Damit es erst gar nicht zu einem Nervenzusammenbruch kommt – Anzeichen ernst nehmen und handeln

Als Heilpraktikerin für Psychotherapie und Coach mit systemischer Ausrichtung verfüge ich über mehr als 25 Jahre Berufskompetenz. Im Bereich der internalisierenden Störungen habe ich mich auf ängstliche und depressive Symptome, soziale Angst und sonstige emotionale Störungsbilder spezialisiert.

frau nervenzusammenbruch sress

Insbesondere Kinder, Jugendliche, Familien begleite ich bei all ihren Herausforderungen. Als Fortbildnerin im sozialen Bereich, insbesondere für pädagogische Fachkräfte und Teams, unterstütze ich diese in Work-Life-Coachings und Workshops zu Themen von Burnout- und Stress Prophylaxe zur Stärkung von Widerstandsfähigkeit.

Öfters stellen  mir auch Klienten die Frage:

Gibt es so etwas wie Warnhinweise oder Vorboten eines Nervenzusammenbruchs?

Im Rahmen von Psychoedukation und Workshops zum Thema Burnout-Prophylaxe kläre ich natürlich Klienten immer zuerst einmal auf, was ein Nervenzusammenbruch ist und welche Warnhinweise es geben kann. Präventiv coache und unterstütze ich Klienten darin, was sie selbst tun können, um ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken. Die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden eines Menschen sind mir ein hohes Anliegen. In diesem Artikel gebe ich Tipps, wie sie auch gute Unterstützung vonseiten ihres Arztes bekommen können und ihn nach den passenden Angeboten für eine Psychotherapie und/oder unterstützenden Präventivangeboten von Achtsamkeitstraining bis hin zu Entspannungsverfahren wohnortnah fragen können.

Was ist eine Überlastungsreaktion?

Kommt ein Klient zu mir ins Coaching oder eine Therapie und äußert, dass er/sie mit seiner Kraft am Ende ist, die Nerven blank liegen, ist zunächst eine genaue gesundheitliche Abklärung unerlässlich. Der Weg im Falle solch einer akuten Überlastungsreaktion, denn darum handelt es sich bei einem möglichen Nervenzusammenbruch, muss dann zuerst zu einem Arzt führen, der den körperlichen und psychischen Zustand des Patienten untersucht. Ein Nervenzusammenbruch kann ein ernstes Gesundheitsproblem anzeigen und nur der Arzt stellt die Diagnose, kann andere Erkrankungen ausschließen sowie bei fortgeschrittener Symptomatik  auch weitere Maßnahmen einleiten.

Was umgangssprachlich als Nervenzusammenbruch den meisten Menschen geläufig ist, ist medizinisch betrachtet eine psychische Überlastungsreaktion, die durch emotional sehr belastende Ereignisse und/ oder auch nach lang anhaltendem Stress auftreten kann. Oftmals sind Menschen in beruflichen Kontexten zermürbenden Stresssituationen wie Mobbing, drohendem oder bereits lange anhaltendem Arbeitsplatzstress oder -verlust sowie Dauerüberarbeitung ausgesetzt. Im privaten Leben können aufreibende Pflegesituationen, Trennungen, Scheidungen, Verluste naher Angehöriger zu hohen Überlastungsreaktionen führen. Natur- und Kriegskatastrophen, die mit extremen Verlusten, Ängsten, Gewalt und dem Gefühl nicht mehr beheimatet zu sein verbunden sind, können ebenso Auslöser für einen Nervenzusammenbruch sein. Dazu gehören auch posttraumatische Belastungsstörungen, die sich über einen Nervenzusammenbruch manchmal eruptiv  Ausdruck verleihen.

Beispiel aus der Praxis

Wie komme ich mit meiner Prüfungsangst besser zurecht?

Im Rahmen ihrer Master-Abschlussarbeit hat eine junge Studentin sich über Monate so unter Druck gesetzt, dass sie im Ersttermin unter Weinen schildert, das sie nicht mehr weiter weiß wie sie ihre Prüfungen bewältigen soll. Sie berichtet von Kopf- und Rückenschmerzen, gerade in der Nacht von einem Gedankenkarussell, dass nicht mehr aufhört und sie am durchschlafen hindere. Sie ist so in ihren ständigen Gedankenschleifen von Versagen und Prüfungsangst gefangen, dass sie über wenige eigene Bewältigungsmechanismen verfügt. Tagsüber fühlt sie sich bleischwer müde und kann sich dann in den Vorlesungen nicht mehr konzentrieren. Über die letzten Monate hat genau dieser Teufelskreis dazu geführt, dass sie sich kaum noch in die Vorlesungen traut und zuhause alleine versucht mit ihren negativen Gedanken und Gefühlen selbst fertig zu werden. Zum Glück hat sie ihren Hausarzt aufgesucht und wurde in der akuten Situation sofort richtig unterstützt.  Den Tipp zu einem Coaching hat er an sie weitergegeben. Die junge Studentin lernt im Coaching wirksame Entspannungsmethoden, achtsamkeitsbasierte Verfahren sowie Strategien im Umgang mit dem Stressthema  „Masterarbeit“ kennen und für sich in ihren Tagesablauf wieder zu integrieren.

Sind auch Kinder und Jugendliche von einem Nervenzusammenbruch bedroht?

Zunehmend wird auch für Jugendliche nach Mobbing, Ausgrenzung, Schul- und Leistungsstress etc. von Kinderärzten die Empfehlung zu Entspannungstrainings sowie sozial-emotionalen Kompetenztrainings weiter gegeben, denn auch Kinder und Jugendliche sind bereits im schulischen Alltag teilweise hohen Belastungen und möglichen emotionalen Überforderungen ausgesetzt.

Wenn in Familien alles über den Kopf zu wachsen droht…

In Elterncoachings treffe ich oftmals auf Eltern, die von Mehrfachbelastungen in Job, Familie, Freizeit oder Pflege der eigenen Eltern  betroffen berichten und Auswege aus diesen Hamsterrädern suchen. Leidvoll klagen dann Eltern darüber, dass sie sich als Versager in der Erziehung ihres/r Kindes/r fühlen. Sie werden von Selbstzweifeln  und Schuldgefühlen geplagt und grämen sich lange Zeit alleine mit all den Themen und finden selbst kaum noch Ruhe und Gelassenheit für ihren Familienalltag. Wenn dann auf einmal alles über den Kopf zu wachsen droht, die Nerven zum Zerreißen dünn sind, die Eltern weder ein noch aus wissen, sitzen sie meist erschöpft in einer Beratungssituation da und wünschen sich umfassende Lösungen. Auch hier tut es gut, wenn der Kinderarzt oder/und Hausarzt als erster Ansprechpartner zur Verfügung steht und den Eltern eine Erziehungsberatungsstelle oder ein(e) Familiencoaching oder -therapie nahelegt. 

Mögliche Anzeichen für einen Nervenzusammenbruch und ein Umgang mit diesen Tipps

Damit Sie bereits frühzeitig Zeichen einer Überforderung richtig einschätzen können und ihr Leben weiter gesund im grünen Bereich bleibt, möchte ich Warnzeichen eines Nervenzusammenbruchs, der sich durch eine Vielzahl von Symptomen äußern kann, beschreiben. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Jeder Mensch verfügt über individuelle Bewältigungsmechanismen. Die Grenze der Überbelastung ist bei jedem Mensch anders und wird möglicherweise auch noch um jeden Preis mit dem Versuch des Aushaltens kompensiert.

In dem Artikel möchte ich mögliche Anzeichen beschreiben, damit Sie als interessierte Leser*innen sich rechtzeitig Unterstützung holen und mithilfe von Arzt, Psychologen und anderen Fachleuten geeignete Strategien finden, um auch Belastungssituationen zu erkennen, sie richtig einzuschätzen und letztlich bewältigen zu können.  Zur genauen Abklärung von Symptomen suchen Sie bitte immer zuerst einen Arzt Ihres Vertrauens auf.

Welche Anzeichen können auf einen Nervenzusammenbruch hinweisen?

Schlafprobleme

Sehr häufig wird in der therapeutischen Praxis das Thema Schlafmangel genannt. Wenn die Betroffenen davon berichten, dass das Gedankenkarussell gerade in der Nacht gar nicht mehr zu Ruhe kommt, kann das Einschlafen sehr schwer fallen. Außerdem kann der Schlaf durch ständiges Wachwerden begleitet sein, ein Durchschlafen unmöglich machen und die Gedanken drehen sich fortwährend weiter um Situationen, die gelöst werden sollen, die die Vitalität am Tage einschränken, die Konzentration herabsetzen und auf Dauer zu einem Nervenzusammenbruch führen können.

Mangel an Konzentration

Müdigkeit, Konzentrationsmangel, Antriebslosigkeit sind oft die Vorboten eines längeren Leidenswegs. Erste Anzeichen einer Überlastung können bereits Konzentrationsschwäche, Müdigkeit und eingeschränkte Leistungsfähigkeit sein. Langandauernde Überlastung und Stress führen zu einer deutlichen Herabsetzung der Konzentrationsfähigkeit eines Menschen. Motivation sowie Klarheit weichen dann eher einer Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit, um alltägliche Dinge und Abläufe in sein Dasein zu integrieren. 

Kopfschmerzen, Verspannung

Extremer und andauernder Stress wirkt sich auf den Körper aus. Ständige Verspannungen, verbunden mit dem Gefühl zu viel „auf die Schultern geladen zu bekommen“,  „sich selbst zu viel aufladen zu wollen“ oder „den Kopf einziehen zu müssen,“ können Spannungskopfschmerzen begünstigen und im ungünstigen Fall zu ständigen Begleitern werden. Im Eigentlichen sind diese Warnzeichen sehr hilfreich, denn der Körper versucht in Form dieser Körperbotschaft dem Mensch zu vermitteln, dass der Stress auf Dauer zu viel ist und möglicherweise überwältigend wird.

Angst, Unruhe, sozialer Rückzug

Ständige Angst, große Sorgen und innere Unruhe können die täglichen Aktivitäten wie Arbeitsleistung und Beziehungen stark beeinträchtigen. Wenn diese Ängste zu immer schneller drehenden Hamsterrädern werden, in Angstschleifen und zu gefühlsmäßigen Achterbahnfahrten führen, aus denen man glaubt nicht mehr alleine rauszukommen, ist dringend die Begleitung eines erfahrenen Arztes, Psychotherapeuten anzuraten, damit auch wieder positive Aspekte des Lebens und Lösungen fokussiert werden können.

Körperliche Symptome wie Herzrasen, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen u.a.

Sind diese körperlichen Anzeichen vorhanden, wenden Sie sich bitte sofort einen Arzt/ Ärztin, denn nur er/sie kann z.B. dann genau eine Panikattacke, die ähnliche Symptome wie ein Nervenzusammenbruch zeigen kann, sicher voneinander unterscheiden und die richtigen Schritte einleiten. 

Stimmungsschwankungen, Niedergeschlagenheit

Stimmungsschwankungen, Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit, Wut, Weinkrämpfe können gleichfalls Anzeichen emotionaler Erschöpfung und nicht ausreichender Bewältigungsmethoden sein. Sie können die Gedanken, das Verhalten, die Gefühle, das gesamte Wohlergehen eines Menschen stark beeinträchtigen. Auch hier ist es unerlässlich sich professionelle Hilfe zu suchen, um eine mögliche depressive Symptomatik frühzeitig zu erkennen und hilfreich zu intervenieren. 

Was können Sie selbst auch zu einem stressfreieren Alltag beitragen?

herz aepfel
  • Sport, tägliche Bewegung, wandern oder spazieren gehen wirken ausgleichend auf das Nervensystem, entspannen und fördern Momente von Gegenwärtigkeit, Achtsamkeit für das Hier und Jetzt.
  • Eine gesunde Ernährung, regelmäßige Zeiten für ausgewogenes Essen mit Genuss fördern ein starkes Immunsystem.
  • Hilfreich können Entspannungstechniken wie Autogenes Training, progressive Muskelrelaxion, Yoga, Atemtechniken, die tägliche Praxis der Meditation oder Achtsamkeit sein. Übungen aus der achtsamkeitsbasierten Meditationspraxis lenken die Aufmerksamkeit eines Menschen auf den gegenwärtigen Moment, auf das Hier und Jetzt und können dabei helfen, den Stress im Körper besser abzubauen. Werden die Übungen regelmäßig durchgeführt, können sie dabei unterstützen, Selbstbewusstsein und Selbstwert eines Menschen wieder zu stabilisieren. Diese Kompetenzen sind wiederum sehr hilfreich, um sich psychisch, körperlich und mental gesund aufzubauen, auch in belastenden Lebenssituationen. Kurse werden bei Volkshochschulen und vielen anderen Bildungseinrichtungen angeboten.

Wegweiser in Kürze

  • Nehmen Sie Anzeichen ernst und handeln
  • Suchen Sie einen Arzt auf und schildern die Symptome
  • Wie lautet die Diagnose?
  • Besprechen Sie mit Ihrem Arzt wie es weitergeht
  • Was können sie selbst tun?
  • Wie können Sie sich weiter unterstützen lassen?
  • Psychotherapie
  • Coaching zur Burnout- und Stress-Prophylaxe
  • Teilnahme an einem Präventionskurs
  • Ernährungsberatung
  • Bewegung, Sport, o.a.

Autor: Marie-Anne Raithel
Thema: Anzeichen Nervenzusammenbruch
Webseite: https://www.herzwesen.de

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