangen.

Nicht jeder mag Veränderung. Mark Twain sagte treffend, „The only people who like change are wet babies.“  - „Die einzigen Menschen, die Veränderung mögen, sind Babys mit einer vollen Windel.“ Im Englischen funktioniert dieser Satz noch besser: „change“ bedeutet sowohl „Veränderung“ als auch „Windelwechsel“. Für das Baby ist der Ist-Zustand absolut unbefriedigend, daher lässt es sich in der Regel sehr bereitwillig auf die Veränderung ein. Außerdem ist in diesem Fall völlig klar, was für eine erfolgreiche Veränderung zu tun ist: Windel wechseln.

So ist es aber nicht immer. Veränderung ist manchmal mühsam. Veränderung bedeutet immer auch einen Kraftaufwand, eine Anstrengung. Es ist nicht selbstverständlich, dass man sich auf den Weg macht, etwas zu verändern. Man muss das Gewohnte verlassen, die eigene Komfortzone. Man muss Energie aufwenden. Man kann nicht sicher sein, das angestrebte Ziel auch zu erreichen. Es kann sich anfühlen, wie eine Reise ins Ungewisse. Am ehesten macht man sich tatsächlich auf, wenn es in der Gegenwart, im Ist-Zustand irgendwo „zwickt“, wenn es also einen konkreten Anlass gibt.

Fragen Sie sich: Was ist Ihr Veränderungs-Anlass? Wo möchten Sie hin? Was sind Ihre Veränderungsthemen? Das können Themen sein, die Ihre Karriere betreffen, möglicherweise steht eine berufliche Neuorientierung an. Vielleicht möchten Sie lernen, Prioritäten zu setzen, einen achtsameren Lebensstil führen, Grenzen setzen lernen, Ihre Ernährung umstellen, mehr Sport treiben, Ihr Gewicht reduzieren, Ihre Auftrittsangst besiegen etc.

Dann überlegen Sie sich, wo Ihre persönlichen typischen Fehler oder automatischen Muster in Veränderungssituationen liegen. Und freuen Sie sich auf praktische Lösungsimpulse, die Sie direkt umsetzen können. 

Fehler 1: Allein auf die Willenskraft vertrauen

Dieser Punkt ist überraschend für viele, denn: wenn ich mich verändern will, brauche ich doch meinen Willen. Ich muss Dinge entscheiden, Strategien festlegen. Ich brauche meinen Willen, um den Veränderungsprozess umsetzen zu können und um die Energie aufzuwenden, das auch auf Dauer durchzuhalten.

Eine Studie der American Psychological Association konnte aber belegen, dass Menschen in erster Linie scheitern, gerade weil sie sich zu sehr auf ihre Willenskraft verlassen. Deshalb verfehlen Sie oft ihre Ziele. Denn in der Regel fehlt es an Willenskraft. Das erstaunt Sie?

Das Experiment hinter der Studie war folgendermaßen aufgebaut: Die Probanden waren hungrige Studenten. Sie wurden im ersten Teil des Experimentes alleine in einen Raum geführt, in dem es verführerisch nach frisch gebackenen Cookies roch. Außerdem befand sich in diesem Raum je eine Schale voll mit leckeren Cookies und eine Schale voll mit Radieschen.  Ein Teil der Studenten durfte sich an der Schale mit den Cookies bedienen, der andere durfte nur Radieschen essen. Die Studenten waren jeweils alleine im Raum, wurden aber natürlich beobachtet. Die Radieschen-Studenten nahmen tatsächlich alle keine Cookies, aber sie rochen daran, nahmen mal einen in die Hand und wurden sehr magisch von der Schale mit den Cookies angezogen. Aber alle hielten durch.

Dann folgte der zweite Teil des Experiments. Die Studenten bekamen die Aufgabe, ein Puzzle zusammenzusetzen. Und zwar kein schönes Bild, sondern ein geometrisches Puzzle, bei dem man nur Muster und Strukturen zusammensetzt. An sich schon schwierig, aber die Studienleiter hatten noch eine weitere Hürde eingebaut: Das Puzzle war nicht lösbar. Man wollte herausfinden, wie lange die Studenten durchhalten und an der Lösung tüfteln, und ob es einen Unterschied zwischen den Radieschen-Studenten und den Cookie-Studenten gab. Es gab durchaus einen: Die Radieschen-Studenten gaben im Schnitt nach 8 Minuten auf, die Cookie-Studenten hielten 20 Minuten durch.

Dieser signifikante Unterschied lässt sich dadurch erklären, dass die Radieschen-Studenten ihr Kontingent an Willenskraft bereits im ersten Teil des Experiments aufgebraucht hatten. Sie hatten einfach keine Kraft mehr, ihren Willen aufzubieten. Die Cookie-Studenten dagegen waren noch frisch und unverbraucht.

Willenskraft kann man trainieren wie einen Muskel. Dieser Muskel kann aber auch ermüden. Deshalb ist Willenskraft eine begrenzte Ressource. Man soll sich deshalb nie alleine auf seine Willenskraft verlassen, denn irgendwann ist sie aufgebraucht. Wenn man dann keinen anderen Ressourcen hat, bekommt man Probleme bei der erfolgreichen Umsetzung seiner Ziele. Es ist durchaus sinnvoll, die Willenskraft bei der Umsetzung von Zielen einzubinden, aber sie ist ein unsicherer Verbündeter. Wenn ich mich zu sehr auf sie stütze, werde ich früher oder später scheitern.

Fragen Sie sich: Wie stark verlassen Sie sich auf Ihre Willenskraft?

Lösungsimpuls 1: Gewohnheiten entwickeln

Verlassen Sie sich, wenn Sie Veränderungen umsetzen wollen, nicht alleine auf Ihren Willen. Ihr Wille ist eine endliche Ressource. Unterstützen Sie ihn, indem Sie Gewohnheiten entwickeln, die für die Umsetzung Ihrer Ziele förderlich sind. Bauen Sie sich Routinen in Ihren Tagesablauf ein. Denn dann müssen Sie nicht immer wieder neu überlegen und entscheiden, sondern folgen einfach Ihren Gewohnheiten.

Legen Sie sich das Wichtigste an den Tagesanfang, weil sich Ihre Willenskraft im Lauf des Tages aufbraucht. Willenskraft hängt auch damit zusammen, wie gut wir erholt sind. Achten Sie deshalb grundsätzlich auf guten Schlaf und regelmäßige Erholung, denn damit können Sie auch Ihre Willenskraft wieder auftanken.

Eine große Hilfe, um Gewohnheiten zu entwickeln, sind Wenn-Dann-Pläne. Was ist ein Wenn-Dann-Plan? Letztlich eine Formulierung für mein Ziel, in der ich eine konkrete Bedingung („wenn…“) mit einer konkreten Konsequenz („dann tue ich…)“) verbinde. Daraus entsteht ein hilfreiches Muster, das mich darin unterstützt, Routinen einzuüben. Solche Wenn-Dann-Pläne machen häufige Einzelentscheidungen überflüssig und sind sehr entlastend.

Ist Ihr Ziel, mehr für Ihre Gesundheit zu tun, könnte ein Wenn-Dann-Plan lauten: „Immer wenn ich um 17 Uhr von der Arbeit nach Hause komme, gehe ich erst mal eine halbe Stunde joggen und tue mir etwas Gutes.“ Mit dieser Grundentscheidung sparen Sie sich eine Menge an Einzelfallentscheidungen. Mache ich heute Sport? Welchen Sport mache ich? Wann? Gleich früh oder doch erst Abend oder nur bei schönem Wetter?

Ein weiteres Beispiel für einen Wenn-Dann-Plan: „Wenn mein Kollege mich dumm anmacht, dann atme ich erst einmal tief durch, bevor ich reagiere.“

Auf diese Weise entwickeln Sie gute Gewohnheiten, die Sie auf dem Weg zu Ihrem Veränderungsziel einen entscheidenden Schritt voranbringen. Zu den grundsätzlich hilfreichen Lebensgewohnheiten zählen auch Guter Schlaf und gute Essgewohnheiten. Diese bilden eine Grundlage für einen gesunden und förderlichen Lebensstil und wirken sich auf die meisten Veränderungsziele nachhaltig aus.

Manchmal treten auch Motivkonflikte zutage: Diese gilt es zu entdecken und aufzulösen. Willenskraft stößt oft dann schnell an ihre Grenzen, wenn tief in uns ein Konflikt steckt, der unbearbeitet ist. Das kann ein bewusster oder auch unbewusster Konflikt sein. Das wird oft bei Veränderungen nicht ausreichend berücksichtigt.

Worauf verlassen Sie sich eher? Auf Ihre Willenskraft oder auf die Kraft guter Gewohnheiten? Die Willenskraft ist ein unsicherer Verbündeter, daher ist es besser, hilfreiche Gewohnheiten zu entwickeln und sich auf diese zu stützen.

Fehler 2: Zu viele Veränderungen auf einmal

Der zweite große Fehler, den man bei Veränderungsprozessen machen kann, ergibt sich aus dem ersten Fehler: Man nimmt sich zu viel auf einmal vor.

Unsere Kraft, etwas zu verändern, ist begrenzt. Wir können nicht endlos viele Dinge gleichzeitig in Angriff nehmen. Denn dann laufen wir in eine typische Falle: Wir merken, an einem bestimmten Punkt müssten wir etwas verändern. Wir tun dann aber lange nichts. Aber es geht uns gerade nicht so gut. Das ist oft der Fall, wenn man vor Herausforderungen steht. Oft fehlt die Kraft, die zu einer Veränderung notwendig wäre. Also schieben wir die Veränderung erst einmal auf.

Wenn wir dann in eine bessere Phase kommen, krempeln wir die Ärmel hoch und sagen: „Jetzt aber ran! Das ist meine Chance!“ Und wir wollen alles auf einmal anpacken. Das Versagen ist dann aber quasi vorprogrammiert. Aber es ist eine Tatsache: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Veränderung gelingt und wir unsere Ziele erreichen, sinkt mit der Anzahl der Veränderungsthemen. Und zwar dramatisch. Je mehr ich mir vornehme, desto weniger klappt es. Das liegt wieder daran, dass wir nur eine begrenzte Kraft zur Verfügung haben. Wenn wir diese Kraft in zu viele Einzelthemen stecken, bleibt für das einzelne Thema nicht genug übrig, um es auch sinnvoll zu verfolgen. Wir müssen uns bewusst machen, dass wir nur begrenzte Energie haben, um Veränderungen anzugehen, durchzuführen und vor allem auch durchzuhalten.

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Lösungsimpuls 2: Weniger ist mehr

Da unsere Energie begrenzt ist, müssen wir uns bei Veränderungsthemen beschränken. Wenn wir uns auf eine persönliche Veränderung konzentrieren, sind wir damit mehr als genug beschäftigt. Und wenn wir diese eine Veränderung geschafft und das Gefühl haben, dies einigermaßen nachhaltig und dauerhaft umgesetzt zu haben, können wir uns die nächste Veränderung vornehmen.

Leichter gesagt als getan, denn manchmal werden uns durch unsere Umwelt Veränderungen aufgezwungen. Das gilt vor allem für das berufliche Umfeld. Grundsätzlich geht es darum, erst einmal zu realisieren, dass ich mich selbst nicht überfordern darf. Ich kann nicht alles in meinem Umfeld beeinflussen, aber das, was ich mir selbst vornehme, kann ich durchaus beeinflussen. Und alleine das ist oft schon zu viel.

Aber was tue ich, wenn mein Chef mir beispielsweise eine Reihe von Veränderungen anträgt? Dann gilt es, Prioritäten zu setzen. Manche Veränderungen kann man vielleicht auch abwenden oder sich von ihnen distanzieren. Grundsätzlich gilt als Faustregel: Setzen Sie sich im Beruf 2 bis 3 Oberziele statt sich in vielen kleinen Veränderungszielen zu verzetteln.

Überlegen Sie: Wie gut gelingt es Ihnen, sich auf nur ein Veränderungsziel zu konzentrieren? Oder neigen Sie dazu, sich zu viel auf einmal vorzunehmen? Stellen Sie Unterschiede zwischen privaten und beruflichen Veränderungen fest?

Fangen Sie gleich mit der praktischen Umsetzung an und legen Sie sich auf ein einziges Veränderungsziel fest.

Fehler 3: Große Veränderungsschritte statt kleine

Oft ist man ja voller Elan und nimmt sich einen riesigen Veränderungsschritt vor. Ein Beispiel aus der Arbeitsorganisation. Stellen Sie sich vor, Sie haben überall Chaos. Ihr Schreibtisch liegt voller Unterlagen, dazwischen leere Kaffeetassen, Post-It-Zettel, der Fußboden voll mit Bücherstapeln etc. Etwas zu finden kostet Zeit und ist auf alle Fälle Glückssache. Dasselbe gilt für Ihre E-Mails – wo war noch mal? Oder wer hat das irgendwann geschickt? Ihre Ablage quillt über – und enthält durchaus auch Items, die dort grundsätzlich nichts zu suchen haben. Ihr Kalender ist ein einziges Durcheinander, nicht alle wichtigen Termine sind eingetragen, Termine sind doppelt belegt, wiederkehrende Termine fehlen, die eingetragenen Termine unterliegen keinem System. Sie sind folglich nicht immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Aber jetzt, denken Sie sich, jetzt nehme ich das in Angriff. Was Lothar Seiwert, der deutsche Zeitmanagement-Papst schafft, das schaffe ich auch. Sie wollen also im Hechtsprung vom großen Chaos zur absoluten Ordnung.

Die Folge ist eine große Blockade. Der Sprung ist viel zu groß und scheint unüberwindlich. Das Chaos ist ja nicht umsonst da und von selbst entstanden.

Egal ob es sich um das Thema Ordnung handelt, ob Sie Ihre Ernährung umstellen wollen (von sehr Schweinebraten-haltig zu nur noch Salat), ob Sie Sport treiben wollen (von Couchpotato zum Marathon) – im Riesenschritt wird es nicht gelingen. Sie überfordern sich völlig und wissen nicht, wo Sie anfangen sollen. Sie sind entweder völlig erschöpft (Marathon) oder völlig unerfüllt (nur Salat). In jedem Fall sind Sie frustriert und hören genauso schnell mit der angestrebten Veränderung auf, wie Sie angefangen haben. Und nehmen sich vielleicht in diesem Bereich so schnell keine Veränderung mehr vor.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Finden Sie sich in diesem Szenario wieder?

Lösungsimpuls 3: Kleine Schritte

Wenn Sie etwas verändern wollen, nehmen Sie sich keinen Riesenschritt vor, der Sie überfordert oder in irgendeiner Form an die Grenzen bringt. Gewöhnen Sie sich stattdessen die Haltung der kleinen Schritte an. Fragen Sie sich: „Angenommen, ich wäre einen kleinen Schritt weiter, was wäre dann anders?“

Bei mir im Coaching war ein Mann, der genau das vorher beschriebene Ordnungsthema bearbeiten wollte. Er versank im Büro im Chaos, wusste, dass er dringend etwas verändern musste, um seinen Arbeitsalltag bewältigen zu können, hatte aber keine Ahnung, wie ihm das gelingen sollte.

Ich bat ihn zuerst, sich selbst auf einer Skala von 1 bis 10 einzuschätzen: 1 als das absolute Chaos, 10 als sein großes Ideal - die absolute Ordnung (ordentlicher als beim Zeitmanagement-Papst). Er sah sich etwa bei 1,7. Dann fragte ich ihn, was er tun müsste, um auf die 1,8 zu kommen. Er konnte es sofort formulieren. Es war nur eine Kleinigkeit, aber ich trug ihm auf, bis zu unserem nächsten Gespräch nur diese einzige Kleinigkeit zu verändern. Dies erschien ihm machbar.

Beim nächsten Termin sollte er sich wieder auf der Zehnerskala einschätzen und war bereits auf der 2,4. Wir haben ausgewertet und überlegt, was ihm geholfen hat, auf die 2,4 zu kommen. Wieder fragte ich ihn, was er verändern müsste, um auf die 2,5 zu kommen. Und wieder arbeitete er bis zum nächsten Treffen nur an einem einzigen Punkt. Auf diese Weise arbeitete er sich schrittweise auf der Skala nach oben, bis er etwa bei der 6,5 war.

An diesem Punkt meinte er völlig begeistert: „Jetzt reicht es mir. Jetzt habe ich ein Stadium an Ordnung und Struktur erreicht, das für meine Ansprüche völlig ausreichend ist. Ich bin weiter gekommen, als ich mir das jemals hätte träumen lassen! Ich habe so große Fortschritte gemacht, aber ich bin doch kein Perfektionist.“ Auf Dauer konnte er dieses Niveau halten und sogar ohne Anstrengung noch leicht verbessern.

Zu Beginn des Coachings konnte er sich nicht vorstellen, wie er diesen „aufgeräumten“ Zustand jemals hätte erreichen können. Er sah nur den Ausgangspunkt und das Ziel in weiter Ferne – dazwischen einen Riesenschritt. Diesen Schritt hatte er nun bewältigt, aber ohne ihn als Riesenschritt wahrzunehmen. Wenn man jeweils nur den nächsten Schritt in Angriff nimmt, muss man auch nur die emotionale und tatsächliche Energie für den nächsten kleinen Schritt aufwenden. Die Hürde ist jeweils viel kleiner, aber das Ziel rückt stetig näher und wird realistisch erreichbar.

Deshalb gilt auch hier die alte Weisheit: Wie isst man einen Elefanten? – Häppchenweise!

Fehler 4: Vermeidungsziele statt Annäherungsziele

Wenn man etwas verändern will, muss man sich Ziele setzen. Vielen Menschen ist aber nicht bewusst, dass es stark davon abhängt, wie man sein Ziel formuliert, ob man es auch tatsächlich erreicht. Viele Menschen formulieren unwillkürlich Vermeidungsziele.

Was versteht man unter Vermeidungszielen? Bei einem Vermeidungsziel nehme ich mir vor, etwas nicht mehr zu tun oder weniger von etwas zu tun. Zum Beispiel: „Ich will keinen Stress mehr haben.“ „Ich will bei Präsentationen vor Kollegen keine Aufregung mehr zeigen.“

Das eingebaute Problem bei dieser Art von Formulierungen: Veränderung braucht Motivation. Motivation wird aus verschiedenen Quellen gespeist. Vermeidungsziele funktionieren nur auf der bewussten, auf der sprachlichen Ebene. Das ist der Teil unseres Gedächtnisses, in dem alles in Form von Worten und Begriffen abgespeichert ist. Aber es gibt auch eine unbewusste Ebene, nämlich die Bildebene. Das ist der Teil unseres Gedächtnisses, in dem alle Bilder abgelegt sind. Stellen Sie sich unser Gehirn wie eine Festplatte vor. Sie haben die Text-Dokumente und die Bild-Dateien. Schriftliche Dokumente lassen sich leicht mir irgendwelchen Suchbegriffen finde, mit Bildern dagegen ist das schwieriger. Wenn Sie nach einem Familienfoto suchen – wie finden Sie das unter ein paar Tausend Urlaubsfotos? Das ist der Unterschied: Unbewusstes bewusst zu machen braucht einen Übersetzungsprozess, damit ich darauf zugreifen kann. Deshalb müssen Bewusstes und Unbewusstes an einem Strang ziehen.

Unser Unbewusstes kann nun aber nicht leicht in Verneinungen denken. Machen Sie ein kleines Experiment:

Stellen Sie sich ein grünes Auto vor. Vermutlich taucht vor Ihrem inneren Auge nun irgendein grünes Auto auf. Vielleicht eine bestimmte Marke oder in einem bestimmten Umfeld. Stellen Sie sich nun eine rote Rose vor. Das gelingt Ihnen vermutlich auch: Sie haben nun ein Bild einer roten Rose in sich. Vielleicht in der Vase oder noch im Garten.

Stellen Sie sich nun keinen Elefanten vor. Und? Haben Sie das geschafft? Was für ein Bild taucht vor Ihrem inneren Augen auf? Sehen Sie einen durchgestrichenen Elefanten? Oder das Bild einer afrikanischen Landschaft, bei der der Schattenriss eines Elefanten ausgeschnitten ist? Vermutlich nicht. Vermutlich haben Sie genau das Bild eines Elefanten vor sich, das Sie eigentlich nicht sehen wollten.

Ich habe das Experiment einmal mit meiner sechsjährigen Tochter gemacht. Als ich Sie fragte, ob Sie es geschafft hatte, sich keinen Elefanten vorzustellen, meinte sie: „Ja, das habe ich geschafft.“ Kurze Pause. „Aber dann war er doch da.“

Verneinungen kann man sich bildhaft schwer vorstellen. Unbewusst taucht dabei genau das Bild von dem auf, was wir eben gerade nicht haben wollen. Wenn Sie also keine Auftrittsangst mehr haben wollen, sehen Sie bei diesem Vermeidungsziel die Auftrittsangst in ihrer schönsten Ausprägung vor sich. Also kein hilfreiches Vorgehen. Dagegen hat sich eine andere Art von Zielen bewährt: die Annäherungsziele.

Lösungsimpuls 4: Annäherungsziele

Annäherungsziele beschreiben im Gegensatz zu Vermeidungszielen, in welche Richtung ich mich bewegen will, und dies möglichst konkret.

Statt: „Ich will weniger Stress“ – „Ich gönne mit Ruhepausen.“ Während in der ersten Formulierung der Stress prominent entgegenspringt, bietet mir das Annäherungsziel ein positives Bild. Ich sehe eine Ruhepause vor mir, vielleicht eine schöne Tasse Tee, ein gemütlicher Sitzplatz. Vielleicht auch eine Bank in der Sonne im Park. Etwas das mir gut tut und das ich mir gönne. Das Ziel ist positiv besetzt und wirkt attraktiv auf mich.

Oder ein weiteres Beispiel für ein Annäherungsziel: „Ich trete sicher auf.“ – Statt: „Ich will bei Präsentationen keine Schweißausbrüche mehr erleiden.“ Sehen Sie die Schweißausbrüche und das „erleiden“ buchstäblich vor sich? Und was sehen Sie vor sich, wenn Sie sich eine Person vorstellen, die sicher auftritt? Ein völlig anderes Bild. Und welches ist wohl hilfreicher? Genau – das Bild vom sicheren Auftritt, formuliert als Annäherungsziel.

Oder: „Ich führe meine Führungsrolle gut aus.“ – Statt: „Ich will keine Unsicherheit vor meinen Mitarbeitern zeigen.“ Achten Sie auch hier wieder darauf, welche Bilder vor ihrem inneren Auge entstehen.

Annäherungsziele bieten uns einen positiven, attraktiven Anreiz. Sie ziehen an einem Strang mit unserer Motivation. Vermeidungsziele schwächen uns eher und lassen uns mit angezogener Handbremse unterwegs sein.

Überprüfen Sie Ihre aktuellen Ziele. Wie haben Sie sie formuliert? Falls Sie darunter Vermeidungsziele entdecken, formulieren Sie sie zu Annäherungszielen um. Das ist anfänglich vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber es lohnt sich.

Bei der Umsetzung von Veränderungen sind gut formulierte Annäherungsziele ein wichtiger Baustein, auf den Sie nicht verzichten sollten.

Fehler 5: Ergebnisziele statt Haltungsziele

Eine weitere, sehr verbreitete Art von Zielformulierungen bremst unsere Erfolgsaussichten bei Veränderungen aus: sogenannte Ergebnisziele. Ergebnisziele sind Ziele, die ein bestimmtes Ergebnis vorgeben: „Bis Ostern habe ich drei Kilo abgenommen.“ „In der nächsten Prüfung habe ich eine 1.“ „Dieses Jahr backe ich im Advent zehn Sorten Weihnachtsplätzchen.“

Solche Ziele sind auch bekannt als SMART-Ziele. SMART ist eine Abkürzung für fünf Kriterien: Sie sind spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Und das klingt doch eigentlich gut. Was soll daran nun falsch sein? Grundsätzlich nichts. Man muss nur wissen, dass solche SMART-Ziele im Allgemeinen überbewertet werden.

Diese Ziele wurden in 80er und 90er Jahren gut erforscht und formuliert von den zwei Organisationspsychologen Locke und Latham. Sie haben darüber geforscht, was gute Ziele ausmacht und sind eben auf die smarten Ziele gekommen. Es gibt bis heute in der Literatur über Ziele eigentlich kein Buch und keinen Artikel, in dem sich nicht die Beschreibung der SMART-Ziele findet.

Sie werden zwar hoch gehandelt, aber man übersieht in der Regel dabei, dass diese Art von Zielen nur unter bestimmten Bedingungen hilfreich ist, nämlich, wenn folgende Kriterien erfüllt sind: Sie funktionieren bei einfach strukturierten Aufgaben, bei ergebnisbezogenen Sachthemen, wenn die Strategie klar ist, wenn ein hohes Commitment gegeben ist, alle daran Beteiligten hoch motiviert sind, und wenn keine Zielkonflikte vorhanden sind. Also nur in sehr wenigen Situationen.

Definitiv gelten sie nicht für komplexe Veränderungsszenarien, und schon gar nicht, wenn es möglicherweise Motivkonflikte gibt. Solche Veränderungssituationen sind selten einfach strukturiert, es gibt viele Wechselwirkungen. Es handelt sich schon gar nicht um ergebnisbezogene Sachthemen, schließlich sind Sie ein Mensch und keine Sache. Es geht schließlich um die Veränderung Ihres Lebens, Ihres Verhaltens, Ihrer Einstellungen. Und das ist sehr anspruchsvoll.

Dazu gibt es verschiedene Studien von den Erfindern der SMART-Ziele, die nur leider in der Regel vernachlässigt werden, weil so ein SMART-Ziel einfach griffig klingt.

Aber wenn Sie sich erfolgreich verändern wollen, vergessen Sie die SMART-Ziele besser.

Kleiner Check: Welche Art von Zielen setzen Sie? Sind darunter eventuell SMART-Ziele an der falschen Stelle?

Lösungsimpuls 5: Haltungsziele

Ich möchte Ihnen hier drei Arten von Zielen vorstellen:

Ergebnisziele haben Sie gerade schon kennen gelernt, so genannte SMART-Ziele. Ein Beispiel wäre die Formulierung: „Ich will 5 Kilo abnehmen.“ Ergebnisziele beziehen sich immer auf ein konkretes Ergebnis, das ich erreichen will.

Handlungsziele dagegen beziehen sich auf eine bestimmte Aktion, eine konkrete Handlung, die ich vollziehen möchte, um mein Ziel zu erreichen. Ich formuliere also beispielsweise: „Ich gehe jeden Tag joggen.“

Neu für Sie sind möglicherweise sogenannte Haltungsziele. Diese beziehen sich auf eine innere Einstellung, auf eine Haltung, die ich einnehmen möchte. Oft klingen sie etwas blumig, weil sie auf der unbewussten Ebene unserer Motivation ansetzen. Sie bedienen sich oft einer bildhaften Sprache. Wenn Sie abnehmen möchten, könnten Sie also formulieren: „Ich lebe mit leichtem Magen.“

Haltungsziele aktivieren in Ihnen ein positives Bild, das motivierend wirkt. Sie sprechen die eigene innere Haltung an. An der inneren Haltung scheitern Veränderungen nämlich häufig. Im Coaching arbeite ich dabei oft mit Bildkarten, die Gefühle zum Ausdruck bringen, um an innere Motive heranzukommen. Diese Bilder verbinden wir mit bewussten Zielen. Im Ergebnis kommen wir dann auf einen Satz, der diese Haltung wiederspiegelt. Schließlich geht es in einem Umsetzungsprozess darum, sich diesen Satz einzuverleiben und mit konkreten Handlungszielen zu verbinden. Sich das zu erarbeiten, dauert natürlich eine Weile, macht Sie aber extrem effektiv in der Umsetzung Ihrer Ziele, weil Sie gleichzeitig bewusste und unbewusste Ebenen ansprechen.

Im Gegensatz zu Haltungszielen haben reine Ergebnisziele oft eher gegenteilige Wirkung: man sieht den zu bewältigenden Berg unmittelbar vor sich, gerät innerlich unter Druck und blockiert eher.

Am zielführendsten in Veränderungsprozessen erweist sich eine Kombination aus Handlungs- und Haltungszielen. Eventuell kann man diese mit Wenn-Dann-Plänen ergänzen. Also etwa: „Ich lebe mit leichtem Magen. Immer wenn ich abends von der Arbeit nach Hause komme, gehe ich erstmal joggen.“

Wie sehen Ihre Erfahrungen mit Zielformulierungen aus? Was haben Sie bisher als hilfreich erlebt? Formulieren Sie bestehende Ziele um. Wählen Sie bildhafte Haltungsziele.

Fehler 6: Innere Motivkonflikte werden nicht beachtet

Motivkonflikte kosten viel Energie, die uns dann nicht mehr für unsere Veränderung zur Verfügung steht.

Es gibt Motivkonflikte, die komplett auf bewusster Ebene ablaufen, aber nicht lösbar scheinen. Beispielsweise haben Sie ein Problem mit Ihrem Chef und wollen nicht mehr unter ihm arbeiten, wollen aber andererseits den Arbeitgeber nicht wechseln.

Manchmal sind sie uns nur teilweise bewusst, der andere Teil läuft auf der unbewussten Ebene ab: Sie wollen mit dem Rauchen aufhören, aber irgendetwas in ihnen spricht dagegen. Nur was, ist für Sie nicht greifbar.

Oder aber Ihre Konflikte befinden sich komplett auf der unbewussten Ebene. Sie können sie nicht in Worte fassen, spüren aber eine generelle Unzufriedenheit. Aber Sie können es einfach nicht auf den Punkt bringen. Sie fragen sich nur, warum sie so unzufrieden sind.

Statt sich also um Ihre angestrebte Veränderung zu kümmern, sind Sie viel mehr damit beschäftigt, Ihre inneren Motivkonflikte zu bändigen.

Lösungsimpuls 6: Innere Konflikte auflösen

Wie löst man nun solche inneren Konflikte auf – besonders, wenn sie sich auf einer unbewussten Ebene befinden?

Motivation speist sich aus unterschiedlichen Quellen. Jede Handlung braucht erst mal eine Handlungsvorbereitung. Diese wiederum erfordert eine Absicht, und bevor ich die Absicht umsetzen kann, muss ich die verschiedenen Anteile meiner Motivation ins Boot holen.

Zuerst geht es also darum, die eigene Motivation zu klären. Dieser Punkt fehlt oft bei dauerhaften Veränderungen. Das gelingt manchmal schon durch gutes Nachdenken, manchmal aber braucht man Hilfe von außen. In einem Coaching-Gespräch arbeite ich an diesem Punkt oft mit der Methode des Inneren Teams, das heißt, ich helfe Ihnen zu sehen, wer in Ihnen alles ein Mitspracherecht einfordert. Das kann man dann sehr schön auch grafisch darstellen.

Neulich war die Inhaberin eines Fachgeschäftes bei mir zum Erstgespräch. Während sie ihr Anliegen schilderte, überlegte ich schon mal, in welche Richtung sich das Coaching bewegen könnte. Eventuell Work-Life-Balance, Burnout, Arbeitsorganisation. Nachdem wir mit dem Inneren Team gearbeitet hatten, stellte sich jedoch heraus, dass sie einen inneren Konflikt hatte, der ihr vorher nicht bewusst war. So musste sie erst mit einer Person ein klärendes Gespräch führen. Danach konnte sie weiter an ihrem eigentlichen Anliegen arbeiten. Aber auch Ihre ursprüngliche Überlastung ließ nach, weil dieser Konflikt aus der Welt geschafft war und ihr keine Energie mehr raubte. Oft ist nicht das das eigentliche Thema, was auf den ersten Blick da ist, sondern etwas, was tiefer liegt.

Liegen Motivkonflikte vor, lohnt es sich in jedem Fall, ein stabiles Fundament zu bauen und die Konflikte zuerst zu klären. Darauf lässt sich dann eine stabile Veränderung aufbauen.

Fehler 7: Ressourcen werden ignoriert

Die meisten Menschen kommen zu mir ins Coaching, weil sie ein Problem haben. In diesem Moment sind sie weniger lösungs- als viel mehr problemorientiert. Aber wenn man ein Problem hat, ist auch der Blick fokussiert, der Blickwinkel ist verengt und man befindet sich in einer sogenannten Problemtrance. Man sieht nur noch, was nicht klappt.

Man ist im Denken an das Problem gefangen, kann den Blick nicht weiten. Vor allem sieht man die Ressourcen und Lösungskompetenzen, die man eigentlich hat, nicht klar. Dieses Verhalten ist typisch in Stresssituationen. So erklärt sich, dass man bei Stress nur auf einen ganz geringen Teil seiner Ressourcen Zugriff hat. Es gelingt bei Stress sehr schlecht, Lösungsideen zu generieren.

Daher ist im Coaching-Prozess oder bei Veränderungsprozesse ein wichtiger Aspekt, den Blick zu weiten und persönliche Ressourcen wahrzunehmen.

Jeder Mensch hat Ressourcen. Führungskräfte denken bei Ressourcen in der Regel immer nur an die zwei Dinge, die sie nicht haben: Geld und Mitarbeiter. Aber letztlich zählt zu den Ressourcen in einem Veränderungskontext alles, was zur Lösung meines Problems beiträgt: Fähigkeiten, Begabungen, Beziehungen zu Menschen, die mir helfen können, Mitarbeiter, mein Selbstvertrauen, frühere positive Erfahrungen, auf die ich zurückgreifen kann etc.

Nur wenn Sie das nicht sehen, kommen Sie auch schlecht vorwärts.

Nehmen Sie sich doch gerade mal Zeit und notieren Sie sich, welche Ressourcen Sie für sich haben. Und wenn Sie meinen, dass Ihnen keine mehr einfallen, dann überlegen Sie sich noch fünf weitere. Finden Sie schwer? Dann schlafen Sie mal drüber und denken morgen nochmal über diese Frage nach.

Lösungsimpuls 7: Ressourcen nutzen

Wenn man sich in einer Problemtrance befindet und er Blick auf die Ressourcen verstellt ist, hilft das Abarbeiten folgenden Fragenkatalogs. Das kann man für sich machen oder sich dabei von einem Coach unterstützen lassen.

Zunächst richten Sie den Blick auf das Hilfreiche:

  • Wann ging es mal besser? Woran lag das?

Dann schauen Sie darauf, was genau den Unterschied zur aktuellen Situation ausmacht. Sie stellen heraus, was Sie schon gut machen, damit es nicht noch schlechter wird. Selbstwirksamkeit ist ein wichtiger Faktor. Alleine das wahrzunehmen, dass man etwas tun könnte, um etwas zu verschlechtern, gibt oft eine Idee, was man tun könnte, um eine Situation zu verbessern:

  • Was müssten Sie tun, um die Situation zu verschlechtern?

Danach vollziehen Sie den Perspektivenwechsel:

  • Welche Ihrer Stärken wären hier hilfreich?
  • Worauf können Sie sich immer verlassen?
  • Was würden Sie sich selbst raten?

Im Coaching ergibt sich manchmal folgender Dialog:

Coach: „Was wäre nun hilfreich in Ihrer Situation? Was wäre ein erster Schritt?“

Coachee: „Keine Ahnung.“

Coach: Angenommen, Sie wären hier der Coach oder Berater. Was würden Sie sich denn raten?“

Coachee: „Naja, wenn ich einen Ratschlag geben sollte, dann würde ich sagen, mach erst mal dieses und jenes, und als zweiten Schritt dann so, und danach dann so weiter…“

Plötzlich ist das Gefangensein im Problemdenken gelöst und der Coachee merkte, dass er die Lösung eigentlich die ganze Zeit schon gewusst hat. Nur stand er sich selbst im Weg.

Probieren Sie es aus. Wenn Sie sich das nächste Mal gedanklich nur um Ihr Problem drehen, nehmen Sie sich diesen Fragenkatalog vor. Und wenn Ihnen dann immer noch nichts einfällt, überlegen Sie sich welchen Ratschlag Sie sich geben würden, wären Sie Ihr eigener Coach.

Sie werden staunen, wie viele Ressourcen dann zutage treten. Manchmal muss man einige Zeit investieren, um an verschüttete Ressourcen heranzukommen. Aber investieren Sie diese Zeit unbedingt.

Fehler 8: Selbst- und Fremdvorwürfe

Vorwürfe sind ein gutes Konservierungsmittel für den Ist-Zustand. Wenn ich etwas nicht verändern möchte, ist die beste Garantie, den Status Quo zu erhalten, mir selbst oder anderen Menschen Vorwürfe zu machen. Denn auch diese Fremd- und Selbstvorwürfe rauben viel Kraft und innere Energie, sie produzieren Motiv- oder Zielkonflikte. Diese geraubte Energie steht dann für die Veränderung natürlich nicht mehr zur Verfügung.

vorwuerfe schreien

Selbstvorwürfe funktionieren so: „Ich mache immer alles falsch. Ich habe es nicht besser verdient.“ „Das ist mal wieder typisch. So etwas passiert immer nur mir.“ „Das geschieht mir ganz recht.“

Fremdvorwürfe richten sich an eine andere Person: „Du bist schuld.“ „Du musst dich ändern.“ „Du musst den ersten Schritt gehen.“

Solche Formulierungen sind schwer zu beeinflussen. Sie drängen sich geradezu wie von selbst auf und sind schneller als meine bewussten Gedanken. In Veränderungssituationen ist das fatal. Denn ich bemühe mich, etwas an einer Situation zu verändern, sage mir aber gleichzeitig, dass ich es aber sowieso nicht kann oder dass es sowieso aussichtslos ist.

Diese Selbst-und Fremdvorwürfe produzieren starke Soll-Ist-Diskrepanzen. Im Prinzip sage ich mir ständig vor: Ich sollte da sein, bin aber hier. Es erfordert einen großen Kraftakt, anders zu sein oder an einem anderen Ort zu sein, als ich im Moment bin oder es mir im Moment möglich ist. Entweder sollte ich anders sein oder im Fall von Fremdvorwürfen sollte der andere anders sein.

Diese Haltung kostet viel Kraft und Energie. Diese Energie steht folglich für die Veränderung nicht mehr zur Verfügung und bremst uns in unseren Bemühungen aus.

Fragen Sie sich: Gibt es solche Vorwürfe, die Sie ausbremsen? Formulieren Sie sie und spüren Sie nach, wie viel Energie Ihnen dadurch geraubt wird.

Lösungsimpuls 8: Selbstakzeptanzübung

Zur Lösung dieses Fehlers möchte ich Ihnen einen Lösungsimpuls vorstellen, der auf einer ganz anderen Ebene ansetzt als die bisherigen Lösungsvorschläge. Vorwürfen begegnet man am besten mit Selbstakzeptanz.

Ich lade Sie ein, sich auf eine Übung einzulassen, die Ihnen vielleicht erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig erscheint. Erfunden hat sie Michael Bohne, der viel Erfolg damit hat. Diese Selbstakzeptanzübung funktioniert immer nach folgendem Strickmuster:

Im ersten Satzteil formuliere ich den Vorwurf: „Auch wenn ich… (mal wieder alles falsch gemacht habe etc.) …“

Im zweiten Satzteil drücke ich meine Selbstakzeptanz aus: „…so liebe und akzeptiere ich mich so wie ich bin.“

Die Formuliereng „liebe und akzeptiere“ erscheint Ihnen vielleicht etwas blumig, aber jeder Begriff spricht eine andere Ebene in uns an – „lieben“ setzt auf der emotionalen Ebene an, „akzeptieren“ auf der rationalen Ebene. Beides braucht es, um uns innerlich wirklich zu erreichen.

Das Ergebnis sind oft sprachlich etwas schräge Sätze, die auf der logischen Ebene keinen Sinn machen. Und genau das ist die Idee hinter dieser Methode: Es geht um Formulierungen, die für den Verstand keinen Sinn ergeben. Denn dadurch werden gleichzeitig zwei neuronale Netzwerke in unserem Gehirn aktiviert. Was sind neuronale Netzwerke? Letztlich Zellverbände, die zu einem bestimmten Thema zusammenarbeiten.

Mit diesem quasi sinnlosen Satz aktiviere ich hier ein neuronales Netzwerk, in dem der Selbst- oder Fremdvorwurf gespeichert ist, und gleichzeitig ein Netzwerk, in dem es um Selbstakzeptanz geht. Das vereinbart sich einfach nicht gut. Auf Dauer stellt sich dann aber ein positiver Effekt ein an der Stelle, an der der Selbst- oder Fremdvorwurf sitzt. Als Folge wird die Energie, die an dieser Stelle gebunden wird, wieder frei für den eigentlichen Veränderungsprozess.

Da es aber manchmal nicht so leicht ist, an diese neuronalen Netzwerke heranzukommen, gehört zu dieser Selbstakzeptanzübung noch ein dritter Baustein, nämlich eine Bewegung: Während man den Satz ausspricht, massiert man einen Reflexpunkt über dem Herzen. Das klingt für manchen vielleicht etwas seltsam, aber probieren Sie es einfach einmal aus. Massieren Sie dazu den Punkt zwischen Herz und Schlüsselbein kreisförmig nach außen und sprechen Sie dazu Ihren Satz.

Wichtig ist noch zu sagen: Auch wenn der erste Satzteil aus einem Fremdvorwurf bestehen sollte, geht es im zweiten Satzteil immer um die Selbstakzeptanz. Es heißt immer: „..., liebe und akzeptiere ich mich, so wie ich bin.“

Probieren Sie es einfach aus, etwa eine Minute lang, am besten dreimal täglich oder immer dann, wenn sich so ein Selbst- oder Fremdvorwurf in Ihnen meldet, über die Dauer von etwa vier Wochen. Dann werden Sie merken, dass sich etwas in Ihrer Haltung angesichts solcher Vorwürfe verändert. Vor allem aber werden Sie feststellen, dass wieder neue Energie in Ihnen frei wird, die nun nicht mehr durch die Vorwürfe verschwendet wird.

Lassen Sie sich überraschen und probieren Sie es aus, auch wenn Sie im ersten Augenblick nicht von der Wirksamkeit dieser Methode überzeugt sein sollten.

Fehler 9: Der eigene Stil wird nicht beachtet

Wir leben in einer Zeit, in der es eine Fülle an Ratgebern zu allen möglichen Themen gibt. Sie können Bücher lesen, Kurse besuchen, Programme absolvieren. Die meisten dieser Angebote sind richtig gut. Und doch gibt es einen Haken. Der Nachteil dieser ganzen Materialien besteht darin, dass man notwendigerweise alle Menschen über einen Kamm scheren muss. Für viele funktioniert das, für andere eben aber nicht. Und für die wird es dann manchmal noch schlimmer, weil sie sich zusätzlich noch als Versager fühlen: Das Material soll doch so toll sein, aber ich kriege es einfach nicht hin, bei mir hilft es nicht. Deshalb ist mir wichtig zu sagen: Jeder Mensch ist ganz einzigartig und jeder Mensch verdient sein einzigartiges Material.

Lösungsimpuls 9: Beachten Sie Ihren eigenen Stil

Jeder Mensch ist ganz einzigartig mit all seinen Vorlieben, Stärken und Schwächen. Deshalb muss auch jeder seinen persönlichen und individuellen Weg für Veränderungen entwickeln. Es geht darum, zu kapieren, welche Methoden, Reihenfolgen, Prozesse einem selbst weiterhelfen können. Zu kapieren, wie sich eine Methode individuell umsetzen lässt. Zu kapieren, was einen persönlich weiterbringt. Und nicht darum zu kopieren, was andere vorgemacht haben, zu kopieren, was andere als die todsichere Methode anpreisen, zu kopieren, was anderen geholfen hat. Kapieren statt kopieren.

Egal wo Sie sich Anregungen für Ihren Veränderungsprozess holen: Sie müssen für sich selbst und Ihren Weg selbst Verantwortung übernehmen und können das nicht an eine Methode delegieren. Es geht darum, ein Gespür zu entwickeln, wie Sie funktionieren, was Ihnen gut tut und Sie voranbringt.

Im Coaching ist das immer spannend. Meistens funktioniert das Standardinstrumentarium, aber bei etwa 20 Prozent der Coachees muss man neues Werkzeug erfinden und eine individuelle Lösung suchen.

Wenn Sie also mit einer Methode oder einem Programm nicht weiterkommen, werden Sie einfach kreativ und entwickeln Sie Ihre individuelle Vorgehensweise. (Danach schreiben Sie ein Buch darüber und preisen Ihre Methode als die ultimative an…)

Achten Sie auf Ihren eigenen Stil und Ihre eigene Persönlichkeit – alles andere kostet zu viel Energie, blockiert sie und steht Ihrem Veränderungserfolg im Weg. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn ein Selbsthilfebuch oder eine Methode nicht gleich für Sie funktioniert, sondern suchen Sie Ihren eigenen Weg und nehmen Sie selbst Verantwortung für sich. Sie werden Ihren eigenen Stil finden.

Fehler 10: Kleine Fortschritte werden ignoriert

Wir haben uns bereits mit dem Wert der kleinen Schritte beschäftigt, die einen zwar langsam, aber sehr stetig ans Ziel bringen. Aber diese kleinen Schritte, die man tatsächlich geht, muss man auch würdigen. Das fällt vielen Menschen schwer („Das ist ja nur so wenig.“). Dabei liegt in diesen kleinen Schritten oft das Erfolgsgeheimnis.

Ein Beispiel aus meiner Coaching-Praxis: Zu mir kam der Geschäftsführer einer Firma, der ein sehr schwammiges Anliegen hatte. „Ich bin unzufrieden mit dem Leben und möchte mich mal coachen lassen, damit ich wieder zufriedener bin.“

Ansatzpunkt war hier die Zehnerskala. 1 ist völlig unzufrieden, 10 das Optimum an Zufriedenheit. Nun sollte er sich selbst auf der Zehnerskala einordnen. Als Hausaufgabe nach der ersten Sitzung gab ich ihm eine Beobachtungsaufgabe. Er sollte jeden Abend auf der Zehnerskala bewerten, wie zufrieden er sich an diesem Tag gefühlt hatte, aber nichts an seinem Leben verändern. Nur beobachten und aufschreiben. So führte er Protokoll bis zu unserem nächsten Treffen, bei dem er letztlich nur 30 unterschiedliche Datenpunkte mitbrachte. Mal war ein Tag besser mal schlechter in seiner Bewertung. Die Punkte befanden sich alle zwischen 2 und 8. Aber der Coachee hatte schon ein Gespür dafür entwickelt, was er selbst dazu beitragen konnte, dass seine Zufriedenheit stieg.

Nun wurde die Hausaufgabe erweitert. Er sollte weiterhin jeden Tag seine Zufriedenheit auf der Zehnerskala bewerten, außerdem seine persönlichen Einflussfaktoren beachten. Er sollte würdigen, wenn er selbst zu seiner Zufriedenheit beigetragen hatte. Im Lauf der folgenden 3 bis 4 Monate konnte er sehr viele Einflussfaktoren identifizieren und arbeitete sich dabei unmerklich auf der Zehnerskala nach oben. Schließlich stand er bei einer stabilen 8 und hatte seine Fähigkeit ausgebaut, sich selbst wertzuschätzen und dankbar für das Erreichte zu sein.

Wichtig auf diesem Weg der kleinen Schritte war die regelmäßige Auswertung und Würdigung des Erreichten. So konnten wir die Motivation aufrecht erhalten. In diesem Fall hatte sich die Kombination aus Selbstbeobachtung und Würdigung als Selbstläufer erwiesen.

Gerade aber bei Prozessen, die sich im nicht sichtbaren Bereich vollziehen, ist es besonders wichtig, jede noch so kleine Veränderung zu würdigen. Sonst denkt man unreflektiert, es tut sich nichts und gibt auf.

Lösungsimpuls 10: Kleine Fortschritte würdigen

Gerade wenn man in kleinen Schritten unterwegs ist, ist regelmäßiges Innehalten, Reflexion des Weges und Würdigung des Erreichten unabdingbar. Damit das etwas strukturiert geschieht, empfehle ich, ein Dankbarkeitstagebuch zu führen. In diesem Tagebuch kann ich täglich notieren, was mir heute Schönes passiert ist, welche Begegnungen ich hatte, welche Überraschungen, Kleinigkeiten, was an Gutem mir an diesem Tag widerfahren ist.

Das kann das Lächeln eines Passanten sein, das Zwitschern der Vögel am Morgen, ein Lob des Chefs, mein Lieblingsessen in der Kantine, eine gelungene Präsentation, ein Sonderangebot etc.

Auf diese Weise mache ich mir bewusst, was ich erlebt habe – und wie viel Positives an jedem Tag geschieht. Auf den ersten Blick erscheinen uns viele Tage unspektakulär oder gleichbleibend stressig. Auf die Frage: „Wie war der Tag?“, können wir oft spontan nur antworten: „Nichts Besonderes.“ Aber wenn wir genauer hinschauen, stellen wir fest, dass jeder Tag seine eigenen kleinen Highlights hat.

Dieses Notieren von positiven Dingen ist übrigens keine Spielerei. Es hilft nachweislich zum Beispiel, Depressionen zu lindern.

Grundsätzlich stärken Sie die Ressourcen, die Sie in Veränderungsprozessen brauchen. Sie machen sich regelmäßig bewusst, was in Ihnen steckt oder was in Ihrem Umfeld vorhanden ist. Darauf können Sie dann leicht zurückgreifen.

Eine Vorlage für ein Dankbarkeitstagebuch finden Sie unter www.empowerment.zone -> Downloads. Oder Sie kaufen sich ein schönes Schreibbuch, das Sie optisch immer wieder zum Schreiben einlädt.

Sie haben es geschafft und sich durch 10 Fehler bei Veränderungen und 10 Lösungsimpulse durchgearbeitet. Sicher haben Sie schon einiges ausprobiert. Bleiben Sie dran! Gehen Sie kleine Schritte und würdigen Sie regelmäßig Ihre Erfolge. Sicher sind nicht alle Tipps für Sie relevant, denn in der Regel hat jeder Mensch seine „typischen“ Fehler. Arbeiten Sie an diesen und freuen Sie sich über die Bereiche, in denen Ihnen Veränderung schon gut gelingt.

Autor: Christoph Schalk
Thema: Die 10 häufigsten Fehler bei persönlicher Veränderung
Webseite: www.christophschalk.com

Autorenprofil Christoph Schalk:

Ich bin Christoph Schalk aus Würzburg und helfe Menschen leidenschaftlich gerne, Veränderungen so anzupacken, dass es auch wirklich klappt. Deshalb unterstütze ich meine Kunden als Coach, Trainer und Autor seit über 25 Jahren dabei, ihre ganz individuellen Ziele zu erreichen, egal ob beruflich oder privat. Als Diplom-Psychologe, Master Coach EASC und Senior Coach BDP im Berufsverband Deutscher Psychologen sorge ich dafür, dass unsere Angebote wissenschaftlichen Standards entsprechen und auch tatsächlich hilfreich sind. Außerdem bin ich zertifizierter Ausbilder von Coaches und Leiter der Würzburger Business Coach Akademie.

Mehr unter www.christophschalk.com und www.business-coach-akademie.de

christoph schalk ihr bester coach sind sie selbst

Eine umfangreiche Anleitung zur gelingenden Selbst-Veränderung finden Sie in meinem neuen eBook „Ihr bester Coach sind Sie selbst“. 95 Seiten, auf denen Sie von mir durch die unterschiedlichsten Veränderungsthemen gelotst werden – damit Sie Ihre Ziele erreichen! Mehr dazu unter www.self.empowerment.zone.

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