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Warum das Recht so oft blind ist

Jeder von uns kennt diesen Moment: Man liest die Nachrichten und möchte schreiend in ein Kissen beißen. Da ist der stadtbekannte Clanboss, der offiziell von Luft und Liebe lebt, aber im 200.000-Euro-Sportwagen zur Villa fährt. Und am anderen Ende der Nahrungskette steht der gierige Anwalt, der massenhaft Kleinunternehmer wegen eines vergessenen Kommas im Impressum abmahnt, nicht um dadurch Recht und Ordnung wieder her zu stellen, sondern um sich vollautomatisiert die eigenen Taschen zu füllen. Jeder Mensch mit drei Gehirnzellen sieht sofort: Das ist Unrecht! Warum also schafft es unser Rechtssystem nicht, diesen Gestalten einfach mal direkt auf die Finger zu hauen? Warum versagt hier der menschliche Algorithmus?

Die Krux mit dem „Gesunden Menschenverstand“

Unser Gehirn ist eine großartige Maschine zur Mustererkennung. Wir sehen eine dicke Kette, ein dickes Auto und null Steuernachweise. Das Gehirn meldet sofort: Kriminell! Wir sehen eine Massenabmahnung wegen eines fehlerhaften Cookie-Banners. Das Gehirn meldet sofort: Abzocke!

Für uns Menschen ist die Sache in einer Millisekunde glasklar. Das Gesetz aber darf leider nicht fühlen.
Es muss messen, wiegen und lückenlos beweisen.

Warum das Recht kein einfacher Algorithmus ist

Warum programmieren wir die Gesetze nicht einfach so, wie wir denken? Weil ein Gesetz, das auf purem Bauchgefühl basiert, brandgefährlich wäre.

  • Der Preis unserer Freiheit: Im Rechtsstaat gilt: Lieber laufen zehn Schurken frei herum, als dass ein Unschuldiger im Knast landet.
  • Die Definition von „Reichtum“: Schreiben wir ein Gesetz wie: „Wer ohne Job ein teures Auto fährt, fliegt auf“, trifft das sofort den Studenten im geliehenen Auto der Oma.
  • Kriminelle Kreativität: Sobald der Staat ein neues Gesetz beschließt, sitzen Heerscharen von Anwälten schon beim Espresso und suchen die nächste Lücke.

Das Rechtssystem ist wie ein träger Güterzug. Kriminelle und Abzocker dagegen fahren getunte Sportwagen.

Ein kleiner Lichtblick am Horizont

Ganz tatenlos schaut der Staat dem Treiben zum Glück nicht mehr zu. Bei den Clanbossen greift immer öfter die sogenannte Vermögensabschöpfung mit Beweislastumkehr. Das bedeutet: Der Staat nimmt die Villa erst einmal weg. Der Besitzer muss dann beweisen, dass er das Geld dafür ehrlich geerbt oder im Lotto gewonnen hat. Und auch der Abmahnindustrie wurde per Gesetz der finanzielle Autopilot abgeschaltet.

Es dauert halt nur alles gefühlte Ewigkeiten.

Fazit: Gerechtigkeit ist kein Computerprogramm

Ein fehlerfreier digitaler Justiz-Algorithmus klingt im ersten Moment verlockend. Am Ende würde er uns aber alle unbarmherzig zerquetschen. Die Trägheit des Gesetzes nervt uns gewaltig, wenn es die Falschen schützt. Aber genau diese Trägheit schützt uns normale Bürger vor staatlicher Willkür. Gerechtigkeit bleibt eben mühsame Handarbeit – und kein simpler Mausklick.