Auslöser von familiären Problemen

Familiäre Probleme haben meistens einen Auslöser, also irgendein Ereignis, das dazu führt, dass das Zusammenleben nicht mehr so funktioniert wie bisher.

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Im Folgenden möchte ich auf einige Belastungssituationen eingehen, die das Gleichgewicht jedes einzelnen Familienmitgliedes und damit auch das der gesamten Familie gehörig durcheinanderbringen können.

Wichtig zu wissen ist, dass jeder Mensch seine eigene Geschichte mitbringt. Das heißt, jeder hat sich durch seine bisherigen Erfahrungen im Leben, insbesondere durch seine Bindungserfahrungen in der Kindheit, Verhaltensmuster angeeignet, um möglichst gut durchs Leben zu kommen. Allerdings sind manche dieser Verhaltensmuster zwar in der Kindheit und Jugend möglicherweise hilfreich, im Erwachsenenalter jedoch nicht mehr angemessen. Genauer hinschauen sollte man immer dann, wenn man an sich selbst feststellt, dass man in bestimmten Situationen immer wieder deutlich emotionaler reagiert, als die meisten Mitmenschen. Fühle ich mich beispielsweise sehr schnell persönlich angegriffen und kann mit Kritik nicht gut umgehen, reagiere also beleidigt oder gar wütend, sobald mich jemand kritisiert, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass frühere Verletzungen noch wirken.

All diese Erfahrungen bringen wir in eine Paarbeziehung an. Am Anfang sehen wir unseren Partner durch die berühmte rosarote Brille. Häufig faszinieren uns genau die Eigenschaften am Gegenüber, die wir an uns selbst vermissen. Sehr strukturierte Menschen finden Gefallen an der Spontaneität des Partners, eher zurückhaltende Personen bewundern ihren Partner für dessen Entertainmentkünste. Wenn nach einer Weile der Alltag in die Beziehung einkehrt, sind es aber oft genau diese Eigenschaften des Partners, die uns jetzt regelmäßig auf die Palme bringen. Spontaneität bedeutet für uns nerviges Chaos und statt Entertainment wünschen wir uns, der/die andere möge einfach mal ruhig sein.

Auch in „normalen“ Zeiten bringt jeder der Partner seinen Stress, beispielsweise aus dem Beruf, mit nachhause. In aller Regel finden Paare aber einen guten Umgang damit. Besondere Belastungssituationen können die Lage allerdings zusätzlich verschärfen und zu handfesten familiären Problemen führen:

Finanzielle Probleme

mann hosentaschen nach aussen pleite klein

Wenn jemand seinen Job verliert oder wie momentan pandemiebedingt länger in Kurzarbeit ist, kann dies zu erheblichen finanziellen Schwierigkeiten führen, die sich schnell zu familiären Konflikten ausweiten. Während der Arbeitende sich beklagt, dass alle Verantwortung der Sicherung der Existenz nun einzig und allein auf ihm lastet und dem Jobsuchenden manchmal mangelnde Initiative vorwirft, fühlt sich dieser unverstanden und leidet häufig unter der finanziellen Abhängigkeit sowie dem Verlust von Tagesstruktur, Kontakten und sinnstiftenden Aufgaben. Vielfach herrscht Uneinigkeit, wofür wieviel Geld nun ausgegeben werden darf. Nicht selten führt der Verlust des Arbeitsplatzes auch zu psychischen Problemen.

Gesundheitliche Probleme

Wenn einer der Partner ernsthaft körperlich oder psychisch erkrankt, beispielsweise an Krebs oder auch an Depressionen, gerät das gesamte Familiengefüge ins Wanken. Der Erkrankte kann in aller Regel nicht mehr die gewohnte Rolle als Elternteil oder Partner einnehmen, seine Aufgaben müssen von anderen Familienmitgliedern übernommen werden. Das führt häufig zu Frust und Überlastung bei den gesunden Familienmitgliedern, was der Erkrankte auch deutlich spürt. Neben den Sorgen um seine eigene Gesundheit tauchen nicht selten Schuldgefühle auf. Ähnlich verhält es sich bei Suchterkrankungen. Der Suchtkranke ist weniger leistungsfähig, die restliche Familie versucht, dies zu kompensieren und signalisiert ihm mehr oder weniger deutlich, dass er sich ändern muss. Dies erzeugt Druck beim Suchtkranken, den dieser wiederum mit seinem Suchtmittel zu lindern versucht. Kinder leiden ganz besonders unter psychischen Erkrankungen der Eltern. Sie müssen dann häufig bereits in jungen Jahren Verantwortung übernehmen, beispielsweise die jüngeren Geschwister betreuen und versorgen. Leider neigen sie auch häufig dazu, die Schuld für die Erkrankung der Eltern bei sich zu suchen. Dies hinterlässt bleibende Spuren. Auch wenn ein Kind eine Suchterkrankung entwickelt, führt das zu familiären Problemen. Die Eltern bewegen sich im permanenten Spannungsfeld zwischen Sorge – helfen wollen – Wut – Hilflosigkeit und Ohnmacht, häufig begleitet von starken Schuldgefühlen oder Vorwürfen an das jeweilige andere Elternteil. Hier gilt die klare Empfehlung: Holen Sie sich professionelle Unterstützung!

Fremdgehen

frau traurig gelaender klein

Wenn einer der Partner fremdgeht, bedeutet das nicht selten das Aus für die Beziehung. Der Vertrauensbruch ist so gravierend, dass eine Fortsetzung der Beziehung unmöglich erscheint. Manche Umstände können eine Trennung weiter verkomplizieren, beispielsweise bei gemeinsamen Kindern der Streit um den zukünftigen Umgang. Kommt dann ein fester neuer Partner bzw. eine feste neue Partnerin ins Spiel, können durch die Patchworksituation weitere Konflikte entstehen. Auch finanzielle Aspekte (z.B. gemeinsames Wohneigentum) erschweren den Trennungsschritt. Fremdgehen kann manchmal aber auch ein Signal sein, gemeinsam (mit oder ohne professionelle Unterstützung) an der Paarbeziehung zu arbeiten und die Beziehung nach einer behutsamen Wiederannäherung und dem langsamen Wiederaufbau von Vertrauen auf einer neuen Ebene fortzusetzen. Ebenso können sexuelle Probleme mit Geduld, gegenseitigem Verständnis, Einfühlungsvermögen und ggf. zusätzlicher therapeutischer Unterstützung häufig für beide zufriedenstellend gelöst oder zumindest verbessert werden.

Kinder

mutter vater kind klein

Auch Kinder führen immer wieder zu Konflikten in der Paarbeziehung. Sowohl ungewollte Schwangerschaften als auch ungewollte Kinderlosigkeit sind eine große Belastungsprobe für die Partnerschaft. Und selbst wenn das Paar sein Wunschkind mit großer Vorfreude und allerlei guten Vorsätzen zur Welt gebracht hat, sind Konflikte normaler Bestandteil des Familienalltags. Gerade die Anfangszeit ist geprägt von Übermüdung, eventuell hormonellen Schwankungen und damit einhergehenden Stimmungsschwankungen und einem oft mühsamen Sich-Einfinden in die neue Rolle als Eltern mit 24/7 Verantwortung. Der Aufbau einer sicheren Eltern-Kind-Bindung steht zunächst im Vordergrund, die Pflege der Paarbeziehung wird häufig vernachlässigt. Außerdem kann es unterschiedliche Ansichten zur Erziehung, Gestaltung und Umfang der persönlichen Freizeit, zum beruflichen Wiedereinstieg und zur Aufgabenverteilung im Haushalt geben. Der eigene Perfektionismus kann hier manchmal unnötig zusätzliches Konfliktpotenzial bergen. Im Laufe der Jahre müssen zahlreiche Entscheidungen, die die Entwicklung des Kindes betreffen, getroffen werden. Herausfordernde Entwicklungsphasen wie Trotzphase und Pubertät wollen gut gemeistert werden. Übrigens: Aus eigener langjähriger Erfahrung als ehrenamtliche Onlineberaterin für Kinder und Jugendliche weiß ich, dass diese sehr unter familiären Problemen leiden. Bei allen eigenen Problemen, die uns als Eltern eventuell belasten, sollten wir deshalb das Wohlergehen unserer Kinder nicht aus den Augen verlieren!

Lösungsmöglichkeiten

Das A und O bei der Lösung familiärer Probleme liegt in der Kommunikation. Sich seiner eigenen Bedürfnisse bewusst zu werden und diese offen und ehrlich zu kommunizieren ist eine wichtige Grundlage. Zum achtsamen Umgang miteinander gehört auch das von Carl Rogers entwickelte sogenannte Aktive Zuhören, bei dem es darum geht, zu verstehen, was das Gegenüber gerade empfindet und dies zu spiegeln, sich also quasi mal in dessen Schuhe zu stellen und die Welt durch seine Augen zu betrachten. Diese Art der Kommunikation führt zur Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen, zur Förderung der Empathie und einer Verminderung von Missverständnissen. Oft kann auch eine Veränderung der eigenen Wahrnehmung helfen. Statt den Fokus auf das zu lenken, was gerade nicht gut läuft, kann man sich gezielt ins Bewusstsein rufen, was – trotz allem – gerade gut ist, wie es ist. Alltägliche Kleinigkeiten wertzuschätzen kann einen durchaus positiven Einfluss auf unsere Stimmung haben und dadurch auch unser Verhalten positiv beeinflussen. Hierfür kann ein kleines Büchlein gute Dienste leisten, in das man jeden Abend drei positive Dinge des Tages hineinschreibt. Dies führt zum einen dazu, sich der positiven Dinge bewusst zu werden, zum anderen aber langfristig auch dazu, bereits am Tag immer mal wieder daran zu denken, was man denn heute Abend in sein Büchlein schreiben kann. Eine Zeitlang angewendet, kann diese simple Methode die Wahrnehmung der eigenen Situation zum Positiven verändern.

Hilfreiche Fragen

Vielleicht gibt Ihnen ja auch eine der folgenden Fragen erste Impulse für eine positive Veränderung Ihrer familiären Probleme:

- Was läuft gerade gut bei uns und soll sich nicht verändern?
- Warum habe ich mich für meine/n Partner/in entschieden, was mag ich an ihr/ihm?
- Was könnte ich dazu beitragen, dass das Problem verschwindet?
- Was brauche ich jetzt für mich, um mich selbst zu stabilisieren? Was tut mir gut?
- Auf welche Stärken kann ich zurückgreifen, die mir bei früheren Problemen geholfen haben?
- Wer aus meinem Umfeld könnte mich bei der Bewältigung des Problems unterstützen?
- Könnte eine professionelle Unterstützung (Paartherapie, Erziehungsberatung etc.) hilfreich sein?

Gerade bezüglich der Inanspruchnahme professioneller Hilfe haben manche Menschen eine große Hemmschwelle. Hier möchte ich Sie gern ermutigen: Genauso selbstverständlich, wie ein Arztbesuch bei körperlichen Beschwerden oder die regelmäßige Inspektion des Autos sollte die Inanspruchnahme professioneller Unterstützung bei psychischen Belastungen sein!

Hinweis: Zur besseren Lesbarkeit habe ich durchgängig die männliche Form verwendet! Gemeint sind immer alle Geschlechter!

Autor: Silvia Fritzsch, Heilpraktikerin Psychotherapie
Thema: Familiäre Probleme
Webseite: https://www.familie-und-ich-muenchen.de

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