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Wenn Kinder in die Pubertät kommen, ist das oft eine anstrengende Angelegenheit für die ganze Familie.

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Bei den Kindern stellen sich während der Dauer der Pubertät viele Veränderungen ein, körperlich und seelisch. Sie fühlen sich oft noch wie Kinder, körperlich entwickeln sie sich aber schon zu Erwachsenen. Sie beginnen die Meinung der Eltern kritisch zu hinterfragen, bestehende Regeln zu testen und sich durch ihr Verhalten von den Eltern abzugrenzen. Sie versuchen sich einerseits mehr und mehr von den Eltern zu lösen und machen sich auf die Suche nach ihrer eigenen Identität.

Andererseits brauchen sie trotzdem Halt und Unterstützung von Seiten der Eltern.

Dieser Spagat zwischen vertrauensvollem Loslassen einerseits und Halt geben in dieser Zeit des Umbruchs andererseits ist für die Eltern nicht immer einfach. Weil wir die Zukunft unserer Kinder nicht kennen und das Beste für sie wollen, machen wir uns Sorgen, haben oft Angst um sie und meinen zu wissen was für sie gut ist. Wir wollen sie möglichst vor Problemen schützen, alles vorausplanen und unter Kontrolle haben, damit ja nichts schief gehen kann und sie sich zu glücklichen und selbstbewussten Menschen entwickeln.

Aber stimmt das wirklich?

Wissen wir wirklich was das Beste für unsere Kinder ist?

Und wenn wir es tatsächlich wüssten, können wir Teenager dazu bringen das, was unserer Meinung nach richtig ist auch zu tun?

Dieses Dilemma hat ein 10-Jähriger dem bekannten Erziehungsratgeber Jan-Uwe Rogge gegenüber, deutlich gemacht:„Herr Rogge, meine Mama will mein Bestes. Was bleibt dann für mich?“

Eine tragende Säule, die durch die Pubertät führt ist die Beziehung, die Beziehung zu unserem Kind.

Am besten ist es natürlich, wenn sie von Anfang an gepflegt wird, vielleicht mal lockerer und dann wieder fester ist, aber nie abreist. Wenn der Teenager sich trotzdem zurück zieht und einigelt oder nur noch das gilt, was in der Clique angesagt ist, kann eine empathische, annehmende Haltung, die frei von Schuldzuweisungen ist, gepaart mit einer gewissen wohlwollenden Beharrlichkeit helfen wieder in Kontakt zu kommen.

Manchmal braucht es von Seiten des Elternteils auch ein „Es tut mir leid“ um dem Teenager wieder nahe zu kommen. Eine Entschuldigung nicht im Sinne von sich schuldig fühlen und sich Vorwürfe machen, sondern das Empfinden von Trauer verbunden mit der Erkenntnis sein Bestes gegeben zu haben, aber es zu
dem Zeitpunkt nicht besser gewusst zu haben.

Wir tragen alle unsere Lasten aus der Kindheit mit uns herum, lernen aus unseren Fehlern und entwickeln uns so stetig weiter. Wenn wir uns Vorwürfe machen und Schuldgefühle haben, dann können wir nicht auf das blicken, was dahinter steckt und kommen in unserer Entwicklung nicht weiter. Diese Probleme bekommen wir dann durch unsere Kinder immer wieder gespiegelt. Es sind unsere Gefühle, die von unseren Kindern in uns ausgelöst werden. Wir sollten für sie Verantwortung übernehmen. „Die Anderen sind nur unsere Knöpfedrücker!“ So bringt es der Diplom-Psychologe Robert Betz zum Ausdruck.

Wie kann ich die Beziehung zu meinem Kind pflegen?

Dazu eigenen sich eingespielte Rituale gut, zum Beispiel das gemeinsame Mittagessen. Eigentlich kann es jede andere Tätigkeit sein. Wichtig dabei ist, dass ich Zeit habe und gedanklich anwesend bin, mein Kind ernst nehme und in seiner Einzigartigkeit wertschätze. Der kanadische Entwicklungspsychologe Gordon Neufeld meint, dass so einfache Dinge wie Blickkontakt sehr wichtig sind um dem Kind zu signalisieren: Du bist mir wichtig und mir ist es wichtig, dass es dir gut geht.

Bei der Beziehung zu meinem Kind kann ich mir überlegen, was meine Motivation ist, was habe ich für Gedanken, Gefühle, Absichten?

Dirigiert mich die Angst oder gelingt es mir meine Gedanken auf das Gute zu lenken? Gelingt es mir das Gute zu sehen und das, was ich gut finde meinem Kind auch mitzuteilen? Worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken wird groß, dem geben wir Energie. Das ist ein Grundsatz der Systemischen Therapie und auch in der Neuropsychologie als Priming bekannt.

Was wähle ich, wenn ich es mir bewusst mache und mich selbst hinterfrage? Lasse ich mich von destruktiven Gefühlen lenken, fälle ich Urteile und möchte auf jeden Fall Recht behalten oder entscheide ich mich für eine herzverbindende Haltung, einen wohlwollenden Blick auf mein Kind und eine wertschätzende Kommunikation und Kooperation? „Willst du lieber Recht haben oder glücklich sein? Beides zusammen geht nicht.“ sagt Dr. M. B. Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation.

Die Beziehung zwischen den Eltern ist nicht zu unterschätzen. Sie beeinflusst maßgeblich die Entwicklung der Kinder. Wie stehe ich zu meinem Partner? Fühle ich mich ihm verbunden, respektiere ich ihn und seine Meinung?

Respekt bedeutet nicht, dass ich der gleichen Meinung sein muss. Es bedeutet, dass ich zulassen kann und einverstanden bin, dass er anders denkt als ich. Auch bei getrennt lebenden Eltern ist es wichtig miteinander klar zu kommen, um die Kinder nicht in einen Loyalitätskonflikt zu bringen. Es ist möglich auch nach einer Trennung mit psychologischer Unterstützung daran zu arbeiten mit dem Expartner Frieden zu schließen oder auch einen Mediator einzuschalten, um die Kinder nicht zusätzlich zu belasten.

Durch Annahme und Akzeptanz verändern

Was ich verdränge und nicht annehmen möchte bleibt bestehen! Wenn ich es anschaue und würdige kann es gehen!

Menschen können sich durch Annahme und Akzeptanz verändern.Wenn ich den Jugendlichen so annehmen kann wie er ist, muss er seine Haltung nicht mehr verteidigen oder sich hinter Schuldgefühlen verstecken. Durch meine empathische Haltung kann er sich selbst erkennen und verändern.

Arbeit an mir selbst

Dazu ist es hilfreich, wenn ich selber eine neugierige und forschende Haltung mir gegenüber entwickeln kann. Durch die Kinder werde ich aufgefordert an mir selbst zu arbeiten.

Wieso ärgert es mich so maßlos, wenn meine Tochter ein unordentliches Zimmer hat? Was hat das mit mir zu tun? Welcher Bereich meines Lebens ist in Unordnung?

„Was ich so schön finde: Der Petrus da oben, der für die Vergabe der Kinder auf der Welt verantwortlich ist, hat mit einer unnachahmlichen Treffsicherheit das passende Kind für die passenden Eltern. Nur meistens passt’s den Eltern nicht“, bringt es Jan-Uwe Rogge, der bekannte Erziehungsberater humorvoll auf den Punkt.

Grenzen setze ich zum Schutz und werde sie im besten Fall mit meinem Kind zusammen aushandeln.

Je klarer ich selber bin, umso klarer kann ich auch in der Beziehung zu meinem Kind sein und um so besser kann ich auch Grenzen setzen.

Wenn ich mein Kind zu einem selbstbewussten Menschen, der ein selbstbestimmtes Leben führen soll erziehen möchte, werde ich nicht mit Druck und Schuldzuweisungen arbeiten. Ich möchte nicht, dass mein Kind aus Schuld, Scham oder Kleinheitsgefühlen heraus, vielleicht sogar mit Wut und Rachegedanken klein beigibt und sich meiner Meinung unterordnet.

Ich möchte eine Begegnung und Kommunikation auf Augenhöhe, in der ich meine Sorgen, Bedenken und Wünsche ausspreche. Gemeinsam werden wir eine Lösung finden. Dabei kann die Gewaltfreie Kommunikation eine wertvolle Hilfe sein. Ich spreche von mir, meinen Bedürfnissen und Gefühlen, ohne zu interpretieren und zu verurteilen.

Thomas Gordon, ein amerikanischer Psychologe, der wie M. B. Rosenberg ein Schüler des Begründers der Klientenzentrierten Psychotherapie C. Rogers ist und die Familienkonferenz mit dem Gordon-Modell entwickelt hat sagt:

„Man gewinnt bei Kindern mehr Einfluss, wenn man aufhört, Macht zu ihrer Kontrolle einzusetzen.“

Gordon plädiert für eine empathische Haltung, Ich-Botschaften und für eine niederlagelose Konfliktlösung.

Jugendliche brauchen unser Vertrauen, damit sie einen starken Selbstwert und gesundes Selbstvertrauen entwickeln können.

Wenn sie nicht die Gelegenheit bekommen eigene Erfahrungen und auch Fehler machen zu dürfen, können sie sich und ihre Fähigkeiten schlecht einschätzen und somit auch kein gesundes Selbstwertgefühl aufbauen.

Wenn ich ihnen Vertrauen schenke, können sie sich als einen Menschen wahrnehmen, in den man Vertrauen haben kann. So gehen sie dann auch in die Welt und können gesunde, auf Vertrauen gegründete Beziehungen eingehen.

Gordon Neufeld meint, dass die Jugendlichen sich nicht unser Vertrauen verdienen müssen, sondern dass wir ihnen Vertrauen als Vorschuss geben sollten.

Was können wir tun, wenn sich unser Kind nicht an Abmachungen hält, Grenzen nicht einhält, vielleicht auch lügt?

Kann da Strenge, Drohen oder Jammern helfen?

Was mache ich, wenn alles nicht fruchtet? Drohe oder jammere ich noch mehr? Wie soll es weitergehen? Hoffe ich, wenn ich nur lang genug so weiter mache, dass mein Kind „zur Vernunft“ kommt?

Ich glaube, dass es auch da besser ist, wenn wir Ich-Botschaften verwenden, unsere Gefühle, Bedürfnisse und Ängste äußern und zusammen besprechen was der Jugendliche tun könnte, damit wir Schritt für Schritt das Vertrauensverhältnis wieder aufbauen können.

Bei störendem Verhalten, auch bei Alkohol und Drogen können wir uns fragen was für unerfüllte Bedürfnisse dahinter stecken könnten.

Störendes oder auffälliges Verhalten kann man als misslungenen Lösungsversuch sehen. Wir alle haben die gleichen Gefühle und Bedürfnisse, aber setzen unterschiedliche Strategien zu ihrer Befriedigung ein.

Insoo Kim Berg, eine lösungsfokussierte Kurzeittherapeutin fragte ihre Klienten:

„Wie ist es hilfreich für Sie nicht zu essen?“
(sich zu ritzen, Alkohol zu trinken usw.)

Manchmal kann man so relativ einfach an die dahinter liegenden Bedürfnisse kommen und andere Lösungsstrategien finden.

Unseren Kindern geht es gut, wenn es uns gut geht!

Wenn wir im Alltag immer wieder mal innehalten und uns fragen was wir jetzt brauchen, dann ist das Selbstfürsorge und damit sind wir auch ein gutes Vorbild für unsere Kinder.

Bin ich selber müde, genervt und gestresst, reagiere ich in kritischen Situationen vollkommen anders, als wenn ich ausgeschlafen, entspannt und mit Kraftreserven in dieselbe Situation gerate. Ist es ein Waldspaziergang, der Kaffeeklatsch mit der Freundin oder ein ganz bestimmtes Hobby? Was gibt mir Energie? Was nährt mich?

Prof. Dr. Gerald Hüther (Neurobiologe) sagt:

„Solange Eltern und Kinder einander als Objekte behandeln und sich gegenseitig zu Objekten ihrer Bewertungen, Absichten, Interessen oder Belehrungen machen, können sie keinen lebendigen Austauschprozess in Gang bringen. Dann haben beide ein Problem und unter diesen Bedingungen ist beiden die Entfaltung der in ihnen angelegten Potentiale nicht möglich. Sobald es ihnen aber gelingt, einander als Subjekte zu begegnen, können sie wieder voneinander lernen und ihr Zusammenleben miteinander gestalten. Dann ist die Entfaltung der in ihnen angelegten Potentiale unvermeidbar.“

Ich glaube, dass sich die Phase der Pubertät deutlich entspannter gestalten lässt, wenn wir lernen unseren Kindern mehr zuzutrauen, Ich-Botschaften senden und immer bestrebt sind das Gute in ihnen zu sehen und zum Vorschein zu bringen.

Autor: Karla Wachsmann
Thema: Pubertätskrise
Webseite: http://www.psychotherapie-wachsmann.de



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