Der Zeichner E.O. Plauen stellte in den 1930er Jahren die erfolgreichste Zeitungscomicserie unter dieses Motto - ein Buchbestseller bis heute.

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„Ja, wenn der Vater mit dem Sohne“ – ebenfalls ein geflügeltes Wort. Hier war es Titel eines sehr populären deutschen Films mit Heinz Rühmann aus den 1950er Jahren.

In den 1970ern sang Popstar Cat Stevens einen seiner populärsten Songs, der bis heute täglich im Radio zu hören ist: „Father and Son“.

Väter von heute haben gute Möglichkeiten, eine wunderbare Beziehung zu ihrem Sohn aufzubauen. Hierzu eine interessante aktuelle Zahl: Fast 36 Prozent der Väter nehmen sich heute eine Elternzeit. Vor zehn Jahren waren es noch 15 Prozent weniger! Aber wie füllen die neuen Väter ihre Rolle mit Leben?

Vater von Anfang an

Männer begleiten heute die Schwangerschaft ihrer Frauen mit Selbstbewusstsein und Selbstverständnis. So ist auch der Platz des Mannes bei der Geburt an der Seite seiner Frau. Für alle Beteiligten ist es so ein bindungsstiftendes Geschehen: Der Vater nimmt sich von Beginn an beschützend seines Neugeborenen an. Bis ein Kind ICH sagen und so auch denken und fühlen kann, ist es zwar mehr mit der Mutter verbunden. Die Rolle eines Vaters ist nach dem britischen Bindungsforscher John Bowlby dennoch, von Beginn für das Kind verlässlich da zu sein. Das heißt konkret:

  • körperliche und emotionale Präsenz
  • auf Signale des Kindes verlässlich und angemessen reagieren
  • dem Kind Geborgenheit und Sicherheit geben
  • Balance zwischen Nähe und Distanz finden

Wenn anfangs die Frau die elementare Bezugsperson für ein Kleinkind ist, sollte dies einen Vater weder irritieren noch kränken. Was er jetzt auch seiner Frau Gutes tut, kommt allen zu Gute.

Viele gute Vater-Sohn-Kontakte sind aber jetzt schon möglich:

  • Aus- und Anziehen, Pflegen, Baden und Wickeln: Väter sollten diese Chancen nutzen für innigen Bindungsaufbau durch Körperkontakt und intime Vertrautheit.

  • Sprechen, Vorlesen, Lachen und Singen: Kinder mögen die tiefe Vaterstimme, sie kennen sie schon aus der Zeit vor der Geburt. All dies fördert auch die Sprachentwicklung des Kindes.

  • Füttern: Diese versorgende Handlung, in Ruhe und Liebe gegeben, schafft tiefe Bindung. Liebe geht unter die Haut und auch „durch den Magen“.

  • Tragen, Wiegen und Halten: Eine tiefe Form, Bindung aufzubauen. Als Erwachsene sagen wir im positiven Falle noch immer: Ich fühle mich gehalten und getragen.

  • Toben und Rangeln: Kinder lieben das, es gibt ihnen Energie, Mut sich auszuprobieren und Selbstbewusstsein für Konflikte. 

Väterlicher Begleiter in die Polarität

Bis zum 3. Lebensjahr bilden Mutter und Kind eine sehr enge Zweisamkeit. Bis dahin beginnt ein kleines Kind erst langsam, sich und die Umwelt als etwas Verschiedenes wahrzunehmen.

Wenn ein Kind ICH sagt, entsteht gleichzeitig ein DU. Hat ein Kind Mutter und Vater, sind es zwei DUs. Diese Entwicklung in eine Dreiheit nennt die Psychologie Triangulierung. Ein Kind wird Mutter und Vater unterschiedlich erleben, und das ist gut so. Traditionell zeigt ein Vater seinem Sohn Wege in die Welt.

Dies sind die Dinge, die dem Vater selber von Herzen wichtig sind: Sport, Basteln, Angeln – je mehr Freude es dem Vater macht, umso mehr kann ein Sohn begeistert werden. Mit zunehmendem Alter ist es wichtig, als Vater auch an ihm fremden Aktivitäten seines Sohnes Interesse zu zeigen. Auch wenn es anfangs schwerfällt, hier ist die Chance für Väter, den eigenen Horizont zu weiten. Und so wunderbar es anfangs den Vätern ging, so erleben auch Söhne das Teilen der Begeisterung an einem Thema als wertvolle Bindungsenergie. Nur wenn Väter den Söhnen auch mal die Führung lassen, lernen diese zu führen.   

Für alle Epochen gilt: Gemeinsame Vater-Sohn Zeit ist immer Qualitiy Time. Das heißt für Väter konkret:

  • gemeinsame Zeit einplanen,
  • diese verlässlich freihalten und
  • sich mit voller Präsenz eingeben.

Beispielsweise nebenher über ein Arbeitsprojekt grübeln, telefonieren und Mails checken sind No-Gos. Ein Kind spürt, ob ein Gegenüber wirklich voll bei ihm und einer gemeinsamen Sache ist. Nur dann greifen alle die hier gegebenen Anregungen für Aufbau einer Bindung. 

Vater als Vermittler männlicher Prinzipien

Das Väter mit ihren Söhnen in gute Beziehung gehen ist heute umso wichtiger, da in Institutionen von Kita bis Gymnasium die Frauen stärker vertreten sind. Die Psychologin und Autorin vieler Elternratgeber Karin Grossmann betont: Väter müssen dennoch nicht bessere oder andere Mütter werden.

Geschlechtliche Rollenverteilung ist heute nicht mehr so strikt an Klischees orientiert. Dies entspricht auch der Realität, da wir alle, ob Mann oder Frau, einen weiblichen und männlichen Teil in uns haben.

Die Polarität zwischen Mutter und Vater ist wichtig. Wie Eltern das aufteilen bleibt eine individuelle Entscheidung: Wenn ein Vater gerne kocht und einfühlsam und kommunikationsstark ist, dann sind das seine wertvollen und nur „vermeintlich“ weiblichen Beiträge als Vater. Eine Mutter kann dann in der Gegenbewegung dazu einem Sohn gerne das Angeln und Fahrradreparieren beibringen. 

Vater und Sohn auf Augenhöhe

Der erwähnte Song „Father and Son“ besteht aus einem leidenschaftlichen Dialog zwischen Vater und Sohn. Beide vertreten ihre Sicht der Welt, die manchmal auch unauflöslich verschieden ist. Das darf sein. Wenn Vater und Sohn durch die frühen Jahre vertrauensvoll verbunden sind, hält diese Bindung auch Unterschiede, Konflikte und Ablösung aus: Eltern müssen mit zunehmendem Alter ihrer Kinder lernen, sie auch gehen zu lassen – in Welten, die nicht ihre sind und die sie nicht verstehen. Nur so kommen Kinder gerne zurück und berichten. Dann sind auch später Kontakte nach dem Auszug der Kinder keine „Pflichtbesuche“. Sie kommen gerne, weil sie etwas zu teilen haben. Väter sollten ihre Arme offenhalten, egal was der Sohn in seiner Welt da draußen tut. Das gilt besonders in der für alle nicht einfachen Phase der Pubertät. Dass der Sohn da draußen jetzt eine Welt hat und seine Dinge auf seine Art als Mann vollbringt, das ist dann auch väterlicher Verdienst und Zeichen gelungener Vaterschaft. Das gelingt nicht immer: Manch Frau beklagt, dass ihr Partner immer Sohn geblieben ist und ihnen so kein richtiger Mann sein kann.

Im besseren Fall einer gelungenen Vater-Sohn-Bindung bleibt diese lebenslang erhalten. Ein Vater kann dann seinem Sohn immer väterlicher Freund, Mentor und Kumpel sein. Auch die Vaterschaft des eigenen Sohnes wird davon sehr profitieren. Mögen sich die Ansichten und Moden der Generationen wandeln – skizzierte Bindungsmöglichkeiten bleiben im Grundsatz immer bestehen.

Auch nach Trennung Vater bleiben

Im erwähnten Film mit Heinz Rühmann hat dieser ein wunderbares Verhältnis zu einem Jungen, dessen leiblicher Vater er nicht ist. Dies zeigt, dass die leibliche Vaterschaft nicht Bedingung für eine gute Bindung zwischen Mann und Junge sein muss. In der heutigen Zeit, in der Scheidungen und sogenannte Patchworkfamilien nicht selten sind, ist dies Chance, aber auch Aufgabe für alle Beteiligten. Geschiedene Väter tun gut daran, zu den eigenen Kindern und eben zu einem Sohn eine gute Bindung zu behalten. Drei Grundgedanken sind dafür hilfreich:

1.) Eine Trennung gemeinsam tragen

Gehen Mutter und Vater getrennte Wege, bleiben sie dennoch Eltern. Das sollte in neuen Wohn- und Lebensformen nach einer Trennung ausgehandelt und geregelt werden. 80 Prozent aller sich trennender Eltern schaffen das auch. Dies sollte mit jedem Kind klar und deutlich besprochen und durch entsprechendes Handeln emotional bestätigt werden. Wenn es hakt, sollte man nicht zögern, sich Hilfe oder auch rechtlichen Beistand zu suchen.

2.) Neue Konstellationen akzeptieren und begrüßen

Das Wohl eines Kindes sollte in allen neu entstehenden Konstellationen bedacht werden. Väter können weiter verlässlich Kontakt zum Sohn halten. Auch wenn es schwerfallen sollte ist es wichtig und gut, neue Partner der Mutter zu respektieren. Ein Kind sollte frei sein, weiterhin Mutter, Vater und neue Bezugspersonen gleichermaßen zu mögen und mit ihnen sein zu dürfen. Schlecht reden mit dem Sohn über Abwesende ist absolut tabu. Dennoch kann auch ein geschiedener Vater selbstbewusst und klar seine neue Position finden und seine veränderte Vaterrolle kraftvoll leben. Ein Rückzug aus der Vaterrolle wegen Scham- und Schuldgefühlen ist unnötig und sehr schädlich für ein Kind.

3.) Trennung als Neuanfang verstehen

Kinder wünschen sich, dass Papa und Mama zusammen sind und bleiben. Wenn das nicht mehr geht, ist das für jedes Kind ein schmerzlicher Verlust. Das sollte akzeptiert und nie wegdiskutiert werden. Wenn die neue Situation im oben genannten Sinne gestaltet wird, kann eine Trennung auch ein positiver Neubeginn sein. Kinder spüren Spannungen und Zerwürfnisse zwischen den Eltern, auch wenn diese jede Negativität vor ihnen verstecken. Da kann eine Trennung mit Klärung und Abbau von Spannungen und Negativität auch positiv wirken. Marc Schulte vom Väterzentrum Berlin sieht es so:

„Es ist eine Chance für Väter, ihre Beziehung zu den Kindern neu aufzustellen und zu intensivieren.»

Autor: Patricia Heinz
Thema: Vater Sohn Beziehung
Webseite: https://patriciaheinz.com, http://www.heinz-coaching.de

Quellen:

  • https://www.leben-und-erziehen.de/familie/familienleben/vater-kind-bindung-990187.html
  • https://www.berlin.de/special/familien/4325485-2864562-vatersein-trotz-trennung-12-tipps-fuer-e.html

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