Ratgeber Lifestyle

Seit 58 Jahren sind sie glücklich verheiratet, sie ist 77 und er 91 Jahre alt. Auf meine Frage hin ob sie an die Liebe des Lebens glauben, sah ich in erstaunte Gesichter und bekam zur Antwort: „Selbstverständlich, wir müssen nicht daran glauben, denn wir wissen, dass wir beide die Liebe des Lebens gefunden haben.“

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Die Reaktion meines befreundeten Ehepaars, das ich seit 23 Jahren kenne, ist eindeutig. Dass die Frage nach der Liebe des Lebens jedoch nicht so pauschal und einfach zu beantworten ist, zeigt, dass sich seit Urzeiten Philosophen, Psychologen, Wissenschaftler und Gelehrte verschiedenster Fachrichtungen mit ihr beschäftigen.

Mein befreundetes Ehepaar ist für mich ein schönes Beispiel, dass es sie gibt: die Liebe des Lebens. Der Mensch ist jedoch als Individuum geprägt durch die Zeit, in die er hineingeboren wurde sowie durch seine Erziehung, Kultur, Religion und Tradition. Er weist daher eine extrem große Bandbreite auf. Hinzu kommt, dass jeder Mensch Gefühle und Emotionen anders empfindet und bewertet, weshalb es schwer ist, eine allgemeingültige Aussage zu treffen – zumal es auch noch viele unterschiedliche Formen und Arten der Liebe gibt.

Ich möchte das Thema daher gerne von mehreren Seiten beleuchten und deshalb am Anfang des Lebens beginnen. Der Mensch an sich ist ein soziales Wesen. Er sehnt sich seit frühester Kindheit nach Liebe, Geborgenheit, Nähe, Berührung, danach angenommen und verstanden zu werden.

Was passiert, wenn zwei Menschen sich begegnen und sympathisch finden?

Zum einen spielt meist als erstes das Aussehen, die Ausstrahlung oder die Anziehungskraft eine Rolle. Des Weiteren muss die Chemie stimmen: „Kann ich mein Gegenüber gut riechen, wie ist ihre/ seine Stimme, die Mimik und die Gestik, wie wirkt das auf mich? “ Die Liebe zu einem Partner hat viele Gesichter. Es gibt z. B. die romantische, die leidenschaftliche, die erotische, die schwärmerische, die flüchtige, die besessene, die selbstaufopfernde, die bedingungslose, die unerwiderte, die platonische, die junge und die reife Liebe.

Doch was macht die Liebe unter Partnern aus? Wenn wir Menschen danach fragen, bekommen wir vielfältige Antworten, wie z. B.  Vertrauen, Geborgenheit, Nähe, Anziehung, Begehren, guter Sex, Harmonie, Ehrlichkeit, Gemeinsamkeiten, Begegnung auf Augenhöhe, partnerschaftlicher Umgang, sich verstanden fühlen, sich Fallenlassen können, gleiche Ziele haben, Achtung und Wertschätzung, ein Geben und Nehmen, sich intellektuell Verstehen, zusammen lachen können und vieles mehr.

In der Kennenlernphase kommt man sich dann näher, verliebt sich und schaut durch die rosarote Brille und fühlt sich richtig gut. Selbst wenn etwas am Partner ein wenig stört, wird es beiseitegeschoben. Im Laufe der Zeit, wenn die erste Verliebtheit gewichen ist und der Alltag Einzug hält, dann erst lernt man den Partner genauer kennen und reflektiert sich selbst auch mehr. Empfinden dann beide Partner die Beziehung ähnlich? Fühlen sich beide in der Partnerschaft wohl und aufgehoben? Verstehen sie das Gleiche unter Liebe? Ist der/die Andere einzigartig und kann man sich ein gemeinsames Leben vorstellen? Denn hier werden die Weichen gestellt: Wird aus dieser Verliebtheit Liebe oder plätschert die Beziehung so dahin und bleibt man nur aus Gewohnheit oder Bequemlichkeit zusammen oder sucht sich doch jemand anderen?

Wie und wo lernt man einen Partner kennen?

Manche Menschen kennen sich schon seit ihrer frühesten Kindheit und wissen sehr früh „wir gehören und bleiben zusammen“. Andere wiederum lernen sich in der Ausbildung, Studium, Beruf, beim Sport oder auch bei Freunden kennen und kommen sich durch gemeinsame Interessen näher.  Dann gibt es die Möglichkeit der plötzlichen Begegnung, wo man im Bruchteil von einer Sekunde einen Eindruck, ein bestimmtes Gefühl hat und den Wunsch verspürt, diese Person unbedingt kennenlernen zu wollen.

Jedoch sind viele Singles heute ganz anders unterwegs, nämlich auf Dating-Portalen. Es gibt inzwischen unzählige davon, die damit werben, dort den Traumpartner zu finden. Aber ist das auch so? Zuerst klickt man sich durch, nach dem Motto: „Gefällt, gefällt nicht: zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn, zu alt, zu jung etc.“ Dies mutet ein wenig wie im Katalog blättern an, als wollten wir einen Gegenstand erwerben. Gut, in der heutigen Zeit ist das aber eine sehr gängige Methode einen potentiellen Partner kennen zu lernen. Man gibt dort ein Profil ein und das Portal errechnet die Übereinstimmungen und welche Personen zusammenpassen könnten. Auf diesem Weg haben sich auch schon viele Paare kennen- und lieben gelernt. Aber viel mehr Menschen haben sich auf diese Art kennengelernt und eine Beziehung ist erst gar nicht entstanden oder hat nur eine kurze Zeit gehalten.

Man kann sicherlich sagen, dass die Partnersuche nach „Mr. oder Mrs. Right“ in der heutigen schnelllebigen Zeit eines der schwierigsten Unterfangen überhaupt ist. In unserer „Wegwerfgesellschaft“ fallen leider auch Beziehungen in dieses Raster. Sobald es schwierig wird oder ein Partner nicht mehr zufrieden ist, wird eher die Beziehung infrage gestellt oder sogar beendet, als dass man sich gemeinsam auseinandersetzt und über die Schwierigkeiten und Probleme spricht.

Überhaupt ist das kommunikative Unvermögen ursächlich für viele Missverständnisse und Unzufriedenheit in Beziehungen. Als Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Psychotherapie ist mir bei meinen Klienten immer wieder aufgefallen, dass bei Paaren oft eine Sprachlosigkeit herrscht. Viele Menschen trauen sich nicht, ihrem Partner das mitzuteilen, was sie mir in der therapeutischen Sitzung anvertrauen. Jedoch nur, wenn man intensiv miteinander redet, weiß man um die Wünsche und Sorgen, die Vorlieben und Abneigungen des Partners. Daher ist Reden ein zentrales Element einer jeden Beziehung.

Es ist traurig, dass heute so viele Ehen und Beziehungen zerbrechen und viele Menschen unfreiwillig Singles sind. Denn Liebe empfinden oder empfangen gehört zu den wichtigsten Grundbedürfnissen des Menschen. Wenn wir lieben, passiert in und mit unserem Körper einiges: Wir schütten Hormone und Neurotransmitter aus, die auch für Glücksgefühle zuständig sind. Das Oxytocin zum Beispiel, den meisten Menschen bekannt in Verbindung mit dem Geburtsprozess, nennt sich auch Kuschelhormon oder Bindungshormon. Es wird bei Berührungen und auch beim Orgasmus ausgeschüttet und vermittelt uns ein Wohlgefühl.

Woran erkennt man ob es sich um Liebe handelt?

Nach der ersten Verliebtheit, wenn die Hormone nicht mehr verrücktspielen und die rosarote Brille abgesetzt wird und der Alltag sich einschleicht, macht sich meist ein anderes Gefühl breit. Auch wenn man noch sehr jung ist und denkt, dass es sich um die große Liebe handelt, weiß man nicht in welche Richtung die eigene Entwicklung geht und ob das bei beiden harmoniert oder sich völlig andere Lebenskonzepte herausstellen.

Jedoch sollte man genau in sich hineinhören und hineinspüren und sich fragen: „Ist es Liebe was ich fühle?“ Denn die folgenden Gründe und Vorgehensweisen sind nicht mit Liebe zu verwechseln: Wenn ein Partner sagt: „Dieser Mensch macht mich glücklich, er erfüllt meine Erwartungen, befriedigt meine Bedürfnisse gibt mir genau das, was ich brauche und vermisst habe, er gleicht meinen Mangel aus, ich kann und will nicht alleine sein.“ Dann sollte derjenige sein Verhalten, seine Vorgehensweisen und Vorstellungen überdenken. Oder es schleicht sich in die Beziehung Eifersucht, Besitzdenken, Egoismus, Untreue, Unehrlichkeit oder Dominanz ein, hat dies auch nichts mit Liebe zu tun. Denn viele Beziehungen sind geprägt von Mangelbewusstsein, Erwartungen an die andere Person, Bedürfnisbefriedigung und dem Bild, dass eine andere Person für das eigene Glück zuständig ist. Aber auch von Egoismus, der alle oben erwähnten Eigenschaften beinhaltet. Liebe ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen, Liebe lässt frei, Liebe sieht den anderen im Fokus und Liebe ist Empathie und Fürsorge.

Wenn man in sich selbst ruht, gelassen und zufrieden ist, sich selbst lieben gelernt hat, alleine sein kann ohne unglücklich zu sein, ein gesundes Selbstbewusstsein aufgebaut hat, sein Glück nicht im Außen sucht und keinen Partner braucht, um eine Entbehrung oder Lücke zu füllen, dann hat man meines Erachtens gute Möglichkeiten, eine aufrichtige und bedingungslose Beziehung einzugehen, die gute Voraussetzungen für eine langfristige Liebe mitbringt in welcher der Partner im Fokus steht.

Aber es gibt natürlich auch andere Vorstellungen von der „einen Liebe“, da wie eingangs erwähnt die Menschen so unterschiedlich sind, dass sich kein eindeutiges Fazit daraus schließen lässt. Es ist ein individuelles Empfinden und jeder Mensch hat seine eigene Sichtweise. Aber meines Erachtens zeigt sie sich leider im Leben zu wenigen Menschen.  

Wenn ich allerdings mein älteres Paar aus dem Freundeskreis betrachte, und sehe wie sie sich anschauen und immer noch mit liebevollen Gesten berühren, dann ist mein Glaube an die Liebe des Lebens in dem Moment ganz präsent und ein Lächeln geht über mein Gesicht.

Ich persönlich jedenfalls glaube an sie ... die Liebe des Lebens.

Also… Augen auf bei der Partnerwahl.

Autor: Andrea Schmidt
Thema: Gibt es die Liebe des Lebens
Webseite: https://www.coaching-therapie-schmidt.de

 

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