Liebe Leserin, lieber Leser, via Internet wurde ich gebeten, mich zu der Frage  „Was bedeutet  Im Einklang sein? in einem Artikel zu äußern.

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Dazu muss zunächst gesagt sein, dass es zu einem Einklang immer einen anderen Part, immer ein anderes Etwas geben muss, mit dem man in Einklang sein oder in Einklang kommen kann. In Einklang mit der Natur z. B. ist anders als in Einklang  mit der  Politik, mit Gott, mit anderen Menschen, in Ehe und Lebensgemeinschaft, in Einklang mit mit sich selbst...   Zu einer sachlichen Antwort ist es ebenfalls notwendig, den eigenen Standpunkt zu bestimmen. Sehe ich z. B. die Natur als Förster oder sehe ich sie als Industrieller? Sehe ich die Politik als Hartz-4 empfänger  oder als Landtags- oder Bundestagsabgeordneter? Wollte man eine Antwort aus all diesen Aspekten geben, ließe sich ein Buch daraus machen. Soll die Antwort  aber nur einen wenige Seiten langen Artikel umfassen, muss ich mich für eine enger gefasste Sichtweise entscheiden, aus der  ich diese Frage betrachten will. Da ich Psychotherapeut bin, entschließe ich mich, diese Frage aus der entsprechenden Sicht meiner beruflichen Tätigkeit zu betrachten und auf sie einzugehen.

Eine mögliche Antwort auf diese Frage aus dieser Sicht:  Mir gegenüber sitzt ein Klient, der seit Jahrzehnten unter Asthma leidet und dem bislang weder Schulmedizin noch Naturheilkunde mit  Homöopathie, Akupunktur, Neutraltherapie etc helfen konnten. Wo hinter solch einer Krankheit im Unbewussten verborgene  seelische Fehlfunktionen so krass und massiv hinein wirken, dass rein körperlich orientierte Heilweisen allein versagen, fängt es für die aufdeckende Psychotherapie an, interessant zu werden.  Aber um dieses Ziel auch wirklich erfolgssicher zu erreichen, gehört  der Einklang zwischen Therapeut und Klient zu den Grundvoraussetzungen der Erfolgssicherheit. Was aber bedeutet das? Egal welcher Methoden ich mich bei der jetzt anstehenden Arbeit als Therapeut bediene, lautet der Grundsatz: Ohne gesunden, reinen  Einklang zwischen Klient und Therapeut geht gar nichts, sind zumindest die Aussichten auf Erfolg trübe.

Dieser für den Erfolg unabdingbare Einklang ist dann vorhanden, wenn ich merke, dieser Mensch arbeitet mit. Er packt mit an. Er hat Verantwortung für sich selbst übernommen, hat den ehrlichen Willen, das Ziel unbedingt zu erreichen und handelt auch danach. Aber umgekehrt muss er sich auch bei mir gut aufgehoben fühlen. Von der ersten bis letzten Minute einer jeden Sitzung muss er das Gefühl haben, dass auch er sich auf mich verlassen kann. Dass ich bereit bin, mit ihm durch dick und dünn zu gehen. Dass genau so wie er, auch ich entschlossen bin, alles geben, um das therapeutische  Ziel zu erreichen und er sich bei mir in guten Händen fühlt,  um sich in Gelassenheit von mir führen zu lassen. Wenn diese Gefühle auf beiden Seiten perfekt vorhanden sind, kann man im Gefühl einer gesunden Erfolgssicherheit zuversichtlich beginnen, die Hindernisse, die sich auf dem Weg zum therapeutischen Erfolg in den Weg stellen wollen, anzugehen.

Um noch weiter bei dieser Eingangsfrage zu bleiben: Am allerwichtigsten ist der Einklang mit sich selbst. Wenn ich oben sagte, dass es zu einem Einklang immer einen anderen Part, immer ein anderes Etwas braucht, mit dem man in Einklang sein kann, hört es sich auf den ersten Blick widersprüchlich an, zu sagen, dass der Einklang mit sich selbst am Wichtigsten sei. Denn für sich selbst steht man ja doch allein. Da fehlt doch der Gegenpart.

Von außen betrachtet, sieht es in der Tat so aus. Das ist aber nur scheinbar, sobald man etwas tiefer hinschaut. Dazu muss man wissen, dass wir auch als einzelne Menschen, geistig gesehen, duale Wesenheiten sind. Nicht nur Goethes Faust, sondern wir alle tragen zwei Seelen in der Brust, die ihre geistigen Kräfte erst richtig entfalten können, wenn sie miteinander „in Einklang“ sind. Je mehr sie es sind, desto mehr sind wir gesund, erfolgreich und glücklich und können teilhaben an der Fülle des Lebens.  Je mehr sich diese beiden Seelen  aber uneinig sind oder sich gar gegenseitig bekriegen, desto mieser fühlen wir uns, und desto holperiger läuft es auch in unserem Leben. Im schlimmsten Fall sogar bis hin zum Verderben. Schauen wir uns diese beiden Seelen in unserer Brust einmal genauer an. Was sind ihre Merkmale? Was haben sie zu tun? Wozu brauchen wir sie überhaupt?

Die eine Seele bildet den intellektuellen Anteil unseres Geistes. Sie wird auch Wach- oder Tagesbewusstsein genannt. Hier sitzt unser Vermögen, mit Hilfe unserer Organe für sehen, hören, riechen, schmecken und  fühlen wahrzunehmen, was in uns und um uns los ist. Auch unser Verstand hat hier seinen Sitz, mit dem wir lernen, und mit dem wir das Erlernte anwenden, um unser Leben zu meistern. Hier entstehen unsere Wunschvorstellungen, unsere Sehnsüchte, unsere Bedürfnisse. Hier legen wir auch unsere Ziele fest, wo es jeweils hingehen soll, und hier treffen wir auch unsere Entscheidungen.

Die zweite Seele in uns ist uns unbewusst. Um sie wissen wir nur von der Theorie her.  Was dort beheimatet ist, können wir meist gar nicht und wenn, dann höchstens indirekt wahrnehmen, weil uns für mehr  die geeigneten Wahrnehmungsorgane entweder völlig fehlen oder nur unvollkommen ausgebildet sind. Deshalb nennt man diesen Geistesanteil von uns auch gerne das „Unterbewusstsein“ oder „das Unbewusste“. Hier haben unsere Gefühle wie Liebe, Hass, Leidenschaft, Sympathie, Antipathie etc. ihren Sitz. Hier befindet sich auch unser Gedächtnis, das übrigens über eine viel größere Kapauzität verfügt als man allgemein glaubt. Es wird von uns in der Regel viel weniger genutzt wird als es genutzt werden könnte. Weiter finden wir hier unsere Antennen für die Telepathie und die Intuition, und schließlich lieg hier auch der Zugang zu der universellen unvorstellbar mächtigen Schöpferkraft, die man ohne Weiteres auch göttlich nennen kann.

Diese göttliche Schöpferkraft ist für die Antwort auf die Eingangsfrage oben am interessantesten. Auch wenn sie göttlich genannt werden kann, heißt das nicht, dass sie immer gut sein muss. Wenn diese jahrtausende alte Vorstellung, dass Gott ein unendlich gütiger, liebevoller  Vater aller Schöpfung sei und ebenso gerecht wie allwissend und allmächtig, gäbe es keine Krankheit, keinen Hass, keinen Krieg, kein gegenseitiges Morden. Die Zwangschristianisierung des Abendlandes im Mittelalter zum Beispiel, in deren Zusammenhang beispielsweise Karl der Große im Namen Gottes den Befehl gab, 4 500 Sachsen an einem einzigen Tag zu enthaupten, weil sie sich weigerten, Christen zu werden (so geschehen anno 782 bei Verden an der Aller), hätte es nie geben können. Ebenso wenig der Hexenwahn in der frühen Neuzeit, der mehr als 50 000 unschuldige Opfer forderte, der Dreißigjährige Krieg, auch eine Aktion im Namen Gottes; der Sklavenhandel, die Ausrottung der Eingeborenen bei der Besiedlung Amerikas  und schließlich der Holocaust im Dritten Reich, all das wäre nie möglich gewesen, wenn diese uralte Vorstellung von Gott der tatsächlich vorhandenen Realität entspräche.

Betrachte ich aber diese  Realität wie sie nun mal ist, kann ich nur feststellen, dass dieses Vorstellungsbild von Gott reiner Aberglaube ist. Daran ändert sich auch nichts dadurch, dass trotzdem seit Jahrtausenden bis in unsere heutigen Tage, an diese Vorstellung  bombenfest geglaubt wird. Als Therapeut behaupte ich, dass dieser kranke Glaube bei jedem einzelnen Menschen den Löwenanteil an Verantwortung daran hat, dass die beiden Seelen in unserer Brust nur schwer bis gar nicht zum Einklang finden können. Die Tatsache, dass an diesem Irrglauben seit Jahrtausenden festgehalten wird, macht ihn deshalb nicht richtiger. Auch Irrtümer halten sich über Jahrtausende, wenn man blind an sie  glaubt, statt sie in gesunder Skepsis zu hinterfragen. Doch hier ist nicht der richtige Platz, das Thema „Die krankmachende Wirkung von blindem Glauben und Religion auf unsere Seele“  zu vertiefen.

Wohlgemerkt: Ich greife lediglich die traditionelle Vorstellung von Gott an.  Dass es keinen Gott gäbe, habe ich zu keiner Zeit behauptet, denn das wäre genau so falsch. Betrachte ich die Schöpfung in ihrer Genialität, kann nur ein universeller Genius dahinterstehen, aus dem all dies hervor ging. Wie dieser Genius aussehen mag, dazu habe ich kein Bild. Aber die Schöpfungsenergie, die von ihm ausgeht, die lässt sich sehr wohl bei etwas Aufmerksamkeit in allem was in und um uns ist und vorgeht, wahrnehmen.

Diese Schöpfungsenergie ist allerdings nicht auschließlich und einseitig nur gut. Sie ist ambivalent. Die selbe Schöpferkraft, die die Steinmetzen und Architekten zum Bau des Kölner Doms oder von Notre Dame in Paris inspirierte, befähigte auch dem deutschjüdisch-stämmigen  Amerikaner Robert  Oppenheimer, zum Bau der ersten Atombombe und nazi-hörige Ingeneure zum Bau der Gaskammern in Auschwitz. Auch dass ist Gott. Mögen sich Papst Franziskus und tausend Päpste vor und nach ihm und mit ihm noch hunderttausend weitere Theologen und Priester auf den Kopf stellen, es ist so, und damit müssen wir alle leben. Daran ändern auch keine Rosenkränze, Choräle und Litanaien etwas. Alles andere ist Selbstbetrug.   

Die Ambivalenz dieser Schöpferkraft lässt am leichtesten  verstehen, wenn man sie mit dem Feuer vergleicht. Schon in Schillers „Lied von der Glocke“ heißt es:

(...)

Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht. Und was er bildet, was er schafft, verdankt er dieser Himmelsmacht.

(...)

Eine Himmelsmacht kann das Feuer durchaus sein. Im Winter wärmt es unsere Wohnung. Mit dem Feuer können wir unser Essen bereiten. Mit Feuer lässt sich Eisen schmieden, lassen sich Glocken gießen. Jedes Auto braucht Feuer um zu fahren, jeder Flieger braucht Feuer um zu fliegen, Brot und Kuchen brauchen Feuer um zu backen.....  Aber lasse einmal  ein kleines Kind ohne Aufsicht mit Streichholz spielen.  So geschehen in meinem Heimatdorf wo ich aufwuchs. Nur mit einem klitzekleinen Streichholzflämmchen wurde von einem vierjährigen Kind, das im Heuschober unbeaufsichtigt mit Streichholz gespielt hatte, ein stolzer Bauernhof in Schutt und Asche gelegt. Das Kind wurde selbst ein Opfer der Flammen.

So wirkt auch in uns diese Schöpferkraft, die die zweite Seele in unserer Brust bildet. Eine Energie ohne jeden gesunden Menschenverstand, nur völlig hirnlos den Impulsen folgend, die ihm die Richtung vorgeben. Jedes Rindvieh verfügt über mehr Verstand. Sie ist wie unser PKW, der nur unseren Steuerimpulsen folgt. Drehen wir das Lenkrad   nach links, fährt das Auto konsequent  nach links, ohne zu fragen, ob da auch wirklich eine Kurve ist oder ob es den Abgrund hinunter geht. Das ist unser dunkler, unbewusster Geistesanteil, das Unterbewusstsein oder das Unbewussste.  Also die zweite Seele in unserer Brust. Die erste Seele ist, wie oben gesagt, der helle, lichte und transparente Intellekt, für den eins und eins immer nur zwei und niemals siebzehn ist. Dieser ist es, der u. a.  der unbewussten, aber unvorstellbar mächtigen Energie die Ziele vorgibt. Wo zwischen diesen beiden Insitutionen Einklang herrscht, da läuft es auch wie es sich gehört.

Fällt man aber z. B. einer Krankheit zum Opfer, einem Mobbing-Angriff, Verleumdungen, sonstigem Unrecht, sonstigem Pech oder weiteren Opfersituationen von Unglück, die uns Leiden machen,  ist das der eindeutige Hinweis, dass der Einklang zwischen unseren beiden Seelen verloren ging oder zumindest gestört ist. Das mag uns zeigen, weshalb der Einklang dieser beiden Seelen, bzw. der Einklang in uns selbst, für uns  so wichtig ist. Wie sowas in der Praxis aussieht, und was getan werden kann um ihn  wieder herzustellen, mögen die beiden folgenden Fallbeispiele aus der Therapeutenpraxis zeigen.

Lisa

Lisa (Name geändert), eine junge Frau, Anfang 30, schilderte mir ihr Anliegen folgendermaßen: „Seit meiner Kindheit liebe ich das Tessin. Das ist auch meine bevorzugte  Urlaubsregion. Das ganze Jahr über bin ich kerngesund, aber jedesmal wenn ich dort im  Urlaub angekommen bin, werde ich krank. Das ist wie verhext. Das kann doch nur selische Ursachen haben.“

Mit dieser Vermutung sollte Lisa recht behalten. Hier kam eindeutig der innere Einklang zwischen dem bewussten und dem unbewussten Geistesanteil abhanden. Bei ihr wirkte sich die Schöpfungsenergie im Grunde genau so aus wie ein unkontrolliertes  Feuer. Hier waren die unbewussten Weichen so gestellt, dass die Schöpfungsenergie sich nur zerstörerisch statt aufbauend auswirken konnte. Für den Therapeuten besteht hier die Herausforderung darin, aufzudecken wo und durch was diese inneren Weichen falsch gestellt worden sind. Das war bei Lisa kein besonders schwieriges Unterfangen. Sie arbeitete ja auch voll engagiert mit. In schon weniger als einer Stunde wurde der Kern des Übels erkennbar:

Im Tessin lebte ein Onkel von Lisa, zu dem sie schon als Kind immer wieder in die Ferien durfte. Es waren für sie paradiesische Zeiten. Um so trauriger war sie jedesmal, wenn es wieder nach Hause gehen sollte. Immer der Mutter in der Küche helfen und auf die kleineren Geschwister aufpassen müssen. Dann die blöde Schule. „Am besten man denkt sich etwas aus um krank zu sein. Dann kann man wenigstens noch etwas länger bleiben.“ Gesagt getan: Lisa setzte sich auf kalte Steine, trank Brackwasser aus Tümpeln, ließ sich bei Regen nass werden ohne die Kleider zu wechseln, aber ums Verrecken wurde sie nicht krank. Aber sie ahnte nicht, was sie sich damit antat:

Solange man sich bewusst mit einer  Wunschvorstellung beschäftigt, kann sie sich nicht erfüllen. Deshalb ging auch Lisas Wunsch, krank zu werden, nicht so in Erfüllung wie sie es gerne gehabt hätte. Doch in dem Moment wo er sich im Unterbewusstsein verankert, strebt die Schöpfungsenergie an, ihn zu verwirklichen. Und zwar konsequent. Das geschah bei Lisa, als sie zur Jugendlichen und dann zur Frau herangewachsen und diesen kindlichen Wunsch vergessen hatte.  Da konnte er sich in Lisas Unterbewusstsein verankern, und damit war  die Schöpfungsenergie in die falsche Richtung gelenkt. Das Ergebnis, die Rechnung sozusagen, kam konsequent. Jedesmal wenn Lisa in ihr geliebtes Tessin in Urlaub fuhr, wurde sie bettlägerisch krank.

Doch das Kind, das in den Brunnen fiel, kann man auch wieder bergen, wenn man weiß wie es geht. In dem Moment wo sich Lisa, provoziert durch eine bestimmte therapeutische  Fragetechnik, wieder an dieses Geschehen und an diesen kindlichen Wunsch erinnerte, war er aus seiner unbewussten Verankerung gelöst; wurde wieder in den Bereich des bewussten Intellektes gehoben, vom gesunden Menschenverstand geprüft und diesmal verworfen.  Das beendete seine  seine Wirkung.

Damit war der Einklang zwischen Lisas bewusstem und unbewusstem Geistesanteil wieder hergestellt. Lisa konnte ab jetzt wieder ihre Urlaube im Tessin genießen. Der Vorgang liegt inzwischen schon einige Jahre zurück. Lisa fuhr seitdem wiederholt ins Tessin ohne krank zu werden.

Thorsten

Bei Thorsten führte die Entgleisung seiner unbewussten Schöpferkraft so weit, dass sogar seine Existenz jahrelang bedroht war. Dieser Fall liegt schon über dreißig Jahre zurück und hat für mich auch persönlich eine besondere Bedeutung. Ich hatte damals gerade meine Therapeutenausbildung so weit absgeschlossen, dass ich mir zutraute, mich auf die Menschheit loslassen zu können. Thorsten war mein erster Fall, den ich ohne begleitende Supervision durch meine damalige Ausbilderin selbständig zu einem guten Ende bringen konnte. Als mir das Ergebnis vorlag, wusste ich endgültig, dass ich es kann. Die Feuertaufe quasi.

Auch Thorsten war damals um 30 und Kleinunternehmer mit drei Mitarbeitern. Sein Geschäft hatte er bereits von seinem Vater schuldenfrei übernommen. Es handelte sich also um einen gut eingesessenen Betrieb, bei dem man sich kaum vorstellen konnte, dass etwas passieren würde. Doch genau dazu kam es, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, ohne jedes erkennbare Vorzeichen. Von einem Tag zum anderen blieben die Kunden weg, ohne dass auch nur der geringste Grund dafür zu erkennen war. Anfangs schien es noch nicht so tragisch, weil das Auftragsbuch wohlgefüllt war. Doch irgendwann war es abgearbeitet und die Rücklagen aufgebraucht. Thorsten musste seine Mitarbeiter entlassen, weil keine Arbeit mehr da war. Er machte die exotischsten Verrenkungen um aus dieser unerklärlichen Misere heraus zu kommen. Als gläubiger Christ betete er. Ließ sich hypnotisieren. Meditierte. Konsultierte Hellseher und Channel-Medien. Belegte Coaching-Seminare. Ging zum Unternehmensberater.  Alles prallte ab. Alles war wie ein Schlag aufs Wasser und wie Löcher in die Luft geschlagen. Schließlich ging es ihm und seiner jungen Familie so schlecht, dass er  sogar zum Sozialamt musste, um seinen Kindern auch nur ein paar Schuhe kaufen zu können. Dieses Albdrücken dauerte jahrelang an, bis wir diesen inneren Teufelskreis ans Licht bringen und sprengen konnten.

Als er mir zum ersten Mal gegenüber saß und sein Anliegen schilderte, tappte auch ich zunächst völlig im Dunkeln. Es dauerte mehrere Sitzungen, bis sich mittels einer speziellen Fragetechnik, die man das „Assoziative Befragen“ nennt, die heiße Spur zeigte, die schließlich dahin führte, wo sich die Schlange unterm Stein versteckt hielt:

Plötzlich fiel Thorsten ein Vorfall ein, den er ganz vergessen hatte, und den er nie mit seiner miesen Lebenslage in Verbindung gebracht hätte. Es handelte sich um einen grausamen Verkehrsunfall, bei dem er selbst zwar nicht beteiligt war, der sich aber direkt vor seinen Augen abspielte. Er wohnt in einer dünnbesiedelten Gegend, in der sich auch ein amerikanischer Luftwaffenstützpunkt befindet. Auf einer längeren Autofahrt vernahm er zuerst den typischen Doppelknall, der entsteht, wenn ein tieffliegendes Militärflugzeug die Schallmauer durchbricht. Direkt neben seiner Straße befand sich eine Pferdekoppel, auf der ein paar Pferde weideten. Dieser Knall brachte die Pferde derart in Panik, dass sie ausbrachen, auf die viel befahrene Straße stürmten und so diesen verheerenden Unfall verursachten. Es gab mehrere Verletzte. Ein wenige Monate altes Baby schrie im Schock. Ein Pferd war so schwer verletzt, dass es auf der Stelle erschossen werden musste.

Auch Thorsten befand sich im Schock, wenngleich er nicht direkt betroffen war. Jetzt sah ich aber  die Spur, auf die es ankam. Es kam jetzt nur darauf an, in Thorsten die Erinnerung wachzurufen, an das, was sich in ihm im Augenblick dieses Schockzustandes geistig abgespielt haben muss. Dem entsprechend formulierte  ich jetzt meine Fragen, und an den Tag kam Folgendes:

Im Schock  reagierte Thorsten auf diese Situation mit einer derartigen Wut, in der jedes vernünftige Denken unmöglich ist. An diesem Punkt konnte ich jetzt jene Frage stellen, die den Durchbruch bewirkte: „Wenn du in dieser berechtigten Wut einen Wunsch hättest, wie könnte der lauten in wörtlicher Rede?“ Thorsten antwortete wie aus der Pistole geschossen: „Für sowas bezahle ich also meine Steuern. Da geht mein gutes Geld also hin. Man sollte alles hinschmeißen, gar nichts mehr tun und sich nur noch vom Staat durchfüttern lassen.“

Das war der gesuchte Schlüssel. Genau wie oben bei Lisa beschrieben, ahnte auch Thorsten nicht, was dies mit ihm und seiner Familie angerichtet hat. Selbstverständlich trifft ihm keine Schuld. Kein Mensch ist in der Lage, in solch einem Schockzustand klar zu denken. Doch danach fragt die Schöpfungsenergie nicht, und wenn als noch so göttlich gilt. Wie oben bereits erklärt, ist sie dazu gar nicht fähig. Sobald der Schockzustand abgeklungen, die Wut verraucht und das Wunschbild vergessen ist, hat es sich im Unterbewusstsein verankert. Ab dann ist dieser Wunsch für die Schöpfungsenergie Befehl, und sei er noch so verderblich und dumm. Die Verwirklichung erfolgt stets schnellstmöglich.

Nachdem wir die Ursache  so auf dem Tisch hatten, machten wir zunächst einen Faktencheck. Der Zeitpunkt dieses Unfalles war leicht zu ermitteln. Er hatte in der ganzen Gegend dermaßen Aufsehen erregt, dass die Zeitungen voll davon waren. Den Rest zeigte Thorstens Buchführung. Keine vier Wochen nach diesem Geschehen kam es zum ersten Fernbleiben der Kunden.

Jetzt geschah das Gleiche wie oben bei Lisa. Mit dem Wiedererinnern wurde dem Unterbewusstsein dieser Wunsch entrissen und kam zunächst, wenngleich umständehalber verspätet, auf den Prüfstand des gesunden Menschenverstandes. Wo er sofort aufgehoben wurde. Wie der weitere Verlauf zeigt, war damit dieses geistige Gift endgültig entschärft. Bereits zwei Tage nach dieser dramatischen Sitzung meldete sich Thorsten telefonisch, um mir mitzuteilen, dass sich sein Geschäft für diese  kurze Zeit  erstaunlich belebt habe. Nach weniger als einem Vierteljahr lief es wieder so gesund, als sei nichts passiert. Heute ist Thorsten über 70. Hat sich längst zur Ruhe geswetzt und sein Geschäft den Kindern genau so schuldenfrei übergeben, wie er es seinerzeit als junger Mensch von seinem Vater übernommen hatte.

Die Botschaft

Ihnen als interessierte Leserinnen und Leser mögen diese beiden Fallbeispiele zeigen wie es ist, wenn der Einklang zwischen den beiden Seelen in unserer Brust abhanden kam und wie, wenn er wieder hergestellt werden konnte.

So lässt sich auch meine  Antwort auf die Eingangsfrage „Was bedeutet es, im Einklang zu sein“ nachvollziehen: Wer im Einklang ist, lebt in heiterer Gelassenheit und stiller Freude. Er vermag aus dem Vollen zu schöpfen. Ihm steht des Lebens Fülle frei zu Verfügung.

Autor: Siegfried Hoffmann, Heilpraktiker
Thema: Was bedeutet im Einklang sein?
Webseite: http://www.siegfried-hoffmann.de

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