Der Alltag mit den Kollegen kann manchmal wirklich schwierig sein. Vielleicht kann man sich nicht inhaltlich einigen, der eine kommt zu den Meetings immer zu spät, der andere lästert hinter Ihrem Rücken.

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Mit der Kollegin, die mit Ihnen im Büro sitzt, ist es angespannt. Inzwischen ignoriert sie Sie und Sie wissen gar nicht, wie Sie damit umgehen sollten…

Konflikte, Streit, Spannungen können die Stimmung am Arbeitsplatz sehr belasten. Und wenn sie lang anhalten, kann es zu psychischen oder psychosomatischen Beschwerden führen. Vielleicht fühlen Sie sich irgendwann demotiviert, frustriert, energielos oder fürchten sich zur Arbeit zu gehen.

Lassen Sie es nicht soweit kommen und erfahren Sie hier, was Sie tun können, um besser mit den Konflikten am Arbeitsplatz umzugehen.

Mit dem Eisberg-Modell den Konflikt analysieren

Konflikte kosten viel Energie. Man ärgert sich, grübelt, schläft schlecht, hat Bauchschmerzen oder der Blutdruck steigt. Irgendwann kann es sogar krank machen. Deswegen ist es wichtig, den Konflikt zu besprechen und nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen.

Das Eisberg-Modell hilft Ihnen das Problem besser zu verstehen. Falls Sie noch keinen echten Eisberg gesehen haben, wissen Sie, dass der größte Teil des Eisbergs unsichtbar unter Wasser liegt. Der sichtbare Teil des Eisbergs ist nur ein Siebtel des gesamten Eisbergs. Ähnlich ist es bei Konflikten. An der Oberfläche liegt ein sichtbarer Konflikt. Darunter verstecken sich unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse. Es geht darum herauszufinden, was darunter liegt, bei Ihnen und bei dem anderen.

Das könnte sich im Hintergrund des Konflikts verstecken:

  • Sie haben unterschiedliche Meinungen, Ziele, Vorstellungen, wie die Arbeit gemacht werden sollte.

  • Es gibt Missverständnisse und Kommunikationsprobleme. Statt konstruktiv die Probleme zu besprechen, tendiert der Kollege dazu, Sie zu beschuldigen und schlecht zu machen.

  • Es geht um ein Beziehungsproblem, weil Sie unterschiedliche Persönlichkeiten haben. Der Kollegen ist laut und extrovertiert. Es stört Sie, weil Sie Ruhe brauchen, um sich zu konzentrieren.

  • Die Kollegin hat persönliche Probleme, die sich auf die Zusammenarbeit auswirken.

  • Unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse liegen dem Konflikt zugrunde. Sie möchten Ihren Klienten den besten Service anbieten. Der Kollege denkt nur ans Sparen und daran die Prozesse effizient zu gestalten. Das Wort Kundenorientierung kennt er nicht!

  • Sie haben unterschiedliche Werte. Ihnen ist es wichtig, flexibel und pragmatisch zu handeln. Ihr Kollege möchte alles perfekt machen.

Seien Sie mutig und sprechen das Problem an!

Auch wenn es manchmal unangenehmen ist Konflikte anzusprechen, lohnt es sich es zu tun, am besten zeitnah. Wenn Sie das nicht tun, können Konflikte eskalieren, sich verhärten und ausbreiten. Die Kollegen suchen sich Verbündete aus, greifen verbal an, nutzen Drohungen und verbreiten Küchengerüchte.

Kalte Konflikte sind auch Konflikte. Bei kalten Konflikten vermeidet man miteinander zu reden. Man tut, als ob nichts wäre. Die Situation ist aber angespannt und man hat ein ungutes Gefühl. Wenn die Kollegin Sie ignoriert, sollten Sie das Gespräch mit ihr suchen und das ansprechen.

Viele Menschen trauen sich nicht Probleme anzusprechen, weil sie harmoniebedürftig sind. Vielleicht wollen sie niemanden verletzen, haben Angst vor der Konfrontation oder nicht mehr geliebt zu werden. Wenn Sie das Problem unter den Teppich kehren, heißt es nicht, dass das Problem gelöst ist. Deswegen brauchen Sie Mut, sowie eine gute Kommunikation und Strategie um den Konflikt lösen.

So könnten Sie das Klärungsgespräch mit der Kollegin starten: „Ich habe den Eindruck, dass du in der letzten Zeit vermeidest, mit mir zu reden. Es ist mir unangenehmen. Wenn es etwas gibt, was dich stört, möchte ich es wissen. Gerne können wir darüber reden.“

Was Sie beim Streitgespräch vermeiden sollten

Oft ist es schwierig, eine Lösung für einen Konflikt zu finden, weil beide Parteien sich gegenseitig beschuldigen. Die Beschuldigungen fangen oft mit „Du hast das getan, gesagt, gemacht…“, „Du bist so und so…“. Solche Aussagen werden als Angriff empfunden. Sie sind für den anderen verletzend und meistens schlägt er mit einem Gegenangriff zurück. Das Gespräch eskaliert, der Konflikt verlässt die Sachebene und wird zum Beziehungskonflikt. Es geht nicht mehr darum eine Lösung zu finden, sondern um Sieg oder Niederlage.

Das sollten Sie in Ihrer Kommunikation vermeiden:

  • Du-Botschaften und Angriffe: „Du bist unzuverlässig, inkompetent, immer verspätet…“

  • Verallgemeinerungen mit den Wörtern „immer“, „nie“…: „Du kommst immer zu spät“, „Du bist nie da, wenn ich dich brauche“, „Es ist deine Schuld, wenn wir uns in dieser miesen Situation befinden“, „du bist genauso wie die andere Kollegin“…

  • Argumente, die mit der jetzigen Situation nicht zu tun haben: „Damals hast du das und jenes gemacht“, „Ich kann dir noch ein paar Beispiele von deiner Inkompetenz geben“…

  • Ironie und Provokation: „Das ist natürlich sehr schlau von dir!“, „Denkst du, dass ich blöd bin?“

Die 4 Schritte der gewaltfreien Kommunikation

Marshall Rosenberg hat die Methode der gewaltfreien Kommunikation entwickelt. Diese Methode fördert ein aufrichtiges und einfühlsames miteinander Sprechen und folgt 4 Schritte:

1. Beobachtung: zuerst beschreiben Sie die Konfliktsituation, ohne sie zu bewerten.

- „Ich habe beobachtet/gesehen/gehört, dass…“. Am besten bleiben Sie neutral, ohne den anderen zu beschuldigen.

2. Gefühle: Sagen Sie, wie Sie sich in dieser Situation fühlen oder gefühlt haben.

- „Ich fühle mich…“, „Ich bin genervt, enttäuscht, verärgert, besorgt…“

3. Bedürfnisse: Sagen Sie, welche Bedürfnisse hinter diesen Gefühlen stehen.

- „weil … Zuverlässigkeit, Respekt, Professionalität, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit... mir wichtig sind“, „Ich brauche…“

4. Bitten: Kommunizieren Sie dem Kollegen eine klare Bitte, damit er weiß, was er verändert kann.

- „Ich wünsche, möchte gern...“

Mit der gewaltfreien Kommunikation formulieren Sie Sätze in der „Ich“ Form. Dadurch vermeiden Sie den Kollegen mit „Du-Botschaften“ zu verletzen.

Der Kollege kommt immer zu spät

So könnte eine Formulierung nach der gewaltfreien Methode aussehen:

1. Beobachtung: „Unser Termin war um 10 Uhr. Es ist jetzt 10:15 und ich habe 15 Minuten auf dich gewartet“. An der Stelle können Sie eventuell auch fragen, was passiert ist.

2. Gefühle: „Ich bin schon echt genervt…“

3. Bedürfnisse: „ …weil mir Pünktlichkeit wichtig ist. Das ist für mich auch eine Form des Respekts.“

4. Bitte: „Ich möchte dich bitten, nächstes Mal pünktlich zu kommen. Und wenn etwas dazwischen kommt, gib mir bitte Bescheid.“

Übung macht den Meister

Für uns ist es nicht natürlich im Streitgespräch von unseren Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen zu reden. Viel natürlicher ist es den anderen Vorwürfe zu machen und die Schuld zu geben. Deswegen ist es wichtig die Methode zu üben. Wenn es um eine Dauerstreit geht, können Sie vor dem Gespräch Ihre Formulierung nach den 4 Schritten vorbereiten. Versuchen Sie herauszufinden, welche Ihre Bedürfnisse sind und was Ihnen wirklich wichtig ist. Da viele Konflikte sehr emotional sind, ist es nicht immer einfach „gewaltfrei“ zu kommunizieren. Sie können sich immer noch nachträglich fragen, wie Sie nächstes Mal Ihr Anliegen formulieren könnten. Wenn Sie viel üben, wird es immer leichter.

Versuchen Sie ebenfalls die Sichtweise und die Bedürfnisse des anderen zu verstehen. Bei der gewaltfreien Kommunikation gibt es keine Garantie, dass der Kollege am Ende Ihren Wunsch erfüllt. Sie geben ihm jedoch die Möglichkeit, Sie besser zu verstehen und erhöhen die Chance, dass er Ihnen entgegenkommt. Wenn auch Sie ihn besser verstehen, wird es einfacher eine gemeinsame Lösung zu finden.

Wie Sie im Streitgespräch konstruktiv bleiben

  • Verwenden Sie im Gespräch „Ich-Botschaften

  • Benutzen Sie Formulierungen wie „Aus meiner Sicht“, „Es scheint mir“, „Mein Eindruck, Befürchtung, Meinung, Idee ist…“, „Ich denke, ich glaube ich finde, dass“. So eröffnen Sie den Dialog. Sie sagen Ihre Meinung und sind bereit die Ansicht des Kollegen zu hören.

  • Üben Sie das aktive Zuhören, indem Sie zusammenfassen, was Sie verstanden haben: „Wenn ich dich richtig verstanden habe, hast du gesagt…“.'

  • Trennen Sie das Problem von der Person, die Sachebene von der Beziehungsebene. Bleiben Sie bei der „Sache“ und versuchen eine Lösung für das Problem zu finden, ohne den anderen persönlich anzugreifen.

  • Benennen Sie das gemeinsame Ziel: Was steht hinter unseren persönlichen Positionen? Was ist das oberste Ziel? Was wollen wir für den Kunden, die Abteilung oder die Firma erreichen? Welche Kompromisse können wir machen?

Wenn Sie alleine nicht weiterkommen

Sie haben das Problem schon informell mit dem Kollegen unter vier Augen angesprochen. Falls Sie mit der Lösung unzufrieden sind oder gar keine gefunden haben, stehen Ihnen weitere Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Sie entscheiden sich für eine formelle Bearbeitung des Konflikts durch eine Verhandlung. Das Gespräch ist strukturiert und folgt verschiedenen Schritte. Sie analysieren das Problem und dessen Ursachen, besprechen möglichen Strategien und Lösungen und einigen sich auf eine gemeinsame Vorgehensweise.

  • Sie bitten eine dritte Person, z.B. Ihr Chef, das Gespräch zu moderieren. Er kann selbst um die Unterstützung von jemanden aus der Personalabteilung oder von einem professionellen Mediator bitten.

  • Bei Gruppenkonflikten kann ein moderierter Workshop, eine Supervision oder eine Teamentwicklung

Lassen Sie sich nicht aus der Fassung bringen

Manchmal haben Sie schon alle Wege ausprobiert: Analyse und Ansprechen des Problems, Ich-Botschaften, gemeinsame Suche nach einer Lösung, Einbeziehen des Chefs, einer Supervision…Trotzdem lässt sich manchmal die Situation nicht ändern. Der Kollege bleibt unangenehm, uneinsichtig, unkooperativ.

Bedenken Sie, dass es in jeder Situation immer 3 Möglichkeiten:

  • Change it
  • Take it
  • Leave it

„Change it“ hat nicht funktioniert. Überlegen Sie sich, ob „Leave it“ eine Option für Sie ist. Lohnt es sich wegen des schwierigen Kollegen die Abteilung, sogar die Firma zu wechseln? Wenn nicht, bleibt nur noch die letzte Möglichkeit „Take it“.

Wenn Sie sich entschieden haben in der Situation zu bleiben, dann können Sie Gelassenheit üben. Sie können sich an allen positiven Seiten Ihrer Arbeit erinnern und relativieren. Es hilft auch sich emotional zu schützen und Abstand zur Situation zu nehmen. Vielleicht können Sie lernen schlagfertiger und selbstbewusster zu werden. Konflikte gehören zum Leben und Berufsleben…Nehmen Sie die Herausforderung sportlich an!

Autor: Prisca Engeler, Coach und Therapeuthin
Thema: Wie verhält man sich bei Konflikten mit Kollegen
Webseite: https://www.prisca-engeler.de

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