Wie oft sehne ich mich nach dem Universalrezept, meinen Alltag zu vereinfachen und mit einem Fingerschnipp mein Leben zu verbessern.

Unzählige Ratgeber habe ich verschlungen, To-Do's gelesen und Tipps befolgt. Aber, was soll ich sage? Ich krauche noch immer von Montag bis Freitag, zähle die Minuten zum Feierabend und die Sekunden bis zum Aufstehen.
Und dann gibt es da diese Menschen, die irgendwie immer gut gelaunt und jedes Problem mit einer Leichtigkeiten nehmen, dass man erst beeindruckt, dann neidisch und zu letzt genervt ist, schließlich kann das nicht...
Aber mal ehrlich, wie machen die das? Wie kann es sein, dass sie morgens nicht aufstehen und sich über das schlechte Wetter beschweren und darüber nachdenken, dass ein langer Tag auf sie wartet, sich über die langsame Dame vor ihnen an der Supermarktkasse aufregen und sowieso nicht ständig müde sind.
Warum ertappe ich mich immer öfter, wie ich mich mit Sprachassistentinnen oder Ki's streite, warum regt mich der unpünktliche Handwerker auf, schmeckt mir die Ananas heute nicht so gut wie letztes Mal....und mein Tag ist gelaufen.
Und dann lese ich diese Ratgeber für das perfekte Leben, ernähren Sie sich gesund und nehmen sich Zeit für einen Spaziergang in der Nachmittagssonne. Ach ja, übernimmst du meine Kunden? Kaufst du noch schnell Obst ein oder stellst dich am Abend 1 Stunde in meine Küche, um Sojabohnen zu vermentieren und Zucchini-Spaghetti zu produzieren? Nein?
Die meisten von uns setzen sich dann eben doch mit der Fertigpizza vor den Fernseher, anstatt ein erbauendes, beziehungsstärkendes Gespräch mit dem Partner zu führen und anschließend einen zeitgenössischen 500-seitigen Roman zu lesen, um den montags in ihrer Buchgruppe zu besprechen.
Und das Ende vom Lied? Ich bin unglücklich und gestresst. Klar, ich ernähre mich nicht gut und treibe nicht ausreichend Sport. Wo wir wieder beim Anfang wären: Wie zum Teufel soll man das umsetzen?
Bevor ich dann an Stress leide, um alle meine Feel-Good-Listen umzusetzen, suche ich doch lieber nach meinem eigenen Weg und folge nicht irgendwelchen Work-Life-Balance-Gurus bis zur völligen Erschöpfung.
So, jetzt hab ich mich genug aufgeregt.
Ich versuche auf jeden Fall immer mal wieder, mich nicht ganz so Ernst zu nehmen.
Und mich nicht immer mit anderen zu vergleichen, was kümmert mich die grade Nase der völlig natürlichen Influencerin auf Instagram oder das perfekte Pausenbrot in Bärchenform der Mutter im Kindergarten (wie auch immer die dann noch Zeit für Schimmelfuge im Bad, Fußpilz beim Ehemann und abgelaufenen Smoothie im Kühlschrank hat). Ich setze meine eigenen Standards, was brauche ich zum Glücklichsein? Was ist mir wichtig und nicht, was wohl die anderen denken.
Ja, ich muss meinem Körper etwas Gutes tun, damit mein Geist mitspielt, aber was ist für mich umsetzbar? Kniebeugen beim Zähneputzen und Tiefkühlobst tun es vermutlich genauso wie Yoga mit Lamas und Austernpilze vom Biohändler oder das High Protein Porridge (übrigens HAFERFLOCKEN) von Tiktok.
Und ja, ich brauche eine Auszeit vom Muttersein oder der Arbeit.
Für mich ist da die Serie genauso wertvoll wie die Aromatherapie beim Eisbaden. Muss ja zu mir passen und nicht zwingend instagrammable sein. Damit nicht noch mehr Menschen an ihrem Alltag zweifeln und glauben, nur mit Gadgets oder Coachings im Wert eines Sofas zufrieden sein zu können und zu dürfen.
Autor: Anke Wachtendorf - Schülercoach, Lern- und Erziehungsberatung, Verlagsautorin
Thema: Mal eben so den Alltag erleichtern
Webseite: http://www.schuelercoaching-wachtendorf.de
#Familie, #Gedanken, #Zufriedenheit, #Kolumne, #Gesellschaftssystem










