Angst, Trauer, Wut aber auch Ärger, Ekel, Scham, Hilflosigkeit, Einsamkeit und andere Gefühle sind uns oft unangenehm.

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Am liebsten wären wir immer die lustigen Strahlemänner oder –frauen, die allzeit jeder Situation gewachsen sind und keine Schwächen haben. Aber wenn wir sie schon haben, dann wollen wir sie zumindest nicht zeigen. Sogar uns selbst gegenüber sind wir oft nicht offen und ehrlich. Daher versuchen wir unsere ungeliebten Emotionen zu unterdrücken oder zu vermeiden. Wir gehen Situationen aus dem Weg, die unangenehm werden könnten, wir betäuben uns mit Alkohol, Medikamenten oder gar Drogen, wir lenken uns mit Arbeit, Fernsehen, Computern, Handys, Spielen oder Essen ab, wir belügen uns und andere, erzählen erfundene Geschichten, verschweigen das, was eigentlich wichtig ist und werden zu wahren Freizeitschauspielern, um ja immer das Gesicht zu wahren.

Leider gibt es - wie so oft im Leben - auch hier eine Kehrseite der Medaille. Es ist bedeuerlicherweise so, dass wir nicht nur die unerwünschten Gefühle unterdrücken. Es werden auch jede unterdrückt, die eigentlich nicht stören. Es geht nach dem „Alles-oder-Nichts-Prinzip“. Das bedeutet, wir spüren auch jene Gefühle weniger, die uns Freude bereiten. Das Leben wird langweilig und ohne große Ausschläge – keine Tiefen, jedoch auch keine Höhen. Wir spüren nicht mehr, was wir wollen oder was wir nicht wollen, was uns gut tut oder was uns schadet. Eine monotone Gleichförmigkeit bestimmt das Leben und wir werden mehr und mehr zu funktionierenden, fremd-gesteuerten Marionetten. 

Außerdem ist Gefühlsvermeidung oft auch mit Erlebnisvermeidung verbunden. Man geht vermeintlich kritischen Situationen aus dem Weg und schränkt sich dadurch nicht nur in seinen Entscheidungsmöglichkeiten ein, sondern belastet sich und vielleicht auch unsere Angehörigen mit der angespannten Planung eines emotionsbelastungsfreien Fortkommens und schafft dadurch allerdings andere Belastungen. Kurzfristig gewinnt man vielleicht, langfristig ist das jedoch immer mit anderen Problemen verbunden. Manchmal versäumt man sogar das Leben –zumindest Teile davon. Schon durch diese oberflächliche Betrachtung ahnt man vielleicht, dass die Vermeidung von Gefühlen zu schweren psychischen Problemen führen kann und anders herum, spielt bei fast jeder psychischen Störung die Vermeidung oder Unterdrückung von Gefühlen eine wichtige Rolle. 

Aber zu jeder Emotion gehört ein anderes emotionsgetriebenes Verhalten. Daher loht es sich, die eine oder andere Gefühlsvermeidung einmal näher anzuschauen. 

Stelle Dich Deiner unbegründeten Angst – sonst beherrscht Sie Dich!

Die Angst ist eine sinnvolle Einrichtung der Natur, die zum überleben unserer Spezies beiträgt. Reale Angst hilft uns, uns vor gefährlichen Situationen zu schützen und im angebrachten Notfall mit drei hilfreichen Strategien zu reagieren: Flucht, Angriff und Todstellreflex.

Es gibt jedoch immer mehr Menschen, die sich in irrationaler Weise vor Dingen fürchten, von denen normaler Weise – wenn überhaupt - nur eine sehr geringe Gefahr ausgeht. Dies kann sogar so weit gehen, dass Menschen vor lauter Angst unfähig werden, das Haus zu verlassen oder viele Stunden am Tag mit Reinigungsritualen verbringen. Auch wenn dies extreme Auswirkungen der Angst sind, muss man immer im Blick haben, dass sich eine Angst, der man sich nicht stellt, verstärkt. Daher sollte man sich frühzeitig mit seinen Ängsten auseinander setzen. 

Vermeidung hilft nur kurzfristig

Die klassische Reaktion auf Angst ist Vermeidungsverhalten. Dinge, Menschen, Situationen, die mir Angst machen, versuche ich dann tunlichst zu umgehen, weil ich das Gefühl habe, die Angst nicht aushalten zu können. Manchmal geht dies auch ganz einfach. Wenn ich Angst davor habe, mit dem Fahrstuhl zu fahren, benutze ich einfach die Treppe. Wenn ich Angst davor habe, Auto zu fahren, benutze ich eben die Bahn. Wenn ich Angst davor habe im Badeanzug gesehen zu werden, lege ich meine Kleidung am Strand eben nicht ab und gehe auch nicht ins Schwimmbad. Dies scheinen logische Konsequenzen zu sein. Es funktioniert ja auch – ich bin angstfrei – wenigstens im Augenblick und Angst ist eben grundsätzlich ein unangenehmes Gefühl. Dies ist aber auch nur ein kurzfristiger Vorteil. Langfristig aber entstehen Nachteile. Nicht nur, dass ich mit diesem Vermeidungsverhalten meine Wahlfreiheit einschneide und manchmal auch zugunsten meiner Angst auf vieles verzichte, wie z.B. vielleicht einen unbekümmerten Besuch im Schwimmbad mit meinen Freunden. Zudem muss ich auch langfristig mit einer Verstärkung und Generalisierung der Angst rechnen. Erst fällt es mir vielleicht nur schwer im Aufzug zu fahren, dann vermeide ich diesen und es kommt noch die Angst dazu, in den Bus einzusteigen, dann macht es mir auch noch Angst, den Zug zu benutzen….

Mit starken Mitteln gegen die Angst 

Je nach Art der Angst kann auch Ablenkung eine wirksame Strategie sein. Aber auch hier ist der Effekt nur kurzfristig und führt oft dazu, dass ich immer mehr davon brauche. Die Linderung von emotionalen Schmerzen und Ängsten durch Alkohol, Medikamente und Drogen stellen zudem Methoden dar, die nicht nur unserem Körper schaden, sondern auch zu zahlreichen weiteren Beeinträchtigungen in unserem Leben führen können. Auch

Anspannungen durch Essen zu lösen, bringt in der Regel mehr Probleme als Nutzen und ist ein Grund dafür, warum immer mehr Menschen eine Essstörung entwickeln oder erheblich an Gewicht zunehmen.

Daher ist es sinnvoll, sich zunächst einmal seiner Ängste bewusst zu werden, diese zu hinterfragen und sich diesen zu stellen. Erscheinen sie jedoch unüberwindbar groß, so ist es sinnvoll, die Hilfe und Unterstützung eines Therapeuten in Anspruch zu nehmen und mit ihm gemeinsam eine geeignete Methode zur Therapie der Angst zu wählen. Ängste sind in aller Regel gut behandelbar und die Therapie erscheint im Gegensatz zu einer lebenslangen Störung, mit allen ihren Konsequenzen, durchaus lohnend. Zahlreiche Therapiemethoden stehen hiefür zur Verfügung. Dabei haben insbesondere die Verhaltenstherapie und die Hypnose aber auch Körperpsychotherapiemethoden gute Aussichten auf Erfolg. Im Rahmen der Behandlung wird neben der Verbesserung des eigentlichen Problems oftmals eine Steigerung des Wohlbefindens und des Selbstwertgefühles sowie ein veränderter Umgang mit Stress erreicht.

Wozu ist die Wut gut?

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Wir werden rot im Gesicht, unser Puls rast und alle Energien im Körper scheinen sich zu sammeln um sich dann in einem explosionsartigen Ausbruch zu entladen. Manchmal führt das sogar zu unkontrollierten Beschädigungen von Gegenständen oder gar gewalttätigen Aktionen gegenüber anderen Menschen. Klar ist, dass die gewalttätige Form der Wut beherrscht werden muss. Die Frage ist jedoch, muss es überhaupt erst so weit kommen? Wozu ist Wut eigentlich gut?

Vor allem Menschen, die ein hohes Harmoniebedürfnis haben, versuchen Wutanfälle und Auseinandersetzungen am besten gänzlich zu vermeiden. Aber generell scheint Wut ein gesellschaftlich wenig toleriertes Gefühl zu sein. Schon im Kleinkindalter wird zornenden Kindern daher oft deutlich vermittelt, dass sie sich unerwünscht verhalten, wenn sie wütend sind. Manchmal hört man sogar, wie sie als böse beschimpft werden. Peinlich sind uns die kleinen Schreier auf alle Fälle. Aber gerade durch solchen falschen Umgang mit der Wut im Kindesalter, verlieren wir auch als Erwachsene die Fähigkeit, einen angemessenen Ausdruck der Wut zu erlangen. 

Grundsätzlich ist Wut zunächst einmal ein Gefühl, dass uns zeigt, dass eine Grenzüberschreitung droht, unsere Grenzen verletzt wurden oder wir uns ungerecht behandelt fühlen. Daher ist auch die Wut zur Selbstbehauptung grundsätzlich erst einmal sinnvoll. Nur wenn die Wut zu entgleisen droht, sie mit Aggressivität verbunden ist oder sie völlig wahllos auftritt, sollte man daran arbeiten, sie abzuschwächen. Ansonsten unterstützt sie uns dabei, für unsere Bedürfnisse einzutreten. Sie wahr zu nehmen, hilft uns also, nach uns selbst und unserem eigenen Wohlbefinden zu schauen, sie auszudrücken, für uns selbst einzustehen. Und auch, wenn wir dies im Miteinander mit unseren Mitmenschen in einem gesunden

Spannungsfeld ausloten und kommunizieren müssen, so besteht bei Menschen, die ihre Grenzen und ihre Wut nicht mehr spüren, die Gefahr der Überforderung und in die Opferrolle zu geraten. Dies bereitet den Boden für klassische psychische Krankheiten wie z.B. Burn out oder die Depression.

Wenn die Tränen kommen

„Heulsuse“, oder „Männer weinen nicht“ sind Aussprüche, die schon fast jeder einmal gehört hat. Sie zeigen uns deutlich, was unsere Gesellschaft von den Tränen der anderen und insbesondere der Männer hält. Das angeblich starke Geschlecht darf doch auf keinen Fall Schwäche zeigen! Aber warum eigentlich? Wozu soll das gut sein?  Der Ausdruck von Trauer hilft Unterstützung und Trost zu bekommen, etwas, das wir in einer Situation, die uns traurig macht, dringend brauchen und uns bei der Bewältigung der Situation hilfreich ist. Für den Körper hat das Weinen darüber hinaus eine reinigende und erlösende Funktion.

Ist die Trauer groß, wie etwa bei einen Verlust eines Nahestehenden, hilft sie uns, um nun sinnlos gewordene Aktivitäten zu beenden und den Körper in eine Ruhephase zu bringen.  Trauer zu unterdrücken führt jedoch häufig dazu, dass sich diese festsetzt und aus dem Unbewussten wirkt. Oft verzögert das die Trauerarbeit oder zieht diese in die Länge, was auch in die Depression führen kann. In diesem Fall ist eine Therapie oftmals der einzige Ausweg aus der Situation. 

Was fühle ich, wenn ich einsam bin?

Einsamkeit ist zunächst nur ein Zustand und noch kein Gefühl. Erst durch meine individuelle Bewertung entsteht ein Gefühl, das z.B. Traurigkeit sein kann. Wenn mich Einsamkeit traurig macht, ist es gut, dies wahrzunehmen. Dies ist die Vorraussetzung, um Lösungswege zu suchen und etwas an der Situation zu ändern. Wir Menschen sind soziale Wesen, für die ein soziales Netzwerk wichtig ist. Wenn ich die Traurigkeit wahrnehme, die durch die Einsamkeit entsteht, kann ich z.B. vertraute Menschen anrufen oder eine Partnerschaftsanzeige in der Zeitung aufgeben oder mich bei einem Internetportal anmelden oder an die Tür des Nachbarn klopfen oder mich an einem Kurs an der Volkshochschule anmelden oder oder oder….  Durch Unterdrückung oder Betäubung dieses Gefühles z.B. durch Alkohol, Drogen oder die Flucht in Essen oder Fernsehen, verbaue ich mir auch den Weg zur Erkenntnis und damit einer Veränderung. Kurzfristig hilft die Flasche Wein oder der Fernsehabend vielleicht. Langfristig jedoch wird es immer schwieriger, die richtigen Schritte einzuleiten und letztlich gerate ich in einen Teufelskreis, der mich in einer Abwärtsspirale mehr und mehr nach unten zieht.

All diese Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, zunächst seine Emotionen wahrzunehmen. Im Sinne eines achtsamen Umgangs mit sich selbst, sollte die Wahrnehmung ganz ohne eine Bewertung erfolgen. Einfach ein feststellendes „ah, ich bin jetzt aber wütend“ oder „das macht mich ganz schön traurig“ gefolgt von einem liebevollem: „es ist in Ordnung, das ich so fühle“. Gefühle, die ausgedrückt, gesehen und angenommen werden, verlieren ihre Intensität und können in einem normalen Prozess auf gesunde Art und Weise verarbeitet werden. Emotionen, die hingegen unterdrückt werden, werden stärker, bis sie sich explosionsartig entladen oder stauen sich im Körper, was zu Anspannung, Nervosität oder Übererregung führen kann. Die Muskulatur des Körpers bildet hierzu ein Korsett, das die Kontrolle der unterdrückten Gefühle ermöglicht. Wir spüren z.B. Druck im Bauch, eine Last auf den Schultern, einen Kloß im Hals oder Ähnliches. Nach dem Energieerhaltungssatz lässt sich Energie nicht vernichten, nur umwandeln. So entstehen Krankheiten nicht selten durch die Verdrängung unbequemer Themen vom Bewussten ins Unbewusste und unser Körper wird mehr und mehr zum Übersetzer unserer Seele. Viele psychische Erkrankungen haben daher auch eine körperliche Komponente und hinter vielen körperlichen Problemen stehen psychische Ursachen. Nicht umsonst ist das Gebiet der Psychosomatik ein zunehmend wachsender Bereich. Die Behandlung wird in der Regel individuell angepasst und setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen. Ein wichtiger Wirkfaktor ist dabei, dass der Therapeut den Klienten dabei unterstützt, sich seiner Gefühle bewusst zu werden, diese auszudrücken und anzunehmen. Dies kann neben einem positiveren Erleben, mehr Lebensfreude, Abbau von Spannungen auch zur Heilung körperlicher Krankheiten beitragen. 

Autor: Sybille Schwartz
Thema: Unterdrückte Gefühle zulassen
Webseite: https://www.praxis-sybille-schwartz.de

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