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Nur jeder zehnte Erwerbstätige in Deutschland ist selbstständig tätig – Tendenz seit 2012 eher stagnierend. Lediglich 2019 stieg die Zahl im Vergleich zu 2018 um ca. 1,8 Prozent. Und obwohl viele Menschen davon träumen, endlich ihr eigener Herr zu sein, sich ihre Zeit frei einteilen zu können und mehr Geld zu verdienen, wagen scheinbar – wie die Zahlen zeigen – die Wenigsten diesen Schritt. Zu schwer wiegen letztlich die Ängste und Unsicherheiten. Und das, obwohl laut „WirtschaftsWoche“ Umfragen ergaben, dass im Jahr 2019 in Deutschland gerade mal 65 Prozent der Teilnehmer mit ihrem Job zufrieden waren. Bei den Frauen waren es gerade knapp 60 Prozent. Warum schaffen es 35 beziehungsweise 40 Prozent der abhängig Beschäftigten, sich nicht aus ihrer Unzufriedenheit zu lösen und den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen?

Ich möchte in diesem Artikel den Ängsten nachspüren, die einer freiberuflichen Tätigkeit häufig im Wege stehen und aufzeigen, wie Selbstständigkeit gelingen kann.

Vorab ein kleiner Exkurs in die Schulzeit 

Schließen wir die Schule ab, wissen wir eigentlich nicht viel mehr, als dass wir weniger sprachbegabt, aber dafür gut in Mathe sind, weil wir in einem Fach einfach die besseren Noten haben als in einem anderen. Und das gibt häufig die Richtung für unsere Berufswahl vor. Oft beeinflussen auch die Berufe unserer Eltern unsere Entscheidung. Mein Vater zum Beispiel ist als Banker tätig. Folglich entschied ich mich in der Schule für den Wirtschaftszweig und absolvierte nach dem Schulabschluss eine Banklehre. Als junge Frau machte ich mir schlichtweg keine Gedanken über Fragen wie „Macht mich das auch glücklich? Entspricht diese Tätigkeit wirklich meinen Fähigkeiten und Talenten?“.

Hinzu kommt, dass es für viele Eltern von enormer Wichtigkeit ist, dass ihre Kinder die bestmögliche Schul- und Berufsausbildung bekommen, um anschließend einen sicheren Job zu erhalten. Sicherheit ist vor allem für Eltern der Nachkriegs-Generation häufig wichtiger als Erfüllung im Beruf. Auch das prägt uns unbewusst. Häufig „fügen“ wir uns dann unserem Schicksal und verharren in einer Tätigkeit, die uns eigentlich unglücklich macht. Aber wir haben ja nichts anderes gelernt. Wo lägen denn die Alternativen? Und so träumen wir weiter von einem Leben in Freiheit, ohne etwas an unserer Situation zu verändern. 

Häufig kommt erst etwas in Bewegung, wenn wir in eine echt Krise geraten, wenn wir beispielsweise kurz vor einem Burnout stehen. Dann wären wir zwar bereit für eine Veränderung, haben aber gleichzeitig unsere Befürchtungen und Ängste.

Welche konkreten Bedenken stehen der Gründung eines eigenen Unternehmens häufig im Wege und wie kann man ihnen begegnen?

Da gibt es zunächst die ganz konkreten Bedenken: 

  • Wir wissen nicht, wo wir anfangen sollen.
  • Wir haben Angst, dass kein Kunde sich für unser Angebot interessiert.
    - Uns ängstigt die finanzielle Unsicherheit.
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Als Marketing Coach für Heilpraktiker und Therapeuten kann ich versichern: Diesen Befürchtungen können wir durch konkretes Handeln entgegentreten. Wenn wir eine Idee für eine selbständige Tätigkeit haben, aber keine Ahnung, wo und wie wir damit anfangen sollen, dann gilt es, uns Unterstützung zu holen - sei es durch Gründerzentren oder durch einen erfahrenen Mentor, der uns mit seinem umfassenden Wissen bei der Erstellung eines Businessplans zur Seite steht. Wir können Bücher oder Blogs lesen, die sich mit dem Thema Existenzgründung beschäftigen und einen Plan entwickeln, wie wir Schritt für Schritt vorgehen.

Zur Vorbereitung gehört auch eine Marktanalyse. Wie groß ist der Bedarf nach unserem Produkt oder unserer Dienstleistung? Was macht die Konkurrenz, um Kunden zu akquirieren? Worin unterscheiden wir uns von anderen Anbietern, was ist unsere Besonderheit? Hier gilt, es sich eindeutig zu positionieren und diese Botschaft auf der eigenen Website und bei allen Marketing-

Maßnahmen zu transportieren. Dazu gehört auch die Entwicklung einer Verkaufs- und Marketingstrategie, um genügend Kunden zu generieren. Hier sollten wir ebenfalls auf die Hilfe von Coaches, Gründerzentren oder erfahrenen Gründern zurückgreifen. 

Unerlässlich ist auch eine gründliche Beratung zum Thema Finanzen. Ist Eigenkapital vorhanden? Gibt es die Möglichkeit, einen Gründerkredit aufzunehmen? Oder ist es für die erste Zeit sicherer, zunächst noch in Teilzeit angestellt zu bleiben und die Selbstständigkeit Step by Step aufzubauen? 

Fazit: Es stehen eine Menge konkrete Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung, um die Selbstständigkeit optimal vorzubereiten und zu starten.

Welche tief sitzenden Ängste und Blockaden den Sprung in die Selbstständigkeit verhindern 

Vor einigen Jahren war ich als Coach in einem Resozialisierungsprogramm für Strafgefangene tätig. Bei der Arbeit mit den Gefangenen wurde mir klar, dass häufig das Gefangensein in sich selbst das eigentliche Problem war und nicht die Gefängnismauern, die sie umgaben. 

Dies drückte sich unter anderem in immer wiederkehrenden, negativen Glaubenssätzen aus, mit denen auch viele andere Menschen hadern. Diese tief sitzenden Sätze, die unserer freien Entfaltung im Weg stehen und uns blockieren, lauten häufig wie folgt: 

  • Ich bin nicht gut genug, um freiberuflich tätig zu sein.
  • Ich bin zu dumm, zu schüchtern, zu unbegabt, um in der Selbständigkeit erfolgreich zu sein
  • Meine Eltern und Bekannte sagen auch, dass ich es nicht schaffen werde
  • Ich bin nichts wert. Ich habe es nicht verdient, Erfüllung im Beruf zu finden
  • Ich habe keine Ahnung, welche Talente und Fähigkeiten ich habe – wahrscheinlich keine

Als Hypnose-Therapeutin weiß ich: Hier haben wir es mit negativen Glaubensmustern aus der frühen Kindheit zu tun. Wir haben sie tief in unserem Unterbewusstsein abgespeichert und rufen sie bei passender Gelegenheit sozusagen automatisch – ohne sie zu hinterfragen – ab.

Wie können diese negativen Muster aufgelöst werden und der Sprung in die Selbständigkeit gelingen?

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Zum Zeitpunkt der Geburt ist unsere unterbewusste Festplatte noch ziemlich leer – außer es wurden bereits während der pränatalen Phase einschneidende und erschütternde Erfahrungen gemacht. Von da an – vor allem bis zum 6. Lebensjahr – gewinnt der Datenstrom jedoch kontinuierlich an Volumen. Er wird gespeist mit immer mehr Informationen, Erfahrungen, Wahrnehmungen, Stimmungsbildern und Glaubenssätzen von Autoritätspersonen wie Eltern oder Lehrern, die sowohl positiv als auch negativ gefärbt sein können. So wird bereits in der Kindheit ein mehr oder weniger fremdbestimmtes Selbst geformt, das im schlimmsten Falle von Ängsten, Misstrauen und Vermeidungsverhalten geprägt ist. Das erklärt auch, warum viele Menschen in ihrem Beruf zutiefst unglücklich sind und dennoch in der ungeliebten Tätigkeit verharren. 

Durch die Arbeit mit dem inneren Kind eröffnet sich die Chance, uns aus diesen unbewussten Verstrickungen zu lösen und selbstbestimmt und selbstständig seinen Weg zu gehen. Dabei kann die Hypnosetherapie wertvolle Unterstützung leisten.

Mit Hypnosetherapie das innere Kind heilen und bislang verborgene Talente und Stärken entdecken 

In der Hypnosetherapie begeben wir uns auf eine Zeitreise in unsere früheste Vergangenheit und nehmen mit unserem inneren Kind Kontakt auf. Wir spüren frühkindlichen Verletzungen nach, bewerten sie neu und formulieren alte, negative Glaubenssätze positiv um. Damit werden wir in die Lage versetzt, die Vergangenheit loszulassen und neue Möglichkeiten zu entdecken, ein freies, selbstbestimmtes und glücklicheres Leben zu führen – auch beruflich. Denn die Hypnosetherapie ermöglicht es uns, nicht nur uralte Wunden zu heilen, sondern gleichzeitig, die ganze Fülle, die in uns steckt, wieder zu entdecken.

Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt:  Häufig verbessern sich im Laufe der Sitzungen auch körperliche Beschwerden.

Kurz erklärt: Wie funktioniert die medizinische Hypnose?

In meinem Artikel „Wege aus der Fremdbestimmtheit - wie durch die Arbeit mit dem inneren Kind ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmtheit gelingen kann“, bin ich bereits auf die Hypnosetherapie als anerkanntes und wirksames Therapieverfahren eingegangen. Für alle Leser, die den Artikel nicht kennen, möchte ich die Wirkungsweise nochmals kurz darlegen. 

Obwohl die therapeutische Hypnose seit 2006 ein anerkanntes Therapieverfahren darstellt, gibt es immer noch Vorbehalte. Viele Menschen denken, dass der Patient während der Sitzung völlig bewusst- und willenlos die manipulativen Aussagen des Therapeuten in sich aufsaugt. Diese Vorstellungen speisen sich häufig aus der Bühnen-Hypnose. Dabei geht es allerdings um spektakuläre Effekte, um das Publikum zu unterhalten und nicht um eine therapeutische Behandlung.

In der klinischen Hypnose befindet sich der Patient lediglich in einem leichten bis mittleren Trancezustand, in dem er jederzeit Herr der Lage ist und den therapeutischen Prozess aktiv mitgestaltet. 

In einer solchen Art von Trance befinden wir uns zum Beispiel, wenn wir auf etwas völlig fokussiert sind – zum Beispiel auf das Malen eines Bildes. Wir vergessen dabei die Welt um uns herum. Gleichzeitig sind wir hochkonzentriert. 

Als Hypnose-Therapeutin führe ich diesen Trancezustand mit speziellen Konzentrations- oder Entspannungsübungen, den sogenannten Trance-Induktionen, herbei. Während der Klient sich mehr und mehr entspannt, desto weniger werden Reize von außen wahrgenommen. Stattdessen werden in der Trance Gefühle, Sinnesempfindungen und innere Bilder intensiver erlebt. Das liegt daran, dass im Zustand der Trance andere Gehirnareale aktiv sind als im Alltagsleben, vor allem die für das

Sehen, Hören oder Riechen zuständigen sensorischen Zentren. Gleichzeitig nimmt das Schmerzempfinden ab, Stresshormone werden abgebaut und das Immunsystem läuft zu Höchstleistungen auf. 

Im Trancezustand fährt auch die Sehrinde hoch. Das führt dazu, dass Reisen, die ich gemeinsam mit meinen Klienten während einer Sitzung unternehme, zum Beispiel an einen See, ihnen ganz real erscheinen. Dafür verantwortlich sind die sogenannten Spiegelneuronen, die die Großhirnrinde stimulieren. Auf diese Weise entstehen während einer Hypnosebehandlung im Inneren des Patienten neue Bilder, Wege, Lösungen und Glaubenssätze, die das Unterbewusste neu abspeichern und damit im wahrsten Sinne des Wortes verinnerlichen kann. So können sich im Verlauf der Therapie in der Kindheit verinnerlichte Glaubenssätze in eine positive Richtung entwickeln. Emotional belastende Ereignisse und Empfindungen – selbst aus den frühesten Kindheitstagen – werden während des Therapie-Verlaufs aufgespürt, restrukturiert und Heilungsprozesse in Gang gesetzt. 

Doch die klinische Hypnose kann auch einen Zugang zu bislang scheinbar verborgenen Talenten und Fähigkeiten ermöglichen, die in meinen Klienten schlummern und nun ans Tageslicht geraten. Viele entdecken im Laufe der Sitzungen ihre eigentliche Berufung. 

Ich freue mich immer sehr, wenn nicht nur der persönliche, sondern auch der beruflicher Weg meiner Klienten sich wandelt, sobald sie in die Selbstbestimmtheit kommen. Sie lösen sich auch in diesem Bereich von Abhängigkeiten und entscheiden sich für die Selbständigkeit – und damit für ein Leben in Freiheit und Fülle. 

Dies wiederum weckte in mir das Herzensbedürfnis, in meiner Tätigkeit als Coach meine Therapeuten- und Heilpraktiker-Kollegen auf dem Weg in eine erfolgreiche Selbständigkeit zu begleiten.

Die eigenen Kraftquellen (wieder) entdecken 

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Was können wir für uns selbst tun, wenn uns der Job unglücklich macht, wir aber einfach noch nicht wissen, welchen Weg wir stattdessen beschreiten sollten?

Neben dem Auflösen alter Glaubensmuster und Verstrickungen, können wir unserem Selbst auch mit relativ einfachen Mitteln wieder auf die Spur kommen und entdecken, was uns nährt und stärkt. 

Wir alle haben unsere Sehnsuchtsorte, seien es die Berge oder das Meer. In schweren Zeiten sollten wir uns so oft wie möglich an diese Orte begeben und dort Kraft tanken. Dabei lassen wir die Gedanken kommen und gehen und hören einfach in uns hinein. 

Auch ständig ein Notizbuch mit sich zu führen, in dem man alle spontanen Ideen und Geistesblitze niederschreibt, kann sich als hilfreich erweisen. Es sollte auch unbedingt auf dem Nachttisch liegen, denn häufig geben uns auch Träume wichtige Hinweise. 

Inspirierend kann es sein, sich vor Augen zu führen, was uns als Kind Freude bereitet hat und uns zum Lächeln oder gar zum Lachen gebracht hat. Was hat uns damals begeistert? Auch der Austausch mit Familienmitgliedern, denen man sich im Kindesalter eng verbunden fühlte, kann sich als hilfreich erweisen. Wie haben uns Eltern, Geschwister beziehungsweise Tanten und Onkel in dieser Zeit erlebt? Waren wir eher der Wildfang, der vor Ideen nur so überfloss oder eher die stille Träumerin? 

Auch mit positiven Affirmationen können wir uns selbst liebevoll unterstützen, zum Beispiel „Ich trage alles in mir, um ein erfülltes Leben zu führen – beruflich und privat“. Damit wir uns diese Worte selbst immer wieder vor Augen zu führen können, sollten die Affirmationen gut sichtbar dort angebracht werden, wo wir ihnen mehrmals täglich begegnen und sie lesen können. 

Hilfreich ist es auch, sich bildhaft vorzustellen, wie sich ein neuer Job beziehungsweise die Selbstständigkeit anfühlen wird. Wie erfüllend es sein wird, endlich seine Berufung zu leben. Wenn es mit dem Visualisieren nicht so ganz klappt, dann hilft es möglicherweise, sich mit dem dazugehörigen Gefühl zu verbinden, wie es wäre, endlich seiner Berufung zu folgen und dabei frei und glücklich zu sein. 

Zum Abschluss möchte ich noch folgendes anmerken: Für mich persönlich bedeutet Selbstständigkeit nicht das allseits bekannte „Ich arbeite selbst und ständig“. Für mich bedeutet es viel mehr: „Ich bin ständig ich selbst.“

Und ich bin der festen Überzeugung, dass die Entscheidung, den Weg Selbstständigkeit zu beschreiten, sich genauso anfühlen sollte.   

Autor: Sandra Maria Bader Heilpraktikerin für Psychotherapie
Thema: Angestellt bleiben oder endlich die Selbstständigkeit wagen?
Webseite: https://salekra.de

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