Das Thema Stress scheint in unserer heutigen schnelllebigen Gesellschaft eine immer größere Rolle zu spielen.

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Wenn man sich umschaut, egal ob im beruflichen oder privatem Umfeld, überall ist die Zeit knapp, die Menschen sind gefangen in ihrem Hamsterrad, sie sind im Stress. Ich habe den Eindruck, dass ist die neue Normalität in unserer Leistungsgesellschaft. Sogar die Kinder müssen oftmals Verabredungen von langer Hand planen und in Absprache mit Mamas XXL-Familienplaner abstimmen. Die Zeiten von spontanen Treffen mit Freunden sind im Zeitalter von Übermittagsbetreuung, Musikschule, Theater- und Selbstverteidigungskursen, Sportverein ect. leider Geschichte.  

Die Zeit von damals, als alles „besser“ bzw. anders und somit entspannter war, ist lange vorbei.  Die Frage, die ich mir stelle ist: Sind wir heute gestresster, als die Menschen es früher waren? Und wenn ja, warum?  

Ich denke ein Faktor für unseren heutigen Stress ist, dass es in fast allen Lebensbereichen ein viel größeres Angebot gibt, als früher. Schon ein Besuch im Supermarkt, kann für eine gewisse Reizüberflutung sorgen, wenn ich mich schon an der Obsttheke zwischen 8 Apfelsorten entscheiden muss. Wenn man sich dies mal bewusst macht und darüber nachdenkt, fallen einem unzählig vieler solcher Beispiele ein… Das heißt, unser Gehirn muss ständig Informationen filtern und Entscheidungen treffen, schon bei ganz banalen alltäglichen Erledigungen.

Mode gab es schon immer, aber der Hype bestenfalls mit den Influencern auf Instagram und Co. mithalten zu wollen, ist ein Phänomen der heutigen Zeit. Wir sehen täglich, top gestylte, bildhübsche Frauen oder auch Männer, die ihre gefilterten Fotos posten. Das vermittelt beispielsweise der gestressten, ungeschminkten Mutter im Alltagsoutfit nicht das beste Gefühl. Unsere Wahrnehmung von Schönheit und Mode wird dadurch beeinflusst und wir verlieren das Gefühl dafür, was Schönheit wirklich bedeutet. Vielleicht strahlt eine liebevolle Mutter, die nach der Geburt ihres Kindes noch ein paar Kilos zu viel auf den Hüften hat, aber einfach unendlich glücklich ist, über die Geburt ihres Wunschkindes, mehr Schönheit aus, als eine perfekt gestylte junge Frau, die zwar viel Make up im Gesicht trägt, aber dafür leider keinen Ausdruck.  Es soll nicht heißen, dass ich diese Posts verurteile, ganz im Gegenteil, ich finde sie sehr interessant und auch unterhaltsam. Der bewusste Umgang damit ist denke ich einfach nur wichtig.  

Neben all unseren Social Media Möglichkeiten, haben wir auch beim abendlichen TV Programm die Qual der Wahl zwischen Sky, Amazon Prime, Netflix und Co. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Wir haben also die Möglichkeit uns permanent abzulenken. Da bleibt, wenn ich sie mir nicht bewusst nehme, gar keine Zeit für mich selbst.

Ich bin weit davon entfernt, all die Errungenschaften der heutigen Zeit zu verurteilen, denn durch sie haben wir ein ungeahntes Maß an Chancen und Möglichkeiten. Meines Erachtens ist es  wichtig, um diese tollen Chancen nutzen zu können und nicht gestresst in einem Burnout zu enden, herauszufinden: Was stresst mich? Wie schaffe ich es in meiner inneren Mitte zu bleiben? Ich muss sagen, ich habe mich jahrelang gestresst gefühlt, obwohl von Aussen betrachtet mein Stresslevel für die heutige Zeit „normal“ zu sein schien.  

Der Grund für meinen empfunden Stress, lag sicherlich zum Teil im Außen, aber zu einem genauso großem Teil in mir. Mein Anspruch an mich und mein Leben war einfach ziemlich hoch. Ich wollte alles unter einen Hut kriegen: Ich hatte den Anspruch mich in meinem Job weiterzuentwickeln, eine entspannte zweifache Mama zu sein (die nicht wegen jeder Kleinigkeit genervt reagiert), ich wollte eine attraktive und interessante Ehefrau sein, nebenbei noch unsere Hunde vernünftig auslasten und erziehen und nicht unerwähnt soll die Pflege der Freundschaften bleiben. Bestenfalls bleibt auch noch Zeit für mich, für mich ganz allein. Denn wie soll all das genannte funktionieren, wenn ich mich selbst komplett aus dem Blick verliere?

Ich dachte, wenn ich nur gut genug organisiert bin und mich anstrenge, mit meinem Hang zum Perfektionismus, muss das alles doch zu schaffen sein. Andere schaffen das doch auch. Als vor einigen Jahren körperliche Symptome, wie heftige Rückenschmerzen und Herzstolpern dazukamen fing ich an, mich damit zu beschäftigen, wie ich den Stressfaktor, der in mir fest verankert zu sein scheint, reduzieren kann.  

Ich habe Bücher verschiedener Coaches gelesen zudem habe ich mich mit den Themen Achtsamkeit und Resilenz beschäftigt. Auch habe ich ein Coaching gemacht, das mir sehr geholfen hat, meinen bisherigen Weg zu verlasse. Ich habe tatsächlich angefangen, auch wenn es sich für viele Menschen komisch anhört , Zeit mit mir selber zu verbringen, ohne Ablenkung. Da dies zu Hause schwierig ist, fahre ich einfach in die Sauna. Zu Anfang fiel es mir schwer, aber irgendwann habe ich angefangen diese Zeit mit mir allein zu genießen und mir kommen jeden mal neue Gedanken in Bezug auf mein Leben.  Durch diese Zeit habe ich wieder gelernt meine innere Stimme zu hören, die im Alltag einfach untergegangen ist.  

Ich habe angefangen zur osteopathischen Behandlung zu gehen, denn durch Stress entstehen nicht nur Blockaden im Kopf, sondern auch muskuläre, die durch diese Behandlung wieder gelöst werden können. Unterstützende Wirkungen findet man auch in der Homöopathie.  

Ich habe entschlossen meinen Job zu wechseln, um mehr Zeit für die Kinder zu haben und somit entspannter und glücklicher sein zu können. Der Jobwechsel ist mir nicht leicht gefallen, aber die Priorität mehr Entspannung und vor allem mehr Zeit in mein Leben zu bringen, ist im Moment wichtiger, als die Verwirklichung im Berufsleben.  

Ich habe meine Freundschaften unter die Lupe genommen um herauszufinden, mit wem ich wirklich gerne Zeit verbringe und wer mich eigentlich noch zusätzlich stresst.Vielleicht hört es sich banal an, aber es ist so, jeder ist Steuermann bzw. Steuerfrau seines Lebens, ich habe immer einen Gestaltungsspielraum.  

Der 1. Schritt muss sein herauszufinden, wie möchte ich leben, möchte ich an meinem jetzigen Leben etwas ändern? Bin ich so glücklich und entspannt? Was brauche ich, um entspannt zu sein? Es gibt immer Ausreden, um den bisherigen Weg einfach weiter zu gehen, denn es ist der vermeintlich einfachste Weg. Aber wenn ich bereit bin, das Bekannte zu verlassen, öffnen sich ganz neue Welten. Der Preis dafür ist, das ich etwas riskieren muss.  

Durch die Coronazeit, dem unfreiwilligen Ausstieg aus dem Hamsterrad, sind wir alle dazu gezwungen worden Zeit mit uns und unserem engen Umfeld zu verbringen. Eine Ausnahmesituation, aus der man aber möglicherweise etwas mitnehmen kann.  Viele Menschen mit denen ich gesprochen habe, haben berichtet, dass sie trotz aller Umstände die entschleunigte Zeit genossen haben.  

Es gab mit Sicherheit in vielen familiären Kontexten und Beziehungen Stress durch die Zeit, die ohne Ausweichmöglichkeiten zusammen verbracht wurde. Auch, wenn dies nicht immer einfach ist, birgt eine solche Zeit die Möglichkeit zu schauen, passen die Menschen mit denen ich mein Leben teile wirklich zu mir? Was können wir vielleicht in unserer Beziehung ändern, damit es besser läuft? Können wir in dieser Zeit ohne Ablenkung vielleicht wirklich ehrlich über unsere Bedürfnisse sprechen und uns somit ganz neuen Chancen zuwenden? Oder kommen wir zudem Entschluss, dass wir schon lange keine Gemeinsamkeiten mehr haben und getrennte Wege die besseren, wenn auch schmerzhaftere Alternative wäre?

Eine Pandemie mit so großen Einschränkungen ist, keine Frage, schlicht weg schrecklich. Aber wir können auch etwas von ihr Lernen. Das Leben ist endlich und plötzlich geht es jeden etwas an. Es entsteht ein ganz neues Bewusstsein für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Denn, viel zu schnell kann es vorbei sein und spätestens dann, im Rückblick auf mein Leben, werde ich möglicherweise bereuen, nicht die alten Wege verlassen zu haben.  

Sie könnte der Weckruf für jeden einzelnen von uns sein: Was brauchst du, um entspannt und glücklich leben zu können? Mach dich auf den Weg und entspanne dich. Das Leben ist zu kurz, um gestresst deine To do Listen abzuarbeiten. Nehme deine Umwelt bewusst wahr, konzentriere dich, auf das, was du gerade tust und sei es, eine Tasse Kaffee zu trinken. Genieße sie bewusst ohne nebenbei noch drei andere Dinge zu tun.  

Um nochmal auf die anfängliche Frage zurückzukommen: Ich denke, wir haben in der heutigen Zeit ein erhöhtes Risiko in das besagte Hamsterrad aus Stress zu geraten, aber wir haben durch all die neumodischen Errungenschaften auch sehr viel mehr Möglichkeiten, als die Menschen es früher hatten. Wir müssen nur achtsam uns aufmerksam mit diesen Dingen umgehen und sie bewusst einsetzten und uns auch an einigen Stellen bewusst distanzieren.  

Das wichtigste scheint mir, den Kontakt zu mir selbst nicht zu verlieren, denn wer außer mir, kann mir die Frage beantworten, wie kann ich entspannt und glücklich leben?  Und ich glaube, das ist doch die Frage, die die meisten Menschen umtreibt. Das Glück und die Entspannung kann ich nicht im Aussen, sondern nur in mir selbst finden.  

Autor: Heike Altenhoevel, Diplom Sozialpädagogin
Thema: Stress, ein Phänomen der heutigen Zeit!?
Webseite: https://www.instagram.com/a_girl_and_a_family/

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