Warum bereits Burnout-Prophylaxe und ein gutes Stress Management in der Familie bedeutend sind

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Die Nachfrage nach sozial-emotionalen Gruppentrainings für Kinder, Jugendliche und Einbindung der Eltern in Gespräche ist in den letzten Jahren enorm angestiegen. Mütter und Väter berichten im telefonischen Erstkontakt oftmals von großer Überforderung und fühlen sich in Anbetracht von rasant eskalierendem Stress, dem ihre Kinder und auch sie selbst ausgesetzt sind, zunehmend hilfloser. Auch Jugendämter und Träger der Jugendhilfe sind einer Flut von Anträgen auf sozialpädagogische Familienmaßnahmen längst an ihre Grenzen geraten und suchen händeringend nach Lösungen wie Kinder und Eltern aus diesen Teufelskreisen finden können.

Ist der Druck, der auf Kindern lastet, zu groß?

Diese Frage beantworte ich aus der Sicht als systemischer Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie, die sich auf die Begleitung von Kindern und Eltern in überlasteten Lebenssituationen spezialisiert hat, eindeutig mit ja. Wenn ich den Fokus auf die Familie lege, sind die Ansprüche, die Eltern an sich selbst stellen, in den letzten Jahren deutlich gewachsen und gehen mit jahrelangen Herausforderungen bis massiven Überforderungen einher. Das Idealbild einer perfekten Familie aus der Werbung, mit immerzu fröhlicher Mutter und „jobaffinem“ Vater, die alle schulischen Angebote und Förderprojekte sowie perfekte Freizeit- und Sportangebote auf dem Schirm haben sollen, stimmt längst nicht mehr. Eine multimediale Anbindung, um auch alle neuesten Trends, wissenschaftliche Erkenntnisse zu nahezu allen Themen sowie Kinder- und Familienevents über App erfahrbar zu machen und auf den Punkt genau an das nächste Event zu erinnern, sind mittlerweile an der Tagesordnung. Dass auch ein erfülltes Berufsleben sowie die Selbstentfaltung jedes einzelnen seinen Raum haben soll, ist ebenso selbstverständlich. Hohe Erwartungen – von allen formuliert - gepaart mit einer Frustrationstoleranz, die sehr gering ist, sorgen für permanenten Druck. Hält dieser Druck kontinuierlich an, erfordert Multitasking im Übermaß einen hohen gesundheitlichen Tribut, der über Stress, körperlichen Symptomen, depressiven Stimmungsschwankungen bis zum Burnout führen kann.

Eltern kommen in die Beratung und äußern ihr Unbehagen über ihre familiale Lebenssituation und wollen alles für die optimale Entwicklung ihrer Kinder tun, geraten jedoch selbst in enormen Leistungsdruck, wenn sie versuchen alles in den Griff zu bekommen. Wichtige Frühwarnsymptome werden dabei leider übersehen oder können nicht in Gänze eingeordnet werden. Ein erstzunehmender Einstieg in die Beratung! 

Zu hören ist dann z.B.: „Unsere Freunde könnten glauben, dass bei uns nichts los ist, dann sind wir out. Wenn wir uns da zwei Wochen nicht gemeldet haben, finden die das schon stinklangweilig. Und irgendwann werden wir nicht mehr über WhatsApp gefragt und dann gehören wir nicht mehr dazu!“ Äußerungen wie: „Wir können nicht mehr, der Stress frisst uns auf, wir haben keine Freude mehr,“ sind häufig.

Festzustellen ist, dass der Druck im Innen groß ist und Familien im Außen auch diesem Druck ausgesetzt sind. Wenn Eltern von ihrem Stress erzählen, ist der Weg nicht so weit bis zu den Kindern, wenn sie von deren Problemen erzählen. Stress ist heute ein besonderes Phänomen unserer multimedialen Welt und macht natürlich auch vor unseren Kindern nicht Halt. Ganz im Gegenteil. Wenn bereits Kinder mit sechs Jahren mit hochtechnisierten Handys versorgt und mit allen möglichen Apps ausgestattet sind, öffnet diese kunterbunte, explodierende, schnelle virtuelle Welt den Zugang in eine völlig irreale Wirklichkeit. Völlig überforderte und verunsicherte Kinder, die glauben, dass Bedürfnisse auf eine schnelle Art zu befriedigen sind, finden sich im normalen Leben wenig zurecht und können Dinge nicht mehr richtig einordnen. Das hinterlässt Spuren!

Müssen Kinder erst hochaggressiv ihre Wut, Verzweiflung, Ohnmacht oder Traurigkeit in allen möglichen Varianten ausagieren, weil sie nicht mehr anders mit ihrem Stress umgehen können? Gesundheitliche Beschwerden sind heute bei Kindern bereits in der Kita anzutreffen, die spätestens in der Grundschule auch Auswirkungen zeigen. Migräne, Magen- oder Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Essstörungen, Schlafstörungen, Nervosität werden dabei in Erstgesprächen mit Eltern deutlich formuliert, wenn zum Glück auch aufmerksame Pädagog*innen bei den Eltern Alarm schlagen und der Weg zum Kinderarzt obsolet ist.

Rückzug aus vorher geliebten Aktivitäten, Verweigerung, Schulabstinenz sind zumeist dann unübersehbare Hilferufe, gefolgt auch immer mehr von Unterstützungsmaßnahmen in Kita und Grundschule, um die eigentlichen Themen in den Fokus nehmen.

Annehmen, was gerade im Moment ist!

In Beratungen und Therapien finden häufig Eltern mit ihren gestressten Kindern den Weg erst, wenn eine große Hilflosigkeit aller, Erschöpfungssymptome und die Gefahr eines kompletten Ausbrennens schon in jungen Jahren von Ärzten sowie Klinikern diagnostiziert und Stress- und Überforderungsthematiken angesprochen werden. In anschließenden Gesprächen mit den Eltern wird schnell erkennbar, wie hilflos sich diese fühlen, wenn sie kommunizieren, welchem enormen Druck sie sich auf allen Ebenen ausgesetzt fühlen und sie versuchen trotz allem den gesellschaftlichen Erwartungen und Ansprüchen gerecht zu werden. Multimedialität, ständiges Angebundensein an soziale Medien, Termine im Stundentakt, tägliche Freizeittermine der Kinder, Förderung von Kindern auf hohem Niveau, weil es alle so tun und Kinder auch das Beste verdient haben. Sie korrelieren mittlerweile in einem katastrophalen Ausmaß mit den hohen Berufsforderungen, die an junge Eltern gestellt werden, gepaart mit weiten Wegen zur Arbeitsstätte, unbezahlten Überstunden und komplexen Jobprojekten mit streng getakteten Arbeitsprozessen, die keine Verzögerung erlauben.

Wieso sich Eltern diesem Stress aussetzen?  –  Eltern wollen das Beste für die Kinder, für die Familie!

Wie entsteht Stress bei Kindern- wie wirkt er sich in Familien aus?

Eine der ersten Fragen in einer Beratung oder Therapie, die gestellt wird ist, wie lange es wohl dauern wird, bis die Dinge wieder einigermaßen in Balance zu bringen sind. Hier wäre die Frage, was ist es genau, was uns gerade am meisten belastetet und einen enormen Leistungs- und Leidensdruck erzeugt, eher zielführend. Denn die Stresssymptome, die Kinder oftmals auch über ihr Verhalten zeigen, wollen wahrgenommen, ernst genommen und gedeutet werden, bevor Veränderungen angestrebt werden können.

Zitieren möchte ich aus einem Artikel als Autorin für einen pädagogischen Verlag, der vor Kurzem in einer Fachzeitschrift veröffentlicht worden ist.  Darin habe ich zum Thema „Verhaltensoriginelle Kinder – eine besondere Herausforderung“ bereits Stellung bezogen.

 (…) „Es ist mir wichtig, ein Verhalten nicht grundsätzlich als negativ zu bewerten, sondern vielmehr auch darin die Chance zu sehen, das zu verstehen, was ein Kind auf eine besondere Weise auszudrücken versucht. (…)

Die Erziehungswissenschaftlerin Frau Susanne Skodula, Abteilung frühkindliche Bildung, Ministerium für Bildung, Rheinland-Pfalz, schreibt u.a. in einem Editorial hierzu:

(…) Hier scheint mir auch ein zentraler Ansatzpunkt für pädagogisches Handeln zu liegen, nämlich zu überlegen, was die Gründe dafür sein könnten, dass das Kind sich so verhält, wie es sich verhält. (…)

Grundsätzlich tritt interaktioneller Stress dort auf, wo auch unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt werden müssen. Eine Überlastung der Eltern schlägt sich dann auch im Verhalten der Kinder nieder. Wenn ein Kind rebelliert, Aggressionen und/oder andere Symptome zeigt, ist das oftmals ein Hilferuf, ein Wunsch nach Beziehung, nach Bindungserleben. Kinder leben im Hier und Jetzt. Unstimmigkeiten in ihrer Gegenwart nehmen sie sehr sensibel wahr und reagieren dann zum Beispiel mit Verweigerung.

Zuviel Taktung – wenn weniger mehr ist!

Zuhause sollte jeder vor allem ein entspanntes Umfeld vorfinden, mit weniger Leistungsdruck und mehr Möglichkeiten zu entspannen. Dass Kinder auch Zeit und Ruhe für all das Erlebte in Kita und Schule brauchen, wird teilweise gar nicht mehr bewusst wahrgenommen und gefühlt. Im Unterbewusstsein gräbt es sich aber immer tiefer ein, wenn Konflikte nicht kommuniziert werden, keine Kommunikation darüber stattfinden kann, weil die Taktung so hoch ist, dass es gleich nach der Schule weitergeht. Auch wenn die Hausaufgaben gut erledigt werden wollen, vor den Arbeiten gelernt und geübt wird, gönnen Sie Ihrem Kind und sich selber regelmäßig eine kleine Auszeit, bevor es mit einer Aktivität weitergeht, dann ist auch eine Pizza beim Italiener essen oder zusammen kochen ein schönes Erlebnis, das Sie selbstbestimmt und ihren Bedürfnissen gemäß ausrichten.

Die Zauberformel lautet – zusammenspielen – sich echt begegnen

Das Thema Ruhe und Muße haben, auch mal wieder Langeweile haben dürfen, ist mittlerweile ein fast unbekanntes Gefühl, wenn ich Kinder und Eltern in den Trainings danach frage. Schon für Kinder ist es unangenehm, sich mit einer Zeit, in der Aktivitäten tabu sind, auseinanderzusetzen und diese Zeit als schöpferischen Akt zu betrachten, von dem aus sich ganz Neues, Unerwartetes zeigen darf.

Familien brauchen aber auch zweckfreie, alltägliche Begegnungsräume, wo man zusammenspielt, liest, kocht, Dinge ausprobiert oder einfach nur zusammen auf dem Teppichboden sitzt und es sich gemütlich macht. Auch ein Spaziergang ist ausgleichend und gleichzeitig alle Sinne anregend, um Steine zu entdecken, Kastanien zu sammeln und einmal bei Regen in eine Pfütze zu platschen, die Regenjacke toll zu finden, weil der Regen so schön dagegen prasselt. All das hilft auch in Bewegung Stress runterzufahren.  Dieses natürliche Beisammensein ohne Terminvorgaben und Action ist für alle Familienmitglieder ein Freizeitangebot, das nichts kostet, Freude macht, das Immunsystem stärkt und entspannt.

Wenn ich Eltern von diesen Aktivitäten berichte, ist das Staunen erst einmal groß, denn Zeit ohne Animation, ohne besondere Aktivitäten wird öfters als „tote Zeit“ beschrieben. Und doch erinnern sich die Eltern auch an ihre eigene Kindheit und berichten, wie sie selbst früher gespielt haben. Aber dies sei kaum noch in unserer Zeit möglich, berichten sie mit Unbehagen, weil heute bei allen Aktivitäten ein besonderer Kick gefragt sei. Bei solch langweiligen Aktionen, so vermuten sie, würde es dann richtig drunter und drüber zugehen und ihre Kinder seien dann gar nicht mehr zu bändigen.

Die Angst ist so groß, dass eine Zeit vergehen muss, um dieses ungeheuerlich fremd Wirkende einfach auszuprobieren – denn eigentlich kann ja nichts passieren – es kann tatsächlich wirbelig werden – und das tut es ja zumeist schon, wenn die Eltern alle Arten von Fun und Amüsement ausprobiert haben – bereichernd kann die Erfahrung sein,  als Familie mehr über sich selbst und die Kinder zu erfahren – das ist Einfühlung.

Achtsam sein - Grenzen anerkennen

Und wenn der Moment in der Beratung kommt, wo Eltern bewusst wahrnehmen und annehmen können, dass die gestressten Kinder auch zurecht außer Rand und Band sind, es Streit ohne Ende um jede Kleinigkeit gibt und die Kinder nicht das Problem sind, sondern die Eltern selbst gefordert sind  eine echte Grenze zu markieren, sind sie auch zuerst erstaunt. Dann haben Eltern auch eine Einsichtsfähigkeit für dieses komplexe Geschehen bekommen und sind bereit gesunde Grenzen zu entwickeln, um für all die Erwartungen, die Einstellung zum Leben gerüstet zu sein. Dies macht betroffen, traurig, nachdenklich, denn Werte sind in unserer Gesellschaft leider mehr und mehr auf dem absteigenden Ast. Zurück bleiben Kinder und Eltern, die unglaublich viel Kraft eingebüßt haben und auch im Coaching ihre Zweifel äußern, denn Stressspiralen, dich sich über Jahre hochgefahren haben, lassen sich nicht in ein paar Wochen abbauen.

Der Weg der kleinen Schritte

Dennoch sind immer mehr Eltern bereit ihre Lebensziele als Familie neu auszurichten, zu definieren und sie zu stärken. Und das ist genau der echte Einstieg in Veränderungsprozesse und die Bereitschaft den Weg der kleinen Schritte zu gehen, um wieder zu einer eigenen inneren Struktur und Klarheit zu finden. Und dieser Weg ist sehr individuell und kann ganz persönlich mit dem Kind und den Eltern gestaltet und begleitet werden.

All die gesellschaftlichen Veränderungen, denen sich viele Menschen kaum noch entziehen können, sind die wahren Auslöser und verlangen nach einer Ausrichtung an den inneren Bedürfnissen von Kindern mit ihren Eltern. Ein komplexes Thema – ein Artikel – der aus vielen Perspektiven beleuchtet wird – und Eltern motivieren will:

Bleiben Sie dran – Ihre Kinder sind wertvoll – Stress ist ein ernstzunehmendes Thema, das die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sehr belasten kann und nicht in chronische Stresssituationen führen darf, da er sonst zu vielen weiteren gesundheitlichen Belastungsfaktoren im Erwachsenenleben führen kann. Fahren Sie den Stress runter – täglich – halten Sie immer wieder kurz für einen Moment inne - machen Sie eine Atempause - so bleiben Sie im Hier und Jetzt und können achtsamer mit Herausforderungen umgehen.

Und wenn Sie feststellen, dass Sie es alleine nicht schaffen, holen Sie sich frühzeitig Unterstützung, denn als Therapeutin mit über 25 Jahre Beratungskompetenz betrachte ich Ihre Lebenssituation mit dem Abstand, der nötig ist. Mit dem sozial-emotionalen Familientraining HERZWESEN® – Lernen mit allen Sinnen beziehe ich insbesondere Ihre Kinder spielerisch in das Thema Stress mit ein und vermittle Ihnen als Eltern Methoden zum Stressabbau und Handlungsstrategien aus der täglichen Praxis.    

Ihre Kinder sind es wert in dieser multimedial geprägten Welt Ruhe- Ausgleich- und Geborgenheit in der Familie zu erfahren.

Autor: Marie-Anne Raithel
Thema: Stressbewältigung bei Kindern
Webseite: https://www.herzwesen.de

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