Wie kann ich mich beruflich verändern?

In 10 Schritten zur beruflichen (Neu-)Orientierung

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Die Anliegen, mit denen Klienten zu mir in ein Karriere Coaching kommen, sind üblicherweise:

  • „Ich habe studiert und einen Masterabschluss. Auf meine Bewerbungen erhalte ich nur Absagen, weil mir die Praxiserfahrung fehlt. Wie bekomme ich meine PS auf die Straße?“
  • „Vor ½ Jahr hatte ich einen Burnout. Ich will und kann nicht mehr in dem Hamsterrad arbeiten wie bisher. Ich muss mir beruflich etwas anderes überlegen.“
  • „Ich habe in meinem Leben zu lange meine privaten Interessen für den Beruf zurückgestellt. Ich habe genug Geld verdient und möchte von nun an etwas machen, dass mich beruflich erfüllt. Vielleicht mich selbständig machen. Aber auf was muss man da alles achten?“
  • „Mein Arbeitgeber hat mich entlassen. Ich bin 55 Jahre alt. Wie soll ich jetzt noch einen Job finden?“ Mich will doch niemand mehr.“

Egal in welcher Lebensphasen meine Klienten sind: sie haben bislang weitgehend erfolglos versucht, ihre berufliche Situation alleine oder mit Hilfe von Freunden und Familie zu lösen. Die Berufswahl oder berufliche Neuorientierung begleitet uns bestenfalls unser ganzes Leben und hat daher maßgebliche Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Um die damit verbundene weitreichende Entscheidung abgewogen treffen zu können, müssten Sie Experte über sich selbst sein (wer ist da schon objektiv…) und Arbeitsmarktexperte sein. Auf weiterführenden Schulen wird das Thema Berufliche Zielfindung und Bewerbungen zwar behandelt, allerdings eher am Rande und auch nicht unbedingt von Praktikern. Dies zeigen diverse Karrieremessen, auf denen ich als Karriere Coach seit vielen Jahren im Einsatz bin: Vor allem jüngere Teilnehmer wissen sehr oft nicht, was sie konkret machen wollen und was der Arbeitsmarkt von ihnen erwartet. 

Wobei ich ehrlicherweise eingestehen muss: auch ich habe bei meiner damaligen Berufswahl (Wirtschaftsstudium mit anschließender Anstellung in einer Großbank) keine externen Experten einbezogen. Im Nachhinein hätte ich mir sicherlich einige negativen Erfahrungen ersparen können.

Damals war jedoch externe Unterstützung in Berufsfragen noch nicht sehr verbreitet. Heute gibt es Karriere Coaches, die richtige Fragen stellen und die Berufswahl in die richtigen Bahnen lenken. Denn warum sollte man ein so wichtiges Thema wie die berufliche Karriere, die einen im besten Fall bis zur Rente mit 67 begleiten wird, in die Hände von Laien geben?

Eine häufig geäußerte Motivation vor allem bei Berufsanfängern ist: „Ich möchte jetzt möglichst schnell möglichst viel Geld verdienen.“ Zwar mag das Gehalt am Anfang einer Berufskarriere ein großer Motivator sein, mit zunehmendem Alter verliert es jedoch seinen Reiz. Denn eine gut bezahlte Stelle kann ein schlechtes Arbeitsumfeld, schlechtes Arbeitsklima, eine lange Anfahrt mit nervigen Staus und Parkplatzsuche auf Dauer nicht kompensieren. Das Gehalt taugt daher langfristig nicht als Motivator und ist daher ein schlechter Ratgeber.

Was sind also die 10 wichtigsten Schritte, um die Karriere in die richtige Richtung zu lenken?

1.) Erinnern Sie sich daran, was Ihnen schon immer Spaß gemacht hat. Dinge, bei denen Sie die Zeit vergessen. Lässt sich damit idealerweise Geld verdienen? Finden Sie heraus, was Ihnen Spaß macht, so dass Sie im Job viele Jahre arbeiten können.

2.) Finden Sie heraus, was für ein Persönlichkeitstyp Sie sind, welche Neigungen ihrer Persönlichkeit entsprechen. Es mag sein, dass Sie glauben, bereits alles über sich zu wissen. Natürlich sind Persönlichkeitstests nur eine verkürzte Sicht auf eine komplexe Persönlichkeit. Trotzdem fördern sie oft interessante Dinge zu Tage. Nützlich sind der weltweit bekannte Myers Briggs Type Indicator (MBT) - zu finden z.B. auf 16personalities.com/de - sowie der Belbin Teamrollentest.

3.) Überlegen Sie sich, was Sie bereit sind, für den Beruf zu opfern. Wollen Sie Familie und Freunde zurücklassen und an einen anderen Ort ziehen, sind sie partnerschaftlich ungebunden? Wie viele Stunden sind Sie bereit zu arbeiten? Denn für einen gut bezahlten Job (z.B. Consultant in einer Unternehmensberatung) wird erwartet, dass Mehrarbeit mit dem Gehalt bereits abgegolten ist. Zwar verdienen Sie dann viel Geld, arbeiten dafür aber auch 60 Stunden pro Woche und können das Geld faktisch gar nicht ausgeben. Und wenn dann noch Sie Pech haben, laufen Sie nach 5-10 Jahren in diesem Job in einen Burnout.

4.) Schauen Sie sich auf Stellenmärkten um, wenn Sie Schritt 1-3 absolviert haben. Dies sind z.B. stepstone.de, www.indeed.de sowie die Stellenportale auf LinkedIn und Xing. Bewerben Sie sich zu Beginn der Berufskarriere auch auf befristete oder nicht so gut dotierte Stellen. Denn wer einmal den Fuß im Unternehmen hat, kommt meistens weiter im Unternehmen hoch.

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5.) Gehen Sie auf Absolventenkongresse und Karrieremessen - z.B karrieretag.org. Dort können Sie sich über vakante Stellen informieren und vor Ort mit Firmen ins Gespräch kommen. Dabei können Sie herausfinden, was den Unternehmen besonders wichtig ist und ob Sie sich vorstellen können, dort zu arbeiten. Auf Karrieremessen können Sie ein kostenloses Karriere Coaching in Anspruch nehmen und sich Vorträge rund um das Thema Bewerbung anhören.

Für die Schritte 4+5 benötigen Sie bereits eine Visitenkarte, um Ihre Persönlichkeit zu transportieren: einen Lebenslauf, ein Bewerbungsanschreiben und das Verhalten im Bewerbungsgespräch. Um diese geht es in den folgenden wichtigen Schritten.

6.) Erstellen Sie einen übersichtlichen Lebenslauf, der folgendes beinhaltet. Wenn Sie fünf Coaches oder Personaler fragen, wie er aufgebaut sein sollte, dann erhalten Sie vermutlich sechs Aussagen.

Meine Empfehlungen hierzu lauten:

  • Er sollte auf zwei DIN A4 Seiten passen und unterschrieben werden. Er wird anti-chronologisch aufgebaut, d.h. die aktuelle Berufsstation kommt nach vorne.
  • Sie sollten ein ansprechendes Foto einfügen, dass Sympathie erzeugt. Denn es kommt in der Bewerbung nicht ausschließlich auf das Transportieren Ihrer Fachlichkeit an.
  • Es sollten möglichst keine Lücken im Lebenslauf sein, die länger als ein Quartal sind; Weiterbildungen helfen, diese Lücken zu füllen. Arbeitslosigkeit und Krankheiten erwähnen Sie nicht.
  • Alle beruflichen und schulischen Positionen sollten Sie mit Zeugnissen belegen, die in einem eigenen PDF ebenfalls anti-chronologisch sortiert und der Bewerbung beigefügt werden. Fehlen Zeugnisse, dann fordern Sie diese nachträglich an.
  • Vergessen Sie nicht Hobbies, Sprachen, Auslandserfahrungen und Ehrenämter; dies sind ideale Anknüpfungspunkte, die man im Vorstellungsgespräch vertiefen kann und die Sie nahbarer werden lassen.
  • Da Sie den Lebenslauf unterschreiben bestätigen Sie damit, dass dies der Wahrheit entspricht. Falls Sie lügen, wäre dies ein möglicher fristloser Kündigungsgrund. Es ist also gut zu überlegen, welche Aussagen wie belastbar sind.

7.) Ein gutes Bewerbungsanschreiben ist alles andere als trivial. Auch hierzu erhalten Sie von Coaches und Personalern vermutlich unterschiedliche Empfehlungen.

bewerbung kugelschreiber

Meine langjährige berufliche Erfahrung und meine Erfolgsquote von >90% zeigen, dass die folgenden Aspekte nicht falsch sein können:

  • Ein gutes Bewerbungsanschreiben kommt auf den Punkt; das schaffen Sie auf einer DIN A4-Seite. Ziel ist es, beim Leser den Wunsch zu wecken: „Den/Die möchte ich kennenlernen.“ Es geht dabei nicht nur um Fachlichkeit, sondern die perfekte Passung - auch menschlich. Die Bewerbung ist Werbung in eigener Sache.

  • Rechtschreib- oder Grammatikfehler sind ein No-go. Kein Satz beginnt mit einem Ich. Es werden keine Konjunktive (würde, sollte, könnte) Substantivierte Verben (z.B. „Durchführung“ wirken nüchtern und gestelzt). Es darf übrigens gerne das Wort „Spaß“ oder „Freude“ darin auftauchen.

  • Das Bewerbungsschreiben ist nicht dazu da, alles vorwegnehmen, was im Bewerbungsgespräch gefragt werden könnte, d.h.: Sie erwähnen nicht, was in ihrem Leben nicht funktioniert hat, nennen keine Krankheiten und keine Arbeitslosigkeit. Sie erwähnen, was Sie positiv abhebt, machen neugierig auf ein mögliches Bewerbungsgespräch.

  • Nach der Anrede (nicht an „Sehr geehrte Damen und Herren“…) ist das Bewerbungsschreiben in drei Blöcke gegliedert:

    „YOU“: Was sucht die Firma (dies steht in der Stellenanzeige) und warum sind Sie der/die Richtige dafür? Die obersten 2-3 Anforderungen des Unternehmens aus der Stellenanzeige sollten Sie schon erfüllen können, aber nicht unbedingt alle.

    „ME“: Was habe ich in Ausbildung und Beruf bisher gelernt: Beruflich und persönlich (soft skills)? Es reicht nicht aus, diese lediglich aufzuzählen (z.B. „Ich verfüge über ein hohes Maß an Teamfähigkeit, Einsatzfreude und Konfliktfähifgkeit“). Belegen Sie diese mit konkreten beruflichen Etappen, denn behaupten kann das jeder.

    „WE“: Wie kommen wir zusammen? Was sind die Gehaltsvorstellungen (als „“; kein „von…bis“), sofern in der Stellenanzeige erwähnt und ein möglicher Einstellungstermin?

8.) Sofern Sie dann eine Einladung für ein Bewerbungsgespräch erhalten haben, bereiten Sie sich darauf vor. Folgende Fragen sind zu erwarten:

  • „Was sind Ihre drei größten Stärken und Ihre zwei größten Schwächen?“ Darüber sollten Sie nicht lange nachdenken müssen. Hierbei können Sie auch persönliche Schwächen nennen. Denn wer über sich selbst lachen kann wirkt sympathisch.
  • „Erinnern Sie sich an einen beruflichen Konflikt, den Sie einmal hatten und wie haben Sie diesen gelöst.“ Selbstverständlich hatten Sie Konflikte und Sie haben diese grandios gelöst…
  • „Wie würde Sie ein ehemaliger Vorgesetzter beschreiben?“ Hierbei geht es um fachliche Aspekte, Arbeitsorganisation und Teamverhalten.
  • „Wie würde Ihr/e beste/r Freund/in Sie beschreiben?“ Hierbei geht es um Sozialverhalten.
  • „Was war Ihr größter beruflicher Erfolg und was Ihr größter beruflicher Misserfolg?“ Natürlich hatten Sie im Leben Misserfolge – und haben aus diesen natürlich gelernt…
  • „Haben Sie weitere Fragen?“ Sie stellen zum Ende des Gesprächs zwei Fragen, die etwas mit Ihrer möglichen Stelle und den Arbeitsabläufen zu tun haben. Stellen Sie keinen Fragen zu Gehalt, Urlaub oder sonstigen Sozialleistungen.

9.) Im Bewerbungsgespräch geht es darum, dass beide Seiten herausfinden, ob die Erwartungen erfüllbar sind. Aus Sicht des Unternehmens ist dies, ob Ihre fachliche Kompetenz passt und ob Sie sich vom Typ her in das neue Team integrieren können. Sehen Sie das Bewerbungsgespräch als das, was es ist: ein Gespräch zum Kennenlernen. Wie ein Kaninchen vor der Schlange zu sitzen und den Lebenslauf auswendig aufzusagen ist grundverkehrt. Versuchen Sie freundlich, authentisch, nett und sympathisch zu wirken. Und wenn Sie im oder nach dem Gespräch zu der Erkenntnis kommen, dass die Stelle oder das Unternehmen für Sie nicht passen: sagen Sie dem Unternehmen für die Stelle ab. Ein Hinweis für ein online-Bewerbungsgespräch: Schauen Sie nicht nach unten auf den Schreibtisch; man könnte glauben, Sie lesen das Gesprochene ab…

10.) Sollten Sie arbeitslos, arbeitssuchend oder von Arbeitslosigkeit bedroht sein, können Sie bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) für ein Karriere Coaching beantragen. Auf dem Bildungsportal kursnet.de finden Sie (online-) Angebote von zertifizierten Bildungsträgern (SGB III/ AZAV), die diese Leistungen abrechnen dürfen, damit das Karriere Coaching für Sie kostenlos ist.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer beruflichen (Neu-)Orientierung!

Autor: Martin Heuser - Karriere Coach, Inhaber mhTCC, zertifizierter Bildungsträger SGB III/AZAV
Thema: Wie kann ich mich beruflich verändern?
Webseite: https://www.mh-tcc.de

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