Psychische Erkrankungen sind z. Zeit der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit. Im Vordergrund stehen dabei Angststörungen und Depressionen. Jährlich erkranken ca. 28 % der Erwachsenen an einer psychischen Erkrankung.

Aktuelle Daten zur psychischen Gesundheit liefert regelmäßig die Mental Health Surveillance (MHS) des RKI. Schon jetzt ist die Situation der Betroffenen, um einen kassenärztlichen Therapieplatz zu finden, ausgesprochen kritisch. Es bestehen seit Jahren Wartezeiten von 5-6 Monaten und länger. Viele Fachärzte für Psychiatrie oder Psychotherapie nehmen überhaupt keine Patienten mehr auf. Ich mache diese Erfahrungen in meiner Praxis regelmäßig.
Was bleibt den Patienten übrig? Sie müssen als Privatzahler einen kassenärztlichen Therapieplatz suchen oder das Angebot der komplementären Anbieter (Heilpraktiker für Psychotherapie) nutzen. Dagegen spricht nichts, denn dort befindet sich häufig eine hohe Qualifikation sowie eine Methodenvielfalt. Aber: Nicht jeder ist in der Lage ein Honorar zu entrichten.
Damit besteht eine äußerst prekäre Situation. Psychische Beeinträchtigungen sind oft mit einem hohen Leidensdruck verbunden. Lange Wartezeiten können daher insbesondere auch zu einer Chronifizierung der Erkrankung führen.
Zusätzlich darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Familienmitglieder dadurch belastet sein können und eine schnelle Reintegration in die Arbeitswelt erschwert wird. Der wirtschaftliche Schaden ist - insbesondere durch Verlust an Produktivität - groß.
Was sind die Kontrollgremien der Psychotherapeuten, wer gibt Richtlinien vor? Über den Bedarf an Psychotherapeuten entscheidet der Zulassungsausschuss der kassenärztlichen Vereinigungen und der Krankenkassen. Schon seit Jahren wird dabei die Besetzung von ausreichenden Psychotherapieplätzen von Verbänden und Therapeuten kritisch diskutiert. Der G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss im deutschen Gesundheitssystem) stellt die oberste Verwaltung von Ärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern und Krankenkassen dar. Dieses Gremium entscheidet verbindlich, welche Behandlungen, Medikamente und Therapien von den Krankenkassen bezahlt werden. Es legt Richtlinien zur Qualitätssicherung fest. Eine Aufsicht erfolgt über die zuständigen Psychotherapeuten- kammern.
Die neue Gesundheitsreform 2026 macht alles nicht einfacher. Ab dem 01. Januar 2027 werden psychotherapeutische Leistungen nicht mehr ungedeckt bezahlt. Das heisst, es erfolgt eine Budgetierung. Psychotherapeuten beklagen, dass das zu großer Planungsunsicherheit führt. Hinzu kommt, dass Zusatzstunden nicht mehr bezahlt werden. Es entfällt auch der im Kassenrecht verankerte Mechanismus der „Angemessenheitsprüfung“ . Das ist der Vergleich des Ertrages einer Musterpraxis mit anderen Arztgruppen. Dadurch soll eine existenzgefährdende Unterbezahlung vermieden werden. Die Entscheidung zum Therapieumfang ist daher künftig möglicher- weise keine freie Entscheidung des Psychotherapeuten mehr, sondern unterliegt finanziellen Zwängen.
Zu den zentralen Aufgaben des Bundesgesundheitsministeriums gehört die Stärkung der Interessen des Patienten sowie die Gewährleistung der Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems. Daneben unterstützt das Ministerium die Forschung und soll der Krankheitsprävention dienen.
Es gibt einige europäische Länder, in denen die psychische Versorgung der Bevölkerung besser aufgestellt ist. Das sind beispielsweise Skandinavien, die Schweiz und Frankreich. Es gibt dort eine höhere Dichte an Psychiatern sowie kürzere Wartezeiten.
Mentale Gesundheit ist eine große europäische Herausforderung der nächsten Jahre. Das hat Tschechien bereits erkannt und verfolgt das Ziel, bis 2030 insgesamt 100 Zentren für mentale Gesundheit zu schaffen.
Wenn man der Annahme folgt: „Politik ist die Summe der Bestrebungen um das Gemeinwohl eines Volkes“ gibt es für Deutschland noch viel zu tun.
Dieser Artikel ist authentisch und nicht KI-unterstützt
Autor: Rainer Wieckhorst, Heilpraktiker für Psychotherapie
Thema: Politik und Psychotherapie
Webseite: http://www.balance-concept.de
Autorenprofil Rainer Wieckhorst, Heilpraktiker für Psychotherapie:

Rainer Wieckhorst
Heilpraktiker für Psychotherapie mit Praxis in Reinbek
Therapiepraxis Balance-Concept
Kommunikationsexperte, Publizist
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