No news is good news

Wer in der Schule Englisch gelernt hat, kennt möglicherweise den obigen Satz. Wörtlich übersetzt bedeutet er: Keine Neuigkeiten sind gute Neuigkeiten.

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So lange es keine Neuigkeiten gibt und alles beim Alten bleibt, ist die Welt in Ordnung. Vorsicht scheint dann angebracht, wenn es Neuigkeiten – also Veränderungen - gibt.

In der heutigen Zeit gibt es viele Veränderungen, die uns tagtäglich betreffen. Und die Veränderungen laufen immer schneller, egal ob man in die Wirtschaft schaut oder ins Privatleben: Finanz- und Wirtschaftskrisen, Modellreihen von (technischen) Produkten, die Kommunikation untereinander, immer mehr Neuigkeiten auf immer mehr Kanälen in immer kürzerer Zeit.

Ebenso verändert sich die Gesellschaft ständig. Das tut sie zwar schon seit Menschengedenken (Wie sonst wären wir von Wald und Acker an den Schreibtisch gekommen?), doch das Tempo der Veränderung steigt stetig. Technologischer Fortschritt, Social Media, Internet und Unterhaltungsbranche haben immer kürzere Lebensdauern. 

In Deutschland sieht es gegenwärtig so aus: Die Menschen werden immer älter, weniger Kinder werden geboren, Abwanderung vom Land in die Städte oder von Ost nach West, dadurch steigende Anonymität und der Austausch von noch mehr Neuigkeiten von (virtuellen) Bekannten, als persönlich von der Familie, Nachbarn, Freunden. Die Zeit für Neuigkeiten aus dem Netzwerk verrinnt immer schneller und fordert eine höhere Aufmerksamkeit und Konzentration vom Nutzer. Sie verbraucht viel Energie. 

All die Neuigkeiten und Veränderungen können Angst machen. Egal, wo man hinschaut, nichts ist mehr so, wie es noch vor einiger Zeit gewesen ist. Ja selbst die Natur ist im Begriff sich in hohem Tempo zu verändern, Stichwort Klimawandel.

Im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte ist das Tempo dieser Veränderungen kontinuierlich gestiegen. Wenn wir etwas zurückdenken und dies mit der heutigen Situation vergleichen, ist zwischenzeitlich kein Stein mehr auf dem anderen geblieben.

Auch wir Menschen bewegen uns inzwischen mit Hochgeschwindigkeit, sei es im Auto, Motorrad, Hochgeschwindigkeitszug. Wir gelangen ans andere Ende der Welt in wenigen Stunden, entweder per Flugzeug oder eben per WLAN. 

Irgendwer hat einmal gesagt: „Doch die Seele geht zu Fuß.“ Ich glaube, das stimmt.

Je schneller der Wandel voranschreitet, desto mehr Menschen wünschen sich Sicherheit und Stabilität. Dies greift die Politik in diesen Zeiten gern auf. Am besten soll alles so bleiben wie es ist. Oder noch besser: Es soll wieder so werden wie früher, denn früher war alles besser, da hatten wir diese Probleme nicht.

Allerdings: Nichts ist so beständig wie der Wandel – das Leben ist ein Fluss, kein stiller See im Wasserglas. Früher hatten wir dafür ganz andere Probleme. Uns diesen Problemen zu stellen, die Veränderung aktiv anzupacken – das hat uns dahin gebracht, wo wir heute sind!

Viel interessanter erscheinen daher die Fragen:

  • "Warum haben wir überhaupt so große Angst vor Veränderung?"
  • "Warum gelingt es manchen Menschen besser damit umzugehen, als anderen?"

Oft lässt sich beobachten, dass - insbesondere bei den Menschen, denen in der Vergangenheit das Schicksal bereits den einen oder anderen Nackenschlag ausgeteilt hat,- die Angst vor Veränderung besonders stark ausgeprägt scheint.

Meist hat in diesen Fällen die Person im Laufe ihres Lebens gelernt, dass Neuigkeiten mit Vorsicht zu genießen sind, weil jede Veränderung auch Nachteile mit sich bringen kann. 

Je heftiger in der Vergangenheit das Schicksal mit bösen Überraschungen eine Lektion erteilt hat, desto schwieriger ist es für den Betreffenden, künftig unbefangen oder freudig mit anstehenden Veränderungen umzugehen. Stattdessen entstehen Sorgen, Befürchtungen, Ängste, Widerstand, Ablehnung, Zorn,....

Dabei muss es Einem nicht einmal bewusst sein, dass man diese Angst erlernt hat, denn Lernen kann sowohl auf bewusster, als auch auf unbewusster Ebene statt‘inden. Tatsächlich geht das unbewusste Lernen mit einer unglaublichen Rasanz vonstatten, so dass manchmal - mitunter in Sekundenbruchteilen -  eine tiefgehende Betrachtungsweise verinnerlicht wird, von der man sich selbst später nur noch bedingt  auf Verstandesebene emanzipieren kann. 

Dadurch entsteht im Laufe der Zeit eine Art Wahrnehmungs-Brille, durch die man die Umwelt dementsprechend ge‘iltert sieht. Und wenn beim früheren Lernen unbewusst ein Angst-Filter in dieser Wahrnehmungs-Brille eingearbeitet wurde, so wirkt dann künftig alles, was man sieht, irgendwie bedrohlicher.

Was ist Angst?

statue gesicht angst

Angst ist eine der tiefsten und ursprünglichsten Emotionen, die wir Menschen fühlen. Dabei ist Angst an sich eine durchaus sinnvolle Angelegenheit. Erst durch Angst ist es uns gelungen, uns bis zum heutigen Punkt weiterzuentwickeln. Angst hat uns dabei geholfen, zu überleben, umsichtig zu sein, voraus zu denken, die Jahrtausende zu überstehen und uns an Veränderungen anzupassen. 

Hätten wir im Laufe unserer Entwicklung das Gefühl Angst nicht gehabt, wäre die Wahrscheinlichkeit extrem gestiegen, verletzt oder gar getötet zu werden. Angst ist ein Schutzmechanismus unserer Seele, unseres Unterbewusstseins. Angst ist ein Gefühl verbunden mit (teilweise irrationalen) Gedanken. 

Was kann man gegen Angst vor Veränderungen tun?

Neuigkeiten oder Veränderungen erzeugen in uns bewusste und unbewusste Erwartungen. Diese Erwartungen bewerten wir im Geiste. Wir ‘inden etwas gut / positiv / wichtig oder schlecht / negativ / unwichtig.

 Was geschieht nun mit unseren Erwartungen? Je nachdem, ob wir positive oder negative Erwartungen an etwas haben, erleben wir entweder Bestätigung, Überraschung  und Freude oder Enttäuschung und Unzufriedenheit. Manchmal auch alles zusammen.

Und diese inneren Erwartungen versuchen wir in der Realität  - meist unbewusst - zu bestätigen. Nach dem Motto „Ich hab’s ja gleich gesagt!“. Folglich handeln wir auch dem entsprechend: Wir erleben das, worauf sich unsere Gedanken richten.  Unser Fokus liegt also auf dem, was wir erwarten. Alles andere wird meist ausgeblendet oder ge‘iltert.

Jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens bestimmte Erfahrungen gemacht und durch diese Erfahrungen (bewusst oder unbewusst) gelernt. Und so kann es sein, das aufgrund früherer Erfahrungen unsere Vorsicht zunimmt. Dies kann sich steigern in Sorgen, Befürchtungen und Ängste.

Das Unterbewusstsein hat zwei Hauptfunktionen: Einerseits Freude und Glück zu emp‘inden, andererseits uns vor Schmerz und Gefahren zu schützen. Im Unterbewusstsein ‘indet bei jedem Vorgang ein Abgleich der aktuellen mit früheren Erfahrungen statt. Falls frühere Erfahrungen also z.B. (seelischen) Schmerz ausgelöst haben, wird die Schutzfunktion des Unterbewusstseins erhöht, um uns vor erneutem Schmerz zu schützen. Es schüttet Angst aus, d.h. noch mehr Sorgen und unsichere Gedanken, aber auch Emotionen kommen auf, wie Unsicherheit, Unzufriedenheit, Ablehnung, Wut,...

Wozu ist Angst da?

Angst ist ein wirksamer Mechanismus des Unterbewusstseins, mit dem es den Menschen schützen und sein Überleben sichern kann. Schüttet der Körper des Menschen Angst aus, führt dies in vielen Fällen dazu, dass der Mensch das Unbekannte, die Veränderung meidet und stattdessen im Sicheren, Vertrauten bleibt, dort wo keine Gefahr und kein Schmerz drohen.

Warum ist das so?

Vertrautes, Gewohntes gibt uns Sicherheit und Stabilität. Wir wollen daran festhalten, darauf bauen, uns darauf verlassen können, nicht mehr darüber nachdenken müssen.  Komplexe Abläufe werden durch Gewohnheiten leichter und einfacher, sie fordern weniger Energie von unserem Gehirn. Ein kleines Beispiel hierfür liefert ein tägliches Ritual, vielleicht das Zähneputzen. Während des Zähneputzens denken wir nicht mehr darüber nach, wie oft die Bürste jeden einzelnen Zahn jetzt bürstet, wie fest wir aufdrücken usw. Nehmen wir an vertrauten Abläufen eine Veränderung vor, müssen wir uns erst daran anpassen, bis es wieder genauso leicht von der Hand geht wie vorher: Putzen Sie sich doch einmal mit der anderen Hand die Zähne! ;-)

Oftmals werden Veränderungen umso negativer erlebt, je weniger Ein‘luss der Mensch selbst darauf hat. Hilfe ist folglich darin zu ‘inden, was der Betroffene selbst steuern kann. Er kann beispielsweise in Betracht ziehen: 

  • Was könnte die Veränderung Gutes für mich bringen?
  • Was kann ich hier lernen?
  • Was will mir das Schicksal/meine Seele sagen?
  • Welches bestmögliche Szenario kann ich mir vorstellen?

Das heißt, wer vor einer Veränderung steht, kann seine Gedanken und seine Emotionen entweder darauf ausrichten:   

Love it, change it or leave it.  (zu Deutsch: Liebe es, ändere es oder lass es sein.) Oder eben: Erdulde es, tue gar nichts und sei unzufrieden.

Erinnern wir uns einmal zurück, wie das gewesen ist, als wir noch Kind waren und unser Gehirn noch nicht voller Gedanken und Pläne. 

Als wir laufen lernten, ‘ielen wir anfangs ständig hin, ja wir konnten noch nicht einmal allein stehen. Doch wir gaben damals nach den ersten gescheiterten Versuchen nicht einfach auf. Im Gegenteil: Wir versuchten es wieder und wieder und wieder; Hunderte – wenn nicht sogar Tausende – Male. Und irgendwann machte es plötzlich Klick: Wir konnten allein stehen und dann auch die ersten Schritte machen. Das haben wir dann so oft wiederholt, bis wir nicht mehr darüber nachdenken mussten, weil der Ablauf im Unterbewusstsein gespeichert wurde. Heute sind wir mit den Gedanken beim Gehen meistens ganz woanders. Wir müssen nicht mehr (bewusst) darüber nachdenken, wie man welche Muskeln anspannt, um ein Bein nach vorn zu bewegen, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren.

Was war damals anders? Nun, zum einen hatten wir noch keine Erfahrungen mit dem Gehen und damit keine speziellen Erwartungen daran, wie es wohl sein müsste. Gleichzeitig unterstützte uns unser gesamtes Umfeld, die Familie feuerte uns an, wenn wir die ersten Gehversuche wagten. Alle – auch ich selbst – hatten vollstes Vertrauen, dass es schon irgendwie funktionieren wird. Nichts lenkte uns ab oder hielt uns zurück. Wir waren voller Neugier und wollten heraus‘inden, was als Nächstes passiert.

Und genau darin liegt das Geheimnis!

Kindliche – oder zumindest wertungsfreie – Neugier, die Bereitschaft, sich auf etwas Neues einzulassen und das Vertrauen drauf, dass schon irgendetwas Gutes dabei herauskommt.

Wie kommt man dahin, Neugier und Vertrauen aufzubauen, anstelle von Sorge und Angst? Dafür gibt es vielfältige Möglichkeiten, wie Meditation, Yoga, Psychotherapie, Coaching, oder Hypnose.

Unternehmen, die Veränderungen erfolgreich meistern wollen, gönnen sich dazu einen Coach, einen Spezialisten im Change Management. Das kann der Einzelne auch: Ggönnen Sie sich einen Spezialisten, der Sie in Ihrem Veränderungsprozess unterstützt!

Am Beispiel der Hypnose oder Hypnotherapie lässt es sich aus Erfahrung des Autors am besten erklären, wie das funktioniert:

In der Hypnotherapie wird die Kommunikation zum Unterbewusstsein aufgebaut; zu dem Teil unseres Geistes, in dem sich unsere Emotionen be‘inden. Lösen wir die Ursache(n) der Angst auf, können sich auch die Emotionen, die mit den früheren Erfahrungen verbunden sind, lösen und ihre Macht über uns verlieren. Dadurch werden auch die Gewohnheiten und automatischen Muster im Gehirn gelöst. 

Als nächstes erfolgt eine Etablierung neuer, besserer Denk- und Handlungsweisen und damit neuer Verdrahtungen im Gehirn. In der Hypnose erzeugen wir durch inneres Erleben, Bilder, Geräusche und Körperwahrnehmungen Emotionen, um die neuen Handlungsmöglichkeiten im Unterbewusstsein zu verankern.

Haben wir etwas neues erlernt oder erfahren, wird die Erfahrung dann ins Langzeitgedächtnis verschoben, also im Unterbewusstsein gespeichert, wenn sie wichtig ist. Wie unterscheidet unser Gehirn, ob etwas wichtig ist? Entweder wird etwas häu‘ig wiederholt (dann scheint es wichtig zu sein!) und/oder ist mit einer intensiven Emotion verbunden.

Wir bringen die Emotionen damit wieder ins Gleichgewicht und der Klient erlebt sich wieder als selbstbestimmt. Selbstsicherheit und Selbstvertrauen haben nun die nötige Kraft und den Freiraum, um sich zu entfalten. Mit Selbstsicherheit und Selbstvertrauen können sich Neugier und Vertrauen entwickeln, die uns helfen, die Veränderung aktiv anzugehen, statt sie nur passiv zu „erdulden“.

Autor: Markus Pillon
Thema: Angst vor Veränderung
Webseite: https://www.einfach-hypnose.com

Expertenprofil:

Beiträge Persönlichkeitsentwicklung

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