Warum das „Reiche sind böse“-Mindset kein Mythos ist, sondern die Realität

Motivationstrainer und Finanz-Coaches lieben diesen einen, scheinbar tiefgründigen Satz: „Du bist nur arm, weil du ein blockierendes Mindset bezüglich Reichtum hast. Du denkst tief im Inneren, dass reiche Menschen böse sind, und das hält deinen Geldfluss auf!“ 

puppenspieler-reichtum-teufel

Das klingt auf Social Media super, lässt sich hervorragend als teurer Onlinekurs verkaufen und schiebt die Schuld für finanzielle Ungleichheit elegant auf das Individuum.

Doch schauen wir uns die Realität einmal ohne die rosarote Brille an. Ist die Annahme, dass an der Spitze von Macht und Vermögen nicht unbedingt die Menschenfreunde sitzen, wirklich nur ein psychologischer Gedankenfehler der Unterschicht?

Die unbequeme Wahrheit lautet: Nein. Es ist kein blockierendes Vorurteil. Es ist eine verdammt präzise Beobachtung der Realität.

Die Psychopathologie des Erfolgs: Wer schafft es nach oben?

Wer Wohlstand und Macht aus eigener Kraft und von ganz unten aufbaut, tut dies in den seltensten Fällen durch Harmonie und Empathie. Unsere Wirtschaftsstrukturen und hierarchischen Systeme funktionieren wie ein umgedrehter moralischer Filter. Sie belohnen Eigenschaften, die in der Psychologie unter dem Begriff der „Dunklen Triade“ zusammengefasst werden: Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie.

Um sich im Haifischbecken durchzusetzen, Konkurrenten zu verdrängen und maximale Gewinnspannen zu erzielen, braucht es eine eiskalte, fast schon soziopathische Härte. Wer zögert, Mitarbeiter für die Quartalszahlen zu entlassen, Verträge strategisch zu brechen oder die Ellenbogen auszufahren, wird ausgesiebt. Dieses angebliche „Armuts-Mindset“ entspricht bei denjenigen, die den Aufstieg geschafft haben, zu 99 Prozent der Realität.

Und machen wir die Rechnung ganz präzise: Wenn wir die Vermögenden herausrechnen, die ihr Geld schlicht geerbt oder im Lotto gewonnen haben, also jene Glückspilze, bei denen ein Vorfahre die skrupellose Drecksarbeit bereits erledigt hat, dann landen wir bei einer Trefferquote von glatten 100 Prozent. An der Spitze der Nahrungskette braucht man ein dickes Fell, eiskaltes Kalkül und die Bereitschaft, über Leichen zu gehen.

Warum die „Untergebenen“ keine Heiligen sind

Das bedeutet im Umkehrschluss allerdings nicht, dass die breite Masse der Menschen aus moralischer Überlegenheit im Dispo lebt. Wir müssen die romantische Verklärung ablegen: Die Menschen unten sind keine Heiligen, die ihre Armutssituation aus ethischen Gründen freiwillig wählen.

Fragt man die Menschen ehrlich, wären die allermeisten von ihnen verdammt gerne reich. Sie träumen vom dicken Auto, von finanzieller Freiheit und einem sorgenfreien Leben. Sie scheitern nicht an ihrem fehlenden Willen zum Luxus, sondern an einer biologischen und emotionalen Schranke. Ihnen fehlt schlichtweg das Talent zum „Arschlochsein“.

Der Durchschnittsbürger besitzt ein funktionierendes Nervensystem und ein gesundes Maß an Empathie. Er bringt es psychologisch nicht übers Herz, andere Menschen systematisch auszubeuten, zu betrügen oder für den eigenen Vorteil existenziell zu vernichten. Er ist für das Spiel der absoluten Rücksichtslosigkeit schlicht zu weich, zu normal und zu menschlich verdrahtet.

Fazit: Dein Gewissen ist keine Geldblockade

Wenn dir das nächste Mal ein Motivationstrainer einreden will, deine „Geldblockaden“ lägen an deinem fehlerhaften Mindset gegenüber Wohlstand, dann lächle einfach müde.

Es ist keine Blockade in deinem Kopf, die dich bremst. Es ist die Realität eines Systems, in dem du ein Stück deines Menschseins abgeben musst, um die Krone zu tragen. Dass du nicht ganz oben mitspielst, liegt nicht daran, dass du zu wenig an dich glaubst, sondern daran, dass du kein Soziopath bist. Und das ist kein psychologischer Fehler, sondern der Normalzustand eines gesunden Menschen.

Thema: Warum das „Reiche sind böse“-Mindset kein Mythos ist, sondern die Realität

#Stress, #Depressionen, #Erfolg, #Karriere, #Arbeit, #Aggressionen, #Verhaltensmuster, #Gewalt, #Finanzen, #Gedanken, #Geld, #Zwangsverhalten, #Gesellschaftssystem

Beiträge Beruf und Erfolg

Themenübersicht

tauben

Das Umschulungs-Märchen: Warum man aus einer Taube keinen Falken füttern kann

Wir alle kennen sie. Die bunten Werbebanner, die uns beim Scrollen durch die Nachrichten entgegenspringen: „In 6 Monaten vom Quereinsteiger zum IT-Spezialisten – voll finanziert vom Jobcenter.“  Das klingt wunderbar demokratisch. Es suggeriert eine mehr...


roboter

Warum der Spruch "Es entstehen immer neue Jobs" ein Trugschluss sein könnte

Wer kennt ihn nicht, den Standard-Satz von Politikern und Wirtschaftsexperten: „Ja, durch die Digitalisierung und KI fallen Jobs weg. Aber keine Sorge, es entstehen dafür völlig neue Berufe!“ Das hat in der Vergangenheit auch mehr...


mann-geld

Warum man bei der Debatte um den Gender Pay Gap aneinander vorbeiredet

Die Diskussion über den Gender Pay Gap wird erbittert geführt. Zwei Lager stehen sich scheinbar unversöhnlich gegenüber. Die eine Seite sieht in den Lohnunterschieden den Beweis für eine systematische Benachteiligung von Frauen. Die mehr...


frau-pullover

Warum manche Frauen die Arbeitswelt mit einer Gruppenarbeit aus der 10. Klasse verwechseln

Morgens im Bad. Der Kaffee läuft noch, die Augen sind halboffen, der Zeigefinger scrollt durch die Timelines. Und da ist er wieder. Einer dieser Kommentare, bei denen sich mir die Zehennägel aufrollen. Eine mehr...


zielscheibe

Warum die Frauenquote am Ziel vorbeischießt und was wir wirklich brauchen

Wir müssen über Gerechtigkeit reden. Genauer gesagt über die Frage, wie man Spitzenpositionen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft fair besetzt. Das erklärte Ziel der Befürworter von Quotenregelungen ist absolut richtig: Niemand sollte aufgrund mehr...


faul

Warum Arbeit nicht gleich Arbeit ist und warum wir nach unten treten

Wir müssen über ein Gespräch sprechen, das ich neulich hatte. Es fielen die klassischen Sätze: „Arbeit ist Arbeit“, „Hauptsache Arbeit, egal was.“ Klingt pragmatisch. Klingt nach anpacken. Am Stammtisch gibt es dafür meistens braves mehr...


laptop

Online-Werbung für Selbstständige: Sorgenfrei mehr Kunden gewinnen

Wer sich selbstständig macht, kennt das Gefühl: Die eigene Leistung ist gut, aber die Kunden kommen nicht von allein. Online-Werbung für Selbstständige verspricht Abhilfe, wirkt auf den ersten Blick aber oft wie ein mehr...


plan-b

Menschen vor Lebensläufen: Bradley Mundts Ansatz beim Teamaufbau bei PLAN-B NET ZERO

Schnelles Wachstum ist im Scale-up-Bereich keine Seltenheit. Aber es ist auch kein Selbstläufer. Hinter jeder Umsatzverdreifachung, hinter jedem neu gewonnenen Marktanteil steht eine Organisation, die wirklich funktioniert. Und hinter einer funktionierenden Organisation stehen mehr...


konferenz

Konzentration und Stimmung auf Konferenzen fördern – die Rolle der Technik

Konferenzen sollen inspirieren, den Austausch fördern und Wissen vermitteln. Doch in der Realität fällt es den Teilnehmenden oft schwer, über Stunden hinweg konzentriert und aufnahmefähig zu bleiben. Monotone Präsentationen, unzureichende Technik oder eine mehr...


erfolg

Erfolg ist Einstellungssache: Psychologische Impulse für deine gesunde Energie

Erfolg wird in unserer Gesellschaft oft mit Zahlen, Titeln oder der Größe eines Fuhrparks gleichgesetzt. Doch wer hinter die Kulissen derer blickt, die wirklich etwas bewegen – die Gründer, die Visionäre, die Macher mehr...

 

Lifestyle Redaktion

Krautheimer Str. 36
97959 Assamstadt
Telefon: 0151 - 275 200 45

info@ratgeber-lifestyle.de