Ratgeber Lifestyle

Oft habe ich Klienten in meiner Praxis, sowohl Paare, als auch Einzelpersonen die mich zum Thema Eifersucht aufsuchen. Dieses quälende, verunsichernde, zerstörerische, schmerzhafte Gefühl, das einen zur Verzweiflung treiben kann, kann jeden treffen.

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Unter Freunden kann Eifersucht entstehen, wenn einer plötzlich liiert ist und mit dem Partner mehr Zeit verbringt, unter Geschwistern, die um die Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern kämpfen. Auch eine Mutter kann es hart treffen, wenn ihr geliebter Sohn seine Freundin nach Hause bringt oder heiratet und womöglich weit weg von Zuhause zieht. Und natürlich ist es in der Liebesbeziehung oft präsent. Dazu muss ein Partner nicht fremdgegangen sein oder geflirtet haben. Die Anlässe zur Eifersucht sind so vielfältig, wie Menschen selbst.

Wie entsteht Eifersucht und warum?

Leider hat Eifersucht wenig mit Liebe zu tun, sondern viel mehr mit Angst. Angst eine wichtige Person zu verlieren. Ein weiterer Grund ist die eigene Unsicherheit. Unsicherheit in der Beziehung mit dem Partner oder mit dem Freund oder Freundin, ob er oder sie einen wirklich mag und nicht einen anderen bevorzugen wird. Ein weiterer Grund ist die eigene Einstellung zum Partner, die Überzeugung, dass ein anderer Mensch einem gehört und der Wunsch das Leben des anderen zu kontrollieren und sich einzumischen. Die Eifersucht kann auch aus anderen Ängsten und  Selbstwertproblematiken entstehen. Oft spüren Menschen ein Misstrauen nicht weil Ihr Partner Ihnen ein Grund dazu gibt, sondern weil sie eigene Ängste und Befürchtungen haben. Wenn das so ist, verletzten Sie den Partner mit Ihrem Misstrauen anstatt an eigenen Ängsten zu arbeiten.

Zum Glück müssen Sie nicht machtlos diesem unangenehmen Gefühl ausgeliefert bleiben.

Was können Sie gegen Eifersucht unternehmen?

Wenn Sie gemerkt haben, dass Sie eifersüchtig sind, versuchen Sie es gewaltfrei anzusprechen, erzählen Sie über Ihre unangenehmen Gefühlen, ohne Ihren Partner oder Partnerin dabei anzuschreien oder zu beschuldigen. Das ist sehr wichtig, denn wenn Sie bei sich bleiben und nur von Ihren Empfindungen und Ängsten sprechen, zeigen Sie sich verletzlich und greifen somit den Partner nicht mit Vorwürfen an. So ist die Gegenseite eher bereit entgegen zu kommen und Rücksicht zu nehmen oder etwas zu verändern und sich ihrerseits zu öffnen. Meistens, wenn wir Vorwürfe hören, fühlen wir uns angegriffen und versuchen uns zu verteidigen. So entsteht Streit. Bevor Sie also eine Szene machen, sagen Sie zum Beispiel „Ich fühle mich unwohl, wenn…“, oder „Ich denke, das tut unserer Beziehung nicht gut, wenn…“, oder „Ich habe Angst, dass du mich nicht mehr magst und ich wünsche mir von dir, dass…“ etc.

Was können Sie präventiv machen?

Erzählen Sie Ihrem neuen Freund oder Freundin nicht zu viel von Ihren früheren Beziehungen oder von der Anzahl der früheren Sexualpartner. Lassen Sie die intimen Details aus. Am Anfang der Beziehung mag es einem wie ein Zeichnen des Vertrauens vorkommen, alles über sich zu erzählen, nach dem Motto „keine Geheimnisse zwischen uns“, aber früher oder später kann das zum Verhängnis werden.

Provozieren Sie nie Ihren Partner oder Partnerin mit den „Eifersuchtsspielchen“, um zu „prüfen“, ob er oder sie Sie noch attraktiv findet. Sie erreichen das Gegenteil von dem, was Sie sich wünschen. Den Partner extra eifersüchtig machen führt meistens dazu, dass er sich entweder ärgert, abgelehnt fühlt und verschließt oder sich provoziert fühlt das gleiche zu machen. Das führt auch zu Streit.

Lassen Sie die Finger weg von den Taschen und Handys Ihres Partners. Mögliche Indizien kann man immer finden, das dient nur der Selbstverletzung. Wenn Sie ein Verdacht schöpfen, sprechen Sie es offen an (wie oben beschrieben) und nur wenn Sie sich stark genug fühlen. Niemandem wird es gefallen, wenn seine privaten Sachen durchsucht werden. Das wird fast immer als Gegenargument benutzt und man landet in der Sackgasse. Ihr Partner ist nicht ihr Eigentum. Den Anderen auf Dauer einzuschränken kann Spannung und Unzufriedenheit in die Beziehung bringen. Mit Ihrer Angst, Verboten und Einschränkungen erreichen Sie oft genau das Gegenteil. Das alles dient der Liebe, der Beziehung in keinster Weise, obwohl viele in dem Moment denken, sie können ihre Beziehung so beschützen.  Wenn man es mit dem Ausspionieren übertreibt und den Partner damit in die Enge zwingt, läuft man Gefahr, dass er oder sie tatsächlich irgendwann fremdgeht, um Autonomie zu beweisen. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass es einem oft genau das passiert, wovor man Angst hat. Misstrauen und Paranoia machen also Ihre Beziehung fragil und unbeständig.

Zügeln Sie Ihre Phantasie.

Wenn sich beispielweise im Leben Ihres Partners seine Vergangenheit in Form eines Ex-partners zurückmeldet, muss es nicht unbedingt ein Grund zur Sorge sein. Ihr Partner ist jetzt mit Ihnen zusammen und dafür gibt es gute Gründe.  

Wenn Ihr Mann spät nach Hause kommt oder Ihre Freundin nicht an das Handy geht, schießen Ihnen sofort Horrorszenarien von der möglichen Konkurrenz in den Kopf. Sagen Sie sich „Stop“ und hören Sie auf sich hineinzusteigern. In so einem emotionalen Zustand wird Ihnen sowieso nichts Vernünftiges einfallen. Beruhigen Sie zuerst Ihren Geist in dem Sie Ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenken oder gehen Sie kalt duschen. Sie brauchen einen nüchternen Verstand, um die Situation zu analysieren. Handeln Sie in solchen Fällen nach der Faustregel: „Der erste Gedanke ist der falsche Gedanke so lange er nicht wiederlegt ist.“

Das nächste Mal, wenn Ihre Eifersucht Sie blind vor Angst und Wut macht und dazu führt, dass Sie am liebsten schreien oder gar Sachen packen wollen, nehmen Sie einen tiefen Atemzug und machen Sie das Gegenteil. Wenn Ihre Frau sich zum Beispiel ganz nett mit einem Mann auf einer Party unterhält, kommen Sie dazu und lernen Sie ihn auch kennen, anstatt Ihre Fäuste zu ballen. Vielleicht ist er nur ein früherer Kollege mit dem Ihre Frau sich nur aus Höflichkeit unterhält. Fragen Sie sich: „Wie kann das, was ich jetzt vorhabe unserer Liebe weiterhelfen? Wie kann das die Beziehung verbessern?“ Wenn Ihre Antwort „gar nicht“ lautet, lassen Sie es lieber sein.

Nutzen Sie stattdessen die Zeit und Energie, um Ihr Selbstwertgefühl zu steigern.

Kümmern sie sich um sich. Wenn Angst und Unsicherheit sie plagen, nutzen Sie den Anlass, um für sich etwas zu tun. Vielleicht wollten Sie schon lange mit Ihren Freunden eine Fahrradtour machen oder ein Wellness-Wochenende, oder Ihre Eltern besuchen, oder etwas selbst basteln. Wichtig ist, dass Sie merken, dass Sie gemocht werden, dass sie etwas gut können, dass sie Ihre Kontakte zu den Menschen, die Sie mögen pflegen. Das gibt Ihnen Kraft und macht die Angst, verlassen zu werden kleiner. Ebenso wichtig ist es, dass Sie Ihr Leben leben und merken, dass es etwas außerhalb der Beziehung existiert und sogar sehr schön sein kann.

Hören Sie auf zu vergleichen.

Jeder Mensch ist einzigartig. Jede Beziehung auch. Klar, gibt es keine Versicherung gegen Fremdgehen des Partners und es wird immer Menschen geben, die reicher oder schöner sind, aber ein anderer Mensch ist kein Gegenstand, kein Schmuckstück, den man einfach so gegen einen neuen austauschen kann. All das, was Sie zusammen erlebt haben ist nicht auszutauschen. Das verbindet euch für immer. Das ist euer „Kapital“.

Kümmern Sie sich um Ihre Beziehung

Schaffen Sie sich Ihre Wohlfühl-Rituale. Dabei geht es um Sie als Paar, um die gemeinsame Zeit, bei der Sie sich nahe kommen, sich austauschen. Es muss nicht gleich aufwendig oder teuer sein. Das kann eine Massage einmal die Woche sein oder ein Sonntagsspaziergang oder ein gemeinsames Kochen oder abendliches Teetrinken. Wichtig ist, dass Sie beide dabei Spaß haben und die Beziehung pflegen. Erfahren sie dabei, was Ihren Partner aktuell beschäftigt, was er oder sie sich wünscht. Zeigen Sie aufrichtiges Interesse. Vertrauen Sie Ihrem Partner. Machen Sie sich attraktiver für einander, entwickeln Sie Ihre Beziehung gemeinsam weiter. Das beseitigt das Gefühl der Eifersucht und macht die Beziehung stabiler.

Wenn Ihr Partner oder Partnerin eifersüchtig ist.

Nehmen Sie Ihr Gegenüber ernst, in dem Sie erstmal seinen/ihren Sorgen zuhören und nicht bewerten. Einfach nur zuhören. Es ist schwieriger, als man denkt. Dann können Sie ihn/sie fragen, was Sie tun können, um ihm/ihr Ihre Zuneigung, Liebe und Interesse zu zeigen. Wenn die Angelegenheit zu emotional oder zu verfahren ist, schämen Sie sich nicht eine Paarberatung in Anspruch zu nehmen. Ein guter Paarberater sollte immer neutral und unparteiisch sein und Ihnen den geschützten Raum für Sie geben, um sich auszusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Autor: Marina Mörchel
Thema: Eifersucht
Webseite: https://www.praxis-marina-moerchel.de



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