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Maria ist 73 Jahre alt,

als sie bemerkt: ‘irgend etwas stimmt nicht mit mir’. Mit den Schlafstörungen fing es an.  Aufwachen in der Nacht, nicht wieder einschlafen können, aufstehen, umhergehen, und nichts half. Dann wurde irgendwie alles komplizierter als vorher. Die Bankgeschäfte sind kaum noch zu überschauen, immer wieder vergisst sie Arzttermine und Namen von guten Bekannten. Das Kochen, das sie früher so gerne gemacht hatte, fällt ihr zusehends schwerer. Der Schlüssel versteckt sich andauernd und irgendwie sind die Menschen nicht mehr so freundlich wie früher. Sie fragt sich: ‘Kann ich überhaupt noch jemandem trauen?’ und:  Was ist bloß los mit mir ?

Mit dieser Frage kommt sie in meine psychotherapeutische Praxis nach Heilpraktikergesetz.

Maria wirkt gestresst, unsicher, verliert beim Sprechen immer wieder den Faden und es fällt ihr schwer, sich eine Stunde lang auf unser Gespräch zu konzentrieren.

Die Verdachtsdiagnose lautet: Beginnende Demenz.

Damit schicke ich sie zum Neurologen, der die für Maria schreckliche Diagnose ‘beginnende Demenz bei Alzheimer-Krankheit’ stellt. Für Maria bricht eine Welt zusammen.

Sie macht sich Vorwürfe, vielleicht nicht rechtzeitig reagiert zu haben, ihre Ängste verstärken sich und ihre alles entscheidende Frage ist: ‘Was kann ich tun?’

Möglichkeiten der Behandlung und Prävention

Zunächst muss leider festgestellt werden, dass es derzeit keine Behandlungsmöglichkeit gegen Demenz gibt. Eine demenzielle Entwicklung ist progredient (fortschreitend), verläuft am Anfang oft schleichend und später in Schüben, die unumkehrbar sind. Dennoch kann man die Widerstandsfähigkeit des Gehirns gegen den Prozess der Krankheit erhöhen, an den Begleitsymptomen (z.B. Angst / Misstrauen / depressive Verstimmung) psychotherapeutisch und eventuell mit Psychopharmaka arbeiten und alle weiteren krankheitsverstärkende Faktoren minimieren. So ist es z.B. besonders wichtig, einen Diabetes und  Bluthochdruck medikamentös gut einzustellen und eine Arterienverkalkung möglichst gering zu halten.

Das sind Themen, mit denen sich die Betroffenen, am Besten mit Unterstützung durch ihre Angehörigen, vertrauensvoll an ihren Hausarzt wenden sollten. Doch es gibt auch viel, was man selbst tun kann, um das Demenzrisiko zu vermindern und alle weiteren schädigenden Faktoren auszuschalten:

  • Soziale Kontakte pflegen. So wird das Gehirn immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt, denn soziale Interaktionen sind eine sehr komplexe Angelegenheit
  • Ausreichend trinken, gerade im Alter, wenn das Durstgefühl nachlässt mindestens 1,5 bis 2 l täglich. Dabei auf Alkohol und süße Getränke verzichten
  • Das Gehirn herausfordern: immer wieder etwas Neues lernen, nicht nur auf vorhandenes Wissen zurückgreifen. Dazu gehört auch das Zeitunglesen, ein neues Spiel lernen, malen oder musizieren
  • Jeden Tag etwas anders machen als sonst. Das kann z.B. sein, dass man sich als Rechtshänder mit der linken Hand die Haare kämmt oder sich nicht in der gleichen Reihenfolge anzuziehen oder zu einer anderen Zeit zu essen
  • Gesunde Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse und gesunden Fetten. Besonders wichtig sind die Omega-3-Fettsäuren. Diese sind für Struktur und Funktion des Gehirns essenziell. Eine gute Quelle dafür ist Leinöl oder Chiaöl oder auch fettreicher Fisch. Insgesamt ist eine pflanzenbasierte Ernährung sehr empfehlenswert. Außerdem sollte Zucker auf ein Minimum reduziert werden
  • Machen Sie bei einem Gedächtnistraining mit. Entweder bei einem Therapeuten, in einem Heim oder in einer ambulanten Einrichtung. Fast in jedem Ort gibt es solche Angebote
  • Tägliche Bewegung, am besten zusammen mit anderen Menschen. Z.B. Spaziergänge, Gymnastik oder Rehasport
  • Rauchfrei leben. Falls Sie rauchen: möglichst schnell damit aufhören

Für viele der oben genannten Themen gibt es Spezialisten wie ErnährungsberaterInnen, GedächtnistrainerInnen, FitnesstrainerInnen und nicht zuletzt Psychotherapeuten und Heilpraktiker, die die Betroffenen unterstützen können. Dazu kommt, dass der Kontakt mit den genannten Spezialisten wieder eine soziale Interaktion darstellt die wiederum das Gehirn fordert und fördert.

Die Rolle der Ärzte und Angehörigen

Im Verlauf einer Demenzerkrankung fällt es den Betroffenen zunehmend schwer, den eigenen Haushalt zu meistern. Gleichzeitig möchten sie sich dies nicht eingestehen. Und noch weniger vor anderen zugeben.

Deshalb ist es wichtig, dass auch die Angehörigen immer die Symptomatik überwachen und rechtzeitig die notwendigen Schritte einleiten. Sei es, eine/n BetreuerIn  zu organisieren, einen Platz im betreuten Wohnen zu finden, den Betroffenen zu sich zu nehmen oder einen Heimplatz zu suchen. Auch die Durchführung der oben aufgelisteten Aktivitäten sollte immer wieder angeregt, überwacht und evtl. begleitet werden.

Gleichzeitig ist eine regelmäßige Vorstellung beim behandelnden Facharzt unabdingbar. Dieser kann den aktuellen Zusatand am besten einschätzen.

Dennoch sind es im Alltag die Angehörigen, die sich z.T. mit der oft hoch belastenden Problematik auseinander setzen müssen. So ist auch für sie eine eventuelle stärkende psychotherapeutische Behandlung sehr empfehlenswert. Was auf keinen Fall passieren sollte, ist, dass die Angehörigen wegschauen und einfach nur hoffen, dass alles gut gehen wird. Es gab schon Brände, schwere Unfälle und Verletzungen, ein Verirren auch in der nahen Umgebung und sogar Todesfälle, die vermeidbar gewesen wären.

Sprechen Sie mit dem/der Betroffenen, planen Sie zu einer Zeit, in der ein sinnvolles Gespräch noch möglich ist, wie im Notfall verfahren werden soll und lassen auch Sie sich helfen. Vielleicht müssen irgendwann zum Wohle des/der Betroffenen irgendwann schwierige Entscheidungen getroffen werden. Dafür sollten Sie sich wappnen.

Zur Einschätzung einer möglichen demenziellen Entwicklung finden Sie nachfolgend einige Kriterien, anhand derer Sie die Veränderungen bei Ihrem Angehörigen entschätzen können. Die Diagnose obliegt auf jedem Fall dem Facharzt.

Hier einige Kriterien:

  • Erinnerungslücken: Vergessen von nahe (!) zurückliegenden Ereignissen oder Dingen, die gesagt wurden (Ereignisse, die lange zurückliegen, sind oft noch lange klar im Gedächtnis)
  • Wiederholung der gleichen Fragen, obwohl diese schon beantwortet sind
  • Vergessen von Namen, auch im nahen Bekanntenkreis oder der Familie
  • Schwierigkeiten, gewohnte Abläufe wie Kochen, Körperhygiene zu erledigen
  • Räumliche Orientierung verschlechtert sich – beim Auto fahren, beim Spazieren gehen, in gewohnter Umgebung, oft sogar in der eigenen Wohnung
  • Angst, Depressivität, Misstrauen, sozialer Rückzug, Aggression
  • Verschlechterung der verbalen Ausdrucksfähigkeit. Wortfindungsstörungen
  • Motorische Unruhe, Fahrigkeit, nicht still sitzen können
  • Vergessen von Abläufen. Deshalb werden häufig ‘Erinnerungszettel’ für eigentlich gewohnte Abläufe geschrieben, um das zu überdecken. z.B. Kaffeemaschine: 1. Wasser einfüllen, 2. Filter, 3. Kaffee, 4. Knopf drücken

Die Reihenfolge des Vergessens

Die Dinge, die im Verlauf einer dementiellen Entwicklung nacheinander vergessen werden, folgen einer klaren Reihenfolge:

1. Zeitlich - Als erstes werden zeitliche Informationen durcheinander gebracht oder vergessen: Welcher Tag ist heute? Ist es Vormittag oder Nachmittag? Welches Jahr?

2. Situativ - In welcher Situation bin ich gerade? In welcher Beziehung stehe ich zum meinem Gegenüber? Bin ich bei einem Arzttermin oder im Kosmetikstudio? Was wird gerade von mit erwartet oder gefordert?

3. Örtlich - Wo befinde ich mich gerade? Wie komme ich wieder heim? Wie heßt die Straße, in der meine Tochter wohnt? Wie heißt mein Wohnort? Muss ich nach links oder rechts gehen, um von der Küche in’s Bad zu kommen? Wo ist mein Zimmer?

4. Personell - Wie heiße ich? Wann und wo bin ich geboren? Wie sind meine Familienverhältnisse?

Und was wurde aus Maria?

Nach dem ersten Schock ist Maria sehr engagiert in ihren ganz persönlichen Kampf gegen die Demenz eingestiegen. Sie hat sich auf mein Anraten hin gründlich beim Hausarzt durchchecken lassen. Ihr Diabetes ist gut eingestellt, Cholesterin und Triglyzeride werden ständig überwacht. Regelmäßig finden Kontrolltermine beim Neurologen statt.

Maria hat sich einen Hausnotruf angeschafft und geht zum Rehasport. Außerdem hat sie zwei alte Freundinnen dafür begeistert einmal in der Woche einen Spielenachmittag zu machen. Mehrmals die Woche begleitet sie eine Nachbarin bei deren Spaziergang mit dem Hund.

Ihre zwei Töchter waren zum Gespräch beim Neurologen dabei und kommen gelegentlich mit zu den Therapiestunden, in denen wir Gedächtnistraining machen und an den Ängsten arbeiten.

Maria hat sich entschlossen, wie ihre Töchter Vegetarierin zu werden und hält sich strikt an ihren neuen Ernährungsplan. Durch die neuen Rezepte wird sie zusätzlich gefordert. Wenn es zu kompliziert wird, kann sie jederzeit eine ihrer Töchter anrufen. Dafür hat sie ein Seniorentelefon mit Kurzruf bekommen.

 Maria fängt jeden Tag mit guten Gedanken an. Auch das haben wir in der Therapie eingeübt - und sie hat sich mit dem Gedanken auseinander gesetzt, dass sie vielleicht irgendwann in eine betreute Einrichtung ziehen wird. Aber bis dahin hat sie sich vorgenommen, jeden Tag zu genießen.

Seit 10 Monaten ist sie stabil.

Wünschen wir Maria und ihren Töchtern, dass noch viele gute Tage kommen mögen!

Autor: Karin Vogelbacher, Heilpraktikerin (Psychotherapie)
Thema: Demenz - die schleichende Gefahr
Webseite: https://praxis-vogelbacher.de

Kontakt:

Karin vogelbacher

Praxis Vogelbacher
Psychotherapie nach Heilpraktikergesetz
Philippsburger Str. 7
68753 Waghäusel
Tel.: 07254/9588040
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