Ratgeber Lifestyle

Eigentlich ist das ganze Leben eine Veränderung. Beständigkeit ist in den meisten Fällen eine Illusion. Stellt man sich einmal bewusst die Frage, so stellt man schnell fest, dass unser Leben voller Veränderungen ist. Ein Blick in den Spiegel lässt uns zwar von Tag zu Tag kaum eine bis keine Veränderungen bemerken, unser Körper ersetzt jedoch täglich ca. 50.000.000.000 - 70.000.000.000 (50-70 Milliarden) abgestorbene Zellen in unserem Körper durch neue. Wir verändern uns das ganze Leben lang. Das ist Teil unseres Entwicklungs- und Alterungsprozesses.

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Probleme und Ängste die durch Veränderungen im Leben entstehen

Viele Menschen tun sich mit Veränderungen die im Leben auftreten schwer und das mit fortschreitendem Alter meist umso mehr. Alltägliches und Gewohnheiten verleihen unserem Leben scheinbar Sicherheit. Unser Sicherheitsbedürfnis ist eines der grundlegenden Bedürfnisse (Maslowsche Bedürfnispyramide). In der Rangfolge der Prioritäten folgt Sicherheit den physiologischen Grundbedürfnissen. Die Ursachen für unser Sicherheitsbedürfnis sind in der Wurzel wohl evolutionär bedingt und genetisch programmiert. Es sichert(e) uns das Überleben. Ist dieses Bedürfnis nicht erfüllt, fühlen wir Angst und Unwohlsein.

Angst vor Veränderung beschreibt der Psychoanalytiker Fritz Riemann in seinem Werk „Grundformen der Angst“ als Kennzeichen des zwanghaften Persönlichkeitstypus. Die vier Grundformen der Angst (vor Bindung bzw. Alleinsein, vor Veränderung bzw. Routine/Stillstand) betrachte ich als Anteile, die wir unterschiedlich deutlich ausgeprägt und situativ in uns tragen. Bei der Angst vor Veränderung geht es meiner Meinung nach um die Dinge im Leben, die wir vermeintlich kontrollieren und steuern können - z.B. Arbeit, Freizeit, Familie, Gesundheit. So gibt es Grundmuster, wie Menschen auf Angst reagieren: auf englisch sind es die drei F’s fight, flight or freeze, zu deutsch Kampf, Flucht oder Erstarren (Resignation). Diese grundlegenden Reaktionsmuster sind individuell und situativ bedingt. Neben unserer Persönlichkeit, den gesammelten Erfahrungen oder dem Angstlevel spielt die Bewertung, welche Auswirkungen die Veränderung für uns bedeutet, eine wichtige Rolle.

Was bedeutet Veränderung

Vereinfacht gesagt heisst Veränderung, von einem Zustand A (wie Ausgang) in einen Zustand Z (wie Ziel) zu gelangen. Ob dieser Zustand Z gewünscht bzw. erstrebt oder von außen herbeigeführt wird, spielt für die Betrachtung in meinen Augen keine Rolle. Bei der Frage, ob wir die Veränderung begrüßen und vielleicht bewusst daran mitwirken oder, ob wir sie ablehnen und dagegen kämpfen, ist unsere Bewertung der Veränderung entscheidend. Eine zweite Frage könnte unsere Entscheidungsfähigkeit / Freiheit zur Entscheidung sein. Eine Aussage der Gewaltfreien Kommunikation (GfK, nach Marshall B. Rosenberg) ist, dass die Freiwilligkeit einer Entscheidung regelmäßig eine Lösung in beiderseitigem Verständnis begünstigt.

Umgang mit Veränderung

Hilfreiche Ressourcen, um Veränderungen zu meistern, sind u.a. Selbstbewusstsein, Neugierde, Frustrationstoleranz, Anpassungsfähigkeit oder die Fähigkeit, positive Aspekte aus einem Z-Zustand zu erkennen. In meiner Arbeit nutze ich Ressourcen (Kraftquellen, Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Menschen) für verschiedene Dinge. Ob nun für die Überwindung von Ängsten, der Veränderung bzw. dem Ablegen unerwünschter Verhaltensweisen oder bei Selbstwert- und Selbstbewusstsein-Themen, Ressourcen verleihen unglaubliche Kräfte und lassen Klienten unbewusste Stärken erkennen. Manchmal geht es darum, Ressourcen aufzubauen, meistens ist es aber das Bewusstmachen und Aktivieren. Man sagt, etwa alle 7 Jahre durchlaufen wir in unserem Leben größere Veränderungen. Hier könnte der Eindruck entstehen, es gäbe automatisch Lernerfahrungen. Da die Veränderungen jedesmal andere sind, tritt dies jedoch eher nicht ein. Jedoch besitzen einige Menschen die Fähigkeit, besser mit Veränderungen oder Stress umzugehen als andere. Diese Anpassungsfähigkeit ist eine der wichtigsten Faktoren in der Entwicklung/Evolution (Herbert Spencer, Charles Darwin) und damit dem Überleben einer Spezies.

Frustrationstoleranz und die Fähigkeit, positive Aspekte in Neuem / der Veränderung zu erkennen

Jede Form der Veränderung erzeugt (bei vielen Menschen) zunächst einmal Widerstand. Da wir in unserem Kulturkreis von kleinauf darauf geprägt werden, „Fehler, Suboptimales und Falsches“ zu erkennen und zu eliminieren bzw. zu optimieren, liegt unser Fokus zunächst auf den (von uns bewerteten) negativen Seiten. Der Widerstand und der Fokus auf die nachteiligen Aspekte, insbesondere, wenn unsere Entscheidungsfreiheit nicht gegeben ist, erzeugen Frust und Stress. Dies wiederum erhöht den Widerstand. Stressresilienz und Frustrationstoleranz können diese Spirale unterbrechen. Die Fähigkeit, positive Aspekte in Neuem/der Veränderung zu erkennen, macht es uns möglich, den Fokus zu verändern. In einem anderen Blickwinkel kann Neues in Gänze oder teilweise auch als positiv und als eine Verbesserung erscheinen. Die Offenheit gegenüber Neuem sinkt mit dem Alter tendenziell, so dass manchmal Ältere „zu ihrem Glück gezwungen“ werden, dann aber voller Begeisterung über das Neue sein können.

Selbstbewusstsein und/oder Neugierde

Auch Ressourcen wie Selbstbewusstsein und Neugierde können Klienten helfen, leichter mit Veränderungen umzugehen und Chancen darin zu erkennen. Ein selbstbewusster Klient (w/m) stellt sich Herausforderungen, um sie zu lösen. Sie/er trägt die Überzeugung in sich, in der Lage zu sein, eine Lösung zu finden. Neugier ist eine Alternative, die zur Suche nach Lösungen bzw. dem Erkunden der Veränderung motiviert. Ich erlebe immer wieder voller Freude, dass Klienten gut erspüren können, welche Ressourcen ihnen helfen, ihr Problem zu lösen, insbesondere, wenn ich die für sie „richtigen“ Fragen stelle. Dieses Elizitieren ist sehr individuell und bedarf einigen Feingefühls und rhetorischer Geschicklichkeit. Mit anschließenden Übungen, die die gewünschten und erforderlichen Ressourcen verstärken oder transferieren, gelingen den Klienten dann Lösungen, die sie vorher nicht erkannt haben oder für möglich hielten.

Anpassungsfähigkeit

Wir leben in einer Welt voller Veränderungen, Innovationen, Trends und Wandel. Anpassungsfähigkeit ist daher ein wichtiger Aspekt im Fortbestehen - angefangen bei Individuen, über Gruppen/Gemeinschaften bis hin zur Menschheit als Ganzes. Ein gutes, wenn auch in meinen Augen bedauerliches, Beispiel für eine fehlende Anpassung oder Fehlentscheidung ist Nokia. Im Handyzeitalter einer der weltweiten Marktführer, die den Schritt in Richtung Smartphones nicht gegangen sind. Zehn Jahre, eine Übernahme und Neuausrichtung später versuchte Nokia, seine Marktposition wieder zu finden. Manchmal kann eine Entscheidung über Wohl und Wehe, schlimmstenfalls über Bestehen oder Vergehen, bestimmen. Das soll kein Plädoyer dafür sein, „auf jeden Zug“ aufzuspringen, der vielleicht gerade vorbeifährt. Es ist die Anregung, offen und sorgfältig zu prüfen, welche Vorteile eine Neuerung oder Veränderung bringt. Manche Veränderungen sind unausweichlich. Dann heisst es: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. (chinesische Weisheit)“.

In meiner Arbeit als Coach oder in der Psychotherapie geht es häufig darum, gemeinsam mit meinen Klient_inn_en die Gedanken zu sortieren und die „richtigen“ Fragen zu stellen, damit sie ihre Lösungen selbst finden können. Da ich mich schwerpunktmäßig mit den Ängsten/Phobien, Stress und Zwischen­menschlichem (Selbstwert, Kommunikation, Motivation) befasse, passen Veränderungsprozesse sehr gut dazu.

Strategien für Veränderungen

Gedankliche Offenheit

  • Was ist das Positive / Nützliche für mich daran?
    (Die gegenteilige Frage haben sich die meisten vermutlich ohenhin schon gestellt.)
  • Wie kann ich die Veränderung für mich nutzen?
    (Nutzen-/Gewinnsuche kann zu Bereitschaft, Motivation und Begeisterung führen)
  • Was gewinne und was verliere ich, wenn ich verändere bzw. es nicht tue?
    (direkte und konkrete Auswirkungen, Opportunitäten)
  • Wie sieht mein Leben in 5-10 Jahren mit bzw. ohne die Veränderung aus (best case vs. worst case)?
    (mittel- bis langfristige Betrachtung)
  • Wie wirkt sich meine Entscheidung auf andere aus?
    (soziale Verträglichkeit)

Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen

  • Welche Veränderungen habe ich bisher schon erfolgreich umgesetzt?
  • Welche positiven Erfahrungen habe ich dadurch gesammelt?
  • Welche meiner Stärken/Ressourcen werden mich bei der Erreichung unterstützen.
  • Mit welchen Aktionen bzw. in welchen Situationen kann ich mein Selbstbewusstsein stärken und kontinuierlich kleine und große Erfolgserlebnisse sammeln?

Freiheit und Selbstbestimmung

  • Wenn ich eine Entscheidung selbst aktiv und bewusst treffe, ist sie für mich besser (bewertet).
    (Das gilt sowohl für pro- als auch contra-Entscheidungen.)

 

Und dann einfach mal ausprobieren ...

(Das praktische Erleben ist regelmäßig mehr wert, als das Grübeln darüber, was sein könnte.
Ein meines Erachtens lesenswertes Buch ist „Die Mäuse-Strategie für Manager“)

„Der erste Schritt ist die Hälfte des Weges.“ (nach Aristoteles)

Den Mut zu finden, den ersten Schritt auf das Neue zuzugehen, bedeutet schon, sich damit konstruktiv auseinanderzusetzen. Die Angst davor kommt meist aus zwei Aspekten:

1) Ich weiss nicht, was kommt und was ich nicht weiss bzw. nicht kenne, macht mich unsicher.

2) Wenn etwas unsicher/unbekannt ist, sind wir oft so programmiert, etwas Negatives, Unangenehmes oder Schlechte(re)s zu vermuten. Dabei beruht unsere Evolution und all der Fortschritt, der unser heutiges Leben ausmacht ... auf Veränderung.

Also lasst uns durch Veränderungen weiter entwickeln und weiterentwickeln.

Autor: Steffen Zöhl
Thema: Veränderungen im Leben
Webseite: https://derzuhoerer-berlin.de

Quellen/Verweise:

https://derzuhoerer-berlin.de/herzgeschichten

Cover Zoehl sherzensgeschichten

https://science.lu/de/content/wie-viele-zellen-sterben-jeden-tag-deinem-k%C3%B6rper

Riemann, Fritz: Grundformen der Angst, 41. Auflage, Verlag Reinhardt 2013, ISBN-10: 3497024228

https://de.wikipedia.org/wiki/Survival_of_the_Fittest
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/sieben-jahre-regel-fast-wie-neugeboren-14956744.html

Johnson, Spencer: Die Mäuse-Strategie für Manager, Heinrich Hugendubel Verlag 2000, ISBN 3-7205-2122-2

 

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