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Atemtechniken

Leben ist Atem und Atem ist Leben! Es ist der Atem, der die vitale Lebenskraft oder Lebensenergie enthält und lenkt. Atmen ist wohl die unmittelbarste aller Notwendigkeiten des Lebens. Ein gesunder Mensch kann etwa sechs Wochen ohne Essen und einige Tage ohne Wasser überleben, doch nur wenige Minuten ohne zu atmen.

wohlbefinden zufriedenheit

Obwohl niemand ohne zu atmen überleben kann, schaffen es dennoch viele Menschen, einen großen Teil ihres Lebens zu verbringen, ohne je richtig durchzuatmen. Das hektische Tempo der heutigen Zeit in Verbindung mit unserer meist sitzenden Lebensweise fördert ungesunde Atemgewohnheiten, die zu körperlicher Verspannung führen. Diese verhindern, dass sich der Brustkorb beim Atmen vollkommen ausdehnen kann. Doch schlechte Atemgewohnheiten fordern von unserer körperlichen, geistigen und emotionalen Gesundheit einen hohen Tribut, denn in einem Körper, dem es durch falsche Atmung an Sauerstoff mangelt, können Viren und Bakterien gut gedeihen.

Die Atmung geschieht unbewusst, kann aber auch bewusst gesteuert werden! Die unbewusst rhythmisch verlaufende Atemtätigkeit ist nur durch Taktgeber, die sich im zentralen Nervensystem befinden, möglich. Dieses System für die Atmung befindet sich im verlängerten Rückenmark, der Medulla oblongata, unmittelbar oberhalb des Halsrückenmarks.

Im Allgemeinen nehmen wir den Atem gar nicht wahr und machen uns den Zusammenhang zwischen Atem und Gesundheit nicht bewusst!

Die meisten Menschen atmen nur ‚halb‘ aus, da das Ausatmen anstrengender ist als das Einatmen. Wenn wir vor dem Einatmen zu wenig ausatmen, wie dies oft bei Stress, Erregung, Wut und Angst der Fall ist, stauen sich Kohlendioxide und Schlacken als Abfallprodukte  in der Lunge und gelangen  ins Blut. Das wiederum bewirkt eine vorübergehende ‚Vergiftung‘, die sich in Unruhe, Müdigkeit oder Erschöpfung äußert. Ständige Sauerstoffunterversorgung des Körpers führt langfristig zu Verspannungen, Kopfweh, Kreislaufproblemen, rascher Ermüdung und Konzentrationsschwäche.

Der Atem ist die ‚Schnittstelle‘ zwischen Körper und Geist:

Jeder Gedanke, jede Handlung und Emotion beeinflusst den Atem.

Es ist unmöglich, ruhig, tief und entspannt zu atmen und gleichzeitig aufgeregt zu sein!

Wenn der Mensch unter körperlichem, geistigem oder emotionalem Stress steht, inneren Druck verspürt oder sich sorgt, werden automatisch Muskeln angespannt und die Atmung wird unregelmäßig und flacher. Dies ist eine Reaktion des ‚Flucht-Kampf-Mechanismus‘, mit dem sich der Körper auf Gefahr einstellt um zu kämpfen oder davonzulaufen. Die Belastungen des ‚modernen Lebens‘ können diese Reaktion mehrmals täglich hervorrufen!

In Schock- und Schrecksituationen reagiert der Mensch meist mit Atemanhalten, und es kann zu Schwäche, Benommenheit, Schwindel, „Kloßgefühl“ im Hals oder Erstickungsangst kommen.

Bei anhaltender psychischer Belastung kann kaum ausgeatmet werden; die Atemluft verbleibt im Körper – anschließend atmet man mit angespanntem Brustkorb wieder ein. Dies führt zu einem Spannungsgefühl in der Brust; meist auf der linken Seite, was oft herzbezogene Ängste auslöst. Hier wäre ein „Tief-Luft-Holen“ sehr hilfreich, um innezuhalten, sich zu konzentrieren, zu reflektieren und dann zu reagieren.

Alle starken Gefühle, wie etwa Angst, Ärger, Wut, Panik, Schmerz, sexuelle Erregung, Freude, verändern die Atmung. Bei emotionaler Erregung kann es auch zur Hyperventilation und bei plötzlichem Erschrecken zu einem vorübergehenden Atemstillstand kommen.

Störungen der Atmung findet man auch bei Patienten mit psychischen Störungen, vor allem bei Depressionen sowie bei Angststörungen. Depressive Menschen erleben oft Symptome wie Enge im Brustkorb (bis zum Hals reichend), Atemnot, Druck auf der Brust, „Lufthunger“, flache oder unregelmäßige Atmung, schweres Atmen und Hustenreiz. Angst- und Panik-Patienten leiden oft unter Beklemmungsgefühlen im Brustbereich sowie unter beschleunigter Atmung bis hin zur Hyperventilation, die manchmal auch den Beginn einer Panikstörung markiert.

Dem Umstand, dass der Atem mit Körper und Geist in Verbindung steht, haben wir einige Redewendungen und Zitate zu verdanken:

- „Ich kämpf bis zum letzten Atemzug!“

- „Ich könnte vor Wut schnauben!“

- „Ich habe den längeren Atem!“

-  „Das verschlägt mir den Atem!“

- „Du siehst atemberaubend aus!“

-  „Mir geht die Luft/Puste aus!“ 

- „Jetzt atme ich wieder auf!“

- „So Du zerstreut bist, lerne auf den Atem achten.“ (Buddha)

- „Gemeinsamkeit aller Lebewesen ist der Atem.“ (chin. Sprichwort)

- „Atme aus, bevor Du etwas Neues beginnst.“

Atemtechnik – was  ist das?

In der jahr-tausende-alten Yoga-Tradition wurden Atemtechniken geheim gehalten und nur von Lehrer zu Schüler weitergegeben. Der Schüler musste in seiner Entwicklung so weit vorangeschritten sein, dass er den Lehren und Praktiken des ‚Pranayama‘ (Beherrschung der Lebensenergie) würdig und gewachsen war, denn mit ‚Pranayama‘ kann der Körper und Geist stark beeinflusst werden.

Seit einigen Jahren werden Atemtechniken aus dem Yoga auch im Westen genutzt, und auch heute sollten, vor allem fortgeschrittene Atempraktiken, von einem erfahrenen Lehrer oder Atemtherapeuten unterrichtet werden, um Komplikationen zu vermeiden.

Atemtechniken können Körper und Geist u.a.:

- Kühlen

- Wärmen

- Beruhigen

- Aktivieren

- Ausgleichen- in Balance  bringen

Bereits die bewusste Atmung ist eine Atemtechnik und hilft uns, ein wacheres und erfülltes Leben zu führen, da der gesamte Körper von Abfallstoffen gereinigt und die Sauerstoffaufnahme gesteigert wird.

… und jetzt sind Sie an der Reihe – zwei Atemtechniken zum Mitmachen!

Atem-Beobachtung

Wirkung:

Diese Übung beruhigt den Geist in Stresssituationen.

Übungsanleitung:

1. Sitzen Sie gerade und entspannt oder legen Sie sich einfach bequem hin und beobachten Sie Ihren Atem (Bewusstheit). Bewerten Sie nicht, ob Sie tief oder flach, kurz oder lang atmen – beobachten Sie einfach nur wie der Atem fließt!

Atmen Sie durch die Nase ein und aus und schließen Sie sanft Ihre Lippen!

Die Kiefergelenke sind entspannt (Zähne leicht geöffnet) und wenn Sie mögen, dann schließen Sie Ihre Augen.

Sie werden merken, dass sich ein gleichmäßiger Atem-Rhythmus einstellt.

2. Nun spüren Sie, wie beim Einatmen die Atemluft durch die Nasenlöcher, in die Nasenhöhlen, durch den Rachen, Luftröhre, Bronchien bis zur Lunge strömt – ohne Anstrengung.

Spüren Sie die kleine, natürliche  Atempause, nach dem Einatmen!

3. Atmen Sie dann langsam, ohne Anstrengung wieder aus (den gleichen Weg zurück) – bis Sie den Atem aus den Nasenlöchern entlassen; ein kleiner Luftstrom ist zu spüren.

Spüren Sie die kleine, natürliche  Atempause, nach dem Ausatmen!

Üben Sie diese Atemtechnik wann immer Sie möchten und so lange Sie möchten/es Ihnen gut tut. Nach dem Beenden räkeln und strecken Sie sich ein wenig und heißen die Bewegung in Ihrem Körper willkommen.

2:1 Atmung – LOS - LASSEN

Wirkungen:

Geistiger Stress (z.B. Prüfungsangst) und negative Emotionen können losgelassen werden.

Diese Übung hilft, eine volle Ausatmung zu entwickeln, um den Körper von Giftstoffen zu befreien.

Übungsanleitung:

1. Sitzen Sie gerade - der Rücken ist aufgerichtet.

 Atmen Sie durch die Nase ein und aus und schließen Sie sanft Ihre Lippen!

Die Kiefergelenke sind entspannt (Zähne leicht geöffnet) und wenn möglich, schließen Sie Ihre Augen.

2. Atmen Sie ruhig in den Bauch: Der Bauch hebt sich beim Einatmen und geht beim Ausatmen nach innen. Finden Sie dabei einen anstrengungslosen, fließenden Atemrhythmus!

3. Wenn Sie bereit sind, kommen Sie in einen Atemrhythmus von 6 Sekunden beim Ausatmen und 3 Sekunden beim Einatmen. Variieren Sie die Atemzeiten so, dass es Ihnen gut geht; der Aus-Atem ist doppelt so lang wie der Ein-Atem!

4. Hilfreich kann es sein, wenn Sie beim Einatmen das Wort „los“ und beim Ausatmen das Wort „lassen“ geistig wiederholen. Stellen Sie sich vor, wie Sie beim langsamen Ausatmen Ihre Angst, Stress, alle Muskelverspannungen, … lösen und verabschieden.

5. Setzte diese Atmung 1-3 Minuten fort, jedoch nur so lange wie es Ihnen gut tut!

6. Machen Sie ein paar wohltuende Körperbewegungen, bevor Sie wieder in Ihren Alltag zurückgehen. Fühlen Sie die ruhige Kraft in Ihnen strömen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Ausprobieren der Übungen!

Gesundheit, Ausgleich und Wohlbefinden ist ein hohes Gut – der Atem ist ein wunderbarer Helfer!

Autor: Silka Henneberg
Thema: Atemtechniken
Webseite: http://www.silka-sananda.de

 

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