Ratgeber Lifestyle

Vor wenigen Jahren standen die Kinder mit ihren Zuckertüten in den Armen, dem Ranzen auf dem Rücken und mit einem Lächeln, das die obligatorische Zahnlücke präsentiert, am ersten Schultag in Reih’ und Glied und ließen sich stolz fotografieren.

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Und jetzt? Heute vertreten diese unsere Kinder ihre eigene Meinung, kleiden sich so, wie sie es möchten und Mama und Papa sind ihre Heldenrolle los. Aus den Kinderzimmern dröhnt Musik in zuvor ungeahnter Lautstärke und die Art der Musik und deren Texte verschrecken so manches Familienmitglied. Freuten sich die Kinder vor kurzem noch über CD´s von „Bibi und Tina“ oder den „Drei ???“, sind es jetzt Sido, Ed Sheeran und Co., die in Dauerschleife gespielt werden. Und weil das alles noch nicht genug ist, spielen bald der erste Freund oder die erste Freundin die Hauptrollen im Leben unserer „lieben Kleinen“. Sie geben sich Emojis auf „Insta“, verabreden sich in „WhatsApp“, machen einen „Snap Chat“ oder „Musicallys“.

Diese Veränderungen scheinen Eltern schon mal an den Rand eines Nervenzusammenbruches zu bringen. Dann steht schnell die Frage im Raum: Wie lange dauert die Pubertät? Wann ist diese Pubertät endlich vorbei? Was tut „ES“ da?

Was ist das, Pubertät?

Die Pubertät ist eine Phase der menschlichen Entwicklung. Vor der Pubertät und auch danach gibt es weitere Entwicklungsphasen. Und dennoch ist die Phase der Pubertät etwas Besonderes im Leben jedes Menschen. Sowohl für die Pubertierenden als auch für die Eltern. Die Veränderungen in dieser Zeit sind tiefgreifend und finden auf zwei Wegen statt. Auf der einen Seite verändert sich die Persönlichkeit und auf der anderen Seite der Körper. Die Veränderungen in der Persönlichkeit sind nicht immer zu fassen. Die Stimmung schwankt, manchmal von Augenblick zu Augenblick. Verschiedene Verhaltensweisen werden ausprobiert und Meinungen ändern sich immer wieder. Die körperlichen Veränderungen während der Pubertät sind wesentlich sichtbarer. Die Kinder wachsen in kurzer Zeit erheblich, Muskeln bilden sich heraus. Bei den Jungen wird z.B. die Stimme tiefer und bei den Mädchen setzt das Wachstum der Brust ein. Das alles sind Herausforderungen für beide Seiten. Für die Kinder und für die Eltern.

In welchem Alter kommen Kinder in die Pubertät?

Will man die Frage nach der Dauer der Pubertät zeitlich genau beantworten, müsste der Beginn präzise definiert werden. Die menschliche Entwicklung vollzieht sich sehr individuell. Der Beginn der Pubertät hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter nach vorn verlagert. Aktuell geht man davon aus, dass die Pubertät in Europa bei Mädchen zwischen dem 9. und 13. und bei Jungen zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr einsetzt. Bei den Angaben über das Ende der Pubertät sieht es ähnlich aus. Damit lässt sich der Beginn und das Ende der Pubertät am Alter der Jugendlichen nur vage festmachen, die Zeiträume sind sehr weit gefasst. Rolf Oerter und Leo Montada haben vor über 20 Jahren festgestellt, dass die Phase der Jugendzeit (und in diese Phase fällt die Pubertät) in industriellen Ländern immer länger dauert. (Oerter, Montada „Entwicklungspsychologie – Ein Lehrbuch“, Beltz PsychologieVerlagsUnion, 3. Auflage 1995).

Pubertierende als einflussreiche Größe für unsere Wirtschaft?

Jugendliche stellen in unserer Zeit eine wichtige Zielgruppe für Unternehmen dar und die Angebote werden immer umfangreicher und komplexer. Der Konkurrenzdruck zwischen den Unternehmen ist enorm und jeder versucht für sich einen möglichst hohen Marktanteil zu erhalten. Technische Innovationen wirken dabei als Motor der Entwicklung.

Nehmen wir das Beispiel der Musikindustrie: Als 1981 MTV als erster Spartensender, der sich auf Musik konzentrierte, an den Start ging, war die Musik der einzige Schwerpunkt. Durch die Entwicklung der Satellitentechnik war es ab Mitte der 90er Jahre möglich, spezielle Programme und Ableger für einzelne Länder zu produzieren. Mit dem Start von VIVA 1993 hatte Deutschland einen zweiten Musikkanal im Fernsehen. Auch die deutsche Musikindustrie hatte erkannt, dass auf diesem Weg ihre Produkte besser an die jugendliche Zielgruppen gebracht werden konnten. Heute gehört VIVA dem selben Konzern an wie MTV. Musik spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Stattdessen werden Programme produziert und gesendet, die sich mehr am Lebensgefühl der Jugend orientieren soll. Ob diese Programme das reale Lebensgefühl widerspiegeln oder nicht, liegt im Ermessen jedes Einzelnen.

Der Verbreitungsweg Fernsehen verliert immer mehr an Bedeutung. Das Internet sorgt dafür, dass die Angebote jederzeit und nahezu überall verfügbar sind. Gleichzeitig können sich die Konsumenten über das Internet und die neuen Medien direkt an den Sendungen beteiligen und Einfluss nehmen. Umgekehrt haben Unternehmen die Chance, ganz gezielt Werbung unterzubringen. Werbung, die auf die Bedürfnisse und Wünsche der User abgestimmt ist und neue Wünsche erzeugt. Wünsche, deren Erfüllung für die ökonomische Entwicklung der Werbetreibenden wichtig ist.

Dieses Beispiel soll verdeutlichen, wie wichtig Jugendliche für wirtschaftliche Unternehmen sind, welche Entwicklungen damit verbunden sein können und welche komplexen Marktmechanismen dahinter liegen.

Woran erkenne ich, dass die Pubertät begonnen hat?

Auf die Frage, woran Eltern bemerken, dass Ihre Kinder in die Pubertät kommen, erhalte ich oft sehr unterschiedliche Antworten. Hier einige Beispiele:
Mein Kind widerspricht häufig.

- Laute Musik.
- Mein Kind hat Stimmungsschwankungen.
- Bei uns zu Hause wird nur noch diskutiert.
- Unser Kind braucht viel länger im Bad und möchte plötzlich Deo benutzen.
- Unser Kind möchte nichts mehr mit uns unternehmen.

Dies ist nur eine kleine Auswahl. Sie reicht aber aus, um Ihnen deutlich zu machen, dass der Beginn der Pubertät individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Schließlich muss nicht jeder Widerspruch eines zehnjährigen Mädchens gleich auf den Beginn der Pubertät deuten. Vielmehr schleicht sich die Pubertät allmählich in den Familienalltag ein. Erst nach einiger Zeit kommen Eltern zu dem Schluss, dass die Pubertät begonnen hat.

Um zu bestimmen wie lange die Pubertät dauert, benötigt man neben dem Zeitpunkt des Beginns natürlich auch einen definierten Endpunkt. Auch dabei gilt, wie soll der Schluss definiert werden bzw. woran erkennen Sie als Eltern das Ende der Pubertät? Auch innerhalb der pubertären Phase gibt es Momente der Ruhe und Ausgeglichenheit, Momente, in denen ein harmonisches Familienleben durchaus möglich ist. Hinzu kommt, dass sich mit dem Pubertierenden auch das Familiensystem mitentwickelt und Situationen, die am Anfang als belastend wahrgenommen wurden, mit der Dauer der Pubertät gelassener gesehen werden. Eltern und Jugendliche wachsen miteinander an ihren Herausforderungen.

Fazit: Allein der Beginn der Pubertät lässt sich nur erahnen und höchstens rückblickend zeitlich eingrenzen. Die exakte Beantwortung der Frage, wie lange die Pubertät dann dauert, ist tatsächlich noch unmöglicher.

Wenn Sie wüssten, dass....

Nehmen wir an, Beginn und Ende der Pubertät könnten genau bestimmt und die Länge der Pubertät damit genau vorher gesagt werden: Was würde die Antwort für Sie und Ihren Alltag bedeuten? Sie wüssten dann, wie lange es noch dauert, bis diese Phase endlich abgeschlossen ist. Nur ist dies leider auch nur wenig Hilfe, wenn das Verhalten Ihres Sprösslings im jetzigen Augenblick eine deutliche Reaktion von Ihnen verlangt. In manchen Familien schlägt die Pubertät heftig zu. Spätestens, wenn Drogen ausprobiert werden oder die Polizei Ihren Sprössling aufliest und nach Hause bringt.

Ich verstehe, dass Eltern sich fragen, wie lange die Pubertät dauert. Besonders dann wenn das Verhalten der Kinder extrem wird und die Beziehung zwischen Eltern und Kind Risse bekommt. Man fragt sich: „Wann hat es endlich ein Ende?“

Gleichzeitig plädiere ich dafür, die Frage nach der Dauer der Pubertät umzuformulieren und zu fragen: „Wie kommen Eltern und Kinder gemeinsam gut durch die Pubertät?“

Früher oder später werden Eltern mit der Pubertät ihrer Kinder konfrontiert. Dabei sind sie leicht im Vorteil. Warum? Weil Eltern die eigene Pubertät schon durchlebt haben. Am Beginn meiner Arbeit mit Eltern fordere ich diese auf, sich an die eigene Pubertät zu erinnern. Was war damals gut? Was war damals schlecht?

Es kann durchaus vorkommen, dass Eltern dabei bewusst wird, dass Ihre Kinder im Grunde nichts anderes machen als das, was sie damals selbst taten. Es liegt in der Natur der Sache, dass wir manche Dinge aus der Jugend im Erwachsenenalter ganz anders beurteilen. Schließlich tragen wir die Verantwortung für unseren Nachwuchs. Nicht zu vergessen sind unsere Erfahrungen, die wir seit der Pubertät gesammelt haben, die zu einer Neubewertung der damaligen Zeit beitragen. Dennoch halte ich es für sehr wichtig, dass wir uns daran erinnern, dass wir in unserer Entwicklung eine Phase hatten, in der wir rebelliert haben, unser Streben nach Unabhängigkeit entdeckt haben und Dinge taten und sagten, die unsere Eltern auch nicht verstanden haben oder zumindest für seltsam hielten.

Kinder benötigen zum Aufwachsen Grenzen und Regeln. Sie brauchen die Gewissheit, dass ihre Eltern für sie da sind, wenn sie sie am Nötigsten haben. Pubertierende wollen und müssen ihre eigenen Erfahrungen machen. Aus Fehlern lernen und eigene Erfolge feiern dürfen. Und Eltern lernen, wann es günstiger ist, loszulassen und wann es günstiger ist, doch noch einige Zügel fest in der Hand zu behalten.

Das „Erste Mal“

Eng verbunden mit der Pubertät ist die Frage nach dem „Ersten Mal“. Zumeist verstehen wir darunter die ersten sexuellen Erfahrungen, die erste Regelblutung (Menarche) bei Mädchen oder den ersten Samenerguss bei den Jungen. Dabei gibt es so viel mehr „Erste Male“. Auch für die Eltern. Als Beispiel stellen Sie sich einfach vor, Sie können das erste Mal seit Jahren allein mit Ihrem Partner in den Urlaub fahren. Eine Vision, die für viele Eltern im ersten Moment vielleicht ungewohnt ist. Paare können diesen neuen Abschnitt als Chance nutzen, sich wieder oder noch intensiver um ihre eigene Partnerschaft zu kümmern, diese weiterzuentwickeln und gemeinsam neue Perspektiven finden. Pubertät der Kinder ist für Eltern und Jugendliche die Einladung, viele Dinge zum ersten Mal (wieder)zu erleben, Neues zu entdecken und sich selbst zu finden.

Fazit

Es gibt keine eindeutige Antwort darauf, wie lange die Pubertät dauert. Wenn es Ihnen gelingt ,die Phase der Pubertät als das zu sehen, was sie ist - eine wichtige Entwicklungsstufe Ihrer Kinder auf dem Weg erwachsen zu werden - und wenn es Ihnen gelingt, gemeinsam die alltäglichen Herausforderungen anzunehmen, dann sind die Voraussetzungen für ein gutes Gelingen gegeben. Konzentrieren Sie sich auf die Lösungen, statt auf die Probleme. Überlegen Sie, welche positiven Impulse die gegenwärtige Situation Ihrer Familie geben kann.

Irgendwann ist auch die längste Pubertät vorbei. Und es kommt die Zeit, in der die Pubertierenden von heute die Eltern von morgen sind und mit ihren Kindern die aufregende, manchmal Nerven raubende, aber sehr prägende Zeit der Pubertät durchleben. Dann können Sie in der Rolle der weisen Großeltern Trost spenden. Manchmal für Ihre Kinder und manchmal für Ihre Enkelkinder.

Autor: Matthias Munk
Thema: Wie lange dauert die Pubertät?
Webseite: http://matthias-munk.de

 

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