Ratgeber Lifestyle

Kennen Sie die auch - diese Menschen, die so anders sind, so „komisch, seltsam“ und „irgendwie merkwürdig“?

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Oft heißt es, er oder sie habe eine schwere Kindheit durchlebt und damit sei das zu erklären. Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass sich genaueres Hinsehen und Erforschen lohnt und lade Sie deshalb ein, sich mit den Themen Bindung und Beziehung etwas näher zu beschäftigen.

Was ist wichtiger?

Es kann ganz klar gesagt werden: Beides ist für uns Menschen existenziell. Wir sind soziale Wesen und ohne dem sind wir nicht überlebensfähig. Forschungsexperimente, teils sehr grausame (zum Beispiel das von Kaiser Friedrich II. aus dem 13. Jahrhundert), in der Vergangenheit belegen dies.  

Was ist Bindung?

Unter Bindung wird eine Beziehung zu einem anderen Menschen verstanden, eine konstante und emotional bedeutende Beziehung.

John BOWLBY, ein britischer Kinderarzt, Psychiater und Psychoanalytiker (1907-1990), hat sich mit dieser wichtigen Thematik auseinandergesetzt. Durch die intensive Beschäftigung mit Kindern kam er zu der Erkenntnis, dass zunächst einmal die Fähigkeit zur Bindung angeboren ist. Das Bindungsverhalten dagegen entwickelt sich in der frühen Kindheit, genauer gesagt, im Verlauf des 1. Lebensjahres. Der Säugling passt sich anfangs an die Bezugsperson(en) an und orientiert sich dann im Weiteren an deren Verhalten. So entwickelt sich ein Bindungsverhalten oder auch der Bindungstyp.  

Der Bindungstheorie von BOWLBY können auch die von ihm herausgearbeiteten vier Arten von Bindungsverhalten entnommen werden:

  • sichere Bindung
  • unsicher- vermeidende Bindung
  • unsicher- ambivalente Bindung
  • desorientierte Bindung

Statistische Erhebungen (BERK, 2005) besagen, dass 60% bis 70% eine sichere Bindung, 30% bis 40% eine unsichere, 10% bis 15% eine unsicher- ambivalente und 5% bis 10% eine desorientierte Bindung haben.

Die Erkenntnisse aus BOWLBY´s Theorie der 1940er Jahre wurden seitdem genutzt und erweitert. So wurde durch langjährige Forschungen ein Zusammenhang zwischen Bindungsverhalten und psychischer Stabilität beobachtet. Das bedeutet, dass beispielsweise unsicher gebundene Menschen ein signifikant erhöhtes Risiko haben, emotionale Störungen zu entwickeln (Abhängigkeiten, Borderline usw.)

Bonding

Eine besondere Form der Bindung ist das Bonding.

Hierbei stehen das Neugeborene und dessen Eltern im Mittelpunkt, denn Bonding bezeichnet das emotionale Band, das idealerweise in den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt geknüpft wird. Ganz präzise lässt sich der Zeitraum nicht eingrenzen, denn jede Geburtssituation, jede Familie ist einzigartig.

Wünschenswert – wenn auch zugegeben nicht realistisch – ist der Beginn des Bondingprozesses bereits während der Schwangerschaft. Ist der Säugling dann geboren und liegt beschützt und gewärmt von der Mutter auf ihrer Haut, kann der Prozess weiter gehen. Wenn es gut läuft, „verlieben“ sich Mutter und Kind ineinander, was für beide sehr wichtig ist: der Säugling ist auf Hilfe angewiesen und die Mutter braucht Kraft und Antrieb, die Bedürfnisse ihres Kindes zu befriedigen.

Und was ist mit dem Vater? Auch er ist bei jedem Schritt in diesem Prozess gefragt, kann sich bereits in der Schwangerschaft einbringen und erst recht, wenn das Baby dann da ist.

Ein gelungenes Bonding ist ein hilfreicher und wichtiger Baustein für das Leben, für spätere Beziehungen und die Sicht auf andere Menschen und die Welt. Trotzdem steht ein Kaiserschnitt oder eine ärztliche Versorgungsnotwendigkeit dem Bonding nicht im Wege. Keine Mutter und kein Vater sollten sich da unter Druck setzen (lassen). Es beginnt, wenn es beginnt.

Stichwort Kindheit

Eine der wesentlichsten Aufgaben von Eltern ist das Geben von Sicherheit, das heißt gleichzeitig auch, von Bindungssicherheit.

Ein simples Modell: Der gesunde Säugling sucht die Nähe. Und der gesunde Erwachsene erfüllt das Bedürfnis.

Das ist uns Menschen angeboren. Allerdings gibt es Faktoren, die eine Bindung stören können. Sie sind sozialer, biologischer und psychischer Art.

Bindungsstörungen

Wie bereits am Anfang erwähnt, wird das Bindungsverhalten in der frühen Kindheit entwickelt. Hilfreich für ein gutes, sicheres Bindungsverhalten ist es, wenn möglichst bald eine Bezugsperson (und das ist nicht zwingend die Mutter) bereitsteht und ein freundliches, emotional stabiles Umfeld für das Kind geschaffen wird.

Wichtig Bindungsstörungen bleiben nicht ohne Folgen!

Aus ihnen entwickeln sich meist im weiteren Leben Persönlichkeitsstörungen und andere Probleme.

Die in der frühen Kindheit entwickelten Beziehungsstörungen reichen bis ins Erwachsenenleben hinein. Tröstend sei erwähnt, dass eine konstante, positive Beziehungserfahrung eine Bindungsunsicherheit positiv beeinflussen, etwas minimieren kann. Eine „Heilung“ jedoch ist nicht möglich.

Was verstehen wir unter Beziehung?

Wenn hier die Rede von Bindung und Beziehung ist, meint es die Beziehung zwischen Menschen, in Abgrenzung zu Beziehungen in der Wirtschaft, Geschäftsbeziehungen usw.

Beziehung heißt, dass Menschen mit dem, wie sie handeln, was sie fühlen, wie sie denken, aufeinander bezogen sind. Bei einer Liebesbeziehung kommt dann auch noch die körperliche, erotische Komponente dazu.

Beziehungsmuster

So, wie es verschiedene Bindungstypen gibt, gibt es auch unterschiedliche Beziehungsmuster. Diese werden in der Kindheit erlernt, zum Beispiel durch das Vorbild der Eltern und das Erleben von Beziehungen anderer Menschen, mit denen das Kind Kontakt hat. Die Bezugspersonen oder die Menschen, die viel, oft und intensiven Umgang mit dem Kind haben, prägen demnach stark das Beziehungsverhalten.

Es ist ein hohes Maß an Selbstreflexion nötig und Feedback der Umwelt ist hilfreich, um seine eigenen Muster zu erkennen und zu überprüfen. So kann auch bei Partnerschaftsproblemen der eigene Anteil besser erkannt werden.

Manchmal braucht es auch eine therapeutische Maßnahme, wofür sich niemand zu schämen braucht.

Gibt es die Beziehungsunfähigkeit?

Diese Frage begegnet mir in meiner Arbeit sehr häufig und meist wird sie von den Frauen gestellt. Oft gehen ihr gescheiterte Beziehungen und Partnerschaften voran und lassen diesen Eindruck bei den betroffenen Menschen entstehen.

Meine Antwort darauf ist: Nein. Es gibt keine Beziehungsunfähigkeit, sondern es ist meist ein problematisches Bindungsverhalten, was eine Rolle spielt. Man muss bedenken, dass bei einer Paarbeziehung zwei Menschen aufeinander treffen, die oftmals verschiedene Bindungsverhalten entwickelt haben. In einem solchen Fall ist es im Übrigen sehr hilfreich, wenn wenigstens einer von beiden über einen sicheren Bindungsstil verfügt, um bei Konflikten und ähnlichem zu einer Lösung zu kommen.

In zwischenmenschlichen Beziehungen kommen auch immer die bisherigen Erfahrungen, auch die der Kindheit, zum Tragen. Dabei werden unbewältigte Probleme von früher auf das Hier und Jetzt, die aktuelle Beziehung, projiziert.  

Bei uns Menschen ist das Streben nach Autonomie und Freiheit genauso verankert wie die Sehnsucht und das Bedürfnis nach Bindung und Liebe. Zwischen diesen beiden Polen bewegen wir uns – und das ist nicht immer leicht.

Der Unterschied zwischen Bindung und Beziehung

Es kann lange darüber diskutiert werden, ob es das eine ohne das andere gibt.

Zusammenfassend lässt sich nach den vorhergehenden Ausführungen sagen, dass es einen Zusammenhang sowohl zwischen Bindung und Beziehung als auch zwischen  Bindungsverhalten und Beziehungsmuster gibt. Auch, dass beides tief im Menschen verankert ist, wird nicht bestritten. Die Sehnsucht nach Liebe, Aufmerksamkeit, Sicherheit, Nähe ist angeboren.

Charakteristisch für die Bindung ist, dass sie, einmal bestehend, nicht unterbrochen wird, auch wenn man sich aus den Augen verliert. Eine Beziehung dagegen kann pausieren und dann entweder neu aufgebaut oder abgebrochen werden (aktiv) oder „im Sande verlaufen“, was einer Beendigung gleichkommt.

Denken wir nur an die Fälle, wo es keinen Kontakt mehr zwischen Kind und Eltern, Ehepartnern, Geschwister gibt oder aus biologischen Gründen nicht geben kann – man bleibt gebunden, ob in Liebe oder Hass.

Bindung geht meist mit starken Emotionen einher; in der Beziehung kann es zwar auch so sein, muss es aber nicht.

Die Entwicklung eines Menschen und seines Verhaltens ist eines der spannendsten Prozesse. Bindung und Beziehung gehören zu den Fundamenten, die sehr früh, schon vor der Geburt, gelegt werden und für das restliche Leben prägend sind.

Das allein ist Grund genug, sich darüber Gedanken zu machen.

Autor: Bea Goldmann- Bussewitz/ Systemische Therapeutin
Thema: Bindung und Beziehung
Webseite: https://www.nichtweiter.de



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