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Lilli war fast ein ganz normales Mädchen. Aber nur fast. Andere Kinder hatten Eltern, Lilli aber lebte bei Ihrer Großmutter. Ihre Mutti war schon vor langer, langer Zeit gestorben und wie die Großmutter immer sagte, bei den Engeln im Himmel. Das mit den Engeln fand Lilli blöd. Engel sitzen den ganzen Tag auf einer Wolke und singen himmlische Lieder. Das ist doch langweilig.

Das Lilli bei ihrer Großmutter lebte, war nicht das Einzigste, was Lilli von den anderen Mädchen ihres Alters unterschied. Lilli war klein, zart und hatte eine fast durchsichtige Haut. Und eine sehr leise Stimme. Deshalb nahmen sie die anderen Kinder auch gar nicht richtig wahr. Niemanden interessierte es, wenn sie allein auf dem Schulhof stand. Niemand spielte mit ihr.

Lilli wollte so gern wie die wunderschöne Conny sein oder wenigstens wie die laute Viktoria. Alle Mädchen ihrer Klasse drängten sich danach, die Freundinnen von Conny und Viktoria zu sein. Beide standen immer im Mittelpunkt und dachten sich die tollsten Spiele und Streiche aus.

Lilli aber, beachtete niemand, obwohl sie sich auch immer fantastische Sachen ausdachte. Für sich selbst. Denn niemand bemerkte es. Dabei wollte auch Lilli auch so gern etwas Besonderes sein.

Lillis Lieblingsplatz war ein großer Stein an einem See. Wenn sie sich sehr gut fühlte, dann redete sie mit dem Stein und der Stein sprach auch mit ihr.

Eines Tages fragte der Stein: "Lilli wo ist eigentlich dein Vater?" Lilli dachte eine Weile darüber nach und antwortete dem Stein: "Ich weiß es nicht. Immer wenn ich meine Großmutter nach dem Vater frage, weicht sie mir aus. Sie sagt, sie hat meinen Vater nie kennen gelernt. Und sie tut sehr geheimnisvoll dabei."

"Hattest Du denn nie Lust deinen Vater zu suchen?" fragte der Stein. "Doch schon und manchmal träume ich von ihm. Dann höre ich seine Stimme, aber ich kann ihn mir nicht vorstellen. Außerdem, ich bin ein kleines Mädchen und kleine Mädchen können doch nicht allein durch die Welt ziehen. Ich weiß nicht einmal, wie er heißt."

So oder ähnlich verliefen Lillis Gespräche mit dem Stein. Aber nur wenn sie gut drauf war. Ansonsten saß sie auf dem Stein und er gab keinen Ton von sich. So wie das bei Steinen normal ist.

Inzwischen waren die Sommerferien herangekommen und Lilli hatte sehr, sehr viel Zeit. Und wenn man viel Zeit hat, und niemanden zum Spielen, dann kann man viel nachdenken. Besonders in der Nacht.

Lilli war lag schon einige Zeit im Bett, aber sie konnte nicht einschlafen. Vielleicht lag es ja am Mond, der gelb und rund in ihr Zimmer schien. Mit einem Mal erschien es ihr, als ob der Mond sie anlächelte. Lilli lächelte zurück.

Da öffnete der Mond den Mund und sagte: "Hallo, Lilli. Du kannst wohl nicht schlafen?"

„Ach lieber Mond. Ich muss immerzu an meinen Vater denken. Wer er ist und wie er ist und ob ich ihn jemals finden werde?"

"Ich weiß, dass dein Vater oft an dich denkt, kleine Lilli." antwortete der Mond.

Plötzlich war Lilli putzmunter und saß aufrecht im Bett. Was hatte der Mond soeben gesagt? Das konnte doch nicht wahr sein. Ihre Großmutter meinte auch immer, sie habe zu viel Phantasie.

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Aber der Mond sprach weiter. "Höre Lilli, dein Vater kann leider nicht zu Dir kommen. Aber du kannst zu ihm gehen. Geh morgen früh zur Großmutter und bitte sie um die Erlaubnis deinen Vater zu suchen. Sie wird dir weiterhelfen. Eigentlich wird es längst Zeit, dass du ihn kennenlernst." Und mit diesen Worten verschwand der Mond hinter einer dicken Wolke. Was Lilli reichlich gemein fand, denn sie hätte gern mehr von ihm erfahren.

Lilli geht auf die Reise

Am nächsten Morgen wusste Lilli nicht so genau, ob sie alles nur geträumt hatte. Sie musste ihren ganzen Mut zusammen nehmen, um zu ihrer Großmutter zu sagen: "Omi, ich möchte auf die Suche nach meinen Vater gehen. Der Mond hat mir gesagt, dass du mir helfen wirst. "

Lilli erwartete nun eine Antwort  in der Art, du hast geträumt mein Kind oder zumindest so ähnlich.

Aber die Großmutter antwortete: "Geh nur Lilli. Du hast jetzt Sommerferien und Zeit. Die Reise wird beschwerlich werden. Dein Vater lebt sehr weit von hier. In einem Wald. Im Elfen-Wunderwald. Dein Vater ist der Elfen­könig und pünktlich zum Schulanfang solltest du wieder hier sein."

Lilli war sehr überrascht und überlegte, ob sie sich heute schon die Ohren gewaschen hatte. Mein Vater ist was? Der Elfenkönig? Elfen gibt es doch nur im Märchen. Sie schaute fragend ihre Großmutter an und überlegte ob diese vielleicht krank war. Das soll ja manchmal schnell gehen. Aber eigentlich sah sie ganz gesund aus.

Die Großmutter lächelte und sagte zu Lilli:  „Ich packe Dir ein paar Sachen ein und backe dir noch schnell einen ganzen Haufen deiner Lieblingsplätzchen. Geld wirst du auf deiner Reise nicht brauchen. Aber du wirst dich immer mehr vom Menschenland entfernen. Deine Reise ist nicht ungefährlich. Sie wird dich durch das Wasserreich des Kraken Krakulox, die Blumenwelt der Glocken-Königin Blaustern und die Trollberge von Troll Kraftprotz führen. Erst dann erreichst du den Elfen-Wunderwald.

Ich gebe dir einen Elfen-Zauberstaub mit auf die Reise. Diesen Zauberstab schenkte dein Vater einst deiner lieben Mutter."

"Liebe Großmutter, aber wie finde ich aber den richtigen Weg?"

"Das Reich des Kraken Krakulox beginnt gleich am See, bei deinem Freund, den Stein."

Lilli wunderte sich über überhaupt nichts mehr. Auch nicht darüber, dass ihre Großmutter ihren Freund, den Stein, kannte.

Sie half ihrer Großmutter beim Plätzchen backen, packte den Zauberstab ein, ohne zu wissen, wie und wofür sie ihn verwenden sollte. Dann nahm sie Abschied von ihrer Großmutter.

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Im Unterwasser-Reich

Lilli lief auf dem schnellsten Weg zum See und ihrem Freund, dem Stein. Sie hockte sich vor ihm hin und erzählte von ihrem Vorhaben.

Und dann fragte sie ihn: „Weißt du vielleicht, was ich mit dem Zauberstab tun kann und wie ich damit umgehen soll?"

Der Stein antwortete: „Alles weiß ich auch nicht über den Zauberstab. Aber ich glaube, dass man mit ihm die Freunde deines Vaters rufen kann. Du musst dazu den Stab dazu von links nach rechts schwingen."

Lilli sagte: "Aha, aber wie soll ich über den See kommen, meine Kraft reicht nicht dazu, um über den See zu schwimmen. Und ein bisschen Angst habe ich auch."

"Schwing doch einfach mal deinen Zauberstab. Schauen wir  was passiert."

Lilli nahm ihren Zauberstab und schwenkte ihn von links nach rechts. Es ertönte eine liebliche Melodie und die Wellen des Sees gerieten in Bewegung.

Weiße Schaumkronen bildeten sich, die blauen Wellen färbten sich grün und auf dem höchsten Wellenberg schwamm etwas Seltsames heran.

Das was da kam, hatte eine dunkelrote Farbe, gelbe und hellblaue Tupfen und die Gestalt eines Fisches, der kurz vor dem Platzen schien. Der kugelrunde Fisch schaute sie mit orangenen Kulleraugen groß an und sprach: „Hallo Lilli, ich bin Niko, der Wasserball-Fisch. Uns Wasserball-Fische gibt es nur im Elfenland. Komm steig auf, ich bringe dich weiter.“ 

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Lilli krabbelte auf den Rücken von Niko und hielt sich an seinen Schuppen fest. Kaum dass auf seinem Rücken, da tauchte Niko ab. Um Lilli herum wurde plötzlich alles grün und blau, aber sie blieb trocken.

Durch die Wasseroberfläche drangen die goldenen Sonnenstrahlen und Lilli versuchte danach zu greifen. Die Sonnenstrahlen ließen sich nicht fangen, aber es machte Riesenspaß.

Lilli war ganz verzaubert von dieser Unterwasserwelt. Hier schwammen Fische in allen Farben, auf dem Meeresboden krochen Schnecken mit komischen Häusern auf dem Rücken. Die Schneckenhäuser sahen aus, wie die Häuser  die wir Menschen bewohnen. Manche Schnecken hatten Hochhäuser auf ihrem Rücken, manche ganze Bauernhöfe mit Seekühen und Meerschweinen.

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Plötzlich sagte Niko: "Lilli, wir müssen uns beeilen, ehe der Herrscher des Unterwasserreiches, der Krake Krakolux erwacht. Mit ihm ist nicht zu spaßen." Lilli vernahm die warnenden Worte von Niko kaum, sie war zu fasziniert von dieser wunderbaren Unterwasserwelt.

Auf einmal ertönte ein brüllendes Geräusch. Ein Geräusch bei dem allen Fischen die Schuppen zu Berge standen. Die Schnecken verzogen sich eilig in ihre Häuser und die Fische ergriffen die Flucht.

Niko schwamm mit Lilli schnell hinter einen Felsen. "Was ist das denn?" fragte Lilli.

„Das ist Krakolux, er hat scheinbar wieder schlechte Laune. Wir müssen uns vor ihm in acht nehmen. Er kann ganz furchtbar sein."

Ein riesiger Krake mit 31 Armen erschien vor dem Felsen, hinter dem sich Lilli und Niko versteckten.

Er brüllte: "Ich will keinen Fisch mehr essen! Immer dieser widerliche Fischgeschmack in meinem Krakenmaul! Nein, ich will das Zeug nicht mehr." Dabei fuchtelte er mit seinen 31 Armen so sehr, dass sich diese fast verknoteten.

Lilli musste kichern, weil dies sehr komisch aussah. Dieses Geräusch ließ den Kraken aufhorchen und wie ein Blitz schoss er um den Felsen. Lilli und Niko wurden ganz blass vor Schreck.

"Wer wagt es, über mich zu lachen!" schrie der Krake außer sich vor Wut und griff mit seinen Armen nach Lilli und Niko.

"Entschuldigen sie bitte Herr Krakolux" flüsterte Lilli leise. Sie hatte furchtbare Angst. "Ich wollte nicht über sie lachen. Im Gegenteil, ich kann sie sehr gut verstehen. Ich möchte auch nicht immer nur Fisch essen. Ich habe von meiner Großmutter ganz wunderbare Plätzchen mit auf die Reise bekommen. Möchten sie vielleicht ein Plätzchen kosten?"

Lilli streckte dem Kraken eines der Plätzchen entgegen und dieser griff sofort zu. Niko dachte nur: "Wenn das man gut geht." Mit einem Mal überkam den Kraken Krakolux ein großes Zittern und sagte überschwenglich: "So etwas Schmackhaftes habe ich noch nie gegessen. Hast du noch mehr davon? Her damit!"

Lilli gab Krakolux die Hälfte aller Plätzchen und Krakolux stopfte sie schmatzend in sich hinein. Mit vollem Mund fragte er: "Wer seid ihr überhaupt und wo wollt ihr hin?"

Niko antwortete: "Das ist Lilli, die Tochter des Elfenkönigs. Wir sind unterwegs in sein Reich." "So, so, die Tochter vom Elfenkönig. Na, eines steht fest, ihr könnt mich nicht verlassen. Woher soll ich sonst die wunderbaren Plätzchen bekommen?"

Ein Glück, dass Lilli ihrer Großmutter oft beim Backen geholfen hatte. So konnte sie Krakolux genau erklären, wie die Plätzchen hergestellt werden. Krakolux ergriff sofort die Initiative und schickte seine Diener los, um Mehl, Zucker, Eier und die anderen Zutaten zu besorgen.

Die ersten Plätzchen buken Lilli und Krakolux fröhlich singend zusammen. Niko durfte sie in den Backofen schieben. Den Backofen hatte Krakolux extra aus der Menschenwelt besorgt hatte.

Als ein ganzer Berg Plätzchen fertig war, bat Lilli den Kraken, sie und Niko weiterziehen zu lassen. Schließlich hatte sie ja nur während der Sommerferien Zeit, ihren Vater zu suchen.

Krake Krakolux bedankte sich bei Lilli für das leckere Plätzchenrezept und schickte zwei Seepferdchen los, die ihr und Niko den kürzesten Weg durch den See zeigten.

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Am Ende des Sees setzte Niko seine Freundin Lilli am Ufer des Sees ab und sagte: "Liebe Lilli, jetzt musst du alleine weiterziehen. Auf dem Land kann ich dir leider nicht mehr helfen. Wir sind im Blumen-Zauberland angekommen. Hier regiert die Glockenkönigin Blaustern. Viel Glück. Lilli!"

Dann tauchte er ab, ohne dass sich Lilli richtig von ihm verabschieden konnte. Lilli war nach diesem anstrengenden Abenteuer ziemlich kaputt und schlief auf der Stelle ein.

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Durch das Blumen-Zauberland

Lilli wachte durch ein seltsames Geräusch auf. Es klang wie ein leises Bimmeln. Sie öffnete die Augen und schaute sich um. Um sie herum standen viele verschieden farbige Glockenblumen und bimmelten in hohen und tiefen Tönen. "Wer bist du und was willst du hier?"

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"Ich bin Lilli aus dem Menschenland und auf der Suche nach meinem Vater, dem Elfenkönig."

"Ein Mensch, rette sich wer kann! Ein Mensch, Hilfe!"

Laut bimmelnd rannten die Glockenblumen weg und Lilli war wieder allein.

"Na, so was." Sie war sehr verwundert, machte sich aber weiter keine Gedanken, sondern aß ein paar Plätzchen, wusch sich ein bisschen im See und setzte ihren Weg fort. Auf einmal hörte sie es hinter sich ganz leise bimmeln.

Das Bimmeln war so leise, das es kaum zu hören war. Lilli drehte sich um und entdeckte hinter einem Grasbüschel eine klitzekleine blaue Glockenblume, die vor Angst zitterte. Dieses Zittern erzeugte das leise Bimmel-Geräusch.

„Warum hast du Angst vor mir?" fragte Lilli.

„Weil, weil meine Eltern mir erzählt haben, dass die Menschen böse sind. Sie schneiden uns Blumen ab und stellen uns in Gefäße mit Wasser, wo wir dann langsam zugrunde gehen."

„Oh, ich wusste nicht, dass ihr Blumen es so empfindet. Aber wir Menschen pflanzen auch viele Blumen in Gärten an und pflegen sie. Ich glaube, wenn die Menschen hören könnten, wie ihr darüber denkt, hätte sie mehr Achtung vor euch. Wie heißt du eigentlich?"

„Ich bin Bimmelim, der Kleinste aus der Glockenblumen-Familie. Dann bist du also gar nicht böse. Aber was willst du hier, wenn du uns und nicht abschneiden und mitnehmen willst?"

„Ich bin unterwegs zum Elfen-Zauberland, um meinen Vater kennenzulernen. Aber eigentlich weiß ich gar nicht, wo der Weg ins Elfen-Zauberland langgeht. Ich werde es mal mit meinem Zauberstab versuchen."

Lilli nahm ihren Zauberstab und schwenke ihn von links nach rechts. Es ertönte wieder die liebliche Melodie und ein sausendes Geräusch erfüllte die Luft. Vor Lilli und Bimmelim landete ein putziger Käfer. Der Käfer war dunkelgrün, hatte hellgrüne Streifen und wunderbar blaue Augen.

Er sagte: „Hei, Lilli, ich bin Ballilo, der Grünkram-Käfer. Komm ich zeige dir den Weg durch das Reich der Glocken-Königin Blaustern."

Ballilo war ein lauter und lustiger kleiner Kerl. Er sang und pfiff fast ununterbrochen.

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„Darf ich euch ein Stück auf eurem Weg begleiten", fragte Bimmelim leise.

„Klar doch," rief Ballilo laut und die Drei machten sich auf den Weg durch das Blumen-Zauberland. Nachdem sie eine Weile gegangen waren, kamen sie auf eine wunderschöne, grüne Lichtung. Aber was es dort zu sehen gab, war gar nicht schön.

Mitte im Gras saß eine große Glockenblumen-Dame und bimmelte weinend vor sich hin.

Und weil sie offenbar schon eine ganze Weile weinte, hatten sich um sie herum bereits kleine Pfützen gebildet.

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„Das ist unsere Königin, Madam Blaustern", sagte Bimmelim.

„Guten Tag, Frau Glockenblumen-Königin“ sprach Lilli. „Ich bin Lilli, die Tochter des Elfenkönigs und das ist mein Freund Ballilo, wir wandern zum Elfen-Zauberland. Ich möchte  endlich meinen Vater kennenlernen. Aber warum seid ihr so traurig?"

"Ach, es ist alles so furchtbar", sagte die Glockenblumen-Königin, "die Pflanze Fressania hat schon wieder eines meiner Glockenblumen-Kinder eingefangen und aufgefressen. Wir kommen einfach nicht gegen sie an. Sie ist so schrecklich laut, schnell und stark."

„Ich glaube, wir müssen mal mit der Fressania reden, wir kriegen das schon wieder hin“, meinte Ballilo mit wichtigem Käfergesicht.

„Eines Tages wird sie uns alle aufgefressen haben. Dann bleibt von unserer Blumen-Zauberwelt nichts mehr übrig", sprach die Glockenblumen-Königin weiter.

"Aber das können wir doch nicht zulassen!" rief Lilli. "Komm Ballilo, wir müssen etwas unternehmen."

"Bitte seid sehr vorsichtig, Fressania ist gefährlich. Ihr findet sie, wenn ihr den lila Kieselsteinweg weiterlauft. Am Ende des Weges ist ihr Zuhause." bimmelte Madam Blaustern leise.

„Ich will mitkommen!" rief Bimmelim.

„Na los, komm mit, wir werden schon auf dich aufpassen, Kleiner" sagte Ballilo übermütig.

Dann gingen die Drei bis zum Ende des lila Kieselsteinweges. Dort fanden sie eine Höhle, aber  Fressania war nicht zu sehen.

„Sie schläft offensichtlich", sagte Bimmelim.

„Wir müssen sie wecken" flüsterte Ballilo und schlich sich an die Höhle heran. Er sah hinein und dachte nach. "Bimmelim, wir brauchen jetzt Deine Hilfe. Du musst in die Höhle hineingehen und so viel Krach machen, dass Fressania erwacht. Dann wird sie versuchen, dich zu fangen, um dich zu fressen. Aber keine Angst, wir werden dafür sorgen, dass sie dich nicht erwischt."

"Ich habe aber Angst", bimmelte Bimmelim leise.

"Aber ich werde meinen ganzen Mut zusammen nehmen und es versuchen. "Bimmelim ging in die Höhle.

Es dauerte nicht lange, da ertönte aus der Höhle ein fürchterliches Geschrei und ein hastiges, schnelles Bimmeln. Plötzlich kam Bimmelim wie der Blitz aus der Höhle gerannt und hinter ihm her raste eine große, hässliche, schreiende Pflanze mit einem riesigen Maul heran.

Ballilo ließ Bimmelin vorbei und stellte dann der Pflanze ein Bein, so dass diese der Länge nach hinstürzte. Peng!

Die Pflanze war aber ganz schnell wieder auf den Beinen und wandte sich jetzt Ballilo zu. Dieser flog hoch in die Luft und so konnte sie ihn nicht mehr erwischen. In der Zwischenzeit hatte es Bimmelim geschafft sich zu verstecken.

Nun stand nur noch Lilli auf dem Platz herum. Fressania wollte sich auf sie stürzen, aber plötzlich hielt sie inne.

„Ein Mensch! Hilfe, ein Mensch!" rief sie überrascht aus.

„Liebe Fressania," sagte Lilli und versuchte ihre leise Stimme stark und überzeugend klingen zu lassen. 

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„Liebe Fressania, wir müssen mit dir reden. So geht es nicht weiter! Die Glockenblumen-Königin ist schon ganz traurig, weil du ihre Glockenblumen-Kinder auffrisst. Wenn du so weitermachst gibt es irgendwann keine Glockenblumen mehr und du musst auch verhungern."

Dieser kluge Satz von Lilli brachte Fressania zum Nachdenken.

„Aber was soll ich denn dann fressen? Hier gibt es doch nur Glockenblumen. Schließlich meinte Fressania: „Lieber später verhungern, als gleich!"

Lilli überlegte eine Weile und da fielen ihr auf einmal ihre wunderbaren Plätzchen ein. Sie nahm eines aus ihrem Beutel und gab es Fressania

Fressania griff nach dem Plätzchen und steckte es vorsichtig in ihren Mund.

„Mmh, lecker, mehr, mehr!" schrie sie und griff nach Lillis Beutel.

„Stop!" rief Lilli," so geht das nicht. Du musst mir erst versprechen, dass du die Glockenblumen in Ruhe lässt, dann gebe ich Dir noch ein paar Plätzchen und außerdem lehre ich dich sie selbst zu backen. Und dann gehen wir zu Madam Blaustern und du entschuldigst dich bei ihr und versprichst ihr, nie wieder Glockenblumen zu fressen."

„Na gut, so machen wir das und du zeigst mir wirklich wie man die Dinger selbst herstellen kann?" fragte Fressania. „Natürlich", sagte Lilli und holte erst Ballilo und dann Bimmelim aus ihrem Versteck.

Zusammen buken sie dann einen ganzen Berg voll leckerer Plätzchen und Fressania schrieb sich das Rezept auf ihre Blätter, damit sie es nie verlieren konnte.

Dann kehrten sie zusammen zur Glockenblumen-Königin zurück und erzählten ihr von Bimmelims tapferer Tat. Fressania entschuldigte sich bei Madam Blaustern und versprach, nie wieder Glockenblumen zu fressen.

„Jetzt muss ich aber weiterziehen, sonst komme ich nie bei meinen Vater an." sagte Lilli.

Die Glockenblumen bedankten sich bei Lilli und brachten sie und Ballilo an die Grenzen des Blumen-Zauberlandes.

„Hier beginnt das Troll-Reich. Der Herrscher der Trolle heißt Kraftprotz und mit ihm nicht zu spaßen. Und man sagt, dass er Menschen nicht ausstehen kann." erzählte Madam Blaustern.

„Hab keine Angst, ich werde bis zum Reich deines Vaters bei dir bleiben" rief Ballilo übermütig und flog einen Looping.

Lilli war inzwischen sehr müde geworden und verabschiedete sich von den freundlichen Glockenblumen.

„Ballilo, ich muss jetzt erst einmal ein paar Stunden schlafen, ich bin ja sooo müde!" sagte sie.

„Ich werde inzwischen Wache halten, Grünkram-Käfer brauchen keinen Schlaf", antwortete Ballilo.

Über die Troll-Berge

Als Lilli erwachte, merkte sie sofort, dass etwas nicht stimmte. Es war so ruhig. So unheimlich ruhig. Sie rief nach Ballilo, aber er antwortete nicht. Ballilo war verschwunden.

Was nun? Lilli dachte nach. Was sollte sie jetzt tun? Als erstes musste sie Ballilo suchen, das stand fest. Nur er kannte den Weg zum Land ihres Vaters.

Lilli ging los, in der Hoffnung einige kleine Spuren zu finden. Der Weg führte sie mitten in den tiefen Wald. Der Wald war so dunkel, dass sich Lilli gruselte.

In diesem Wald war alles viel größer, als in den Wäldern, die Lilli kannte. Die Pilze, die hier standen, waren so groß wie sie selbst und Lilli fühlte sich von Ihnen beobachtet, obwohl ihr Verstand ihr sagte, dass dies nicht sein konnte.

Als Lilli lange gelaufen war und immer noch keine Spur von Ballilo gefunden hatte, setzte sie sich traurig auf eine kleine Waldlichtung und weinte ein bisschen vor sich hin.

Plötzlich hörte sie hinter sich eine leise Stimme: „He, du, kleines Mädchen, warum weinst du?"

Lilli drehte sich um und erblickte hinter sich einen Pilz, der  größer war, als sie selbst. Und dieser Pilz konnte nicht nur reden, sondern er trug eine Brille und hatte einen langen, weißen Bart.

Der Pilz fragte sie erneut: "Warum weinst du und wo kommst du her?" Lilli erzählte ihm ihre ganze Geschichte und der Pilz hörte aufmerksam zu.

„So, so die Tochter des Elfenkönigs. Lilli, ich glaube, ich weiß, wer deinen Freund geraubt hat und wie wir ihm helfen können. Aber erst einmal möchte ich mich vorstellen. Ich bin Cibarius, der Älteste der Pilz-Familie aus diesem Wald. Liebe Lilli, sei unser Gast und ich erzähle dir inzwischen, wie wir deinem Freund vielleicht helfen können."

Cibarius drehte sich um und rief laut: „Kommt alle her und bringt etwas zu Essen und zu Trinken für die Tochter des Elfenkönigs mit!"

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Mit einem Mal kamen viele hundert Pilze auf die Lichtung gerannt, redeten alle durcheinander und brachten für Lilli Quellwasser zum Trinken und leckere Walderdbeeren mit.

Als Cibarius seine Hand erhob, wurde es mit einem Mal ganz still.

„Höre, Lilli“, sagte er, „wahrscheinlich haben die Trolle deinen Freund Ballilo geraubt und zum Trollkönig Kraftprotz gebracht. Dich haben sie übersehen, weil du gerade geschlafen hast. Ich werde dich zu den Troll-Bergen begleiten und dann müssen wir sehen, wie wir deinen Freund aus der Gewalt der Trolle befreien können."

Cibarius und Lilli zogen los, begleitet von einer ganzen Menge Pilze. Der Wald wurde immer dichter und dichter und bald war kein Weg mehr zu erkennen. Dann standen Cibarius und Lilli plötzlich vor einer hohen Felswand.

„Dies ist der mächtige Herr aller Felsen", sprach Cibarius, „wenn wir Glück haben und er gute Laune hat, lässt er uns vielleicht ins Reich der Trolle hinein."

„Lass mich bitte mit ihm sprechen, ich komme mit Steinen eigentlich sehr gut aus." sagte Lilli.

Sie nahm ihre Hand und strich zart über den Felsen. „Lieber Felsen, ich bin Lilli aus dem Menschenland und ich habe dort auch einen Stein zum Freund. Bitte lass uns ins Land der Trolle ein, damit wir meinen Grünkram-Käfer-Freund Ballilo suchen können. Er ist wahrscheinlich in großer Gefahr."

„Hallo Lilli", dröhnte mit einem Mal der mächtige Felsen, „ich kenne dich schon lange aus den Erzählungen deines und meines Freundes, dem Stein vom See. Du musst wissen, dass alle Steine auf der Welt Kontakt zueinander haben. Ich weiß, dass du ein ganz besonderes Mädchen bist und die Freunde der Steine sind natürlich auch meine Freunde."

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Mit diesen Worten öffnete sich plötzlich der Fels und Cibarius und Lilli traten hinein. In dem Felsen war es gar nicht so dunkel, wie Lilli geglaubt hatte. Es strahlte ein warmes Licht. Und es gab hier viele verschlungene Wege.

„Kennst du den richtigen Weg?" fragte Lilli den Pilz Cibarius.

„Ja", meinte Cibarius, „ erst gehen wir links entlang, dann biegen nach rechts ab und kommen in die große Feierhalle der Trolle. Dort werden wir weiter sehen."

Sie liefen los und kamen schließlich in der große Feierhalle an. Dort waren sehr, sehr viele Trolle versammelt und redeten wild durcheinander.

Lilli hatte plötzlich große Angst um Ballilo. Die Trolle sahen furchterregend aus. Sie waren zwar nicht sehr groß, hatten aber schreckliche Gesichter mit langen, krummen Nasen und großen Augen.

Als die Trolle Cibarius und Lilli entdeckten, wurde es schlagartig ganz still in der großen Halle.

Alle Trolle starrten die Beiden mit großen Augen an. Cibarius ergriff das Wort: „Wir suchen den Grünkram-Käfer Ballilo. Wo ist er?"

„Wo soll er schon sein", antwortete ein Troll, "unser König, der Troll Kraftprotz, verfuttert ihn gerade an seinen kranken Sohn."

„Oh, nein" rief Lilli aus, "kommt schnell, vielleicht können wir ihn ja noch retten."

Und Cibarius und Lilli rannten los, um König Kraftprotz, seinen kranken Sohn und Ballilo zu finden. Sie fanden sie in einer der vielen Nebenhöhlen. König Kraftprotz, seinen kleinen Sohn Glotzauge, der krank in einem Bettchen lag und auch Ballilo, der gefesselt am Boden lag.

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Als König Kraftprotz die Eindringlinge sah, brüllte er laut: "Cibarius, wie kannst du es wagen mit einem menschlichen Wesen in mein Reich einzudringen."

„Beruhige dich, Kraftprotz", sagte Cibarius, „dies ist Lilli, die Tochter des Elfenkönigs. Und du bist gerade dabei, ihren Freund Ballilo, den Diener des Elfenkönigs an deinen Sohn Glotzauge zu verfüttern. Das geht nicht gut. Du bekommst bestimmt riesengroßen Ärger mit dem Elfenkönig."

"Was soll ich denn tun, mein Sohn ist krank, er isst nichts mehr und so muss ich es mit allem versuchen, was einem so unter die Finger kommt. Und dieser Grünkram-Käfer kam mir eben unter die Finger. Und außerdem ist er rotzfrech und vorlaut. Aber ich wusste nicht, dass er zum Elfenkönig gehört. Da sieht die Sache natürlich ganz anders aus."

„Was hat denn dein Söhnchen?" fragte Lilli.

„Niemand weiß es genau, meine Troll-Ärzte sagen, es ist nur eine kleine Entwicklungsstörung, aber wenn er nichts isst, wird er sterben." meinte der Troll-König Kraftprotz.

„Warte mal," sagte Lilli und holte aus ihrem Beutel einige Plätzchen heraus. Sie reichte die Plätzchen dem kleinen Troll-Königssohn Glotzauge. Dieser wollte sie zuerst nicht essen, aber nach langem, ruhigem Zureden, ließ er sich dann doch überzeugen und biss in ein Plätzchen.

Und weil ihm dieses so lecker schmeckte, futterte er gleich mehrere davon auf.

Nun kostete auch der Troll-König Kraftprotz. Aber er fand das Gebäck sehr widerlich und meinte: „Eklig, das kann man wirklich nur als Medizin gebrauchen" und schüttelte sich.

Cibarius und Lilli banden in der Zwischenzeit Ballilo los. Und wie Ballilo so ist, kasperte gleich wieder herum und brachte sogar den Trollkönig und seinen Sohn zum Lachen.

Lilli verriet dem Trollkönig inzwischen das Rezept für die Plätzchen-Medizin und alle waren glücklich.

Doch dann sagte Lilli: "Ich muss jetzt weiterziehen, um endlich in das Land meines Vaters zu kommen. Aber bin schrecklich müde und würde gern ein bisschen schlafen."

Der Troll-König ordnete an, ein Bett für Lilli zu bereiten und versprach ihr und Ballilo außerdem, sie am nächsten Morgen sicher ins Reich des Elfenkönigs zu führen.

Lilli und Ballilo bedankten sich beim Pilz Cibarius und verabschiedeten sich von ihm.

Dann schlief Lilli sofort ein, während Ballilo den Trollen die ganze Nacht lustige Lieder sang und Witze erzählte.

Im Elfenland

Lilli erwachte sehr früh.

Ballilo war selbst am frühen Morgen schon wieder fröhlich und bot Lilli an, dass sie sich für den Rest der Reise auf seinen Rücken setzen konnte. Fliegend würden sie schneller das Elfenland erreichen.

Gesagt, getan. Lilli schwang sich auf seinen Rücken und sie flogen los.

„Ballilo, wie kann ich denn erkennen, wo das Elfenland beginnt?" fragte Lilli.

„Es beginnt gleich hinter den Trollbergen. Du wirst es merken, die Landschaft ist viel lieblicher und grüner als im Trollland. Im Elfenland gibt es wunderschöne und seltsame Pflanzen, Bäume und Tiere.

Zum Beispiel die Marzipan-Schweinchen-Bäume, die Puddingblumen oder die singenden Rot-Po-Schafe", erzählte Ballilo während des Fluges.

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Lilli hatte auf ihrer Reise bis hierher schon so viel erlebt, dass sie sich nicht mehr über Ballilos Worte wunderte.

Sie freute sich jetzt auf ihren Vater, die anderen Elfen und wollte natürlich auh den wunderbare Baum kennenlernen, auf dem Marzipan-Schweine wuchsen, die Blume, die immerzu Pudding kochte und diesen an alle Vorübergehenden verschenkte und die Rot-Po-Schafe, welche den ganzen Sommer über Weihnachtslieder sangen.

Als Ballilo die Trollberge überflogen hatte, bot sich Lilli ein wundervolles Bild.

An der Grenze des Elfenland stand eine wunderschöne, farbige Kutsche. Vor der Kutsche waren fünfundzwanzig Schmetterlinge angespannt, einer schöner, als der andere.

Ballilo landete direkt vor der Kutsche.

Die Kutschentür öffnete sich und heraus trat der Elfenkönig. Auf seinem Kopf trug er eine riesengroße, goldene Krone.  Er war ein bisschen kleiner als Lilli, hatte dünne Arme und Beine und, wie Lilli, eine fast durchsichtige Haut.

Lilli und ihr Vater sahen sich an und konnten vor lauter Freude kein Wort hervorbringen.

Dafür redete Ballilo ununterbrochen: „Also, das war eine Reise, bin ich froh wieder hier zu sein. Na, sagt mal, was ist denn mit euch los? Freut ihr euch denn gar nicht? Warum umarmt ihr euch denn nicht?"

Aber Lilli und der Elfenkönig hörten das Gerede von Ballilo nicht. Sie waren ganz damit beschäftigt, sich anzuschauen.

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Endlich öffnete der Elfenkönig seinen Mund. „Meine liebe Tochter Lilli, ich bin so froh, Dich zu sehen. Ich warte hier schon lange auf dich und Ballilo. Kommt steigt ein, ich habe ein großes Begrüßungsfest für euch vorbereitet."

Dann fuhren sie zum Elfen-Schloss, welches auf einem Hügel stand. Von dort konnte man über das ganze Elfenland schauen.

Lilli kniff sich immer wieder heimlich in den Arm, um festzustellen, ob das auch wirklich alles wahr war, was sie hier erlebte.

Auf dem Schlosshof hatte sich unüberschaubare Menge von Elfenfrauen und Elfenmännern versammelt, die redeten, tanzten oder einfach nur so herumflogen.

Als Lilli, ihr Vater und Ballilo aus der Kutsche stiegen, wurden sie mit großer Begeisterung begrüßt.

Die Elfen hier waren alle viel kleiner als Lilli. Ihr Vater, der Elfenkönig, war der größte der Elfen. Die Elfen trugen hellblaue, gelbe, rosafarbene, rote oder hellgrüne Kleidung, hatten auch solche Haarfarben und kleine durchsichtige Flügelchen am Rücken.

Eigentlich sahen sie genauso aus, wie Lilli sich immer Elfen vorgestellt hatte.

Auf dem Fest traf Lilli auch den Wasserball-Fisch Niko wieder, der im Springbrunnen des Schlosses fröhlich planschte.

Sie freute sich riesig über das Wiedersehen und berichtete Niko von den Erlebnissen bei den Glockenblumen und im Reich der Trolle.

Dann sang und tanzte Lilli mit den Elfen den ganzen Tag und die ganze Nacht und war sehr, sehr glücklich dabei.

Am nächsten Morgen sagte ihr Vater: „Lilli, es tut mir sehr leid, aber wir müssen langsam daran denken, dass du bald nach Hause zurückkehren musst. Deine Sommerferien sind übermorgen vorbei. Dann musst du wieder zur Schule gehen.

Lilli war wie vom Blitz getroffen. Schule, dieses Wort hatte sie auf ihrer Reise völlig aus ihrem Kopf gestrichen. Schule,  bedeutete Langeweile und keine Freunde.

„Aber, Vater, warum kann ich nicht hier, bei dir bleiben? Du kannst mir doch alles beibringen, was du weißt." sagte Lilli.

„Nein, das geht leider nicht", antwortete der Elfenkönig. "Lilli, ich liebe dich wirklich sehr und bin sehr froh dich bei mir zu haben, aber du bist ein Menschenkind und musst in deine Welt zurück kehren."

Da wurde Lilli plötzlich sehr traurig.

Ihr Vater aber sagte: „Lilli, wenn du zurück kommst, wird  alles ganz anders sein. Und wir beide werden für immer in Verbindung bleiben. Heute Abend, wenn es dunkel ist, such du dir bitte einen Stern am Himmel aus. Dieser Stern wird jeden Abend in dein Zimmer schauen. Du kannst ihm alles erzählen, was dich bedrückt oder was dich freut und er erzählt es mir weiter.

Dann erzähle ich ihm aus meiner Welt und er trägt es zu dir. So können wir uns immer sprechen. Lilli, du bist ein besonderes Mädchen, vergiss nie, du bist meine Tochter, die Tochter des Elfenkönigs. Wenn du an dich glaubst, werden dich auch die Leute in deiner Welt, mit anderen Augen anschauen. Du wirst es merken, wenn du in deine Welt zurückkehrst."

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Lilli war ganz still und dachte nach. „Vielleicht hast du recht Vater, es hat sich vieles verändert. Ich habe auf meiner Reise zu dir, so viele Abenteuer bestanden und viele neue Freunde kennengelernt. Und wer mich in der Menschenwelt nicht mag, soll es eben bleiben lassen. Ich bin, wie ich bin! Und ich habe dann ja meinen Stern. Aber wie soll ich bis übermorgen nach Hause zurückkehren, wenn ich schon so lange bis hierher gebraucht habe?"

„Du musst nicht auf dem gleichen Weg zurückkehren." antwortete ihr Vater. „Ich werde den Regenbogen ausrollen und du kannst über den Regenbogen zurückrutschen bis an das Ufer des Sees, wo deine Reise begann."

Am Abend suchte sich Lilli einen wunderschön leuchtenden Stern und begann sich innerlich auf ihre Rückkehr in die Menschenwelt vorzubereiten.

Wie es wohl ihrer Großmutter inzwischen ergangen war?

Lilli bekam nun doch ein bisschen Sehnsucht nach ihrer Großmutter und ihrem Zuhause. Und, wie wäre es ihr wohl ergangen, wenn Großmutter ihr nicht die wunderbaren Plätzchen mitgegeben hätte? Ob sie dann jemals im Elfenland gelandet wäre?

Über diese Gedanken schlief Lilli ein.

Wieder zu Hause

Lilli erwachte, weil Ballilo sie an den Füßen kitzelte. „Hallo, Lilli", sagte er, „entschuldige bitte, dass ich dich so früh wecke, aber Niko und ich wollen sich erst einmal ganz allein von dir verabschieden, bevor die anderen kommen. Schließlich haben wir so viele Abenteuer zusammen überstanden. Komm mit zum Springbrunnen auf dem Schlosshof, dort wartet Niko auf uns."

Lilli stand auf, wusch sich schnell und rannte dann hinaus zum Schlosshof. Dort erwartete sie eine kleine Überraschung.

„Liebe Lilli, damit du uns nicht so schnell vergisst, überreichen wir dir hiermit dieses kleine Geschenk", sprach Niko und gab Lilli feierlich ein Päckchen.

Lilli zog aufgeregt die Schleife auf und in dem Päckchen lag ... ein Stein.

Sie war ein bisschen enttäuscht, denn der Stein sah aus, wie eben ein gewöhnlicher Stein aussieht.

Der Stein aber, erstrahlte plötzlich in allen nur möglichen Farben, öffnete die Augen und sagte: „Ich bin ein Plapperstein und kann viele lustige und auch gruselig-unheimliche Geschichten erzählen, wann immer du willst.“

„Uns Plappersteine gibt es schon über Millionen von Jahren auf dieser Welt und wir haben viel gesehen und gehört. Ich habe die Dinosaurier kennengelernt, die alten Römer und Griechen, bin im Mittelalter mit den Rittern gereist, habe mit König Artus gespeist, mit Merlin gezaubert, mit Rembrandt gemalt, mit Beethoven und Wagner komponiert und habe in den Weltkriegen den Menschen Hoffnung gegeben. Ich bin mit Gagarin durch das Weltall geflogen und mit Armstrong auf dem Mond gelandet. Ich kann dir, wenn du willst, viele, viele Jahre von meinen Erlebnissen erzählen, ohne müde zu werden. Du musst mich nur darum bitten, dann lege ich los."

„Oh, das ist ja wunderbar", rief Lilli, „Niko und Ballilo, ich danke euch für dieses tolle Geschenk. Jetzt habe ich einen Freund, den ich überall mit hinnehmen kann!"

Lilli hatte in der Aufregung gar nicht bemerkt, wie sich der Schlosshof allmählich mit Elfen füllte.

Und da war auch ihr Vater, der Elfenkönig mit einem riesengroßen Sack in der Hand. Aus dem Sack erklang leise Musik und etwas bewegte sich in dem Sack.

Lilli überlegte, was wohl in dem Sack war. Da öffnet ihr Vater den Sack und es entrollte sich ein wundervoller Regenbogen über den ganzen Himmel.

Lilli stand mit offenem Mund da, weil der Regenbogen viel größer und farbenfroher war, als alle Regenbögen, die sie in ihrem Leben schon gesehen hatte.

„Wir müssen uns jetzt von dir verabschieden, liebe Lilli", sagte der Elfenkönig, „aber ich weiß, dass wir uns wiedersehen werden. Da die Verabschiedung von einem lieben Menschen immer sehr traurig ist, machen wir es kurz. Los, spring auf den Regenbogen, lauf hinauf und dann rutsche auf der anderen Seite einfach wieder hinunter."

"Ja, lieber Vater", sagte Lilli leise, winkte noch einmal all ihren Freunden und lief den Regenbogen hinauf. In der Hand hielt sie ihren Plapperstein. Als sie oben angelangte, setzte sie sich auf ihren Po und rutschte mit viel Schwung den Regenbogen auf der anderen Seite wieder hinunter. Hui, war das eine Fahrt, Lilli sah um sich nur noch die Farben des Regenbogens.

Plötzlich gab es einen kleinen Ruck und sie plumpste auf eine Wiese. Vor ihr lag der See, an welchem ihre Reise begonnen hatte.

lilli eine geschichte fuer kinder bild17

Auf ihrem Lieblingsplatz, dem Stein, saß ihre Großmutter.

Lilli lief freudig zu ihr hin und beide umarmten sich lange und fest.

„Lilli, ich bin so froh, dass du wieder da bist, ich hatte schon, Angst, dass dir etwas passiert ist, weil du so lange weg gewesen bist," sprach ihre Großmutter.

„Ach, liebe Omi, das ist eine ganz lange Geschichte, aber schau nur, der Regenbogen."

Der Regenbogen war gerade dabei, sich wieder einzurollen. „Schade eigentlich," dachte Lilli, „er sah so schön am Himmel aus. Aber ich bin bestimmt nicht das letzte Mal auf ihm gereist."

Sie drückte noch einmal ihre Großmutter und beide gingen zusammen nach Hause. Auf dem Weg nach Hause erzählte Lilli ihrer Großmutter die Kurzfassung ihrer Erlebnisse und wie wichtig Großmutters Plätzchen für die ganze Reise waren.

Großmutter und Lilli saßen an diesem Abend noch lange beisammen und erzählten und erzählten und der Plapperstein hörte ihnen aufmerksam zu.

Als Lilli am nächsten Morgen zur Schule ging, hatte sie ein gutes Gefühl. Sie wusste, dass jetzt alles anders als vorher sein würde.

Auf ihrer Reise ins Elfenland hatte sie viele Freunde gefunden und einen Stern, der die Verbindung zu ihrem Vater hielt und sie hatte einen Plapperstein geschenkt bekommen.

Lilli nahm sich vor, ihre Geschichte und die Geschichten ihres Plappersteins aufzuschreiben, damit alle Menschen, die sie sich dafür interessierten, sie lesen konnten.

Und sie freute sich schon jetzt auf ihre nächsten Ferien.

Dann würde sie wieder auf Reise gehen und neue Abenteuer erleben.

lilli eine geschichte fuer kinder bild18

Autor: Katja Michael
Thema: Lilli - Eine Geschichte für Kinder und Kindgebliebene
Webseite: https://www.psychotherapie-katja-michael.de

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