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Beim Thema traumatisierte Hunde denken viele Menschen zuerst an Tiere aus dem Ausland und/oder dem Tierschutz. Ein Trauma bezeichnet aber jegliche Verletzung des Körpers – das kann seelisch oder auch körperlich passieren.

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Deshalb kann grundsätzlich jedem Hund ein Trauma wiederfahren.  Körperliche Traumata geschehen durch Unfälle, Verletzungen und Gewalteinwirkungen, die z.B. Knochenbrüche und Wunden nach sich ziehen. Meistens wird der Begriff Trauma allerdings im psychischen Zusammenhang gebraucht, worauf sich auch der folgende Text bezieht. Hierbei handelt es sich um Situationen, die oft mit starker seelischer Über- oder auch Unterforderung  einhergehen. Als Beispiel für eine Unterforderung kann man sich den Hund vorstellen, der jahrelang an einer Kette oder im Zwinger gehalten wurde, ohne jegliche Abwechselung oder äußere Reize. Eine Überforderung hingegen kann beispielsweise durch Ängste und zuviele Reize entstehen. Hier seien zu viele Hunde auf zu engem Raum genannt oder auch ein Training, welches nicht auf das Leistungsvermögen des Hundes abgestimmt ist.

Wie erkenne ich ein Trauma beim Hund?

Leidet der Hund an einem Trauma, können sich verschiedenste Verhaltensauffälligkeiten und auch körperliche Probleme zeigen. Es gibt Hunde, die eher passiv reagieren – zum Beispiel mit einer geduckten Körperhaltung, Unsicherheit, aufgerissenen Augen, Rückzug, häufigem Beschwichtigen oder auch mit Übersprungshandlungen. Auf der anderen Seite gibt es die aktiven Verhaltensmuster, wie zum Beispiel Hyperaktivität, Aggressivität, vermehrte Lautäußerungen bis hin zum körperlichen Angriff. Probleme können sich aber auch in körperlichen Symptomen wie Zittern, Gähnen, Hautproblemen oder Verdauungsproblemen zeigen. Reagiert der Hund in bestimmten Situationen mit immer dem gleichen untypischen, unerwünschten oder stereotypen Verhalten, dann kann es daran liegen, dass diese Gegebenheit mit einer negativen Erfahrung verknüpft ist und ein Trauma vorliegt. Diese Situationen können grundsätzlich immer im Alltag auftreten und erheblichen Stress bei Mensch und Hund auslösen, da die Hunde in dem Moment meist wenig bis gar nicht ansprechbar oder abrufbar sind.

Haben alle Auslandshunde ein Trauma?

Nein, nicht alle Auslandshunde sind traumatisiert. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch – dadurch, dass zum Beispiel die Muttertiere während derTrächtigkeit und der Aufzucht oft Stress und Angst empfinden. Seelische Wunden können sehr tief sitzen, wenn diese in der Prägezeit der Welpenphase durchlebt werden. Andere Traumata entstehen durch teils katastrophale Fütterungs-  und Haltungsbedingungen, durch hohe Besatzdichten in den Auffangstationen vor Ort, Bewegungseinschränkungen und auch Misshandlungen. Nicht zu vernachlässigen ist aber auch der „Kultur-Schock“, wenn die Tiere in Deutschland in eine für sie völlig neue Welt kommen. Für uns Menschen mag diese Welt besser erscheinen, aber für den Hund fällt erst einmal alles Bekannte weg, was Sicherheit gegeben hat. Er muss die neuen Eindrücke einordnen und auch verarbeiten.

Was sollte ich als Tierhalter tun, wenn ich einen traumatisierten Hund aufnehme?

Erfahrung in der Hundehaltung ist auf jeden Fall von Vorteil, da ein traumatisierter Hund größere Anforderungen an die Betreuung stellt und es leichter fällt, das Tier richtig einzuschätzen. Manchmal reichen viel Geduld, Liebe, sowie eine artgerechte Fütterung und Haltung schon aus, damit sich verhaltensauffällige Tiere gut eingewöhnen und Vertrauen fassen können. Diese Phase kann unterschiedlich lang dauern. Es ist wichtig, den Tieren die Zeit zu geben, die sie brauchen und eine gute Einbindung in die Familie zu schaffen.

Kann ich einen traumatisierten Hund aufnehmen, wenn ich schon andere Tiere halte?

Für den traumatisierten Hund geht es erst einmal darum, den Alltag stressfrei zu bewältigen. Hilfreich wäre deshalb ein toleranter, älterer, ruhiger Hunde- oder Katzenpartner und natürlich ein souveräner Halter, sowie ein geregelter Tagesablauf. Damit haben auch sehr unsichere Tiere die Möglichkeit, Vertrauen aufzubauen.

 Was kann ich tun, wenn der Hund mehr Unterstützung braucht?

  • Nehmen Sie auf jeden Fall Hilfe durch einen Hundeverhaltenstrainer in Anspruch. Dieser unterstützt dabei, den Hund auf ein Stress-Level zu bringen, auf dem er wieder aufnahmebereit, ansprechbar und reaktionsfähig ist. Ein guter Trainer fördert sowohl den Hund, als auch den Menschen- um damit ein gut eingespieltes Team zu schaffen. Auch der Tierhalter muss bereit sein an sich zu arbeiten, denn Kommunikationssprobleme gibt es meist an beiden Seiten der Leine! Viele Tierhalter berichten, dass sie durch das intensive Training im Hund-Mensch-Team auch viel über sich selbst lernen durften. Wenn man diesen Prozess als Geschenk betrachtet, ebnet man den Weg für eine tiefe und vertrauensvolle Beziehung.

  • Klären Sie den Gesundheitszustand des Hundes ab und ziehen Sie hierfür gern Tierarzt und Tierheilpraktiker zur Rate. Für die ganzheitliche Betrachtung des Hundes ist es hilfreich, sowohl die schulmedizinische, als auch die naturheilkundliche Meinung einzuholen. Ein Hund, der zum Beispiel an Schmerzen oder einer Allergie leidet, hat dadurch körperlich und psychisch Stress und kann wiederum Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Aus naturheilkundlicher Sicht gibt es viele Möglichkeiten, körperliches und psychisches Wohlbefinden zu unterstützen. Sowohl Homöopathie, als auch Bachblüten und Pflanzentherapeutika werden sehr erfolgreich in der Therapie traumatisierter Tiere eingesetzt.

  • Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor, ist eine gut eingestellte Fütterung. Der Zusammenhang zwischen Ernährung und Psyche ist sowohl für Menschen, als auch für Tiere erwiesen. Eventuell sind die Vorgeschichte und damit auch die Futtergewohnheiten des Hundes unbekannt. Je nach Gesundheitszustand des Tieres wird ein passendes, hochwertiges Futter ausgewählt.  Optimalerweise handelt es sich nicht um ein Trockenfutter, da dieses auch mit besten Zutaten keine artgerechte Fütterung darstellt. Eine Ergänzung des Futters mit Omega 3 – Fettsäuren erweist sich oft als hilfreich, da diese positiv auf Gehirn, Herz und Psyche wirken. Ebenso kann auch die Aminosäure Tryptophan, welche antidepressiv und beruhigend wirkt, ergänzt werden.

Kann man ein Trauma auch direkt lösen?

Eine vergleichsweise neue Methode zur Unterstützung traumatisierter Hunde stellt die Trauma- bzw. Emotionslösung dar. Diese Therapieform basiert auf dem Prinzip des amerikanischen Arztes und Wissenschaftlers Dr. Bradley Nelson und nennt sich der „Emotionscode“. Er geht davon aus, dass negative Emotionen im Körper gespeichert werden und diese sogenannten emotionalen „Altlasten“ für psychische und körperliche Probleme sorgen. Man kann diese eingelagerten Emotionen ausfindig machen und danach auch direkt aus dem Körper lösen. Die Effekte dieser Lösung zeigen sich oft verblüffend schnell und nachhaltig – sowohl bei Menschen, als auch bei Tieren.

Was mache ich, wenn gar nichts hilft?

In einigen Fällen heilen die seelischen Wunden nie ganz aus. Die Herausforderung besteht darin, Kompromisse zu finden und vielleicht auch eventuelle Einschränkungen zu akzeptieren. Mit Geduld und Beharrlichkeit lassen sich auch diese Situationen meistern. Man sollte sich bewusst sein, dass man keine Dankbarkeit erwarten darf, wenn man einen traumatisierten Hund zu sich nimmt. Eine Erwartungshaltung ist immer eine schlechte Basis für eine vertrauensvolle Beziehung. Das beste Rezept ist – Geduld und Offenheit für Neues. Wenn man als Halter allerdings merkt, dass man an die Grenze seiner Belastbarkeit gerät und dadurch eventuell kein fairer Umgang mit dem Hund mehr möglich ist - dann sollte man darüber nachdenken, das Tier einem Menschen zu überlassen, der eine andere Basis mit ihm finden kann. Es ist selbstverständlich, dass diese Möglichkeit nicht voreilig und leichtfertig in Betracht gezogen werden sollte. Auch Vorwürfe sind in diesem Prozess fehl am Platz. Man hat die Verantwortung für ein Lebewesen übernommen und jeder Schritt will gut überlegt sein. Jeder Tierhalter muss für sich die Entscheidung treffen, welchen weg er gehen möchte und was sich für ihn richtig anfühlt.  Lieben heißt manchmal auch gehen lassen.

Wie hoch sind die Chancen, das ein traumatisierter Hund wieder glücklich wird?

Die wunderbare Nachricht ist – die meisten Hunde gewinnen mit den richtigen Maßnahmen sehr schnell an Vertrauen und Selbstbewusstsein. Vergangene Traumata werden verarbeitet und gelöst durch viele positive Erlebnisse. Tierhalter berichten von sehr innigen Beziehungen zu vormals traumatisierten Hunden. Der Weg dahin ist natürlich nicht immer leicht, aber jeder Schritt lohnt sich. Und – welche Beziehung ist schon perfekt? Letzendlich sind es Ecken und Kanten, die Lebewesen und Beziehungen interessant und lebendig machen.

Autor: Manja Benedict
Thema: Trauma beim Hund
Webseite: https://www.tierheilpraktikerin-benedict.de

Autorenprofil Manja Benedict:

Tierheilpraktikerin mit den Schwerpunkten Tierkommunikation, Emotions-und Traumalösung, Akupunktur, Homöopathie und Kraniosakraltherapie. Seit 8 Jahren mit mobiler Tierheilpraxis für Hunde, Katzen, Pferde und Rinder in Schleswig-Holstein tätig.

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