Haben Sie auch schon von Familienaufstellungen gehört und können sich nichts darunter vorstellen?

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In einer Familienaufstellung stellen Sie ihr inneres Bild von Ihrer Familie durch Stellvertreter im Raum nach. Sie nennen ein Anliegen, das sie hergeführt hat. Das kann ein aktuelles Thema sein, eine Entscheidung mit der Sie sich schwer tun, ein Konflikt in Ihrer Partnerschaft oder mit Ihren Kindern oder etwas, das sie schon ihr ganzes Leben begleitet und das Ihnen kostbare Lebensenergie raubt. Dieses Anliegen wird in einem kurzen Vorgespräch herausgearbeitet. Bei diesem Gespräch zeigt sich meist sehr klar, was Hier und Heute das Thema ist. Danach entscheidet sich, ob Ihre Herkunftsfamilie oder Ihre Gegenwartsfamilie aufgestellt wird. In der Regel wird diese Arbeit in einer Gruppe durchgeführt. 

Jetzt suchen Sie unter den Seminarteilnehmern die Stellvertreter für Ihre Familie aus, die sich dann nach eigenem Gefühl im Raum aufstellen. Dieses erste Bild zeigt schon sehr viel über die Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder zueinander. Stehen die einzelnen Personen sehr, vielleicht sogar zu eng beieinander? Schauen alle in verschiedene Richtungen, sind also total abgewandt? Schauen alle auf einen einzigen Punkt oder auf den Boden? Wer steht bei wem? 

Es gibt jedoch zahlreiche Menschen, die ein Zweier-Setting einer Gruppe vorziehen. Dann arbeitet man mit sog. „Bodenankern“, das können Schuhe, Kissen etc. sein, die dann die jeweiligen Personen darstellen. Der Aufstellungsleiter stellt sich dann in die „fremden Schuhe“ und nimmt ebenfalls wahr wie und was er fühlt.

Nun wird ein Phänomen deutlich, dass bei Aufstellungen immer wieder verblüfft und tief beeindruckt: Sobald die Stellvertreter in ihren Rollen stehen, wird jeder Einzelne ein Teil dieses Systems. Die Stellvertreter "übernehmen" die Gefühle der Personen, die sie vertreten. Es wird deutlich, dass es hier Verbindungen gibt, die wir derzeit nur zum Teil erklären können. Es gibt in der Physik den Begriff des "Morphogenetischen Feldes". Wir Aufsteller sprechen vom "Wissenden Feld" und es ist wohl so, dass wir auf Ebenen, die wir noch nicht genau kennen, alle miteinander verbunden sind. Jedenfalls zeigt es sich bei Aufstellungen immer wieder, dass die Stellvertreter in ihren Rollen genauso fühlen wie die Personen, für die sie stehen. Das drückt sich oftmals auch in Worten aus, die manchmal genauso gewählt werden. (Das ist natürlich bei Redewendungen die sehr gebräuchlich sind, nichts Besonderes, ist jedoch oft so spezifisch, dass wir nicht mehr von Zufall sprechen können).

Was soll mit einer Familienstellung erreicht werden? 

Angestrebtes Ziel einer Familienaufstellung ist es nun, dass jedes Familienmitglied den Platz im System findet, an dem es sich wohl fühlt, so dass es am Ende der Aufstellung allen Beteiligten gut geht. (Gelingt dies in seltenen Fällen nicht, so ist doch in der Seele des Betroffenen so viel angestoßen worden, dass das, was hier sichtbar und auf den Weg gebracht wurde, in der Familie zum Guten weiterwirkt). Auf dem Weg zur Lösung sind meist mehr oder weniger bedeutende Zwischenschritte nötig. Maßstab ist zum einen, wie sich die Stellvertreter auf ihren jeweiligen Plätzen fühlen, zum anderen ist hier eine Ordnung wichtig, die Bert Hellinger (*) die ORDNUNGEN DER LIEBE nennt. Was besagt, dass Vorherige im System Vorrang haben und geachtet werden müssen. Kinder kommen in dieser Ordnung nach ihren Eltern, dürfen klein sein und von den Eltern nehmen, die Eltern sind die Gebenden. Dies klingt eigentlich selbstverständlich und doch ist es so, dass, wenn die Eltern durch eigenes schweres Schicksal ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind, die Kinder gar nicht anders können, als ihren Eltern zu helfen und im Extremfall deren Rolle einzunehmen. Kinder können gar nicht anders, als dieses Vakuum zu füllen, sie tun dies zum Einen aus tiefer Liebe zu ihren Eltern, zum Anderen, um selbst überlebensfähig zu sein. Dieses Muster bleibt in der Regel ein Leben lang mehr oder weniger erhalten und führt entweder dazu, dass die längst erwachsenen Kinder in einer kindlichen Liebe an den Eltern hängen und nicht frei sind für ihr eigenes Leben, ihre eigene Partnerschaft und Familie - oder sie wenden sich irgendwann verbittert ab und sind durch diesen Groll weiterhin auf ungute Weise an ihre Eltern gebunden. 

Ein zweiter wichtiger Punkt sind Familienmitglieder, die ausgeschlossen wurden, sei es, weil sie etwas Schlimmes getan, früh verstorben sind oder ein anderes schweres Schicksal hatten. Dies wird ausgeklammert, weil es scheinbar nicht zu ertragen ist. Es zeigt sich aber immer mehr, dass eine Familie dies nicht aushält. Es gibt so etwas wie eine Familienseele, die dafür sorgt, dass kein Familienmitglied vergessen oder ausgeschlossen wird. Geschieht dies jedoch (oft in Fällen z.B. von Fehlgeburten, Abtreibungen, „schwarze Schafe“) kommt es oft vor, dass es durch ein Familienmitglied aufgedeckt wird.

Was ist so bedeutsam bei dieser Form der Aufarbeitung?

Wichtig ist die Sichtweise bei dieser Arbeit: Dies alles, das ganze Verhalten geschieht letztendlich aus einer tiefen Bindungsliebe, die alles tut, um die Zugehörigkeit zum System Familie nicht zu verlieren um letztlich alles zum Guten zu wenden.

Schließlich geht es darum, den Punkt zu finden, an dem der Fluss der Liebe unterbrochen wurde. Dies ist der Punkt, an dem sich in der Aufstellung die Energie deutlich spürbar sammelt. Es ist immer wieder tief bewegend, wie viel Liebe sich hinter scheinbarer Härte verbirgt, das Aufatmen, wenn eine zerrissene Familie zusammenfindet, wenn geschiedene Partner sich endlich gegenseitig würdigen und dann lösen können im Bewusstsein, für ihre Kinder gemeinsam die Eltern zu bleiben. 

Im Grunde werden bei einer Familienaufstellung auch Lebensübergänge nachträglich durch kleine Rituale gewürdigt, nicht gelebte Trauer und versäumter Abschied wird nachgeholt. Wenn wir anerkennen und würdigen was ist, setzen sich Entwicklungsprozesse und Selbstheilungskräfte in Gang, wird Energie freigesetzt, die bisher gebunden war und wir werden frei für unser eigenes Leben.


Warum findet die Arbeit der Familienaufstellung in unserer Zeit einen so großen Zuspruch? 

In einer Familienaufstellung wird deutlich und anerkannt, dass wir bei weitem nicht so frei und ungebunden sind, wie wir uns das in der heutigen Zeit der zunehmenden Individualisierung und Vereinzelung gerne vorstellen. Hier wird auf heilsame Weise deutlich, wie wichtig manche Ordnungen und Bindungen sind. Wenn abgelehnte Bindungen wieder anerkannt werden und scheinbar unüberwindliche Konflikte sich auflösen, dann kann etwas in der Seele heil werden, was auch unsere Kinder zur Ruhe kommen und Familie wieder zu einer Quelle der Kraft und der Liebe werden lässt. Erst dann sind wir wirklich frei für unser eigenes Leben. Was hier gelöst wird, das müssen unsere Kinder nicht mehr weiter tragen. 

Systemische Aufstellungen sind hilfreich zu allen Fragen des menschlichen Miteinanders, auch zu beruflichen Themen, für Teams, Firmen und Institutionen.

Letztlich lässt sich eine Aufstellung schwer beschreiben. Man muss die Wirkung an sich selbst erleben: sei es zu einer eigenen Aufstellung oder als Stellvertreter für andere Seminarteilnehmer. Auch als Stellvertreter können Sie tief in den Geist dieser Arbeit eintauchen und wertvolle Erfahrungen für sich selbst machen.

Autor: Silvia Horbach
Thema: Was ist eine Familienaufstellung?
Webseite: http://www.praxis-horbach.de

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