Gerade halte ich ein Buch über Kontextuelle Philosophie in der Hand. Es bringt mich zu einer Frage, die viele von uns beschäftigt: Was bedeutet Glück im Berufsleben eigentlich? Ist es der perfekte Job, der richtige Chef oder steckt mehr dahinter?
Bevor Sie weiterlesen, halten Sie einen Moment inne und fragen Sie sich:
- Wie glücklich fühlen Sie sich derzeit in Ihrem Berufsleben – auf einer Skala von 1 bis 10?
- Was müsste sich wirklich verändern, damit Sie sich langfristig erfüllter fühlen?
Doch woran machen wir dieses Glück offensichtlich fest? Oft glauben wir, es brauche nur eine kleine Veränderung: ein paar Tage Urlaub, mehr Zeit für die Familie oder einen anderen Chef. Aber würden uns diese Dinge wirklich dauerhaft glücklicher machen?
Diese Frage habe ich mir selbst oft gestellt. Lange habe ich mit dem Schreiben pausiert und mein Buchprojekt bereits ad acta gelegt. Heute sitze ich wieder am Schreibtisch und merke: Es ist nicht das Schreiben selbst, das mich glücklich macht. Es ist das Gefühl von Sinn und Erfüllung, das dabei entsteht.
Doch was macht uns im Berufsleben wirklich glücklich? Ist es die Führungsrolle, ein guter Chef oder die passenden Aufgaben? Oder beginnt Zufriedenheit vielleicht dort, wo wir Verantwortung für unser eigenes Erleben übernehmen?
Da fällt mir eine Klientin ein, die im Laufe ihres Berufslebens in mehreren Modeboutiquen gearbeitet hat. Zuletzt geriet sie an eine Chefin, die alles kontrollierte, ihr wenig zutraute und nach ihrer Kündigung nur meinte: „Man hätte ja darüber reden können.“ Hätte man wirklich? Oder passten die beiden menschlich einfach nicht zusammen?
Für Anna war klar, was sie sich wünschte: „Feste und abwechslungsreiche Aufgaben, die mich ausgleichen und mir wieder Freude an der Arbeit mit Kunden geben.“ Dieser Satz ließ mich nachdenklich werden. Können Aufgaben uns wirklich ausgleichen? Oder erwarten wir manchmal vom Arbeitsplatz etwas, das wir nur selbst entwickeln können? Vielleicht liegt genau darin der Unterschied zwischen kurzfristigem Glück und echter Erfüllung. Schließlich verbringen wir einen großen Teil unseres Lebens im Beruf. Umso wichtiger ist es, nicht nur nach den äußeren Umständen zu fragen, sondern auch nach dem eigenen Anteil. Denn vielleicht beginnt Veränderung genau dort.
Annas Geschichte ließ mich nicht los. Vielleicht deshalb griff ich noch einmal zu dem Buch über Kontextuelle Philosophie. Dort begegnete mir ein Gedanke, der erstaunlich gut zu ihrer Situation passte: das Arbeitsleben aus der Perspektive der Fülle statt des Mangels zu betrachten. Das passt erstaunlich gut zu Annas Geschichte. Sie suchte einen menschlichen Chef und ein besseres Arbeitsumfeld. Doch gleichzeitig stellte sich mir eine andere Frage: Wie viel Einfluss haben wir selbst darauf, wie wir unsere Arbeit erleben?
Beim Weiterlesen blieb ich an einem Satz hängen:
„Wer auf Kosten anderer leben will, muss den Standpunkt ‚Ich bekomme nicht, was ich will‘ beibehalten, um den Anspruch auf Entschädigung und Ausgleich aufrechtzuerhalten.“
Ich musste diesen Satz mehrmals lesen. Vielleicht geht es gar nicht darum, ob er richtig oder falsch ist. Vielleicht erinnert er uns daran, wie schnell wir unser Glück an äußere Umstände knüpfen: den Chef, die Kollegen oder den nächsten Arbeitsplatz.
Doch was wäre, wenn Glück weniger von den Umständen abhängt als von unserer Haltung ihnen gegenüber? Wenn Erfüllung dort beginnt, wo wir aufhören zu warten, dass andere etwas verändern, und stattdessen fragen: Was liegt heute in meinem Einflussbereich?
Vielleicht beginnt genau dort der Weg vom Glück suchen zum erfüllten Leben.
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und beantworten Sie für sich drei Fragen:
- Woran merke ich, dass ich mich in meinem Berufsleben wirklich erfüllt fühle?
- Was liegt in meinem Einflussbereich – und was überlasse ich den anderen?
- Welchen kleinen Schritt kann ich heute gehen, um meinem persönlichen beruflichen Glück ein Stück näherzukommen?
Ich bin gespannt, welche Antworten Sie finden. Los geht’s!
Autor: Jana Reichel, BerufsCoach
Thema: Vom Glück suchen zum erfüllten BerufsLeben
Webseite: https://www.abbiegendehauptstrasse.com












