Jedes Jahr erkranken eine Vielzahl an Menschen in Deutschland an einer Erkältung. Dem Gesundheitsreport 2019 der Techniker Krankenkasse (TK) zu Folge habe man für das Jahr 2018 sogar die höchsten erkältungsbedingten Krankenstände seit Beginn der Auswertungen zum Jahr 2000 ermittelt[1].

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Zudem lässt sich dem TK-Gesundheitsreport entnehmen, dass die Erkältungskrankheiten in 2018 insgesamt 39 Prozent aller Krankschreibungen der Versicherten bei der TK ausmachten[2]. Eine Erkältung stellt also eine der häufigsten Infektionskrankheiten in unserem Land dar. Aber was ist eine Erkältung überhaupt?

Was ist eine Erkältung?

Jeder benutzt den Begriff Erkältung, aber was steckt dahinter? Unter einer Erkältung versteht man in der Medizin die Infektion der oberen Atemwege. Dazu gehört die Nase, Nasenhöhle, Nasennebenhöhlen, Mund und Rachen. All diese Bestandteile der oberen Atemwege sind mit Schleimhäuten überzogen. Diese Schleimhäute sind für unsere Immunabwehr unabdingbar, gleichzeitig sind sie aber auch unsere größte Schwachstelle. Die Schleimhäute der oberen Atemwege sind täglich unfassbar vielen Reizen ausgesetzt. Darunter fallen thermische, mechanische und chemische Reize. Ein erwachsener Mensch atmet (bei einer Atemfrequenz von 12 bis 18 Mal in der Minute) ca. 17.000 bis 26.000 Mal am Tag ein und aus. Mit jedem Atemzug atmen wir Staubpartikel, Pollen oder auch chemische Stoffe wie Benzin oder Zigarettenqualm, aber auch Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und Pilze ein. Das strapaziert die Schleimhäute natürlich ungemein. Das erklärt warum die Schleimhäute im Laufe der Zeit ihrer Aufgabe der lokalen Immunabwehr nicht mehr gerecht werden können. Je mehr Einflüsse auf die Schleimhäute einwirken, desto höher ist die Gefahr einer Infektion.

Wie bekomme ich eine Erkältung?

Normalerweise ist unser Immunsystem ein hervorragend funktionierendes System, welches vollkommen autonom arbeitet. Aber jeder von uns kennt Folgendes: Es wird Herbst, die Tage werden kürzer, es scheint kaum noch die Sonne und schon ist sie dahin die Leichtigkeit des Sommers. Hat man dann noch Stress auf der Arbeit oder sich mit dem Partner in den Haaren, ist das Desaster vorprogrammiert. In einem solchen Moment haben Bakterien, Viren und Pilze leichtes Spiel. Im Herbst beginnen die Schleimhäute unserer oberen Atemwege teilweise auszutrocknen, da wir uns viel in geschlossenen und beheizten Räumen aufhalten. Hier ist die Luftfeuchtigkeit meist sehr niedrig, was das Austrocknen der Schleimhäute begünstigt. Wenn die Schleimhäute „trocken“ sind, werden sie anfällig für Verletzungen: es entstehen mikroskopisch kleine Risse. An diesen defekten Stellen können die Schleimhäute ihrer Funktion als natürliche Barriere nicht mehr  nachkommen. Somit können sich Bakterien, Viren oder Pilze hier ansiedeln und sich nahezu ungehindert in unserem Körper ausbreiten. Die Übertragung der Erreger findet meist über Tröpfchen statt. Möglich sind aber auch Schmierinfektionen, häufig über Türklinken oder in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Wie beuge ich einer Erkältung vor?

Diese Frage stellen wir uns in der Regel leider zu spät. Sollte es jedoch noch zu keiner Infektion gekommen sein, gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, um einer Infektion vorzubeugen.

Hier die Top 4 der Erkältungsprophylaxe:

Hygiene: Die Handhygiene ist das A und O, um Infektionserkrankungen vorzubeugen. Unsere Hände sind dauerhaft unzähligen Bakterien, Viren und anderen Mikroorganismen ausgesetzt. Nicht alle von diesen Erregern sind für unseren Körper problematisch, aber einige können unserem Immunsystem durchaus zu schaffen machen. Daher sollte man nach Einkäufen im Supermarkt, Bus- und Bahnreisen, Benutzen öffentlicher Toiletten aber auch nach Bedienen des Smartphones auf ausreichende Handhygiene achten. Gerade das Smartphone ist ein sehr typischer Überträger von Erregern. Es wird andauernd berührt, jedoch selten gereinigt oder desinfiziert. Beim nächsten Anruf kann es dann schon passieren: das Smartphone wird an das Ohr, die Wange und Mundregion gehalten. Nun haben die Erreger nur noch einen sehr kurzen Weg zu den Mundschleimhäuten vor sich, wo sie sich ansiedeln und vermehren können. Deswegen lieber einmal mehr die Hände waschen als einmal zu wenig.

Bewegung: Vielen von uns fällt es schwer, regelmäßig Sport zu betreiben. Es lohnt sich jedoch sehr, seinen inneren Schweinehund zu überwinden, denn Sport ist der beste Weg einer Erkältung aus dem Weg zu gehen. Was passiert eigentlich in unserem Körper, wenn wir Sport machen? Dies ist gar nicht so einfach zu beantworten. Wenn wir unseren Körper regelmäßig durch Bewegung fordern, stärkt dies unser Immunsystem. Auf zellulärer Ebene kommt es durch Sport zu einer sekundären Leukozytose. Unter Leukozytose versteht man die Vermehrung der weißen Blutkörperchen, die maßgeblich an der Immunabwehr beteiligt sind. Hervorzuheben ist hierbei der extrem schnelle Anstieg von natürlichen Killerzellen (NK-Zellen). Schon nach wenigen Sekunden steigt die Zahl der Killerzellen signifikant an. Die Killerzellen spielen nicht nur eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Tumorzellen sondern auch von virusinfizierten Zellen. Dies soll eine Ausbreitung der Infektion verhindern, wodurch eine Erkältung gar nicht erst entsteht. Abgesehen von dem positiv immunologischen Effekt beugt Sport natürlich auch vieler anderer Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Demenz vor.

Trinken: Dass viel Trinken unserem Körper gut tut, ist allgemein bekannt, aber warum eigentlich? Bleiben wir bei dem Beispiel einer Infektion der oberen Atemwege. Bei dem damit einhergehenden Austrocknen der Schleimhäute spielt unsere Flüssigkeitsaufnahme eine wichtige Rolle: Je mehr Flüssigkeit wir im Körper zur Verfügung haben, desto besser kann unser Körper diese für unterschiedliche Gewebe portionieren. Bevor unser Körper Flüssigkeit aus dem Blut an die Schleimhäute abgibt, versorgt er natürlich zuerst die lebenswichtigen Organe mit Flüssigkeit. Dazu gehören Herz, Lunge, Gehirn, Nieren und Leber. Erst dann folgt der Verdauungstrakt und ganz zum Schluss bekommen die Schleimhäute noch etwas Flüssigkeit ab. Anhand dieses Beispiels wird sicher jedem bewusst, warum viel Trinken so bedeutsam für unseren Körper ist. Ohne Wasser können unsere Zellen nicht arbeiten und sterben ab. Aber wie viel soll man innerhalb von 24 Stunden trinken? Dies hängt unter anderem von der körperlichen Belastung und der Umgebungstemperatur ab. Man kann aber pauschal sagen, dass wir mindestens 1,5 Liter pro Tag trinken sollten.

Stress verringern: Rainer Karius hat einmal gesagt: „Wer sagt, Zeit ist Geld, hat den Wert der Zeit noch nicht erkannt.Dieses Zitat sollten wir uns wohl alle etwas mehr zu Herzen nehmen und uns hin und wieder etwas Zeit für uns nehmen.  Auch Prof. Norbert Müller von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin hob die wechselseitige Beeinflussung unserer seelischen Verfassung und Immunabwehr hervor: „Wer unter chronischem Stress leidet, ist deshalb häufig anfällig für Infektionen.“[3] Stress ist aber nicht gleich Stress. Wir unterscheiden akuten, also vorübergehenden von chronischem, also anhaltendem Stress. Während akuter Stress die Immunabwehr in unserem Körper sogar steigern kann, verringert chronischer Stress die Immunabwehr. Es lässt sich schlussfolgern, dass uns eine dauerhafte Einwirkung von Stress krank macht. Aber was passiert bei Stress in unserem Körper? Bei dem sogenannten Dysstress, also negativem oder auch chronischem Stress, ist eine deutliche Abnahme von Immunzellen im Blut zu beobachten. Aber nicht nur die Abnahme ist zu erkennen, sondern auch, dass sich die natürlichen Killerzellen in ihrer Aktivität verlangsamen. Selbst die Zellteilung der T-Lymphozyten (spezifische Immunabwehr) ist verlangsamt. Also kann man sagen, wer entspannter lebt, lebt gesünder.

Was sind typische Symptome einer Erkältung?

Die klassischen Symptome einer Erkältung variieren je nach Lokalisation der Infektion. Das heißt, die Symptome einer Erkältung hängen davon ab, in welcher Region der oberen Atemwege eine Infektion vorliegt:

  • Hals- und Schluckbeschwerden
  • Schnupfen
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Gelegentlich ist auch ein Temperaturanstieg zu beobachten
  • Kommt es zu einer sogenannten absteigenden Infektion, das heißt einer Ausbreitung der Infektion in die unteren Atemwege, kann Husten als zusätzliches Symptom auftreten.

Wie ist der Verlauf einer Erkältung?

An der Hausfrauenweisheit, dass eine Erkältung drei Tage kommt, drei Tage bleibt und drei Tage geht, ist etwas Wahres dran. So beträgt die Inkubationszeit, also die Zeit vom Eintritt des Erregers bis zum ersten Auftreten von Symptomen ca. 2 bis 3 Tage. Die ersten Symptome, im Schnitt nach ca. 2,75 Tagen, sind Hals- und Schluckbeschwerden, verstopfte Nase, Kopf- und Gliederschmerzen. Diese drei Symptome treten nahezu zeitgleich auf, wobei nur die verstopfe Nase, Kopf- und Gliederschmerzen langatmig sind. Die Hals- und Schluckbeschwerden sind meist zu Beginn des 4. Krankheitstages wieder verschwunden und waren somit nur ca. 1,5 Tage vorhanden. Die Intensität der Beschwerden ist jedoch gerade in den ersten drei Krankheitstagen am intensivsten. Also kann man pauschal sagen, dass es nach drei Tagen langsam wieder bergauf geht. Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen verabschieden sich ca. nach dem 7. oder 8. Krankheitstag. Sollte jedoch die Infektion die unteren Atemwege erreichen, so kann ab dem 6. Krankheitstag Husten hinzukommen. Das ist meist sehr heimtückisch, denn gerade wenn wir denken, es wird langsam besser, überkommt einen ein lästiger Husten. In dieser gefühlten zweite Krankheitswelle entspricht unser Krankheitsgefühl in etwa noch drei Viertel der ersten drei Krankheitstage. Nun arbeitet  unser Immunsystem aber bereits auf Hochtouren und bekämpft die Erreger mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Etwa nach dem 10. Krankheitstag hat unser Immunsystem den Husten bekämpft. Bis zu diesem Moment hat der Körper viel „mitmachen“ müssen und das ist in der Regel auch noch spürbar. Das Gefühl der Erschöpfung hält noch ca. bis zum 14. Tag an.

Was kann ich tun wenn ich eine Erkältung habe?

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Das beste Mittel der Wahl ist Ruhe. Je höher die körperliche Belastung während einer Infektion ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Ausbreitung der Infektion aufgrund der Mehrdurchblutung des Gewebes. Im schlimmsten Fall kann dies zu einer Lungenentzündung oder zu einer Herzinnenwandentzündung führen. Das Immunsystem unseres Körpers behandelt die Infektion in der Regel sehr zuverlässig. Daher ist eine Therapie meist gar nicht notwendig. Es empfiehlt sich auch ohne Nachweis einer bakteriellen Infektion kein verschriebenes Antibiotikum einzunehmen. Bei einem viralen Erreger, ist ein Antibiotikum ohnehin wirkungslos. Obendrauf schwächt ein Antibiotikum unser Immunsystem zusätzlich, weil es die Darmflora beeinträchtigt. Als wirkungsvoll hingegen haben sich kurze Spaziergänge erwiesen, da diese zu einer verbesserten Belüftung der Lunge und oberen Atemwegen führen und somit das Sekret von den Schleimhäuten löst. Viel trinken bleibt auch hier nicht aus. Das Trinken verringert die Viskosität (Zähigkeit) des „Schleimes“ an den Schleimhäuten und kann somit besser ausgehustet oder ausgeschnaubt werden. Bei ganz zähflüssigen Nasensekreten kann auch über schleimlösende Medikamente nachgedacht werden, wie z. B. ACC-Hustenlöser. Aber auch Nasenduschen mit Kochsalzlösungen, Inhalationstherapien oder Dampfbäder können Erleichterung schaffen. Kommt zu der Erkältung noch Fieber hinzu, sollte vorerst nicht versucht werden, dieses mit fiebersenkenden Mitteln zu senken. Denn Fieber ist ein körpereigener Schutzmechanismus, der die Körpertemperatur erhöht, um die temperaturempfindlichen Bakterien oder Viren zu vernichten. Es ist ratsam, bereits bei ersten Krankheitszeichen viel Flüssigkeit aufzunehmen und die körperlichen Aktivitäten zu verringern. Einer von Omas Lieblingstipps ist Hühnersuppe. Und wie immer hat Oma recht. Das ausgekochte Huhn enthält viel Zink. Zink ist ein Mineral, das eine antibakterielle Wirkung hat und somit das Immunsystem unterstützt. Gute Erfahrungen habe ich mit dem nicht verschreibungspflichtigen Phytotherapeutikum (Arzneimittel auf pflanzlicher Basis) ANGOCIN Anti-Infekt N gemacht. Dieses Mittel enthält Meerrettichwurzel-Pulver und Kapuzinerkressenkraut-Pulver, was wachstumshemmend für Bakterien und Viren wirkt. Das Phytotherapeutikum ist vor allem bei Atemwegsinfektionen und unkomplizierten Harnwegsinfektionen geeignet. Je früher diese Maßnahmen umgesetzt werden, desto weniger haben die Bakterien oder Viren die Möglichkeit, sich auszubreiten. Dies kann die Krankheitsdauer um einige Tage verringern. Die beste Therapie ist und bleibt dennoch die Prophylaxe!

Fazit

Die Dauer einer Erkältung hängt ganz vom Erreger und der körperlichen Ausgangslage ab. Man kann jedoch pauschal davon ausgehen, dass eine Erkältung ca. 8 bis 10 Tage anhält. Eine Ärztin hat einmal zu mir gesagt: „Eine Erkältung dauert ohne Arzt 14 Tage und mit Arzt zwei Wochen.“ Diesen Spruch empfand ich als charmante Wahrheit. Letztlich kann man die Symptome im Krankheitsfall zwar lindern, aber verkürzen ist kaum möglich. Das Immunsystem benötigt seine Zeit, macht seine Arbeit aber sehr zuverlässig. Deshalb sollte man gelegentlich doch mal auf seine Großmutter hören, sich ins Bett legen, viel trinken, eine Hühnersuppe essen und sich ausruhen.

Autor: Steffen Maisenhälder
Thema: Wie lange dauert eine Erkältung
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Quellen:

[1] Techniker Krankenkasse, Gesundheitsreport 2019. Arbeitsunfähigkeiten, URL: https://www.tk.de/resource/blob/2060908/b719879a6b6ca54c1f2ec600985fb616/gesundheitsreport-au-2019-data.pdf (Stand:14.08.2019), 2019, S.28.
[2] Ebd., S.28.
[3] Chronischer Stress schwächt das Immunsystem (17.12.2012), URL: https//www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/ratgeber-archiv/meldungen/article/chronischer-stress-schwaecht-das-immunsystem/ (Stand 11.08.2019).

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