Die verschiedenen Beziehungen, die es unter Menschen gibt...

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Bei dem Wort „Beziehung“ denken die von mir spontan befragten Menschen als Erstes an die Beziehung zum Ehe- oder Lebenspartner, bzw. zum Sexualpartner. Erst nach einem kurzen Moment der Überlegung kommen uns weitere Beziehungen in den Sinn.

Was ist eine „Beziehung“?

Hierzu gibt es etliche Definitionen, je nachdem, mit welchem Filter wir uns eine Beziehung anschauen wollen: es gibt pädagogische, psychologische, soziologische, wissenschaftliche Definitionen, die des Dudens und unsere eigenen.

Sicherlich können wir uns darauf einigen, dass der Begriff „Beziehung“ eine Verbindung beschreibt. Eine Verbindung oder einen Kontakt zwischen einzelnen Menschen/Personen oder auch zwischen Gruppen. Diese Verbindung entsteht, sobald wir  im Denken, Fühlen und Handeln auf ein Gegenüber treffen, welches uns hier ähnlich ist. In diesem Moment fühlen wir uns angenommen, verstanden, zugehörig und es beginnt ein Wohlfühlen mit dem anderen Menschen- meist mit dem Wunsch, eine „Beziehung“, eine „Verbindung“ herzustellen. In einer Beziehung zeigen wir Interesse, Fürsorge und Rücksichtnahme für den anderen Menschen, fühlen uns verbunden. Dieses Gefühl ist nicht beschränkt, derartige Beziehungen können zwischen Lebenspartnern, unter Kollegen, Freunden, im therapeutischen Kontext, oder auch im Rahmen einer biographischen Situation (Alleinerziehende, Verwitwete, sexuelle Präferenzen) entstehen und wachsen.

Was verstehen wir unter dem Wort „sozial“? 

Auch diese Definition kann unterschiedlich aussehen: einerseits ist es auf die Art und Weise bezogen, in der Menschen innerhalb einer Gesellschaft zusammen leben, andererseits kann man es dahingehend deuten, dass etwas dem Wohle der Allgemeinheit und insbesondere den ärmeren und schwächeren Menschen dient; sozial ist also auf die Gesellschaft bezogen.

Allen sozialen Beziehungen ist also gemein, dass wir „ähnlich gestrickt“ sind, uns mit dem Gegenüber wohlfühlen und Kontakt wünschen. Wir interessieren uns füreinander, zeigen Fürsorge und Wohlwollen. Beziehungen jeglicher Art sind flexibel, nicht statisch. „Panta rhei“- du steigst nicht zweimal in denselben Fluss, es treffen niemals dieselben Personen aufeinander. Dafür haben wir neben unseren „festen“ Beziehungen auch diverse andere Kontakte, die – bei näherer Betrachtung vielleicht doch enger sind, als bisher gedacht, die – vielleicht doch emotional belegt sind, obwohl das zunächst doch deutlich verneint worden wäre.

Wo zwei Individuen aufeinander treffen, findet Begegnung statt. Wenn die Chemie stimmt, kann eine Verbindung, eine Beziehung, entstehen.

Welche sozialen Verbindungen haben wir?

Wie eingangs erwähnt, denken viele zunächst an den Ehepartner, den Lebenspartner oder den Sexualpartner. Da sich verschiedene Beziehungsmodelle aktuell gesellschaftlich etablieren, können die drei genannten Verbindungen tatsächlich mit drei verschiedenen Menschen gelebt werden. Es ist nicht mehr  -wie in vorangegangenen Generationen- zwingend erforderlich, dass mit einem Gegenüber alle Bedürfnisse einer Lebens- und Liebesbeziehung erfüllt werden.

Ausformuliert bedeutet das, dass ich mit einem Menschen zusammenleben kann, der weder mein Ehepartner noch mein Sexualpartner ist und dass trotzdem eine erfüllende Beziehung gelebt wird. Es entspricht nicht einmal mehr gesellschaftlicher Norm, dass alle diese Verbindungen und Lebensmodelle in gegengeschlechtlicher Kombination gelebt werden!

Liebesbeziehungen sind Beziehungen mit dem zusätzlichen Aspekt der sexuellen Intimität können romanisch emotional, platonisch, erotisch oder auch sexuell ausgelebt werden. Darüber hinaus gibt es platonische Liebesbeziehungen, die ohne sexuellen Kontakt stattfinden, auch dies kann hetero- oder homosexuell gelebt werden, ebenso in der Kombination bisexuell. Kaum bekannt ist die pansexuelle Liebesfähigkeit, bei der Menschen zu jeder Geschlechtsidentität romantische Gefühle entwickeln können. Der Schwerpunkt in der Sapiosexualität liegt in der erotischen Hingezogenheit zum Intellekt des Partners.

Selbstverständlich gibt es erotische (Liebes-) Beziehungen ohne oder mit nur einseitiger Erlaubnis zu Körperkontakt, mit oder ohne klassische Sexualität: Im Bereich des BDSM zeigt sich eine weiter Vielfalt verschiedener Beziehungen. (BDSM ist der Sammelbegriff für eine Mischung verschiedener Sexualpräferenzen).

Unter der Überschrift mit der Frage nach sozialen Beziehungen ist hiermit nur ein Aspekt beleuchtet worden. Die Beziehungen ohne erotische oder romantische Liebe nehmen einen ebenso großen Raum ein:

An erster Stelle sollte aus meiner Sicht die Beziehung zu mir selbst stehen. Kenne ich mich und meine Bedürfnisse? Welche Richtung möchte ich meinem Leben geben? Was möchte ich bewusst leben, was nicht? In meiner therapeutischen Arbeit mit Menschen erlebe ich häufig eine Aufzählung dessen, was nicht gewünscht ist, was keinesfalls mehr geduldet wird und warum. Viel seltener begegnen mir tatsächlich Menschen, die sich und ihre Bedürfnisse kennen und in ihrem Leben die entsprechenden Impulse umsetzen.

Außer der Vielfalt in klassischen oder alternativen Paarbeziehugen haben wir in der Regel eine Vielfalt weiterer Kontakte:

Die Familie, das direkte Lebensumfeld, im weitesten Sinne die Herkunftsfamilie, die eigene Familie, die angeheiratete, verschwiegerte, verschwägerte Familie, bei Patchworkfamilien die „Bonusmutter/den Bonusvater“ und meist auch einige Geschwister, Schwestern und Brüder aus vorherigen Beziehungen der/des neuen Partners der Mutter bzw. des Vaters und vielleicht auch noch gemeinsame Kinder der beiden. Allein in der kleinsten Einheit unserer sozialen Beziehungen, der Familie, ist die Vielfalt sozialer Beziehungen und Bindungen schon bemerkenswert.

Darüber hinaus gibt es Beziehungen in und um unser Arbeitsumfeld herum. Wir haben Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzte, Auszubildende, Kontakte zu berufsfremden Abteilungen im Unternehmen. Auch hier ergeben sich Strukturen, Hierarchien und Beziehungen, deren Tiefe sich von anderen oberflächlicheren Verbindungen abhebt – bis hin zur Freundschaft oder zur Liebesbeziehung.

Heutzutage ist es nicht mehr selbstverständlich, das gesamte Berufsleben bei einem Arbeitgeber zu verbringen, von daher lassen sich die beruflichen Beziehungen auf das aktuelle, das vorherige und voraussichtlich auf zukünftige Arbeitsbereiche übertragen. Eine Fülle von Beziehungen.

Bisher haben wir tatsächlich nur drei Bereiche sozialer Beziehungen beleuchtet:

Familie, Paarbeziehungen sowie Verbindungen am Arbeitsplatz. Selbstverständlich sind Menschen außerdem in vielen weiteren Beziehungsmustern verstrickt. In unserer Freizeit sind wir in diversen Aktivitäten sozial verbunden, Sport und Sportvereine, indoor und outdoor, Paarsport und Gruppensport, mehr oder weniger professionell oder semi-professionell, bis zum Renter-Boule-Treff im Park....

Wir sind in Beziehung zu unseren Nachbarn,  im Wohnumfeld gestalten sich Beziehungen tatsächlich noch sensibler und intimer, da wir uns „nach Hause“ zurückziehen wollen, hier regenerieren wollen und einen sicheren Rückzugsort brauchen um zur Ruhe zu kommen und uns wohlzufühlen.

Abschließend möchte ich noch einen Aspekt erwähnen. In vielen Paarbeziehungen passiert es unbewusst oder gewollt, meist während der Anfangsphase, dass Paare sich komplett aufeinander einstellen, möglichst viel Zeit mit dem Partner verbringen wollen und eigene langjährige Freundschaften vernachlässigen. Alle Bedürfnisse an ein soziales und erfüllendes Miteinander werden an einen einzigen Menschen gebunden. Mittelfristig und erst Recht langfristig kann dies nicht gelingen. Der eine Partner kann nicht alle sozialen, erotischen, erfüllenden Rollen einnehmen. Die Liebesbeziehung wird damit überfrachtet. Bricht dann der eine Partner weg, gibt es kein tragfähiges Netzwerk. Viele fallen dann emotional in ein tiefes Loch.

Aus meiner Sicht braucht es Paarbeziehungen und Freundschaften nebeneinander. Es ist sinnvoll, freie Zeit mit anderen Menschen zu verbringen und Erlebnisse mit anderen außer dem eignen Partner teilen zu teilen. Nur wo Grenzen sind, kann Kontakt entstehen. Auch Paare brauchen gesunden Abstand voneinander damit ihre Beziehung lebendig bleibt und nicht erstickt.

Soziale Beziehungen sind flexibel, nicht statisch. Sie lassen sich in zeitliche Prozesse gliedern. So gibt es eine Phase des Aufbaus einer Beziehung,  gefolgt von der Phase des Erhalts und der Beständigkeit und schlussendlich die Phase der Auflösung.

Autor: Patricia Sprave, Heilpraktikerin für Psychotherapie
Thema: Welche sozialen Beziehungen gibt es?
Webseite: http://beziehungsweise-home.de

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