Stell' Dir vor …

… es ist ein ganz normaler Morgen im August. Die Menschen sind unterwegs. Sie fahren allein zur Arbeit oder sind schon zu zweit beruflich unterwegs. Vielleicht freut sich die Familie auf ihren Urlaub oder das ältere Paar ist auf dem Weg zu Freunden, Verwandten oder Bekannten.

stau unfall

Die Sonne scheint, ein paar Wolken ziehen ihre Bahn. Der Verkehr auf der Autobahn fließt, obwohl es recht voll ist. Lkw, Busse, Wohnmobile, Pkw und Motorräder teilen sich die Spuren. Manche kommen langsam voran. Einige sind schneller und legen ihre Strecke zügig zurück. Andere fliegen praktisch vorbei oder wechseln ständig die Spur, um schneller als andere zu sein. Menschen sind gut gelaunt; sind traurig; sind teilnahmslos; sind hektisch; sind aggressiv. Der Zeitdruck für den nächsten Termin kostet Nerven. Die lange Fahrt seit gestern macht müde – trotz Unterbrechung – und die Sehnsucht nach Ruhe kündigt sich an.

Stell' Dir vor …

… ein ganz normaler Morgen – irgendwo auf einer deutschen Autobahn. Plötzlich wird die Routine gestört. Es wird abgebremst. Alle werden langsamer, Warnblinkanlagen werden betätigt. Ein Stau – bitte nicht denken viele. Hoffentlich ist nichts passiert, überlegen andere. Was ist denn nun schon wieder, ärgern sich einige. Innerhalb von Sekunden kommt der Verkehrsfluss zum Stillstand.

Das ist kein gutes Zeichen, wissen ein paar Wenige aus Erfahrung. Sie fangen vorsichtig an, sich weiter links oder rechts einzuordnen. Immer mehr folgen ihrem Beispiel und eine zusätzliche Spur entsteht. Ein paar Unachtsame werden durch Hupen und Lichtsignale ebenfalls aufgefordert, sich einzureihen. Nur ein paar Augenblicke und es reicht aus, einen Lkw durchfahren zu lassen.

Teilweise verlassen die Menschen ihre Fahrzeuge. Schnell ist klar – ein Unfall! Das Martinshorn ist schon zu hören. Im Rück- oder Seitenspiegel taucht das erste Polizeifahrzeug auf. Es folgt ein Rettungswagen. Schließlich kommen alle rettenden Helfer der Feuerwehr, des Ärzteteams und Sanitäter schnellstmöglich zur Unfallstelle. Dort bietet sich eine unübersichtliche Situation. Ein Wohnmobil, ein Pkw mit Anhänger und ein Motorrad haben sich ineinander verstrickt. Der Kradfahrer liegt etwas entfernt und rührt sich nicht. Der Anhänger hat sich gedreht und den Pkw mit in das Wohnmobil geschoben. Es sitzen noch Personen im Pkw. Benzin läuft aus. Es besteht akuter Handlungsbedarf.

Ein Lkw-Fahrer fuhr direkt hinter ihnen. Sein Kollege und er hielten genügend Abstand und konnten rechtzeitig bremsen. Der Beifahrer setzte schon im Haltevorgang einen Notruf ab. Der Lkw-Fahrer versucht mit zwei weiteren Männern, die drei Menschen aus dem Auto herauszuholen. Bei der Beifahrerin gelingt es ihnen. Dem Fahrer und der Person auf den Rücksitzen können sie nicht helfen. Sie sind bei Bewusstsein und wohl schwerer verletzt. Um den Motorradfahrer kümmern sich bereits andere. Das Paar aus dem Wohnmobil steht unter schwerem Schock.

Durch das Rettungsteam geht nun alles sehr schnell. Der erste Notarzt wird sofort auf den Motorradfahrer aufmerksam. Die ehrenamtliche Besatzung der Feuerwehr schafft es zügig mit technischer Unterstützung an die eingeschlossenen Pkw-Insassen zu gelangen. Es ist keine Minute zu früh, weil der Fahrer zwischenzeitlich das Bewusstsein verloren hat. Die Retter sind eingespielt und wissen, was zu tun ist. Schnell wird ein Hubschrauber für den Pkw-Fahrer angefordert. Rettungswagen transportieren die anderen Verletzten auf dem schnellsten Weg in das nächste Krankenhaus. Die Notärzte begleiten die Unfallopfer.

Mittlerweile hat sich ein langer Stau hinter der Unfallstelle gebildet. Die Leute bleiben alle ruhig und warten ab. Sie sind gesund. Sie informieren telefonisch ihre Verabredungen, dass sich ihre Ankunft verzögert. Sie können ihren Weg – wenn auch verspätet – fortsetzen. Sie werden ihr heutiges Ziel unversehrt erreichen. Der Verkehr aus der entgegenkommenden Richtung läuft zähfließend. Das etwas Schlimmes passiert sein muss, wird sofort erkannt. Gleichzeitig wird auf Höhe der Unfallstelle weiter gefahren. Niemand bremst ab oder hält vielleicht sogar an. Es ist ein stilles Übereinkommen, kein Risiko einzugehen. Niemand will in einen weiteren Unfall verwickelt werden. Das Mitgefühl liegt bei den Betroffenen, obwohl keiner das Geschehen beurteilen kann. Das spielt keine Rolle. Die Menschen hängen ihren Gedanken nach

„Sie sind gesund. Sie können ihren Weg fortsetzen. Sie werden ihr heutiges Ziel erreichen.“

Das Bergungsteam konnte sich ebenfalls den Weg durch die gebildete Gasse bahnen. Es beginnt mit den Aufräumarbeiten. Es dauert natürlich eine Weile bis die erste Spur von der Polizei wieder freigegeben werden kann. Der Stau löst sich sehr langsam, aber stetig auf. Die Staugeschädigten bewegen sich vorsichtig an der Unfallstelle vorbei, ohne ihr Tempo zu verringern.

Stell' Dir vor …

… nachmittags wird eine Meldung über die Medien verbreitet, dass sich ein schwerer Unfall auf einer

deutschen Autobahn ereignet hat. Es gibt drei geschädigte Personen, davon zwei Schwerverletzte. Ein Paar steht unter schwerem Schock. Es muss ebenfalls weiter medizinisch betreut werden.

Nach Auskunft der Autobahnpolizei und dem Leiter der Feuerwehr haben alle Beteiligten großes Glück. Vor allem wird das vorbildliche Verhalten aller – nicht unmittelbar betroffenen – Verkehrsteilnehmer hervorgehoben. Durch die besonnene zügige Reaktion der Ersthelfer und die prompte Gassenbildung konnten alle Menschen gerettet werden. Der Pkw-Fahrer hätte ohne die schnelle professionelle Versorgung nicht überlebt.

Weiterhin wird erwähnt, dass der Verkehr aus der Gegenrichtung ohne große Probleme lief. Störungen wurden nicht verzeichnet. Sichtsperren mussten nicht errichtet werden, weil das Unfallgeschehen respektvoll „übersehen“ wurde.

Stell' Dir vor …

… ein öffentlicher Brief wird von den größten Sendern im Land verlesen. Er stammt von den Opfern jenes Unfalls, der an einem ganz normalen Morgen im August auf einer deutschen Autobahn geschah. „Danke, dass unser Leben gerettet werden konnte, weil voller Rücksicht und Besonnenheit gehandelt wurde. Ohne die Mithilfe aller, die an diesem Morgen direkt oder indirekt an dem Unfall beteiligt waren, wären wir heute nicht mehr vollzählig. Danke, dass wir weiter leben können. Danke, dass niemand unseretwegen leiden muss. DANKE.“

Stell' Dir vor ... DU BIST JENER PKW-FAHRER …

Autor: Susanne Faber
Thema: Stell' Dir vor ...

Webseite: http://www.erkennen-handeln-leben.de

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