Der Neurobiologe und Autor Manfred Spitzer redet seit Jahren schon von digitaler Demenz, jeder hat heute ein Smartphone, nur grenzt es wirklich an Verdummung, wenn die Menschen mit nichts anderem mehr klar kommen.

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Es sind leider keine Geschichten, sondern Tatsachen, dass die jungen Menschen nicht mehr belastbar sind, sich nicht mehr konzentrieren können und sich nicht mehr organisieren können. Selbstverständlich sind nicht alle Menschen so, aber immer mehr. Beobachten Sie mal in der Straßenbahn, wie viele Menschen es noch gibt, die nicht sofort ihr Handy zücken.

Ich hörte von einem Bekannten, als er eine neue Auszubildende eingestellt hat, dass sie bei einem eingehenden Anruf und Fax wirklich gefragt hat: "Oje, da kommt ein Fax und ein Telefonanruf, was mache ich denn jetzt zuerst?"

Oder ein Auszubildender einer anderen Firma einen Rückruf der Firma erwartet, wenn er krank ist. Er wurde mittags angerufen, wo er denn sei und was los ist. Er reagierte daraufhin: Endlich ruft mich mal jemand an, ich kann doch nicht telefonieren, ich habe nur noch ne Internetflatrate und kein Guthaben zum Telefonieren.

Das sind sicherlich und hoffentlich Extrembeispiele, aber unsere Gesellschaft verarmt an fehlender Kommunikation, immer weniger echten Kontakten mit den Mitmenschen und auch an Respekt und Höflichkeit den anderen gegenüber, eben immer weniger ein Miteinander. Die Wahrnehmung und die Achtsamkeit für sich selbst und anderen wird immer weniger.

Natürlich benötigt jeder Mensch eine Bildung und Vorbereitung auf das Berufsleben, das in der Schule übermittelt werden muss und soll, aber ist es nicht an der Zeit, den Bildungsinhalt anzupassen? Da selbst in der Schule mit digitalen Medien wie z.B. White Boards statt Tafeln gearbeitet wird, ist kaum noch jemand in der Lage, 147 + 287 =  im Kopf zu rechnen.

Es ist gut und wichtig, dass jungen Menschen die digitalen Medien näher gebracht werden, da unsere Welt mittlerweile so funktioniert, aber eine gesunde Mischung wäre wichtig.

Es ist sicher nicht notwendig, dass wir im Kopf Wurzeln rechnen können, dennoch sollte ein normaler Dreisatz oder das 1x1 noch drin sein, ich finde, eben Dinge, die man im Alltagsleben brauchen kann.

Jeder Mensch hat das Recht, eine gute Bildung zu genießen, das müssen aber nicht Studierte und oftmals Theoretiker sein, wir haben sowieso schon einen Facharbeitermangel.

Uns stehen immer mehr Technologien zur Verfügung und vieles wurde erfunden, um dem Menschen das Leben zu erleichtern. Nur unsere schnelllebige Zeit führt dazu, dass wir immer weniger Zeit haben oder uns weniger Zeit nehmen für die wirklich wichtigen Dinge.

Dazu gehört Zeit, Kommunikation, Selbstreflexion und auch mal Innehalten und sich für sich selbst Zeit nehmen, um nicht im Burnout zu landen.

Nicht nur das Berufsleben produziert immer mehr Stress, sondern wir Menschen selbst auch.

Ich habe Menschen gesehen und gesprochen, die nicht einfach mal abends entspannt eine halbe Stunde im Wald in der Natur spazieren gehen können, sondern die sagen, ich  muss in einer halben Stunde die Wegstrecke XY geschafft haben; also eigener Druck, Erwartung und nicht diese Zeit einfach mal genießen können und mit Freude dem Vogelgezwitscher zuhören.

Mir wurde eine Geschichte von einem Förster erzählt, der Waldführungen für Schulklassen anbietet. Er wurde von einem jungen Mädchen gefragt: Herr Förster, wann macht denn der Wald auf, den würde ich gerne meinem Papa zeigen, der hat aber nur spät abends Zeit....

Die meisten Fünfjährigen oder schon früher haben die typische Wischbewegung auf dem Handy in Fleisch und Blut, wie vie viele davon haben noch kein Eichhörnchen im Wald gesehen?

Der ehemalige Schuldirektor Ernst Fritz-Schubert hat 2007 an seiner Schule in Heidelberg das Unterrichtsfach "Glück" entwickelt. Heute gibt er das Konzept in seinem pädagogischen Institut an andere Lehrer weiter.

Er sagt, viele Studien belegen, dass Menschen, die glücklich und zufrieden sind, weniger streiten, gesünder, aufnahmefähiger und kreativer sind. Das Schulfach Glück dient dazu, die Persönlichkeit zu stärken.

Weiterhin meint er, entgegen aller Erkenntnisse der Psychologie behandeln viele Pädagogen ihre Schüler wie „Lernmaschinen“, die vorgegebene Inhalte reproduzieren. Aber wenn Lehrer sich nicht als Fehlersucher, sondern als Schatzsucher verstehen, hat das positive Auswirkungen für beide Seiten.

Kinder werden von Eltern erzogen, und viele Eltern meinen heute, dass Erziehung in die Schule gehört. Eltern nehmen sich oftmals nicht mehr ausreichend Zeit für ihre Kinder, um ihnen wirkliche Werte mitzugeben. Es ist ganz sicher eine Herausforderung, wenn beide Elternteile berufstätig sein müssen, diesen Spagat zu meistern, und vor diesen habe ich auch wirklich hohe Achtung.

Wenn schon die Eltern keine Zeit mehr finden und dieses Leben weiter vermitteln, ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Kinder genauso groß werden und das so übernehmen.

Und ich durfte mich als Kind noch dreckig machen, mit zerrissenen Hosen und blutigen Knien nach Hause kommen und meine Kindheit mit Freude leben und hatte Spaß, habe die Natur kennen und schätzen gelernt, viele dürfen das heute nicht mehr.

Zeit haben wir alle am Tag gleich viel, doch wie nutzen wir sie, effizient und auch so, dass wir für einen persönlichen Ausgleich sorgen?

Ich persönlich würde gerne Methoden wie Access Consciousness - Zugang zum Bewusstsein - als Schulfach sehen.

Diese Methode wurde schon vor 30 Jahren von dem Amerikaner Gary Douglas entwickelt, die viele Werkzeuge beinhaltet, mit denen wir unsere Ansichten und somit auch unsere Bewertungen verlieren, eine Situation so sehen könnten, wie sie ist ohne Wertung.

Eine Methode, mit der wir lernen, so sein zu dürfen und können, wie wir sind und somit Freude und Leichtigkeit in unser Leben integrieren können.

Ich habe  in den letzten Jahren so viele schöne Veränderungen an den Menschen gesehen, die sich dafür geöffnet haben und damit arbeiten, dass es einfach nur Freude macht, diese Werkzeuge weiter zu geben.

Neben Schulfächern wie "Glück" oder auch "Soziale Intelligenz" wäre das eine tolle Veränderung, damit wir alle wieder die Möglichkeit hätten, Freiheit im Kopf zulassen zu können, Freude und Werte in unserem Leben haben, die das Leben lebenswert machen und ein Leben mit Leichtigkeit haben, in dem nicht nur alles schwer ist und wir nicht "funktionieren" müssen.

Wie viel freudiger und leichter könnte unser Leben sein, wenn wir wieder mehr zu unserem wahren Kern kommen könnten?

Autor: Franziska Helling
Thema: Was sind pädagogische Ziele
Webseite: http://www.loop-praxis.de

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